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§ 35a EStG - Neues Anwendungsschreiben zu den haushaltsnahen Dienstleistungen

Das BMF hat sich zu den verbesserten Abzugsmöglichkeiten bei haushaltsnahen Dienstleistungen geäußert. Die noch rechtzeitig vor Erstellung der Steuererklärung veröffentlichten Grundsätze sind ab 2006 anzuwenden. Das bisherige Anwendungsschreiben aus 2004 entfällt. Grundsätzlich wird unterteilt in die Tätigkeiten nach § 35a Abs. 2 S. 1 EStG,die gewöhnlich durch Haushaltsmitglieder selbst erledigt werden können, und den jetzt zusätzlich begünstigten Handwerkerleistungen nach § 35a Abs. 2 S. 2 EStG.  

 

Zu den üblichen Dienstleistungen nach § 35a Abs. 2 S. 1 EStGzählen z.B. Reinigung, Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen oder Gartenarbeiten. Hier ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer um 20 v.H. der Aufwendungen, höchstens aber um 600 EUR. Bei der Betreuung von pflegebedürftigen Personen verdoppelt sich dieser Höchstbetrag auf 1.200 EUR. Die Pflegestufen I bis III oder die Leistungen der Pflegeversicherung sind durch eine Bescheinigung von der Pflegekasse oder der Versicherung, durch ein amtsärztliches Attest oder durch einen Behindertenausweis nachzuweisen. Die Steuerermäßigung steht auch Angehörigen zu, wenn sie für die Betreuung aufkommen. Der Steuerabzug ist haushaltsbezogen. Zwei pflegebedürftige Personen in einer Wohnung zählen also nicht doppelt.  

 

Die Steuerermäßigung gibt es auch im Falle eines Heimaufenthalts, etwa für Reinigung, Pflege- oder Handwerkerleistungen. Allerdings müssen die Räumlichkeiten für eine separate Haushaltsführung geeignet sein. Auch private Umzüge etwa durch eine Spedition gelten als geförderte Dienstleistung. 

 

Der seit 2006 mögliche Abzug von Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen gemäß § 35a Abs. 2 S. 2 EStGgilt auch für regelmäßig vorzunehmende Renovierungs- und Ausbesserungsarbeiten, die gewöhnlich durch die Bewohner selbst erledigt werden. Somit fallen diese Schönheitsreparaturen, die bereits seit 2003 begünstigt werden, nicht mehr unter die üblichen Dienstleistungen nach Satz 1. Kosten für z.B. Malerarbeiten und Modernisierungsmaßnahmen können also nur gemeinsam bis zu 600 EUR abgesetzt werden und nicht nach beiden Vorschriften getrennt.  

 

Unter die neu hinzu gekommenen Handwerkerleistungen fallen ansonsten Tätigkeiten, die im Regelfall nur von Fachkräften durchgeführt werden. Hierzu zählen etwa Arbeiten an Innen- und Außenwänden, Dächern, Fassade und Garagen, Reparatur und Austausch von Fenstern, Türen, Bodenbelägen, Heizungsanlagen, Installationen oder Einbauküche. Auch die Modernisierung des Badezimmers, Reparatur und Wartung von Waschmaschine, Fernseher und PC, Pflasterarbeiten und sogar die Gebühr für den Schornsteinfeger sind unabhängig davon begünstigt, ob sie Erhaltungs- oder Herstellungsaufwand darstellen. Ausgeschlossen sind lediglich Neubaumaßnahmen. 

 

Die Steuerermäßigung nach § 35 EStG kann grundsätzlich nur der Auftraggeber in Anspruch nehmen. Neu ist, dass auch Wohnungseigentümergemeinschaften gefördert werden. Hier muss sich die anteilige handwerkliche Leistung für den einzelnen Besitzer oder Mieter aus der Jahresabrechnung ergeben und dort gesondert aufgeführt und individuell anhand des Beteiligungsverhältnisses berechnet sein. Sofern ein Verwalter bestellt ist, muss dieser die Nachweise führen. Mieter können den Aufwand auch durch eine Bescheinigung des Vermieters nachweisen. 

 

Die Steuerermäßigung ist für Kosten ausgeschlossen, die zu den Betriebsausgaben oder Werbungskosten gehören. Gemischte Aufwendungen sind unter Berücksichtigung des zeitlichen Anteils zu splitten. Das kommt insbesondere bei einem häuslichen Arbeitszimmer in Betracht. Darüber hinaus dürfen die Dienstleistungen nicht vorrangig unter die Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen fallen. Allerdings darf für den - wegen der zumutbaren Eigenbelastung - nicht berücksichtigten Betrag § 35a EStG in Anspruch genommen werden. Bei abzugsfähigen Kinderbetreuungskosten ist hingegen ein zusätzlicher Ansatz der Beträge oberhalb von 4.000 EUR und des Abschlags von einem Drittel ausgeschlossen.  

 

Begünstigte Aufwendungen sind grundsätzlich Pflege-, Betreuungs- und Handwerkerleistungen einschließlich den in Rechnung gestellten Maschinen- und Fahrtkosten. Pro Haushalt können die Höchstbeträge unabhängig von der Bewohnerzahl nur einmal in Anspruch genommen werden. Außen vor bleiben Materialkosten und gelieferte Waren wie z.B. Stützstrümpfe, Fliesen, Tapeten oder Farbe. Der Arbeitsanteil muss grundsätzlich in der Rechnung gesondert ausgewiesen werden. Bei Wartungsverträgen mit Mischkalkulation darf sich dieser Anteil auch aus einer Anlage zur Rechnung ergeben. Ein gesonderter Ausweis der auf die Arbeitskosten entfallenden USt ist nicht erforderlich. Bei wiederkehrenden Dienstleistungen wie die Reinigung des Treppenhauses oder die Gartenpflege sind die in der Jahresabrechnung ausgewiesenen und im Jahr geleisteten Vorauszahlungen maßgebend.  

 

Als Nachweis sind wie bisher die Vorlage von Rechnung und unbarem Zahlungsbeleg erforderlich. Bei Überweisungen per Dauerauftrag oder Online-Banking reicht der Kontoauszug. Maßgebend ist das Abflussprinzip des § 11 Abs. 2 EStG. Handwerkerleistungen sind nur begünstigt, wenn sie seit dem 1.1.2006 ausgeführt worden sind.  

 

Die nunmehr mögliche Förderung von privaten Umzügen sowie die Möglichkeit der Begünstigung bei Heimbewohnern und Wohnungseigentümergemeinschaften gilt für alle offenen Fälle ab 2003. Hierbei wird bis einschließlich 2006 eine Vereinfachungsregel akzeptiert, wonach der Anteil der steuerbegünstigten Arbeitskosten geschätzt werden darf. 

 

Fundstelle:  

BMF 3.11.06, IV C 4 - S 2296 b - 60/06 

 

 

 

Quelle: Ausgabe 12 / 2006 | Seite 853 | ID 113662