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Wichtige Steuerliche Überlegungen im Hinblick auf den Jahreswechsel 2011/2012

Gezielte Jahresendstrategien sind nicht nur bei den einzelnen Einkunftsarten, sondern auch im privaten Bereich ratsam. Folgende Strategien sind auf ihre Anwendungsmöglichkeit zu überprüfen: 

 

  • Da sich die Tarife für die Einkommen- und Abgeltungsteuer 2012 nicht verändern, lohnt das Verlagern oder Vorziehen von Einnahmen und Ausgaben auf 2011 oder 2012, sofern Unterschiede in der Höhe des individuellen Gesamteinkommens mit entsprechend unterschiedlicher Steuerprogression in beiden Jahren erwartet werden. Dies kann sich auch aus einer in 2012 geplanten Hochzeit ergeben oder wenn Ehegatten aufgrund einer Trennung in 2011 letztmalig Splitting erhalten. Dabei sind Zins- und Liquiditätswirkungen zu berücksichtigen, wenn etwa hohe Investitionen nur aus steuerlichen Gründen vorgezogen werden sollen.

 

  • Durch die Steuerung des Zahlungstermins bei Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen kann eine Einkommensverlagerung erfolgen. Das gilt beispielsweise für Kirchensteuer, Spenden, dauernde Lasten oder Unterhaltsleistungen. Dabei ist die Zehntageregel in § 11 EStG bei regelmäßigen Leistungen anzuwenden.

 

  • Werden Erstattungen bei Versicherungen oder Kirchensteuer erwartet oder steht ein steuerfreier Zuschuss zur Krankenkasse an, sollte die Zahlung in 2011 angestrebt werden. Das vermeidet die in 2012 eingeführte Verrechnung mit Aufwendungen sowie die Hinzurechnung eines Erstattungsüberhangs zum Gesamtbetrag der Einkünfte.

 

  • Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge werden ab 2011 nur berücksichtigt, wenn die entsprechenden Daten der Finanzverwaltung mitgeteilt werden. Vorausbezahlte Prämien von mehr als dem Zweieinhalbfachen der Jahresbeiträge sind erst in dem Jahr zu berücksichtigen, für das sie geleistet wurden.

 

  • Aufwendungen für die erste Berufsausbildung und ein Erststudium gehören aufgrund der neuen BFH-Rechtsprechung zwar nur noch selten zu den Sonderausgaben, sondern sind in der Regel Werbungskosten und Betriebsausgaben. Da dies aber gesetzlich rückwirkend wieder ausgehebelt wird, haben entsprechende Anträge auf Berücksichtigung kaum Aussicht auf Erfolg.

 

  • Die Verlagerung von Ausgaben vor den Jahreswechsel oder in das neue Jahr lohnt in Hinsicht auf die zumutbare Eigenbelastung. Um eine möglichst optimale steuerliche Wirkung erreichen zu können, lohnt eine Zusammenballung der Zahlungen.

 

  • Zu den außergewöhnlichen Belastungen sind die durch das Steuervereinfachungsgesetz rückwirkend für alle am 5.11.2011 noch offenen Fälle geänderten Nachweisregeln zur Notwendigkeit von medizinischen Maßnahmen und Hilfsmitteln sowie auch die besonders umfangreiche aktuelle BFH-Rechtsprechung zu beachten. Die Urteile betreffen insbesondere Krankheitskosten, die künstliche Befruchtung, Obliegenheitspflichten bei Unterhaltsleistungen, Unterbringung im Alten- und Pflegeheim sowie den Hausumbau aufgrund von Behinderung oder Krankheit.

 

  • Laut BFH können auch Kosten für einen Zivilprozess unabhängig davon außergewöhnliche Belastungen sein, wer den Prozess gewonnen hat und wer Klcäger oder Beklagter gewesen ist. Es müssen aber zumindest hinreichende Erfolgsaussichten bestanden haben. Eine eventuelle Erstattung der Rechtsschutzversicherung ist abzuziehen. Diese Grundsätze lassen sich auch auf andere Gerichtsverfahren übertragen, etwa für Verwaltungs-, Sozial-, Straf- und privat veranlasste Finanzgerichtsverfahren. Aufwendungen für Arbeitsgerichtsverfahren gehören hingegen weiterhin zu den abzugsfähigen Werbungskosten oder Betriebsausgaben.

