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§ 9 EStG - Doppelte Haushaltsführung auch bei innerörtlichem Wohnungswechsel

Eine beruflich begründete doppelte Haushaltsführung kann grundsätzlich in eine privat veranlasste übergehen. Dies ist aber nicht der Fall, wenn lediglich der Familienwohnsitz innerhalb eines Ortes verlegt wird. Davon ist die berufliche Fortdauer grundsätzlich nicht betroffen. Im vom BFH entschiedenen Fall zog der Arbeitnehmer von seiner Ehefrau zur neuen Partnerin in der Nachbarschaft und behielt die Wohnung am fernen Beschäftigungsort bei. Entgegen der Auffassung von Finanzamt und FG können die Kosten für die doppelte Haushaltsführung weiterhin abgesetzt werden. 

 

Als Werbungskosten gelten hierbei notwendige Mehraufwendungen, die einem Arbeitnehmer aus beruflichem Anlass für eine Zweitwohnung entstehen. Zwar hätte der Angestellte nach der Trennung von seiner Ehefrau an den Beschäftigungsort ziehen können. Diese Möglichkeit ist aber unerheblich. Denn es spielt für den Werbungskostenabzug keine Rolle, ob auch persönliche Gründe dafür vorliegen, dass der Arbeitnehmer nicht vollständig an den Beschäftigungsort zieht. Maßgebend ist vielmehr, dass die doppelte Haushaltsführung aus beruflichem Anlass begründet wurde. Diese Voraussetzung wird anschließend nicht durch einen Wohnsitzwechsel in Frage gestellt.  

 

Praxishinweis: Durch den privat veranlassten Auszug aus der Familienwohnung wird der berufliche Zusammenhang der bisherigen doppelten Haushaltsführung nicht beendet, sondern lediglich unwesentlich modifiziert. Dies gilt neben verheirateten auch für ledige und wie im Urteilsfall für in Trennung befindliche Arbeitnehmer. Dieses Urteil können insbesondere Steuerpflichtige nutzen, die z.B. wegen Familiennachwuchses eine größere Wohnung beziehen wollen. 

 

Grundsätzlich anders sieht es jedoch bei der Fortführung einer zunächst privat veranlassten doppelten Haushaltsführung aus. Hier berechtigen auch spätere berufliche Gründen nicht zum Werbungskostenabzug, so der BFH in einem anderen Fall. Denn für die steuerliche Berücksichtigung ist es nicht ausreichend, dass ein einheitlicher Haushalt auf zwei verschiedene Haushalte aufgesplittet ist. Die doppelte Haushaltsführung muss vielmehr ganz oder überwiegend aus beruflichen Gründen veranlasst sein. Das ist nur der Fall, wenn die zweite Wohnung aus beruflichem Anlass begründet worden ist. Es kommt hierbei entscheidend auf die beruflichen Umstände an, die zur Gründung des zweiten Haushalts geführt haben.  

 

Nach diesem Grundsatz ist eine doppelte Haushaltsführung regelmäßig privat veranlasst, wenn der Arbeitnehmer die Familienwohnung verlegt und am früheren Beschäftigungsort eine Zweitwohnung beibehält. Auch wenn hier berufliche Gründe eine Rolle spielen, berechtigt das nicht zum Werbungskostenabzug. 

 

Fundstellen: 

Werbungskosten: BFH 4.4.06, VI R 11/02, DStR 06, 1595, DB 06, 1935; 5.10.94, VI R 62/90, BStBl II 95, 180 

Kein Abzug: BFH 18.5.06, VI B 4/06, BFH/NV 06, 1475; 30.10.87, VI R 76/84, BStBl II 88, 358 

FG Köln 11.5.00, 7 K 499/94, EFG 00, 786 

 

Quelle: Ausgabe 11 / 2006 | Seite 768 | ID 113683