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Fondsbeteiligung - Freibeträge im Ausland sind über die Laufzeit nicht immer gesichert

Ein Vorteil bei der Investition in ausländische geschlossene Immobilienfonds ist zumeist, dass Einkünfte nahezu ohne Abgaben erzielt werden können. Die jeweiligen Länder gewähren mehr oder weniger hohe Freibeträge, die beschränkt steuerpflichtige Anleger mangels weiterer Einkünfte in voller Höhe für die Fondserträge nutzen können. Im Inland werden die Einnahmen nur über den Progressionsvorbehalt erfasst. Auch Leasing- und Lebensversicherungsfonds werben mit diesem Attribut. Doch bei Laufzeiten von bis zu 15 Jahren ist diese Aussicht nicht auf Dauer gesichert, wie einige aktuelle Beispiele zeigen. 

 

So hat die neue italienische Regierung Anfang August 2006 den Freibetrag für ausländische Investoren von 3.000 EUR rückwirkend ab dem Jahresbeginn gestrichen. Die Initiatoren setzten hier zuvor auf steuerfreie Erträge bei Fondsbeteiligungen von bis zu rund 70.000 EUR in Italien. Dabei war diese Möglichkeit erst im Vorjahr geschaffen worden. Damit greift jetzt sofort ein Steuersatz von 23 v.H. - nicht gerade ein attraktives Angebot. Denn die steuerpflichtigen Einnahmen errechnen sich aus fiktiven Mieterlösen, sodass auch in Zeiten von Leerständen Abgaben anfallen. Zudem müssen sich Anleger nunmehr auch mit der jährlichen Steuererklärung in Italien beschäftigen. Bei der Bearbeitung über einen Fachmann fallen zusätzliche Ausgaben an. Ein gerade vor dem Start stehender neuer Immobilienfonds wurde daher erst einmal zurückgezogen. Italien ist hierbei kein Einzelfall.  

 

Auch Ungarn hat seit August 2006 Änderungen beschlossen, die zu steuerlichen Nachteilen führen. Sie betreffen die einzelnen Beteiligten in diesem Fall indirekt, da die Personengesellschaften selbst Körperschaftsteuer zahlen. Allerdings mindert sich hier die prognostizierte Ausschüttung um diese Belastung, im Fall von Ungarn um eine Sonderabgabe von 4 v.H. sowie um eine neue Mindeststeuer. 

 

Im vergangenen Jahr waren Anleger betroffen, die auf Angebote in Österreich gesetzt hatten. Hier bestand der Plan, den bestehenden Freibetrag von 3.600 auf 10.000 EUR aufzustocken. Diese Aussicht haben einige Initiatoren genutzt, um neue Fonds mit der Aussicht auf steuerfreie Erträge auch bei höheren Anlagesummen aufzulegen. Doch der erhöhte Freibetrag wurde anschließend nur für Inländer eingeführt. Beschränkt Steuerpflichtige mussten sogar eine Reduzierung auf 2.000 EURhinnehmen. Wer hier mit großen Summen eingestiegen ist, muss nun auf die Einkünfte oberhalb des Freibetrags einen Steuersatz von 38,3 v.H. hinnehmen. Dennoch bleibt die Alpenrepublik weiterhin ein attraktiver Standort, denn eine Beteiligung von über 30.000 EUR bleibt immer noch steuerfrei. Zudem gibt es Vorteile bei der Erbschaftsteuer und in wirtschaftlicher Hinsicht (s. AStW 06, 132). 

 

Vergleichbares ereignete sich Anfang 2005 in den Niederlanden. Hier entfiel zuvor die Forderung des Finanzamts, wenn die pauschal auf den Vermögenswert einer Immobilie berechnete Steuer unter 217 EUR lag. Damit kamen Beteiligungen von mehr als 20.000 Euro ohne Abgaben davon. Durch die Absenkung auf derzeit 41 EUR ist die Steuerfreiheit nicht mehr realisierbar, allerdings bleibt die Belastung weiterhin moderat. 

 

Anleger sollten diese Negativbeispiele aber nicht generell vom Blick auf Auslandsfonds abhalten. So lockt Großbritannien mit einem Freibetrag von umgerechnet 7.300 EUR, der auch noch periodisch um die Inflationsraten aufgestockt wird. Ähnlich sieht es in den USA mit umgerechnet rund 2.750 EUR aus. Zudem kommen anschließend geringe Steuersätze zur Anwendung. Hier bleibt eher das Wechselkursrisiko. Attraktiv sind auch die Steueraussichten in osteuropäischen Staaten. So hat Tschechien zu Jahresbeginn die Steuern gesenkt und die Slowakei lockt mit einer attraktiven Flat Tax. Allerdings gibt es auch hier keine Garantie, dass diese moderate Besteuerung über die gesamte Fondslaufzeit hinweg bleibt. 

 

 

Quelle: Ausgabe 11 / 2006 | Seite 808 | ID 113720