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§ 21 EStG – Umbau von Großraum- in Einzelbüros ist abziehbarer Erhaltungsaufwand

Wird ein Großraumbüro durch Rigips-Wände in Einzelzimmer umgebaut, stellen die Aufwendungen als Erhaltungsaufwand sofort abziehbare Werbungskosten dar. Damit schließt sich der BFH in einem nachträglich zur Veröffentlichung bestimmten Urteil nicht der Auffassung der Finanzverwaltung an, die den Einbau von zusätzlichen Trennwänden als Herstellungskosten erfasst und die Aufwendungen nur über die AfA berücksichtigt. Herstellungskosten sind nur Aufwendungen, die für die Herstellung eines Vermögensgegenstandes, seine Erweiterung oder für seine wesentliche Verbesserung entstehen.  

 

Im Urteilsfall wurde ein Großraumbüro nach Auszug der gewerblichen Mieter in vier Einzelräume umgebaut und die Elektroinstallation entsprechend angepasst. Damit war das Büro für die neuen Mieter besser nutzbar. Das Finanzamt lehnte den Sofortabzug des Aufwands von rund 15.000 EUR mit dem Verweis auf Herstellungskosten ab. Laut BFH genügt die reine Umgestaltung von vermieteten Räumen durch Zwischenwände aber nicht, um den streitigen Aufwand als Herstellungskosten zu qualifizieren.  

 

Die Herstellung eines Wirtschaftsguts ist neben Erst-Herstellung und der Wiedererstellung nur dann anzunehmen, wenn ein vorhandenes Wirtschaftsgut in seinem Wesen verändert wird (Wesensänderung). Das ist beispielsweise der Fall, wenn verbrauchte Teile ersetzt werden, die für die Nutzungsdauer bestimmend sind. Die Einfügung von Zwischenwänden kann danach für sich allein nicht zur Annahme von Herstellungskosten führen.  

 

Unter dem Gesichtspunkt der Erweiterung sind nachträgliche Herstellungskosten nur dann gegeben, wenn bisher nicht vorhandene Bestandteile in das Gebäude eingefügt werden, deren Einbau neben der Substanzmehrung auch eine Erweiterung der Nutzungsmöglichkeit des Gebäudes zur Folge haben. Dies gilt z.B., wenn durch die Baumaßnahme ein größerer Raum geschaffen und damit zugleich die Wohnfläche vergrößert wird. Auch in dieser Hinsicht kann die Einfügung von Zwischenwänden für sich allein nicht zur Annahme von Herstellungskosten führen.  

 

Als dritte Alternative können durch eine wesentliche Verbesserung Herstellungskosten entstehen. Eine wesentliche Verbesserung ist bei einem Wohngebäude immer dann gegeben, wenn das Nutzungspotenzial durch die Baumaßnahmen gehoben wird. Dafür müssen mindestens drei Kernbereiche der Ausstattung einer Wohnung von Grund auf erneuert werden. Dazu gehören Elektro-, Heizungs-, Sanitärinstallationen und Fenster.  

 

Nach diesen Maßstäben kann der bloße Einbau von Trennwänden, der allein wegen der gesonderten Vermietbarkeit der abgeteilten Räume durchgeführt wurde, nicht als Herstellungsmaßnahme angesehen werden. Denn durch die Baumaßnahme erfolgt weder eine Wesensänderung noch eine Erweiterung der Nutzfläche oder eine wesentliche Verbesserung. 

 

Fundstellen: 

BFH 16.1.07, IX R 39/05, BFH/NV 07, 1475, DB 07, 2516; 3.12.02, IX R 64/99, BStBl II 03, 590; 12.9.01, IX R 39/97, BStBl II 03, 569 

BMF 18.7.03, IV C 3 - S 2211 - 94/03, BStBl I 03, 386 

 

Quelle: Ausgabe 01 / 2008 | Seite 19 | ID 116599