 

  • Bei noch vorhandenen Verlustvorträgen aus 2011 oder erwarteten negativen Einkünften im laufenden Jahr verpuffen Sonderausgaben, haushaltsnahe Dienstleistungen oder außergewöhnliche Belastungen wirkungslos. Daher ist durch die Steuerung des Zahlungstermins eine Kostenverschiebung auf 2012 ratsam.

 

  • Für die Steuererklärung 2010 läuft am 31.12.2011 und in Hessen am 28.2.2012 die Abgabefrist aus, wenn sie vom Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein gefertigt werden soll.

 

  • Soll auf Antrag für 2011 die unbeschränkte Steuerpflicht nach § 1 Abs. 3 EStG angewendet werden, sollte die Bescheinigung der ausländischen Steuerbehörde über die Höhe der nicht der deutschen Steuer unterliegenden Einkünfte besorgt werden. Der Nachweis entfällt nicht mit dem bloßen Hinweis darauf, keine derartigen Einkünfte erzielt zu haben.

 

  • Die Einkommensteuer verjährt bei Bescheiden für 2006 mit Ablauf des Jahres 2011, wenn die Steuererklärungen in 2007 abgegeben wurden. Daher sollten diese Unterlagen noch einmal genau geprüft werden. Stehen Steuerbescheide für 2006 unter dem Vorbehalt der Nachprüfung, ist ein rechtzeitiger Änderungsantrag ratsam.

 

  • Fällt das erwartende zu versteuernde Einkommen geringer als im Vorjahr aus, sollte ein Antrag auf rückwirkende Anpassung der Einkommensteuer-Vorauszahlungen für 2011 oder im Vorgriff für 2012 gestellt werden. Ein Antrag auf Anpassung ist auch bei höheren Vorauszahlungen sinnvoll, um anschließend Steuerzinsen auf Nachzahlungsbeträge zu vermeiden. Anleger können bereits im Rahmen der Vorauszahlungen berücksichtigen lassen, dass ihr Grenzsteuersatz unter dem Abgeltungsteuertarif liegt und sie die Günstiger-Prüfung für die privaten Kapitaleinnahmen für ihre im Gesamtjahr bezogenen Kapitaleinnahmen in Anspruch nehmen wollen. Diese Option ist sinnvoll, wenn das zu versteuernde Einkommen unter 15.800 EUR pro Person liegt.

 

  • Verluste aus dem Verkauf von Gebrauchsgütern fallen nur noch dann unter die Spekulationsgeschäfte, wenn die Gegenstände bis zum 13.12.2010 angeschafft wurden. Daher kann ein Restbestand beim zügigen Verkauf binnen Jahresfrist Verluste im Rahmen des § 23 EStG retten. Sofern die Güter zumindest in einem Jahr zur Einkünfteerzielung genutzt wurden, ist die zehnjährige Spekulationsfrist verwendbar.

 

  • Bei Angehörigenverträgen in den Bereichen Lohn, Schuldzinsen und Miete ist es generell ratsam, sie turnusmäßig auf ihre Fremdüblichkeit hin zu prüfen. Geplante Anpassungen für 2012 sollten noch vor dem Jahreswechsel schriftlich vereinbart werden. Besonders zu beachten sind der BMF-Erlass zu Darlehensverträgen, der auf andere Bereiche übertragbar ist, sowie die geänderten Prozentsätze bei der verbilligten Wohnungsvermietung mit Wegfall der Überschussprognose.

