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Jahresendstrategien - Maßnahmen für Privatanleger

Nachfolgende Jahresendmaßnahmen sind im Rahmen der Abgeltungsteuer ratsam und eine Umsetzung noch vor Silvester ist zu empfehlen: 

 

  • Als Lektüre ratsam ist der aktualisierte und erweiterte Anwendungserlass zur Abgeltungsteuer. Der regelt auf 120 Seiten bekannte sowie weitere neue Einzelfragen zur Abgeltungsteuer - zumindest aus dem Blickwinkel der Finanzverwaltung, passt die Erläuterungen an die aktuelle Rechtsentwicklung an und dient als Neufassung der bisherigen beiden Anwendungserlasse aus den Jahren 2009 und 2010 (BMF 9.10.12, IV C 1 - S 2252/10/10013). Er ist auf alle offenen Fälle anzuwenden, die erweiterten neuen Grundsätze können aber auch erst zum 1.4.2013 angewendet werden. Dann gilt bis dahin noch das Schreiben in der alten Fassung (16.11.10, IV C 1 - S 2252/10/10010, BStBl I 10, 1305).

 

  • Da Stückzinsen aus vor 2009 gekauften festverzinslichen Wertpapieren nach dem Urteil des FG Münster (2.8.12, 2 K 3644/10 E) zu versteuern sind, können Einspruchsverfahren wegen dieses Musterverfahrens mit weitreichender Breitenwirkung nicht mehr ruhen. Das FG hatte zwar wegen der grundsätzlichen Bedeutung Revision zugelassen, die wurde allerdings nicht eingelegt.

 

  • Bei nicht ausgeschöpftem Freistellungsauftrag können zusätzliche Kapitaleinnahmen durch den Verkauf von Anleihen vor dem Jahresende über Stückzinsen, der Kündigung von Festgeld und Laufzeitkonten oder der Realisierung von Kursgewinnen insoweit steuerfrei fließen. Sofern hingegen bei einer anderen Bank bereits Abgeltungsteuer anfällt, sollte eine Neuverteilung des Freistellungsbetrags rechtzeitig erfolgen, bevor die ersten Kapitalerträge 2013 fließen. Bei einer Heirat kann rückwirkend für das gesamte Jahr noch ein gemeinsamer Freistellungsauftrag erteilt werden. Das führt zur Steuererstattung, wenn ein Gatte über dem Betrag von 801 EUR liegt, der andere hingegen nicht. Verluste verrechnen Kreditinstitute zwischen Eheleuten nur, wenn ein gemeinsamer Auftrag vorliegt. Dieser sollte generell erteilt werden, auch über 0 EUR. Geänderte und neu eingereichte Freistellungsaufträge müssen die Steuer-Identifikationsnummer enthalten, um gültig zu sein.

 

  • Damit nicht verrechnete negative Kapitaleinnahmen im Wege der Veranlagung positive Erträge von anderen Banken ausgleichen können, müssen die beiden Verlustverrechnungstöpfe spätestens bis zum 15.12.2012 abgerufen werden. Nur dann beginnt das Kreditinstitut 2013 wieder bei Null. Der fristgebundene Antrag kann getrennt für den allgemeinen Verlusttopf und den für Aktien gestellt werden. Abgerufene Verluste können anschließend nicht zurück auf die Bank übertragen werden. Insoweit sollte dies genau überlegt werden. Zu viel abgerufene Beträge werden ansonsten beim FA konserviert, während bei den Kreditinstituten ab 2013 sofort Abgeltungsteuer auf positive Erträge anfällt.

 

  • Bei einem individuellen Steuerprogressionssatz unter 25 % ist der Antrag auf Günstigerprüfung ratsam. Dazu muss das zu versteuernde Einkommen inklusive der Kapitaleinkünfte bei Ledigen unter 15.800 EUR liegen. Der Antrag ist einheitlich für alle Kapitalerträge des Jahres zu stellen inklusive der Einnahmen des Ehepartners. Der Antrag lohnt auch bei Rentnern, um den ansonsten unwirksamen Altersentlastungsbetrag von den Kapitaleinnahmen abziehen oder die Ermäßigung für mit Erbschaftsteuer belastete Einnahmen nutzen zu können.

 

  • Verluste nach § 20 EStG dürfen nicht mit anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden. Unterliegen sie aber der tariflichen Einkommensteuer, fallen sie nicht unter das Verlustausgleichsverbot und hierfür kann durch den Lohnsteuerermäßigungsantrag nach R 39a.2 LStR ein Freibetrag in den elektronischen Lohnsteuerdaten eingetragen werden. Alternativ kann bei den Einkommensteuer-Vorauszahlungen berücksichtigt werden, dass der Anleger mit seiner Progression unter dem Abgeltungssatz von 25 % liegt und 2012 die Günstiger-Prüfung nutzen wird.

