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§ 9 EStG - Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit liegt am heimischen Telearbeitsplatz

Ab 2007 ist der Abzug der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer auf die Fälle beschränkt, in denen das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bildet. Daher werden Gestaltungs-überlegungen immer wichtiger, wie die Kosten für das heimische Büro weiterhin geltend gemacht werden können. Der BFH hat nun Grundsätze aufgestellt, wann ein Telearbeitsplatz in der Wohnung als Mittelpunkt gilt und somit zum vollumfänglichen Werbungskostenabzug führt.  

 

Bei solchen Mischverträgen über Telearbeitsplätze arbeiten Angestellte sowohl im Unternehmen als auch zu Hause. Das kommt der familiären Gestaltung der Mitarbeiter entgegen, steigert oft Motivation und Leistungsfähigkeit und reduziert auch noch die innerbetrieblichen Kosten. Hier kommt es nach Auffassung des BFH nicht zur Abzugsbeschränkung für das häusliche Arbeitszimmer, wenn der Arbeitnehmer eine in qualitativer Hinsicht gleichwertige Arbeitsleistung wöchentlich an drei Tagen zu Hause und an zwei Tagen im Betrieb seines Arbeitgebers erbringt. Ausreichend ist also über die Woche gesehen ein überwiegender Aufenthalt nach Stunden im Arbeitszimmer. Bei einem solchen häuslichen Telearbeitsplatz stellt der Arbeitgeber in der Regel die Technik zur Verfügung und der Mitarbeiter die Räumlichkeiten. 

 

Die für ein häusliches Arbeitszimmer geltenden Abzugsbeschränkungen können nicht ohne weiteres auf Aufwendungen eines Arbeitnehmers für einen Telearbeitsplatz übertragen werden. Denn möglicherweise stehen die betrieblichen Interessen des Arbeitgebers im Vordergrund. Ist die qualitative Tätigkeit im Unternehmen und zu Hause vergleichbar, ist die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden für den Mittelpunkt der Tätigkeit entscheidend. Damit können Berufstätige den vollen Kostenabzug in der Regel bei überwiegender Heimarbeit in Anspruch nehmen.  

 

Auch die für kommendes Jahr geplante Einschränkung ändert daran nichts. Angesichts der Gesetzesänderung ab 2007 sollten entsprechende Gestaltungsalternativen beim Arbeitszimmer ins Auge gefasst werden. Das Arbeitszimmer stellt immer dann den Mittelpunkt der Betätigung dar, wenn dort die prägenden beruflichen Handlungen erbracht werden. Maßgabe ist der inhaltlich qualitative Schwerpunkt, sodass in der Regel die zeitliche Komponente erst in zweiter Linie entscheidend ist.  

 

Praxishinweise: Es gibt noch drei weitere Alternativen, um den Vollabzug der Raumaufwendungen zu erreichen:  

 

1. Das heimische Büro befindet sich im Keller- und Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses und gehört räumlich nicht zum privaten Wohnbereich (s. AStW 06, 322). Hier liegt grundsätzlich kein häusliches Arbeitszimmer vor.

 

2. Das Arbeitszimmer ist in der Nachbarschaft angemietet und steht somit in keinem Verhältnis zum Privatbereich. Es gilt ebenfalls als außerhäusliches Arbeitszimmer, dessen Kosten in voller Höhe abziehbar sind.

 

3. Das heimische Arbeitszimmer wird an den Arbeitgeber vermietet (s. AStW 06, 177). In diesem Fall handelt es sich um Einkünfte gemäß § 21 EStG. Den Einnahmen können sämtliche anteilige Kosten in vollem Umfang gegenübergestellt werden.

 

Fundstellen: 

BFH 23.5.06, VI R 21/03, DStR 06, 1125, DB 06, 1408 

BMF 7.1.04, IV A 6 - S 2145 - 71/03, BStBl I 04, 143, 13.12.05, IV C 3 - S 2253 - 112/05, BStBl I 06, 212 

 

Quelle: Ausgabe 09 / 2006 | Seite 613 | ID 113825