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§ 9 EStG - Kosten für Umwege zur Arbeit sind nicht immer abziehbar

Mit der Frage, inwieweit Aufwendungen für Umwege auf dem Weg zur Arbeit zu den Werbungskosten gehören, haben sich jüngst die FG Düsseldorf und Saarland beschäftigt. 

 

Unfall auf einem Umweg ist nicht immer beruflich bedingt

 

Erleidet ein Arbeitnehmer auf dem Weg zur Tankstelle einen Unfall, führt dies nur bei einem engen Zusammenhang zwischen der Fahrt zur Arbeit und der Betankung zu Werbungskosten. Dieser Zusammenhang besteht nach dem Urteil des FG Saarland vom 13.9.2005 nicht mehr, wenn das Fahrzeug am Folgetag an einer näher liegenden Tankstelle hätte betankt werden können. Denn nach § 12 EStG kommt ein Werbungskostenabzug grundsätzlich nicht in Betracht, wenn die Aufwendungen zwar den Beruf fördern, daneben aber auch der privaten Lebensführung dienen.  

 

Zwar gehören neben der Entfernungspauschale auch durch einen Verkehrsunfall verursachte Ausgaben zu den Werbungskosten. Geschieht der Unfall aber auf einer Umwegstrecke, ist eine berufliche Veranlassung nur bei einem objektiven Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis gegeben. Der Arbeitnehmer trägt die Nachweispflicht für die berufliche Veranlassung, wenn ein Unfall nicht auf dem direkten Weg zwischen Büro und Wohnung erfolgt. Hierzu reicht nicht die Begründung aus, dass aus einer spontanen Entscheidung heraus eine entfernter liegende Tankstelle aufgesucht worden sei. Dies wäre nur gerechtfertigt, wenn es mangels Benzinsvorrats nicht mehr möglich war, nach Hause zu kommen und am Folgetag auf dem normalen Arbeitsweg zu tanken. 

 

Vorrangig ging es dem FG Saarland um den Nachweis für einen berechtigten Umweg. So kamen die Richter bereits in einem Beschluss vom 8.11.2005 zu der Auffassung, dass bei Fahrgemeinschaften belegt werden muss, dass sich der Unfall nicht auf den Fahrten zum Abholen einzelner Teilnehmer oder auf Umwegen zum gemeinsamen Treffpunkt ereignet hat. Dies würde dann zum Ausschluss vom Steuerabzug führen. 

 

Umwegstrecke muss 20 Minuten einsparen

 

Beim Ansatz der Entfernungspauschale kann eine andere als die kürzeste Straßenverbindung berücksichtigt werden, wenn diese offensichtlich verkehrsgünstiger ist, das Fahrziel in der Regel schneller und pünktlicher erreicht wird und der Umweg regelmäßig für Fahrten zur Arbeit benutzt wird. Voraussetzung hierfür ist eine tägliche Zeitersparnis von mindestens 20 Minuten. Dies muss der Arbeitnehmer nach Auffassung des FG Düsseldorf nachweisen, da sich längere Umwegstrecken steuerlich zu seinen Gunsten auswirken. Ist der Nachweis nicht möglich, darf das Finanzamt die kürzeste Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte laut Routenplaner ansetzen.  

 

Im Urteilsfall ging es um eine längere Strecke von 18 km. Um diese steuerlich geltend zu machen, reicht es nicht aus, dass der Arbeitnehmer die Benutzung der kürzesten Straßenverbindung auf Grund hoher Verkehrsdichte ablehnt. Um die Gleichmäßigkeit der Besteuerung zu wahren, kann es nicht darauf ankommen, ob die Benutzung einer Straßenverbindung subjektiv unzumutbar ist. Diese Belastung trifft jeden Verkehrsteilnehmer und muss daher beim Ansatz von Werbungskosten außer Betracht bleiben.  

 

Fundstellen:  

FG Saarland 13.9.05, 1 K 189/01, unter www.iww.de, Abruf-Nr. 060022, und 8.11.05 1 V 260/05 unter www.iww.de, Abruf-Nr. 060023 

BMF 11.12.01, IV C 5 - S 2351 - 300/01, BStBl I 01, 994, DB 01, 2683 

FG Düsseldorf 18.7.05, 10 K 514/05 E, EFG 05, 1852, unter www.iww.de

Abruf-Nr. 052634 

 

Quelle: Ausgabe 02 / 2006 | Seite 99 | ID 114181