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03.11.2008 |Ehegatten-Schuldner

So gehen Sie bei Immobilien taktisch richtig vor

Bei der Bearbeitung familienrechtlicher Mandate kommt es immer wieder vor, dass einer der Ehegatten titulierte Ansprüche gegen den anderen, z.B. wegen Zugewinn oder Unterhalt besitzt. Ist dann noch ein gemeinsames Hausgrundstück vorhanden, stellt sich oft die Frage, wie und ob der Ehegatten-Gläubiger gegen den Ehegatten-Schuldner vollstrecken soll. 

 

Beispiel

Ehefrau E. hat einen titulierten Zugewinnanspruch von 20.000 EUR gegen den M. Den – geschiedenen – Eheleuten gehört noch ein gemeinsames Hausgrundstück zu jeweils ½ Anteil, das unbelastet ist. E. lässt sich sicherheitshalber auf dem ½-Anteil des M. eine Sicherungshypothek eintragen. 

 

Vorab ist zu klären, welches Anliegen E. hat. Will sie ihre titulierte Forderung durchzusetzen, muss ihr Vorgehen anders sein als in dem Fall, dass sie anstrebt, das Grundstück selbst – möglichst günstig – zu ersteigern. 

 

In letztgenanntem Fall sollte E. die Forderungsversteigerung in den ½-Anteil des M. betreiben. Dies hat zur Folge, dass tatsächlich nur der belastete ½-Anteil unter den „Hammer“ kommt. In solchen Fällen lehrt die Erfahrung, dass regelmäßig keinerlei Gebote abgegeben werden und das Verfahren gem. § 77 ZVG einstweilen eingestellt bzw. aufgehoben wird. Grund: Keine fremde Drittperson ist bereit, einen ½-Anteil zu ersteigern, um dann noch jemanden Fremden in einer Gemeinschaft zu haben. 

 

Praxishinweis: Diese Taktik geht aber nicht immer auf. Denn gerade in wirtschaftlich attraktiven Regionen ersteigern oft professionelle Ersteigerer, um im Wege der sog. Teilungsversteigerung Profit zu machen. 

 

Will die E. im vorliegenden Fall einen hohen Erlös, empfiehlt es sich, die Teilungsversteigerung zu betreiben. Vorteil: In diesem Fall steht nicht nur der ½-Anteil des M., sondern das gesamte Grundstück zur Versteigerung an. Dies hat zur Folge, dass ein größerer Interessenten- und damit Bieterkreis angelockt wird, was letztlich zu höheren Erlösen führt. 

 

Praxishinweis: In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich, zuvor aus dem titulierten Anspruch den Anspruch des M. gegen die E. auf Auseinandersetzung und Teilung des Übererlöses zu pfänden und sich zur Einziehung überweisen zu lassen (VE 06, 206). Dann sollte E. den Antrag auf Teilungsversteigerung für den M. als Pfändungsgläubigerin stellen und gleichzeitig dem Verfahren aus ihrem eigenen unbelasteten Anteil beitreten. 

 

Der Vorteil dieser Vorgehensweise zeigt sich vor allem darin, dass M. dadurch „lahmgelegt“ ist: Er kann in Höhe des bestehenden Pfandrechts (20.000 EUR) nicht mehr das Verfahren zurücknehmen. Insofern hat E. nun die Fäden in der Hand. Insbesondere bei einem Übererlös kann sie die im Verteilungstermin notwendigen Erklärungen für den M. abgeben. 

 

Quelle: Ausgabe 11 / 2008 | Seite 188 | ID 122592