 

  • Infolge der Anhebung der Altersgrenzen in der gesetzlichen Rentenversicherung wird ab 2012 grundsätzlich niemand mehr vor dem 62. Lebensjahr eine Altersrente erhalten. Daher kann für Neuverträge eine Leistung aus einem Riester-Vertrag erst ab Beginn der Altersrente, frühestens ab dem 62. Lebensjahr - statt bisher dem 60. Lebensjahr - erbracht werden. Beim Abschluss eines Riester-Vertrags noch in 2011 werden damit nicht nur die Altersgrenze von 60 Jahren für die erste Auszahlung, sondern zudem Grund- und Kinderzulagen für das gesamte Jahr 2011 gesichert. Sparer, die jünger sind als 25 sichern sich durch den Abschluss in 2011 noch den Berufseinsteiger-Bonus von einmalig 200 EUR. Dabei ist allerdings die Mindestsparsumme von 4 % des Vorjahreseinkommens zu beachten, wobei die Zulage selbst als Beitrag mitrechnet. Der Sonderausgabenabzug ist nur noch möglich, wenn der Anbieter die Beitragshöhe an die zentrale Stelle übermittelt. Die Zulage für 2009 entfällt, wenn dem Sparinstitut kein Antrag auf Förderung noch in diesem Jahr vorliegt. Ab 2012 wird ein Mindestbetrag von 60 EUR pro Jahr für mittelbar Zulageberechtigte eingeführt, eigene Beiträge mussten sie bislang nicht leisten. Um die Rückforderung von unberechtigt ausbezahlten Zulagen zu vermeiden, gibt es eine Nachentrichtungsmöglichkeit.

 

  • Schöpfen Selbstständige ihre Höchstbeträge bei den Vorsorgeaufwendungen nicht aus, kommt der Abschluss einer Rürup-Police in Betracht. Von den Beiträgen lassen sich 72 % als Sonderausgaben bis zum Höchstbetrag von 14.400 EUR und 28.800 EUR bei Verheirateten absetzen. Vereinbaren Personen über 60 eine lebenslange Sofortrente gegen Einmalzahlung, wird diese bei Erstbezug in 2011 nur mit 62 % auf Dauer als sonstige Einnahme nach § 22 EStG erfasst. Rürup-Policen sind nur noch bei Zertifizierung und Einwilligung in die Datenübermittlung begünstigt.

 

  • Sofern die Höchstbeträge bei den Vergünstigungen für haushaltsnahe Dienstleistungen im Jahre 2011 noch nicht ausgeschöpft sind, rettet der rechtzeitige Auftrag an Handwerker oder Gärtner die Steuerermäßigung, wenn die Rechnung noch bis Jahresende beglichen wird. Sofern die bisherigen Aufwendungen bereits über dem Höchstbetrag liegen, sollten die weiteren Leistungen erst im neuen Jahr gezahlt werden. Entsprechendes gilt, wenn die Einkommensteuerschuld 2011 Null betragen wird.

 

  • Unterhaltsleistungen sollten erst 2012 erfolgen, sofern die bedürftige Person im laufenden Jahr zu viel für die Steuervergünstigung selbst verdient hatte und der Verdienst in 2012 voraussichtlich wieder sinken wird. Ab 2012 fallen die Kapitalerträge nicht mehr unter die Einkünfte, sondern unter die eigenen Bezüge. Generell zu beachten ist die neue BFH-Rechtsprechung zur Prüfung der Bedürftigkeit bei Angehörigen und beim Ehegatten im Ausland.

 

  • Über eine Spende etwa in der Vorweihnachtszeit lassen sich gezielt die Sonderausgaben erhöhen, auch bei Zuwendungen ins EU- und EWR-Ausland. Wurde in Katastrophenfällen wie 2011 für Japan, gegen den Hunger in Ostafrika oder das Hochwasser in einigen Bundesländern gespendet, gelten bei Überweisungen vereinfachte Nachweisregeln.

 

  • Werdende Eltern sollten frühzeitig dem später zu Hause bleibenden Partner die günstige Steuerklasse III zuweisen, um die Bemessungsgrundlage für das spätere Elterngeld zu erhöhen.

