logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

·Fachbeitrag ·Digitalisierung

Management von Planungsänderungen per App und in BIM: Lösungen kurz vor der „Platzreife“

| Beim Wettbewerb „Auf IT gebaut“ werden seit 2002 jährlich zukunftsweisende Abschlussarbeiten in Planung und Bau prämiert. 2019 ist die Masterarbeit zur „Integration von BIM und IoT zur Verbesserung des Änderungsprozesses in Bauprojekten“ von Dipl.-Ing. Architektur Elisabeth Zachries mit dem Sonderpreis der Züblin AG ausgezeichnet worden. PBP hat die Preisträgerin, die inzwischen Digitalisierungsberaterin bei Dalux ist, zu ihrer Masterarbeit und den Chancen des IT-gestützten Änderungsmanagements befragt. |

 

Redaktion: Warum ist das digitale Änderungsmanagement, das Sie in Ihrer Masterthesis am Lehrstuhl für Architekturinformatik der TU München beleuchtet haben, auch noch in der Bauphase von Bedeutung?

 

Elisabeth Zachries: Planungsänderungen sind nicht zu vermeiden und treten auch im Bauprozess noch auf. Sie müssen dokumentiert, bewertet und kommuniziert werden. Beruhte die Planungsänderung auf einem Bauherrenwunsch oder auf einem Planungsfehler? Diese Frage stellt sich häufig im Nachhinein. Gut, wenn ein Planer hier sauber und rechtssicher dokumentiert hat und auf dieser Basis erfolgreich abrechnen kann.

 

Redaktion: Worum ging es in Ihrer Masterarbeit zum Thema „Integration von BIM und IoT zur Verbesserung des Änderungsprozesses in Bauprojekten“?

 

Elisabeth Zachries: Digitale Technologien können Änderungen nicht verhindern, aber den Änderungsprozess gezielt unterstützen. In meiner Masterthesis habe ich das Potential beleuchtet, das darin steckt. Ich habe den Änderungsprozess während der Bauphase analysiert und untersucht, ob dieser Prozess durch neuartige Technologien wie Building Information Modelling (BIM) und Internet of Things (IoT) unterstützt werden kann. Denn neue digitale Methoden bieten besonders in ihrem Zusammenspiel ein großes Potenzial für Planung und Bau.

 

Redaktion: Sie haben dafür auch eine App konzipiert. Wie muss man sich diese vorstellen?

 

Elisabeth Zachries: Über die App wird im BIM-Modell zugewiesen, wo die Änderung im Projekt lokalisiert ist. Ebenfalls über die App werden die Änderungen direkt mit den ausgewählten Projektbeteiligten geteilt. Sie erhalten die Benachrichtigung zu den jeweiligen Änderungen ebenfalls über ihr mobiles Endgerät, auf dem sie auch die App installiert haben.

 

Redaktion: Welche Rolle spielt IoT, also Internet of Things?

 

Elisabeth Zachries: IoT würde in diesem Zusammenhang bedeuten, dass mit Hilfe von Sensorik ortsspezifische und personifizierte Daten mit einfließen und die Kommunikation der Änderungen per App damit automatisch gesteuert werden kann. Zum Beispiel: Eine bestimmte Person betritt einen Raum und erhält eine Meldung über die Änderung, die an diesen Raum gebunden ist, wenn diese Änderung für diese Person überhaupt relevant ist.

 

Redaktion: Wie erfolgt der Transfer der Erkenntnisse aus Ihrer Masterthesis in die Praxis?

 

Elisabeth Zachries: Direkt nach Abschluss meines Architekturstudiums habe ich meine Stelle als Digitalisierungsberaterin für die D-A-CH-Region bei Dalux Kopenhagen angetreten. Das ist ein dänischer Softwareentwickler für Planung und Bau. Als ich angefangen habe zu arbeiten, wurde mir klar, dass die IoT-Technologie zwar bereits da ist, aber der Markt für solche Technologien noch nicht ganz bereit ist. Anders sieht es jedoch mit der Nutzung von mobilen Endgeräten auf der Baustelle aus. Durch den Einsatz von Apps auf der Baustelle ist die wichtige Kommunikation zu den ausführenden Parteien extrem vereinfacht worden. Genau diese Art der Kommunikation verfolgen und dokumentieren wir über ein BIM-Modell, also auch bestimmte Abweichungen oder Änderungswünsche.

 

Redaktion: Wir gratulieren Ihnen zur neuen Stelle, die ja einen perfekten Anschluss an Ihre Masterthesis bietet. Was machen Sie genau bei Ihrer Arbeit?

 

Elisabeth Zachries: Bei meiner Tätigkeit als Digitalisierungsberaterin betreue ich auch Kunden, für die die App „Dalux Field“ für die Bauausführung eine wichtige Lösung darstellt. Es handelt sich um eine Softwarelösung mit einer cloudbasierten Datenbank, die verschiedene Auswertungen ermöglicht. Das Änderungsmanagement ist ein Teil der Möglichkeiten von Dalux Field. Zum Beispiel können alle Änderungen gefiltert werden, die den Planer betreffen, und die zugleich auf Bauherrenwunsch basieren, so dass sie diese Auswertungen mit in die Honorarabrechnung berücksichtigen können. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Baustellenprotokolle auszuwerten, zum Beispiel auch im Rahmen des Mängelmanagements.

 

Redaktion: Wie wird beim Einsatz dieser Software konkret mit Änderungen auf der Baustelle verfahren?

 

Elisabeth Zachries: Auf der Baustelle wird mit der App gearbeitet. Änderungsanträge werden vor Ort erfasst und nach einem definierten Workflow abgewickelt. Die Infos von der Baustelle werden zeitnah ebenfalls per App zurück ins Büro kommuniziert. Bedeutsam bei allem ist das Rollen- und Rechte-Management − also wer darf welche Änderungen erfassen und an wen kommunizieren. Die Zuständigkeiten und Kommunikations-Workflows müssen vorher festgelegt werden. Aus dem Änderungsmanagement entstehen Tickets mit Aufgaben, deren Erfüllung ebenfalls wieder dokumentiert wird. Viel Schriftverkehr wird damit überflüssig. In einer digitalen Mappe befinden sich alle Entscheidungen und die zugehörige Kommunikation für ein nachvollziehbares und transparentes Projektmanagement. So wird die Arbeit auch für die Planer bei der Bauüberwachung einfacher.

 

Wir bedanken uns für die interessanten Informationen, Frau Zachries, und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg als Digitalisierungsberaterin für Planung und Bau!

 

Weiterführende Hinweise

  • Internetseite „Auf IT gebaut ‒ Bauberufe mit Zukunft“ / Übersicht Preisträger 2020: www.aufitgebaut.de
Quelle: ID 46397328