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·Fachbeitrag ·Werbungskosten

Berufskleidung: So berechnen Sie Reinigungskosten optimal

| Um den Werbungskostenabzug von Reinigungskosten für Berufskleidung gibt es häufig Streit mit dem Finanzamt. Beamte kürzen den Betrag gerne mit dem Argument, dass die Kosten auch nicht begünstigte Kleidungsstücke umfassen und die Kostenermittlungen allzu pauschal sind. Ein aktuelles Urteil des FG Köln verrät, wie es mit dem Nachweis von Reinigungskosten reibungslos klappen müsste. |

Wichtige Aussagen des Finanzgerichts Kölns

Das FG Köln hat zu Reinigungskosten für typische Berufskleidung Folgendes klargestellt (FG Köln, Urteil vom 20.12.2012, Az. 11 K 2001/11; Abruf-Nr. 131332):

 

  • Orientiert sich ein Arbeitnehmer an den Vorjahresdaten, obwohl anstatt einer Sechs-Tage-Woche nur noch eine Vier- oder Fünf-Tage-Woche absolviert wird, darf das Finanzamt die erklärten Reinigungskosten im Schätzungsweg kürzen.

 

  • Beim Gewicht der Kleidung ist vom trockenen Zustand auszugehen. Berechnet man die Wäschekosten auf Basis des Nassgewichts (Beispiel: Pullover trocken 800g, nass 3 kg), droht ein deutlicher Abschlag vom Erklärten.

 

  • Bei der Kostenermittlung akzeptiert das Finanzamt auch eigene Kostenberechnungen, wenn diese plausibel erläutert sind.

 

  • Die Kölner Richter erlauben es, dass die Kosten pro Wasch-, Trocken- und Bügelvorgang nach wie vor anhand einer Tabelle eines Verbraucherverbands aus dem Jahr 2002 ermittelt werden. Und das, obwohl die Kosten durch neue Technologien (verbrauchsarme Geräte A+++) heutzutage deutlich niedriger sein dürften als 2002.

 

Ausgehend von dieser aktuellen Entscheidung sollten Sie beim Geltendmachen von Reinigungskosten folgende Grundsätze beachten:

Nur die Reinigung typischer Arbeitskleidung ist begünstigt

Listen Sie dem Finanzamt nur die Reinigungskosten für typische Berufskleidung auf. Enthält Ihre Aufstellung nur ein Kleidungsstück, das nicht als typische Arbeitskleidung gilt, kürzt das Finanzamt. Deshalb sollten folgende Kleidungsstücke in Ihrer Aufstellung besser nicht auftauchen:

 

Socken

T-Shirt

Unterwäsche

Sportkleidung für Dienstsport

Hemd ohne Firmenlogo

Pulli ohne Firmenlogo

 

 

Reinigung im eigenen Haushalt und in der Wäscherei

Erfolgt die Reinigung typischer Berufskleidung in einer Wäscherei, ist der Nachweis der angefallenen Kosten einfach: Lassen Sie sich bescheinigen, was genau gewaschen wurde, und machen Sie diese Kosten geltend.

 

Reinigen Sie Ihre Berufskleidung zu Hause in der eigenen Waschmaschine, müssen Sie die Kosten speziell nach den Kosten je Waschgang ermitteln. Die Kosten je Wasch- und Trockengang können Sie dem Finanzamt anhand von Vergleichsdaten eines Verbraucherverbands nachweisen. Selbst heute noch greifen die Sachbearbeiter im Finanzamt auf eine Aufstellung aus dem Jahr 2002 zurück (Abruf-Nr. 131294). Die Gewichte der Kleidungsstücke beziehen sich auf den trockenen Zustand.

 

Musteraufstellung mit Kosten für Wasch- und Trockenvorgang

Kleidung

Waschgänge/Jahr

Gewicht einzeln

Gewicht gesamt/Jahr

Kochwäsche/Buntwäsche

Kosten/kg

Kosten gesamt

Diensthemd

150

200g

30 kg

K

0,77 Euro

23,10 Euro

Halstuch

20

120g

2,4 kg

B

0,76 Euro

1,82 Euro

Uniformjacke

50

1,2kg

60 kg

B

0,76 Euro

46,80 Euro

Uniformhose

50

800g

40 kg

B

0,76 Euro

30,40 Euro

 

 

Wichtig | Zusätzlich zu den Kosten für den Waschvorgang können Sie noch die Kosten je Trockenvorgang und die Bügelkosten je Kilogramm Bügelwäsche geltend machen. Außerdem wird das Finanzamt auch Kosten für die Reparatur typischer Berufskleidung anerkennen.

 

PRAXISHINWEIS | Wem es zu aufwändig ist, Reinigungskosten einzeln aufzulisten, kann pauschale Werbungskosten von 110 Euro geltend machen. Arbeitnehmer haben zwar keinen Anspruch auf den Abzug dieser 110 Euro, in den meisten Fällen wird das Finanzamt dem Abzug in dieser Höhe aber zustimmen.

 

Werbungskostenabzug ausnahmsweise auch für Alltagskleidung

In Ausnahmefällen dürfen Sie auch Reinigungs- oder „Reparaturkosten“ von Alltagskleidung steuermindernd geltend machen. Nämlich dann, wenn Ihnen während der Arbeit zum Beispiel beim Wechseln der Toners im Drucker oder Kopierer Farbe auf Hemd, Hose oder Sakko gekommen und Sie das Hemd deswegen reinigen lassen. Dasselbe gilt, wenn Sie im Büro Ihr Sakko zerreißen und es reparieren lassen (BFH, Urteil vom 26.6.1969, Az. VI R 125/68). Ist die Kleidung nicht mehr brauchbar, dürfen als Werbungskosten allerdings nur der geschätzte Restwert der Kleidung angesetzt werden.

 

Wichtig | Unbedingt empfehlenswert ist es hier, Zeugen zu benennen, die das Missgeschick bestätigen können.

 

Weiterführender Hinweis

  • Aufstellung der Verbraucherverbände zum steuerlichen Ansatz von Kosten der Reinigung von Berufskleidung, wiso.iww.de, Abruf-Nr. 131294
Quelle: Ausgabe 05 / 2013 | Seite 8 | ID 39201980