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Bezugsrechte - Ermittlung des zutreffenden Spekulationsertrags

Bei einem Bezugsrecht handelt es sich um den gesetzlichen Anspruch des Aktionärs, bei einer durchgeführten Kapitalerhöhung entsprechend seinem Anteil am bisherigen Grundkapital junge Aktien erwerben zu dürfen. Zumeist werden die neuen Werte als Anreiz unter dem aktuellen Börsenkurs ausgegeben, sodass das anschließend an der Börse gehandelte Bezugsrecht einen inneren Wert besitzt. Die depotführende Bank informiert den Aktionär rechtzeitig über eine bevorstehende Kapitalerhöhung und bittet um seinen Auftrag. Sofern er keine Weisung erteilt oder ein von ihm erteiltes Verkaufslimit nicht ausgeführt werden konnte, werden die Rechte am letzten Handelstag von der Bank ohne jegliches Kurslimit an der Börse bestens veräußert. Werden die Bezugsrechte nicht verkauft, erhält der Anleger die jungen Aktien gegen Zahlung des geforderten Preises. 

 

Aus Anlagegesichtspunkten ist diese automatische Verkaufsausführung nicht ratsam. Denn viele Aktionäre erteilen ihrer Bank keinen Auftrag und somit werden am letzten Handelstag massenhaft Bezugsrechte angeboten. Dementsprechend ist der Kurs an diesem Tag niedrig. Daher sollte der Verkauf vorher erfolgen. Bei einem Zukauf von Bezugsrechten ist der letzte Handelstag hingegen besonders günstig zum Erwerb. 

 

Bezugsrechte gehören weder zu den sonstigen Bezügen aus Aktien noch zu den besonderen Entgelten oder Vorteilen nach § 20 Abs. 2 Nr. 1 EStG. Vielmehr ist der Gewinn aus der Veräußerung innerhalb der Spekulationsfrist, die mit dem Erwerb der Altaktie beginnt, nach § 23 EStG 

zu versteuern (BFH 22.5.03, IX R 9/00, BStBl II 03, 712). Dann gilt als Anschaffungspreis der Bezugsrechte der anteilige Kurswert der Altaktie vor der Kapitalerhöhung. In seinem Urteil vom 27.10.2005 (IX R 15/05) hat der BFH festgestellt, dass auch beim steuerpflichtigen Verkauf von Bezugsrechten das Halbeinkünfteverfahren anzuwenden ist (s.a. AStW 06, 104).  

 

Die Ausübung der Bezugsrechte führt zu einem Spekulationsgeschäft, wenn die Altaktie zu diesem Zeitpunkt weniger als ein Jahr im Depot liegt (BMF 20.12.2005, IV C 3 - S 2256 - 255/05). Maßgebender Verkaufspreis ist der Börsenkurs des Bezugsrechts am Tag der Ausübung. Dieser Wert erhöht nun die Anschaffungskosten der jungen Aktien. Gleichzeitig mindert sich der Kaufkurs der Altaktien um die errechneten Anschaffungskosten. Diese Berechnung gilt auch bei Bezugsrechten zu GmbH-Anteilen (BFH 21.9.2004, IX R 36/01, DB 05, 85). 

 

Werden im Rahmen des Verkaufs der Bezugsrechte auch die Altaktien veräußert, muss eine zweite Rechnung angestellt werden. Hier ist nun der um den Kurs der Rechte verminderte Anschaffungspreis maßgebend. Auf den sich ergebenden Gewinn oder Verlust ist dann ebenfalls das Halbeinkünfteverfahren anzuwenden. Lagen die Altaktien hingegen zu diesem Zeitpunkt bereits länger als ein Jahr im Depot, können beide Rechnungen entfallen. Denn dann liegt insgesamt kein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG vor. 

 

Werden die Bezugsrechte nicht veräußert, sondern werden hierüber neue Aktien erworben, kommt es nur dann zu einem Spekulationsgewinn oder -verlust in Bezug auf die jungen Aktien, wenn die innerhalb eines Jahres nach Anschaffung der Bezugsrechte wieder veräußert werden. Als Anschaffungstag ist nicht die Einbuchung der Aktien ins Depot, sondern der vorherige Erwerbeszeitpunkt der Bezugsrechte maßgebend. 

 

Die nachfolgenden Rechenschritte sollen die steuerlich einzeln zu bewertenden Vorgänge transparent machen. 

 

1. Schritt: Die AG erhöht ihr Kapital gegen Einlage

 

Die historischen Anschaffungskosten der Altaktien vermindern sich um den Teil, der auf die Bezugsrechte entfällt: 

 

Beispiel: Die Anschaffungskosten der Altaktien betrugen 10 EUR. Der Kurs vor dem Bezugsrechtsabschlag lag bei 12 EUR und der erste Wert des Bezugsrecht bei 0,50 EUR. Die jungen Aktien werden zu 9 EUR bezogen. Die historischen Anschaffungskosten der Altaktien (10 EUR) sinken danach um 4,16 v.H. (= 0,50 EUR /12 EUR) auf 9,58 EUR. 

 

Die Ausübung von Bezugsrechten gilt gleichzeitig als Veräußerung der Rechte. Sofern die Altaktien zu diesem Zeitpunkt noch kein Jahr gehalten werden, liegt ein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft vor. Der Ertrag ermittelt sich aus der Differenz aus dem Börsenkurs des Bezugsrechts bei Annahme und den anteiligen Anschaffungskosten aus den Altaktien, die auf das Bezugsrecht entfallen (Anschaffungskosten des Bezugsrecht).  

 

Fortsetzung des Beispiels: Da die historischen Anschaffungskosten der Altaktie durch das Bezugsrecht um 4,16 v.H. auf 9,58 EUR gemindert wurden, betragen die anteiligen Anschaffungskosten des Bezugsrechts demnach 0,42 EUR (= 4,16 v.H. x 10 EUR). Die Differenz aus dem Börsenkurs des Bezugsrechts bei Annahme (0,50 EUR) und den Anschaffungskosten des Bezugsrechts (0,42 EUR) ergibt einen Gewinn aus privatem Veräußerungsgeschäft i.H.v. 0,08 EUR, der zur Hälfte steuerpflichtig ist. 

 

2. Schritt: Die Altaktien werden veräußert 

 

Weiterhin maßgebend für die Spekulationsfrist ist der ehemalige Kauftermin der Altaktien. Die Anschaffungskosten der Altaktien mindern sich wie oben dargestellt durch das Bezugsrecht. 

 

Fortsetzung des Beispiels: Die Altaktien werden innerhalb der Spekulationsfrist zu 12,50 EUR veräußert. Die geminderten Anschaffungskosten betragen 9,58 EUR. Daraus ergibt sich ein Gewinn aus privatem Veräußerungsgeschäft i.H.v. 2,92 EUR, der zur Hälfte steuerpflichtig ist.  

 

Aus Anlegersicht ist zu beachten, dass Aktiengesellschaften eine Kapitalerhöhung meist nur in den Phasen durchführen, in denen die Börse freundlich tendiert und die eigenen wirtschaftlichen Aussichten vielversprechend sind. Aktionäre, die auf diesem Weg verbilligt an neue Aktien kommen, müssen zwei Aspekte beachten: 

  • Da mehr Aktien im Umlauf sind, verteilt sich der Gewinn auf mehr Anteile und wird hierdurch verwässert.
  • Meist bleibt die Dividende pro Aktie auch nach einer Kapitalerhöhung konstant, der Aktionär erhält in Summe also eine höhere Ausschüttung.

 

 

Quelle: Ausgabe 02 / 2006 | Seite 127 | ID 114198