 

  • Bei volljährigen Kindern bis 25 sollte überprüft werden, ob die Einkommensgrenze von 8.004 EUR voraussichtlich überschritten wird. Ansonsten kommt eine Verlagerung aufs Folgejahr in Betracht, weil Einkünfte und Bezüge 2012 für Kindergeld und -freibeträge nicht mehr relevant sind. Beachten Sie, dass zu den Einkünften 2011 noch der Abgeltungssteuer unterliegende Kapitalerträge nach Abzug des Sparer-Pauschbetrags gehören. Keine positive Wirkung auf die Einkommensgrenze hat übrigens der Verzicht des Kindes auf einen Teil des ihm zustehenden Einkommens oder des Weihnachtsgelds.

 

  • Kinder über 18 (bis 25) sind ab 2012 nur noch bis zum Abschluss der ersten Berufsausbildung begünstigt. Insoweit ist zu beachten, dass ein beschäftigtes volljähriges Kind künftig einer schädlichen Erwerbstätigkeit nachgehen kann und damit die Förderung bei den Eltern entfällt. Unschädlich sind eine Wochenarbeitszeit unter 20 Stunden oder ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis (Mini-Job).

 

  • Erfüllen mehrere Personen die Voraussetzungen für den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende, kann ihn wegen desselben Kindes nur einer abziehen. Ist das Kind annähernd gleichwertig in die beiden Haushalte aufgenommen, können Vater und Mutter untereinander bestimmen, wem er zustehen soll. Diese Wahl lohnt sich in dem Fall, wenn sich der Entlastungsbetrag aufgrund der Progression bei der Person mit dem höheren Einkommen auswirken sollte. Treffen sie keine Bestimmung untereinander, steht der Entlastungsbetrag laut BFH demjenigen zu, an den das Kindergeld gezahlt wird.

 

  • Volljährige Kinder, die den neuen Bundesfreiwilligendienst leisten, werden berücksichtigt, anders als zuvor bei der Wehrpflicht und beim Zivildienst. Nach einem Beschluss auf Bund- Länderebene bleibt Bar- und Sachlohn im neuen Bundesfreiwilligendienst bis auf Weiteres steuerfrei.

 

  • Ab 2012 ändert sich die Übertragung von Freibeträgen in einigen Fällen. Das gilt für den Kinderfreibetrag von geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Eltern, den Freibetrag für Betreuung- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf bei Widerspruch eines Elternteils, der Übertragung der Freibeträge auf einen Stief- oder Großelternteil sowie die Übernahmen des Behinderten-Pauschbetrags vom Kind.

 

  • Ist der Höchstbetrag für Kinderbetreuungskosten noch nicht ausgeschöpft, rettet die Zahlung bis zum 31.12.2011 den Steuerabzug. Dies lässt sich durch das Abfluss-Prinzip über Vorauszahlungen von Aufwendungen erreichen. Eine Zahlung erst in 2012 bringt hingegen Vorteile, sofern der Höchstbetrag schon erreicht ist. Das gilt generell bei Eltern, bei denen einer nicht erwerbstätig ist. Ab dem Jahreswechsel kommt es dann nicht mehr darauf an, ob Vater oder Mutter nicht berufstätig sind. Da Kinderbetreuungskosten ab 2012 nicht mehr wie derzeit wie Betriebsausgaben oder Werbungskosten, sondern einheitlich als Sonderausgaben abgezogen werden, können sie bei geringen Einkünften wirkungslos verpuffen. Leben nicht miteinander verheiratete Eltern zusammen, kann laut BFH nur derjenige Kinderbetreuungskosten abziehen, der sie bezahlt hat. Hier ist es ratsam, dass der besser verdienende Elternteil die Rechnungen begleicht und Neuverträge selbst abschließt. Zusammenveranlagte Eltern können ihre Ausgaben hingegen zusammenfassen.

 

Quelle: Ausgabe 12 / 2011 | Seite 781 | ID 150125