 

  • Ist die Abgeltungsteuer nach Verlustverrechnung und Anwendung des Freistellungsauftrags geringer als die anrechenbare ausländische Quellensteuer, wird der Anrechnungsüberhang von der Bank nicht aufs Folgejahr übertragen. Damit die Quellensteuer nicht verloren geht, sollte sie im Rahmen der Veranlagung mit positiven Einnahmen bei anderen Instituten verrechnet werden. Gelingt das nicht, sollte vor dem Jahresende für entsprechend hohe Einnahmen gesorgt werden. Banken weisen den Quellensteuer-Übergang in der Steuerbescheinigung gesondert aus.

 

  • Steuererstattungszinsen gehören aufgrund der Gesetzesänderung weiterhin auf die Anlage KAP. Der Bescheid ist dann wegen anhängiger Revisionen über einen ruhenden Einspruch offenzuhalten.

 

  • Im Frühjahr 2012 wurden griechische Staatsanleihen im Zuge der Rettungsaktionen in neue Titel getauscht. Anleger hatten die Möglichkeit, jeweils nominal 1.000 EUR ihrer Anleihen zu tauschen in vier neue Bestände, mit 53,5 % geringerem Nennwert. Durch die längere Laufzeit und die niedrigeren Zinsen hatten sie durch den Tausch bis zu 80 % ihrer Investition verloren. Wie im Rahmen des § 20 EStG zu verfahren ist, hat das BMF in einem Schreiben vom März 2012 zwischen den vier verschiedenen Situationen geregelt. Als Anschaffungskosten der neuen Anleihen gilt der Börsenkurs der hingegebenen Anleihen zum Zeitpunkt der Depotausbuchung und in zwei Fällen werden Anschaffungskosten von null angesetzt. Das führt bei einer späteren Veräußerung der Papiere in voller Höhe des Verkaufspreises zu Veräußerungsgewinnen.

 

  • Im Rahmen der EU-Zinsrichtlinie liegt der Quellensteuersatz in Ländern ohne Kontrollmitteilungen bei 35 %. Die Erstattung erfolgt über die Veranlagung, die Einnahmen über Auslandskonten sind ohnehin zwingend anzugeben. Der dortigen Bank sollte die Erlaubnis zur Versendung von Kontrollmitteilungen ohne Steuerabzug erteilt werden, das verbessert über höhere Nettoerträge den Zinseszinseffekt.

 

  • Nicht der Abgeltungsteuer unterlegene Zinsen aus Privatdarlehen und auf Erstattungen vom FA sowie Erträge über ausländische Banken sind zwingend in der Erklärung anzugeben. Das gilt auch für thesaurierte Erträge über Investmentfonds; selbst bei Verwaltung über ein Inlandsdepot. Die Banken halten generell keine Kapitalertragsteuer ein.

 

  • Zur Nacherfassung von Kirchensteuer, sowie Unterhaltsempfängern müssen abgeltend besteuerte Einnahmen angegeben werden. Zum Spendenabzug, bei der Berechnung der zumutbaren Eigenbelastung und den Einkünften volljähriger Kinder hat dies 2012 nicht mehr zu erfolgen.

 

  • Die Anlage SO müssen Anleger nur noch selten ausfüllen, etwa beim Verkauf von physischen Rohstoffen wie Goldmünzen, dem verspäteten Zufluss des Erlöses bei außerbörslichen Wertpapiergeschäften vor 2009 oder eines geschlossenen Immobilien- und Leasing-Fonds innerhalb der Spekulationsfrist. Die Anlage AUS zur Anrechnung von ausländischer Quellensteuer ist bei Kapitaleinkünften nur dann zu verwenden, wenn der individuelle Einkommensteuertarif gilt. Ansonsten gehören die Daten auf die Anlage KAP.

 

Darüber hinaus sind aktuelle Gesetzesänderungen zu beachten, die Einfluss auf die private Geldanlage haben und möglicherweise Anpassungsbedarf nach sich ziehen: 

 

  • Kirchensteuer auf Kapitalerträge, die etwa über Auslandskonten nicht dem Steuerabzug unterlegen haben, zählt nicht mehr zu den Sonderausgaben. Ein Abzug gelingt jedoch weiterhin, wenn die Kapitalerträge der tariflichen Einkommensteuer unterliegen. Für ab 2014 zufließende Kapitalerträge wird der Kirchensteuerabzug durch die Kreditinstitute automatisch erfolgen. Hierzu holen sie sich online in 2013 die erforderlichen Konfessionsdaten. Anleger können dem Abruf widersprechen. Dann erfolgt ein Sperrvermerk, der zur Abgabe einer Steuererklärung für die Kirchensteuer verpflichtet.

 

  • Die Zeichnung, den Austritt und die Änderung der Beteiligungsquote bei geschlossenen Auslandsfonds müssen Anleger nicht mehr innerhalb eines Monats, sondern erst fünf Monate nach Ablauf des Jahres dem FA anzeigen. Für den Beitritt in 2012 bleibt also bis Ende Mai 2013 Zeit.

