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§ 9 EStG – Regeln zum Ansatz des beschränkt abziehbaren Arbeitszimmers

In zwei aktuellen Urteilen ging es um die Fragen:  

  • Kann der Höchstbetrag von 1.250 EUR beim Wechsel des Arbeitszimmers mehrfach genutzt werden?
  • Und wie erfolgt der Ansatz, wenn sich ein Angestellter neben der Arbeit im heimischen Büro lediglich fortbildet?

 

Höchstbetrag ist jährlich nur einmal verwendbar

 

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sind dann auf 1.250 EURbegrenzt, wenn das Arbeitszimmer zu mehr als 50 v.H. der gesamten beruflichen Tätigkeit genutzt wird oder wenn für die berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Der Höchstbetrag von 1.250 EUR kann nicht mehrfach genutzt werden. Das ist auch nicht möglich, wenn in einem Jahr das heimische Büro gewechselt oder ein weiterer Raum für eine künftige Nutzung als Arbeitszimmer hergerichtet wird. Denn der Höchstbetrag darf pro Veranlagungszeitraum nur einmal in Ansatz gebracht werden.  

 

Im Urteilsfall hatte ein Lehrer ein neues Haus erworben und vor Einzug umfangreiche Renovierungsarbeiten auch für das geplante Arbeitszimmer vorgenommen. Bis zum Umzug wurde ein Raum in der bisherigen Wohnung für berufliche Zwecke verwendet. Auch die Aufwendungen für ein künftiges Arbeitszimmer werden von den 1.250 EUR erfasst. Ob dieser Raum zum Zeitpunkt der Renovierung bereits genutzt oder ob die Wohnung erst nach Abschluss der Maßnahmen erstmals bezogen werden kann, macht keinen Unterschied. Somit ist der Höchstbetrag im Veranlagungszeitraum nur einmal abziehbar.  

 

Dieser Auffassung ist auch die Finanzverwaltung. Auch bei mehreren Nutzern eines Arbeitszimmers sind die 1.250 EUR seit 2005 aufzuteilen. Bei mehreren zeitlich hintereinander verwendeten Räumen gilt das nun entsprechend. 

 

Arbeitszimmers ist nur bei einer Verpflichtung zur Weiterbildung abziehbar

 

Die Aufwendungen für das Arbeitszimmer sind grundsätzlich abziehbar, sofern dem Arbeitnehmer für die berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dieser Grundsatz ist nach Meinung des FG Köln eng auszulegen. Denn Angestellte legen beim Finanzamt vermehrt Gefälligkeitsbescheinigungen ihrer Arbeitgeber vor. Damit bestätigen die Arbeitgeber die Notwendigkeit des häuslichen Arbeitszimmers für Weiterbildungsmaßnahmen. Um Missbrauch zu vermeiden, ist ein Arbeitszimmer im Fall der Fortbildung nur dann steuerlich anzuerkennen, wenn der Arbeitnehmer zur Weiterbildung verpflichtet ist. Die berufliche Verpflichtung muss auf der Hand liegen oder sich unmittelbar aus dem Arbeitsvertrag ergeben. Zusätzlich muss der Nachweis erbracht werden, dass die Fortbildung innerhalb der Dienstzeit am Arbeitsplatz untersagt ist. Geeignet ist hierzu eine Klausel im Arbeitsvertrag oder eine entsprechende Arbeitgeberbescheinigung. 

 

Im Urteilsfall hatte der Betrieb lediglich bescheinigt, dass die Weiterbildung sehr begrüßt wird und am Arbeitsplatz hierzu keine entsprechende Umgebung zur Verfügung steht. Dies war nicht ausreichend, da der Arbeitnehmer nicht zur Fortbildung verpflichtet war. Der Werbungskostenabzug wurde versagt. Arbeitnehmer sollten sich daher vorab um eine geeignete Bescheinigung bemühen. Nur dann können sie neben den laufenden Aufwendungen für die Weiterbildung auch die Kosten für das Arbeitszimmer mit bis zu 1.250 EUR geltend machen. 

 

Fundstellen: 

BFH 9.11.05, VI R 19/04, DB 06, 365, BB 06,420 

BMF 7.1.04, IV A 6 - S 2145 - 71/03, DStR 04, 224, BStBl I 04, 143 und 14.9.04, IV B 2 - S 2145 - 7/04, BStBl I 04, 861, DStR 04, 1748 

FG Köln 3.11.2005, 10 K 1129/02, EFG 06, 179 

 

Quelle: Ausgabe 04 / 2006 | Seite 238 | ID 114086