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§ 21 EStG - Vermietung des Arbeitszimmers an den Arbeitgeber

Ab 2007 soll das Arbeitszimmer steuerlich nur noch dann abziehbar sein, wenn es den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung darstellt. Auch zuvor wirkt sich das Arbeitszimmer durch die Abzugsbeschränkung des § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG meistens nur begrenzt mit 1.250 EUR oder überhaupt nicht aus. In drei Urteilen hat der BFH Möglichkeiten eröffnet, wonach Arbeitnehmer Aufwendungen für ein Arbeitszimmer im vollen Umfang als Werbungskosten bei den Einkünften aus § 21 EStG ansetzen können. Das Arbeitszimmer muss dann an den Arbeitgeber vermietet werden.  

 

  • Mietet der Arbeitgeber einen Raum als Außendienst-Mitarbeiterbüro von seinem Arbeitnehmer an, stellen die Mietzahlungen keinen Lohn dar. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber solche Verträge auch mit Dritten abschließt und die Anmietung des Raumes im eigenbetrieblichen Interesse erfolgt. Das ist anzunehmen, wenn der Arbeitnehmer über keinen weiteren Arbeitsplatz in der Firma verfügt.

 

  • Vermietet der Angestellte seinem Arbeitgeber einen Raum, der als sein Mitarbeiterbüro zu qualifizieren ist, so handelt es sich nicht um ein häusliches Arbeitszimmer. Die Abzugsbeschränkung greift deshalb nicht ein.

 

  • Die Qualifizierung als Arbeitslohn oder Mieteinkünfte hängt davon ab, in wessen vorrangigem Interesse ein Arbeitszimmer genutzt wird.

 

Diese Grundsätze werden nunmehr auch von der Finanzverwaltung angewendet. Sämtliche Aufwendungen für den Raum sind unbeschränkt abziehbar, soweit es sich um Einkünfte aus § 21 EStG handelt. Ein Mietvertrag wird anerkannt, wenn die Nutzung des Büros in erster Linie den Interessen des Arbeitgebers dient. Dafür sprechen nach einem aktuellen BMF-Schreiben folgende Anhaltspunkte:  

 

Sowohl die Vereinbarung als auch die tatsächliche Nutzung des Raumes sollten den Bedürfnissen und Vorgaben des Arbeitgebers entsprechen. So darf für den Arbeitnehmer im Betrieb kein geeignetes Büro vorhanden sein. Hilfreich ist auch, wenn eine schriftliche Vereinbarung über die Bedingungen zur Nutzung des Raumes abgeschlossen wird. Auch in diesen Fällen muss allerdings das vorrangige betriebliche Interesse des Arbeitgebers nachgewiesen werden.  

 

Nicht ausreichend ist, wenn der Arbeitgeber die Nutzung des Arbeitszimmers lediglich gestattet oder duldet. Auch spielt es für den Nachweis keine Rolle, ob ein entsprechender Mietvertrag zu gleichen Bedingungen mit Dritten möglich wäre und ob die vereinbarte Miete unterhalb des ortsüblichen Preises liegt.  

 

Sind die Bedingungen nachgewiesen, liegen für den Arbeitnehmer Einkünfte aus § 21 EStG vor. Dann sind die auf das Arbeitszimmer entfallenden Aufwendungen in vollem Umfang als Werbungskosten zu berücksichtigen. Der Arbeitnehmer muss in diesem Fall auch keine Einkunftserzielungsabsicht nachweisen, da die Finanzverwaltung von einer auf Dauer angelegten Vermietungstätigkeit ausgeht. Das gilt auch, wenn der Mietvertrag an die Berufszeit des Arbeitnehmers gekoppelt wird und wegen der Miethöhe Zweifel am Vorliegen der Einkunftserzielungsabsicht bestehen könnten. 

 

Praxishinweis: Bei einer Veräußerung der ansonsten selbstgenutzten Immobilie hat der Ansatz von Einkünften aus § 21 EStG keine negativen Folgen. Zwar ist eine selbstgenutzte Immobilie von der Besteuerung nach § 23 EStG ausgenommen, aber das Arbeitszimmer wird unabhängig von einer steuerlichen Berücksichtigung in keinem Fall der steuerfreien Eigennutzung zugerechnet. 

 

Fundstellen: 

BMF 13.12.05, IV C 3 - S 2253 - 112/05, DB 05, 2780, DStR 06, 38 

Außendienst: BFH 19.10.01, VI R 131/00, BStBl II 02, 300 

Vermietung Büro: BFH 20.3.03, VI R 147/00, BStBl II 03, 519 

Abgrenzung Einkünfte: BFH 16.9.04, VI R 25/02, DB 05, 87 und 11.1.05, IX R 72/01, BFH/NV 05, 882 

Spekulation: BMF 5.10.00, IV C 3 - S 2256 - 263/00, BStBl I 00, 1383, FR 00, 1158, DStR 00, 1867 

Quelle: Ausgabe 03 / 2006 | Seite 177 | ID 114133