 

  • Sofern Anleger über eine strafbefreiende Selbstanzeige nachdenken, müssen sie die verschärften Anforderungen hinsichtlich der lückenlosen Offenlegung und die Wahrscheinlichkeit einer Entdeckung sowie den 5 %igen Zuschlag bei höheren Hinterziehungsbeträgen beachten.

 

  • Die Kapitalertragsteuer auf Dividenden bei der Direktanlage und über Aktienfonds wird seit 2012 nicht mehr durch die ausschüttende Gesellschaft selbst, sondern von der Depotbank des Aktionärs einbehalten. Das hat insbesondere Auswirkungen bei Leerverkäufen und Tafelgeschäften. Hier hält die Bank Abgeltungsteuer ein, wenn sie bei Vorlage der Dividendenscheine Geld auszahlt oder gutschreiben soll.

 

  • Abgeltend besteuerte Kapitaleinkünfte zählen ab 2012 für die Berechnung der zumutbaren Eigenbelastung, Spenden sowie der Ausbildungsfreibetrag nicht mehr. Bei Unterhaltsaufwendungen gehören Kaptaleinnahmen ab 2012 zu den sonstigen Bezügen des Empfängers. Werden Kapitaleinnahmen über die Günstiger-Prüfung dem Einkommensteuertarif unterworfen, zählen sie für die Nebenrechnungen weiterhin eigenständig, sowohl steuerlich als auch für die Arbeitnehmer-Sparzulage, die Wohnungsbauprämie und das Kirchgeld.

 

  • Da Einkünfte und Bezüge volljähriger Kinder ab 2012 nicht mehr relevant sind, können Eltern jetzt öfters Steuervergünstigungen, Kinder-Zulage auf den eigenen Riester-Sparvertrag und Kindergeld erhalten, sollte 2011 die Einkommensgrenze von 8.004 EUR noch überschritten worden sein.

 

  • Für ab 2012 geleistete vermögenswirksame Leistungen für Bau, Erwerb, Ausbau oder Entschuldung eines Wohngebäudes entfällt die Arbeitnehmer-Sparzulage, wenn die Anlagemodelle nach einem vorgefertigten Konzept mindestens 15 Arbeitnehmer zum Miteigentum an einem Immobilienportfolio anwerben. Altverträge erhalten keinen Bestandsschutz.

 

  • In Grundstücke kann ab dem 1. Halbjahr 2013 nicht mehr in der Form von offenen Investmentfonds, sondern nur noch als geschlossene Immobilienfonds investiert werden, bis zum Inkrafttreten erworbene Anteile dürfen aber behalten werden. Damit fällt ein von der Abgeltungsteuer bevorzugtes Produkt als Anlagealternative weg, bei geschlossenen Immobilienfonds unterliegen Mieteinnahmen der tariflichen Einkommensteuer und Erträge aus Drittstaaten dem Progressionsvorbehalt.

 

  • Nachdem Frankreich seit dem 1.8.2012 eine zusätzliche Finanztransaktionssteuer in Höhe von 0,2 % des abgerechneten Kurswertes beim Ankauf von Aktien eingeführt hatte, will Spanien dem Beispiel ab 2013 folgen und es gibt Bestrebungen, EU-weit eine Abgabe auf Kapitalwertpapiere einzuführen.

 

  • Ab dem 21.12.2012 wurden geschlechtsunabhängig kalkulierte Unisex-Tarife eingeführt, Männer und Frauen zahlen die gleichen Versicherungsbeiträge. Nutzen die Geschlechter die Gelegenheit und schließen noch vorher Versicherungslücken, lassen sich Beitragsvorteile zu günstigeren Konditionen erzielen, denn laufende Verträge sind von der Neuregelung nicht betroffen. Als Faustregel gilt, dass für Frauen Risikolebensversicherungen durch die höhere Lebenserwartung derzeit noch deutlich günstiger sind, dafür werden Beiträge für Altersvorsorge-Produkte erst nach Einführung der Unisex-Tarife geringer. Bei Männern ist es entgegengesetzt - Rentenversicherungen sind noch bis zum 20.12.2012 günstiger, ab dem 21.12.2012 eine Risiko-Lebensversicherung.

 

Hinweis: Das geänderte VVG schließt bei der privaten Krankenversicherung den Wechsel aus einem Unisex-Tarif in einen unter Berücksichtigung des Geschlechts kalkulierten Tarif aus. Aus Unisex-Tarifen darf nicht in herkömmliche Tarife gewechselt werden - der umgekehrte Wechsel bleibt dagegen möglich. Wäre der Tarifwechsel weiter unbeschränkt möglich, könnten Versicherte in den Tarif wechseln, der für ihr Geschlecht die jeweils günstigeren Konditionen bietet. Dies widerspricht dem Ziel, dass sich das Geschlecht gerade nicht mehr auf die Höhe der Prämie und den Leistungsumfang auswirken soll.
Quelle: Ausgabe 12 / 2012 | Seite 814 | ID 160400