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25.02.2011 |Steuererklärung 2010

Reinigung von Berufskleidung: Neue Erkenntnisse zum Werbungskostenabzug

Der Ansatz von Berufskleidung und deren Reinigungskosten ist eines der letzten Steuerspar-Modelle des „kleinen Mannes“, bei dem man aber allzuoft mit Widerstand der Finanzverwaltung rechnen muss. Erfahren Sie nachfolgend anhand der aktuellen Rechtsprechung, wie Arbeitnehmer ihre Chance auf den Werbungkostenabzug wahren. 

Aktuelle Entscheidung aus Rheinland-Pfalz

Die jüngste Rechtsprechung ist zu einer Arbeitnehmerin ergangen, die als Hauswirtschafterin in der Küche und der Cafeteria eines Klosters arbeitet. Hier - so das Finanzgericht (FG) Rheinland-Pfalz - stellen nur die Kleidungsstücke Kopfbedeckung, T-Shirt, Kittel und Vorbinder Berufskleidung dar. Deren Reinigungskosten sind als Werbungskosten abzugsfähig. Nicht als Berufskleidung gelten dagegen weiße Socken und weiße Hosen; und zwar selbst dann, wenn diese einen kleinen Aufnäher mit den Insignien des Arbeitgebers tragen (Urteil vom 28.10.2010, Az: 2 K 1638/09; Abruf-Nr. 110638). 

 

Praxishinweis

Zur „weißen Hose“ gibt es es aber auch andere Rechtsprechung. Das FG Saarland ist zum Beispiel der Meinung, dass bei weißen Hosen, wie sie im Krankenhaus getragen werden (müssen), es so gut wie ausgeschlossen ist, dass diese auch im privaten Bereich getragen werden. Es hat deshalb entsprechende Reinigungskosten anerkannt (Gerichtsbescheid vom 20.4.2010, Az: 2 K 1179/09; Abruf-Nr. 103507). Wir halten diese Auffassung durchaus auf andere Fälle übertragbar, in denen aus Hygiene- und anderen Gründen besondere weiße Hosen getragen werden müssen. 

Bemessung der Werbungskosten

Das FG Rheinland-Pfalz hat sich darüber hinaus dazu geäußert, wie die Reinigungskosten zu ermitteln sind. Es gilt folgende Formel: 

 

Anzahl kg Berufswäsche pro Waschgang x Anzahl Waschgänge pro Jahr x Kosten je Waschgang 

 

  • Anzahl kg Wäsche pro Waschgang: Hier kam das FG zum Ergebnis, dass 650 Gramm Arbeitskleidung pro Arbeitstag und Waschgang angefallen waren (43 g für Kopfbedeckung, 169 g für das T-Shirt, 303 g für den Kittel, 135 g für den Vorbinder).

 

  • Anzahl Waschgänge: Laut Dienstanweisung war die Hauswirtschafterin gehalten, die Wäsche je Arbeitstag zwei Mal zu wechseln. Bei 263 Arbeitstagen erkannte das FG deshalb 526 Waschgänge an.
  • Kosten je Waschgang: Das FG bestätigt hier, dass als Maßstab immer noch die vom Bundesverband der Verbraucherzentralen im Jahr 2002 ermittelten Kosten zugrunde zu legen sind.

 

Wäschepflege-Gesamtkosten bezogen auf ein Kilogramm Wäsche

Wäschepflege-Gesamtkosten im Haushalt mit ... 

eine
Person 

zwei
Personen 

drei
Personen 

vier
Personen 

Kochwäsche bis 95° Celsius 

0,77 Euro 

0,50 Euro 

0,43 Euro 

0,37 Euro 

Buntwäsche bis 60° Celsius 

0,76 Euro 

0,48 Euro 

0,41 Euro 

0,35 Euro 

Feinwäsche, Pflegeleicht-Wäsche 

0,88 Euro 

0,60 Euro 

0,53 Euro 

0,47 Euro 

+ Trocknungskosten/kg Wäsche (Kondensattrockner) 

0,55 Euro 

0,34 Euro 

0,29 Euro 

0,24 Euro 

bzw. Trocknungskosten/kg Wäsche (Umlufttrockner) 

0,41 Euro 

0,26 Euro 

0,23 Euro 

0,19 Euro 

+ Bügelkosten 

0,07 Euro 

0,05 Euro 

0,05 Euro 

0,05 Euro 

 

Werbungskostenabzug im Fall vor dem FG Rheinland-Pfalz

Auf dieser Basis erkannte das FG 226 Euro als Werbungskosten an. Dabei gewährte das FG im konkreten Fall (Zwei-Personen-Haushalt) mit 0,66 Euro je kg (0,37 Euro für Waschen, 0,24 Euro für Trocknen, 0,05 Euro für Bügeln) einen geringeren Betrag pro kg als ihn die Tabelle der Verbraucherverbände ausweist (0,89 Euro). Begründung: Die Verbraucherzentrale sei bei ihrer Berechnung von einer Gesamtwäschemenge von 380 kg pro Jahr ausgegangen. Im konkreten Fall habe die Wäschemenge inklusive Hosen und Socken aber bei 610 kg im Jahr gelegen, sodass hier nur der Wert für einen Vier-Personen-Haushalt anzusetzen sei (Fixkostendegression).  

Konsequenz für die Praxis

Der Ansatz vor berufsbedingten Reinigungskosten wird von Finanzamt zu Finanzamt unterschiedlich gehandhabt. Wir empfehlen deshalb, in der Steuererklärung zumindest einen pauschalen Betrag anzusetzen, wenn eine detaillierte Auflistung mangels „echter Berufskleidung“ wenig sinnvoll ist. Rechtsprechung und Aussagen der Finanzverwaltung geben dazu Folgendes her: 

 

Beispiele

  • In einem Kölner Finanzamtsbezirk wurden einem Straßenbahnfahrer jahrelang 150 Euro pauschal als Werbungskosten anerkannt. Erst als der Straßenbahnfahrer den Betrag auf 543 Euro erhöhen wollte, schritt das Finanzamt ein und stellte die Reinigungskosten (für Hosen, Pullover und Jacken) mangels Berufskleidung komplett in Frage. Seine Klage vor dem FG Köln scheiterte (Urteil vom 28.4.2009, Az: 12 K 839/08).
  • Bei Flugpersonal ist ein Ansatz von bis zu 77 Euro im Kalenderjahr (1,60 Euro pro Waschgang) ohne weitere Überprüfung als angemessen anzusehen (Finanzministerium Berlin, Verfügung vom 6.2.2009, Az: III B - S 2354 - 1/2006).
 

 

Quelle: Ausgabe 03 / 2011 | Seite 13 | ID 142539