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§§ 15, 18 EStG - Steuerstrategien im betrieblichen Bereich zum Jahresende 2011

  • Die E-Bilanz muss anders als ursprünglich geplant weder für 2011 noch für 2012 elektronisch übermittelt werden. Jahresabschlüsse dürfen weiter in Papierform abgeben werden. Diese muss nicht dem vorgegebenen E-Bilanz-Datensatz entsprechen. Verpflichtend ist eine E-Bilanz erstmals für das Wirtschaftsjahr 2013 oder 2013/2014. Längere Übergangszeiträume bis 2015 gibt es für steuerbefreite Körperschaften, ausländische Betriebsstätten sowie ergänzende Angaben bei Personengesellschaften. Trotz dieses terminlichen Aufschubs ist es ratsam, das Jahr 2012 für die Umstellung und Testläufe in der Buchhaltung zu nutzen und sich mit dem vom BMF Ende September veröffentlichten endgültigen Anwendungserlass zu beschäftigen. Die eigene Buchführung muss nicht zwingend auf die Mussfelder der Taxonomien angepasst werden. Die Felder und der gesamte Datensatz lassen sich auch ohne Wert erfolgreich übermitteln.

 

  • Trotz Terminverlegung bei der E-Bilanz sind für den Besteuerungszeitraum 2011 erstmals die betrieblichen Steuer- und Feststellungserklärungen zwingend elektronisch ans Finanzamt zu übermitteln. Das beinhaltet bei Selbstständigen dann automatisch, dass sie im Rahmen der Einkommensteuer auch die privaten Überschusseinkünfte und sonstigen Angaben elektronisch vornehmen müssen. Ausnahmen sind ähnlich wie bei den Umsatzsteuer-Voranmeldungen nur in Härtefällen möglich.

 

  • Die aktuelle Rechtsprechung zeigt, dass die Betriebsprüfung zunehmend das Verzögerungsgeld als Zwangsmittel einsetzt. Selbstständige sollten darauf achten, dass sie ihre elektronisch oder schriftlich erstellten Unterlagen und Daten zur Herausgabe bereithalten, auch in Hinblick auf die ab 2012 bundeseinheitlich geregelte zeitnahe Betriebsprüfung. Das einmal festgesetzte Verzögerungsgeld bleibt bestehen, wenn Belege oder Auskünfte verspätet doch noch gegeben werden.

 

  • Eine Betriebsunterbrechung oder -verpachtung gilt ab dem 5.11.2011 bis zu einer ausdrücklichen Aufgabeerklärung als fortgeführt. Stille Reserven bleiben steuerverhaftet, bis die erfolgte Betriebsaufgabe gegenüber dem FA erklärt wird. Sie wird dann auf den gewählten Zeitpunkt anerkannt, wenn dieser Termin dem FA spätestens drei Monate danach vorliegt.

 

  • Für 2011 brauchen als Herstellungskosten folgende Kosten noch nicht aktiviert zu werden: Kostenanteile der allgemeinen Verwaltung sowie für soziale Einrichtungen des Betriebes, für freiwillige soziale Leistungen und für die betriebliche Altersversorgung. Dies wird erst mit der Bekanntgabe neuer EStR verpflichtend, womit in 2012 zu rechnen ist.

 

  • Gehören mehrere Kfz zum Betriebsvermögen, ist der Privatanteil grundsätzlich für jeden Pkw anzusetzen. Für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte sowie Familienheimfahrten ist das Kfz mit dem höchsten Listenpreis anzusetzen. Zur Vermeidung überhöhter Gewinne sollten Fahrtenbücher statt der Listenpreismethode genutzt werden. Damit dies funktioniert, muss sofort ab Neujahr 2012 mit den Aufzeichnungen begonnen und der Kilometerstand an Silvester um 24 Uhr festgehalten werden. Die Ermittlung geringerer Privatanteile macht sich nicht nur ertragsteuerlich, sondern auch bei der Umsatzsteuer bezahlt. Für einen Werkstattwagen oder einen dem Arbeitnehmer zur Nutzung überlassenen Pkw ist kein pauschaler Nutzungswert zu ermitteln. Wird der Wagen nur gelegentlich für Pendelfahrten von der Wohnung aus genutzt, dürfen Arbeitnehmer den geldwerten Vorteil durch Einzelbewertung mit 0,002 % je Entfernungskilometer berechnen. Die Einzelbewertung ist bei der Gewinn-ermittlung nicht anwendbar, sodass Selbstständige gelegentlich mit dem Betriebs-Kfz zurückgelegte Strecken über ein Fahrtenbuch nachweisen müssen.

 

  • Gemischte Aufwendungen können jetzt nach der geänderten BFH-Rechtsprechung und dem dazu ergangenen BMF-Schreiben in Betriebsausgaben und Lebenshaltungskosten aufgeteilt werden. Insoweit sollten insbesondere die Buchungsvorgänge zu Geschäftsreisen und Firmen- sowie Fortbildungsveranstaltungen, aber auch andere Aufwandsposten mit Privatanteilen auf Gewinnminderungspotenzial durch weitere Betriebsausgaben durchforstet werden.

