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§ 6 EStG – Teilwertabschreibung auf halbfertige Bauten ist in voller Höhe möglich

Nach Auffassung der Finanzverwaltung sind halbfertige Bauten auf fremdem Grund und Boden als Forderung und damit als Umlaufvermögen anzusetzen. Sie sind mit den Herstellungskosten zu bewerten, wobei eine Berücksichtigung künftiger Verluste nicht zulässig ist.  

 

Dem widerspricht der BFH in einem aktuellen Urteil, wonach teilfertige Bauten nach den für die Bewertung von Vorratsvermögen geltenden Grundsätzen anzusetzen sind. Demnach ist auch eine Teilwertabschreibung nach den Grundsätzen einer verlustfreien Bewertung zulässig. Dies soll sogar hinsichtlich des gesamten Verlustes aus dem noch nicht vollständig abgewickelten Bauauftrag gelten.  

 

Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens, zu denen auch die teilfertigen Bauten gehören, sind steuerrechtlich mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder dem niedrigeren Teilwert anzusetzen. Der Teilwert von zum Absatz bestimmten Waren hängt dabei von ihren Wiederbeschaffungskosten sowie ihrem voraussichtlichen Veräußerungserlös ab. Deckt dieser Preis nicht mehr die Selbstkosten plus Unternehmergewinn, so sind die Anschaffungskosten zu mindern. Diese retrograde Bewertungsmethode ist auch bei teilfertigen Bauten als Vorräte anzuwenden.  

 

Praxishinweis: Dieses Urteil hat für die gesamte Baubranche große Bedeutung. Denn nunmehr kann das gesamte voraussichtliche in Zukunft realisierte Verlustgeschäft inklusive eines üblichen Gewinnaufschlags bereits in der Bilanz vor Fertigstellung Gewinn mindernd berücksichtigt werden. Zu beachten ist noch, dass die Teilwertabschreibung weiterhin Vorrang vor der Bilanzierung schwebender Geschäfte hat und das Verbot der Rückstellung für drohende Verluste nach § 5 Abs. 4a EStG diese Möglichkeit nicht begrenzt.  

 

Fundstellen:  

BFH 7.9.05, VIII R 1/03, DStR 05, 1975, DB 05, 2556 

BMF 14.11.00, IV A 6 - S 2174 - 5/00, BStBl I 00, 1514, DStR 00, 2043 

 

Quelle: Ausgabe 01 / 2006 | Seite 11 | ID 114223