 

  • Wurden 2011 bewegliche Wirtschaftsgüter mit Nettopreisen bis 410 EUR erworben, gibt es wahlweise den sofortigen Betriebsausgabenabzug statt die lineare AfA. Die degressive AfA kann nicht mehr genutzt werden. Besonders im Dezember lohnt der vorgezogene Kauf von GwG, weil bei Sofort-AfA und Sammelbewertung die 1/12 AfA-Verteilung nicht gilt. Um für Käufe zwischen 2012 bis 2014 vorzeitig den sofortigen Betriebsausgabenabzug für GwG zu sichern, sollte der Investitionsabzugsbetrag für Kosten von bis zu 683 EUR genutzt werden. Dann wird beim Erwerb auf 40 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten eine Wertminderung abgezogen, das Ergebnis liegt unter 410 EUR und kann sofort den Gewinn mindern.

 

  • Der Kauf von teureren beweglichen Anlagegütern lohnt noch, wenn die Sonder-AfA von 20 % nach § 7g Abs. 5 EStG in Anspruch genommen werden kann. Die vorherige Bildung des Investitionsabzugsbetrags ist hierfür nicht notwendig.

 

  • Wird bei kleineren Rechtsfragen vom Finanzamt eine verbindliche Auskunft erteilt, gibt es für ab dem 5.11.2011 neu gestellte Anträge durch das Steuervereinfachungsgesetz eine Bagatellgrenze von 9.999 EUR und Gebühren bis 196 EUR entfallen. Gleiches gilt beim alternativ vorgesehenen Zeitwert, wenn die Bearbeitung weniger als zwei Stunden dauert.

 

  • Viele aktuelle Verwaltungs-Schreiben sind für den Jahresabschluss 2011 zu beachten. Das beinhaltet beispielsweise ab 2011 ins Betriebsvermögen eingelegte Wirtschaftsgüter aufgrund der Neuregelung des § 7 Abs. 1 Satz 5 EStG in verschiedenen Fallgruppen, Gewinnauswirkungen und Nachweisen betrieblicher Geld- oder Sachspenden, die Aufbewahrung erfasster Bargeschäfte anhand von Registrierkassen und Taxametern, die Überführung einzelner Wirtschaftsgüter nach § 6 Abs. 5 EStG, die Übertragung privater Gegenstände an die Personengesellschaft auf verschiedenen Wegen, die Hinzurechnung von Finanzierungsaufwand bei der Gewerbesteuer sowie die vielen Neuregelungen zum UmwStG.

 

  • Zur Gewinnverschiebung können Bilanzierende Lieferungen erst später ausführen oder vom Kunden abnehmen lassen und anstehende Reparaturen und Beratungsleistungen vorziehen. Bei EÜ-Rechnern reicht die Steuerung der Zahlung über das Zu- und Abflussprinzip, wobei das gezielte Ausnutzen keinen Gestaltungsmissbrauch darstellt. Die 10-Tage-Ausnahme-Regel des § 11 Abs. 1 S. 2 und Abs. 2 S. 2 EStG gilt auch für die am 10.1.2012 fällige Umsatzsteuer-Vorauszahlung.

 

  • Generell ist ein Wechsel von der degressiven auf die lineare AfA bei beweglichen Wirtschaftsgütern aus dem Bestand zu prüfen, wenn die lineare Abschreibung höher ausfällt als die degressive Abschreibung.

 

  • Im Rahmen der Abschlussarbeiten sollte die Vornahme von Teilwert-AfA geprüft werden. Diese kommt bei abnutzbaren Anlagegütern in Betracht, wenn der Teilwert mindestens für die halbe Restnutzungsdauer unter dem planmäßigen Restbuchwert liegt. Bei Aktien und Fonds mit Aktienvermögen muss der Börsenkurs laut Verwaltungsansicht am Bilanzstichtag 2011 um mehr als 40 % oder 2010 und 2011 um mehr als 25 % unter dem Kaufpreis gesunken sein. Mehrere FG billigen dies bereits bei deutlich geringeren Kursverlusten. Hierzu sind Revisionen anhängig. Bei Anleihen rechtfertigen Kursverluste laut BFH hingegen noch keinen niedrigeren Bilanzansatz. Die Teilwert-AfA ist in der Handelsbilanz bei voraussichtlich dauernder Wertminderung zwingend vorzunehmen, in der Steuerbilanz besteht ein Wahlrecht. Dieses sollte ausgeübt werden, wenn der Gewinn oder das Einkommen 2011 hoch ausfallen. Liegen hohe Verlustvorträge nach § 10d EStG vor, bleibt es beim Ansatz des Buchwertes.

 

  • Bilanzierende Einzelunternehmer und Personengesellschafter können die Thesaurierungsbesteuerung für nicht entnommene Gewinne mit 28,25 % nutzen. Dies lohnt aber nur bei hoher Progression und dauerhaft thesaurierten Gewinnen, um langfristig die Nachversteuerung von weiteren 25 % zu vermeiden. Der Antrag kann auch anteilig gestellt werden, wenn ein Teil des Jahresgewinns entnommen wird. Soll der laufende Verlust 2011 zurückgetragen werden, kann der 2010 gestellte Antrag auf Thesaurierungsbesteuerung insoweit zurückgenommen werden - bis zur Bestandskraft des Bescheids für 2010.

 

  • Kommanditisten, stille Gesellschafter oder Unterbeteiligte sollten mit Blick auf § 15a EStG prüfen, ob durch zugewiesene Verluste ein negatives Kapitalkonto entsteht oder sich erhöht. Zur Verrechnung der negativen Einkünfte kommt eine Erhöhung des Kapitalkontos oder der Eintrag einer höheren Haftungssumme im Handelsregister noch vor Jahresende in Betracht. Einlagen bringen gemäß § 15a Abs. 1a EStG kein nachträgliches Ausgleichs- oder Abzugsvolumen eines vorhandenen verrechenbaren Verlustes und sind daher so zu bemessen, dass sie lediglich den voraussichtlichen Verlust 2011 ausgleichen. Zur Berechnung, inwieweit sich das negative Kapitalkonto vergrößert hat, wird der Stand zu Beginn mit dem am Ende des Wirtschaftsjahres verglichen. Somit führt allein das Bestehen eines negativen Kapitalkontos nicht zur Versagung des Verlustausgleichs, sondern er muss sich durch die Verlusthinzurechnung vergrößert haben.

 

  • 6b-Rücklagen für Ersatzbeschaffung sind 2011 aufzulösen, wenn sie aus Abgängen von Grundstücken 2009 und beweglichen Wirtschaftsgütern 2010 stammen. Rücklagen aus 2007 sind mit Zinsaufschlag zum Ende 2011 aufzulösen, sofern keine Reinvestition erfolgt ist oder mit der Gebäudeherstellung begonnen wird. Zur Rettung kann noch die Übertragung auf einen geschlossenen 6b-Fonds in Betracht kommen. Derzeit ist der Übertrag stiller Reserven nur auf Reinvestitionen in einer inländischen Betriebsstätte möglich. Die EU-Kommission fordert jetzt eine Änderung von § 6b EStG, die grenzüberschreitende Transaktionen nicht länger benachteiligt. Fälle mit Anlagegütern im EU- und EWR-Raum sollten offengehalten werden.

 

  • Die Ermäßigung der tariflichen Einkommensteuer nach § 35 EStG kann ganz oder teilweise verpuffen, wenn auf die gewerblichen Einkünfte wegen eines Verlustausgleichs oder -vortrags keine entsprechend hohe Einkommensteuer anfällt. Solche sich abzeichnenden Anrechnungsüberhänge können abgemildert werden, indem eine Verlagerung von Einkünften auf 2012 erfolgt.

 

  • Für 2001 oder früher erstellte Geschäftsunterlagen sowie 2005 oder früher erstellte Lohnkonten sowie Geschäftsbriefe und Ein- und Ausfuhrlieferunterlagen läuft die Aufbewahrungspflicht 2012 aus. Sie können im Rahmen der Jahresabschlussarbeiten zur Vernichtung vorsortiert werden. Benötigt werden die Belege noch, solange sie für nicht verjährte Steuerbescheide von Bedeutung sind. Werden gesetzlich vorgeschriebene Unterlagen in Papierform und Daten per EDV nicht vollständig aufbewahrt, droht ein Verzögerungsgeld von bis zu 250.000 EUR. Für die Kosten zur Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen ist eine Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten zu bilden. Die darf laut BFH unter Ansatz des Jahreswertes multipliziert mit 5,5 ermittelt werden.

 

  • Werden zum Jahresende Geschenke an Geschäftsfreunde verteilt, liegen nur bis zum Wert von 35 EUR netto pro Jahr und Empfänger abzugsfähige Betriebsausgaben vor. Zudem sind diese Aufwendungen auf dem gesonderten Konto getrennt von den anderen Kosten zu buchen.

 

  • Die Gewerbesteuer gehört zwar nach § 4 Abs. 5b EStG nicht mehr zu den abzugsfähigen Betriebsausgaben, in der Steuerbilanz ist jedoch weiterhin eine Rückstellung zu bilden. Dies hat mit dem vollen Betrag ohne Berücksichtigung der Gewerbesteuer zu erfolgen.

 

  • Negative Kapitaleinkünfte sind nur im Rahmen des § 20 EStG ausgleichbar. Verluste aus §§ 15, 18 EStG mindern aber umgekehrt Kapitaleinkünfte. Zur Verrechnung müssen diese mit der Steuerbescheinigung von der Bank auf der Anlage KAP angegeben werden.

 

Quelle: Ausgabe 12 / 2011 | Seite 793 | ID 150129