· Fachbeitrag · Strategieentwicklung
Die KI zum kreativen Partner trainieren und das „Architekt/Ingenieur sein“ neu definieren
von Edgar Haupt, Dipl.-Ing. und Agiler Coach sowie Martin Bachem, Architekt, beide Köln
Auf der Suche nach Erleichterung und Effizienz scheint KI den Planenden ideale Lösungen zu bieten. In der Tat können vielerlei komplexe Aufgaben mit KI sehr gut und schnell erledigt werden – etwa im Büromanagement oder in der Projektabwicklung. Gute Architektur oder gut technische Anlagen gibt es jedoch nicht auf Knopfdruck. Menschen bestimmen nach wie vor Qualitäten und stehen für Ergebnisse ein. Mit KI lässt sich allerdings das gestalterische Arbeiten zeitgemäß weiterentwickeln. Dieser Text soll Planende aller Disziplinen inspirieren, ihre Kreativität mit KI zu stärken.
Think slow, act fast – es zählt das richtige Bild
Wenn doch so vieles einfacher und leichter ist, aufwändige Routinearbeiten schneller durchgeführt werden, dann lohnt es sich, die gewonnene Zeit für das Wesentliche zu nutzen. Abgesehen von Gewährleistung und Vertragserfüllung, geht es am Ende in allen Projekten um Inhalte: um technische und funktionale Qualitäten, um Ästhetik, Wohlbefinden.
All dies zu erreichen, braucht Sorgfalt und eben doch Zeit. Dabei kann KI sicher helfen. Um mit KI allerdings erfolgreich zu sein, gilt es, diese nicht als Tool zu begreifen, sondern als Sparringspartner. Ein Partner, der geführt werden will; einer, der nicht nur eindimensionale Prompts aufnimmt und ausgibt, sondern solche mit Bedeutung. Gemeint sind Antworten der KI, die aus einem intensiven Dialog entstanden sind, in die der Mensch seine Assoziationen einpflegt. Ergebnis ist ein zentraler Prompt, mit dem das eine, richtige Bild zum Entwurf oder der technischen Lösung erzeugt wird.
KI stärkt und verändert die Sprache des Planers
„Wir leben im Zeitalter der Antworten. Wert entsteht nicht mehr durch mehr Output, sondern durch die richtigen Fragen und die kontrollierte Übersetzung in Planung. Dieses Zeitalter zeigt sich als ‚Semantic Turn‘ – Sprache ist nicht mehr nur Beschreibung, sie wird zunehmend Steuerung. Wer Sprache setzt, setzt Orientierung, Prioritäten, Entscheidungen. Darum wird Sprachbewusstsein zur Schlüsselkompetenz: Nicht nur was ich sage, sondern wie und als wer ich spreche, bestimmt, was entsteht. Ein Gespräch mit KI ist im Kern ein Selbstgespräch mit Weltbezug. Ich denke laut – aber in einem Raum, der antwortet. Dadurch wird meine eigene Position sichtbarer: Haltung, Wertung, Ordnung, Ziel.“
So beschreibt Martin Bachem, KI-Experte und lange Büroleiter, Head of Design und Associate bei Ortner & Ortner Baukunst sowie Urbanlust, beide in Köln, seine Entwurfs- und Konzeptprozesse mit ChatGPT (es funktionieren natürlich auch andere LLM-Systeme). KI und Mensch generieren miteinander „semantische Landschaften“. Der kreative Kopf schafft Sinn und Wert statt Beliebigkeit!
Der Architekt spricht weniger mit dem Stift als mit bewusster Sprache
„Es geht weniger darum, eine neue „Maschinensprache“ zu lernen (Prompt Engineering als neue Disziplin), sondern darum, den eigenen Sprachraum bewusst zu wählen. Die Maschinen hören auf unsere Sprache. Wir eröffnen gestaltete Kontextlandschaften, in denen Ideen, Anforderungen, Kriterien und Referenzen als Zusammenhang erscheinen – und darin wird die KI steuerbar.“
Sprache greift mittlerweile über reine Textarbeit hinaus. Über Sprache werden zunehmend ganze digitale Infrastrukturen gelenkt – von Workflows bis Robotik, von Tools bis zu vernetzten Systemen im Projektmanagement. Worte werden zu Operatoren.
Gestaltende werden zukünftig über vernetzte Ketten (bis hin zu File-to-Factory) Dinge entstehen lassen Worte werden zu Gebäuden – nicht als Zauberei, sondern als konsequente Automatisierung entlang definierter Prozesse.
Früher wie heute – Prozesslogik und Arbeitskultur machen Mehrwert
„Auf dem Tisch der Planenden liegen seit jeher gleichzeitig: Inspiration, Raumprogramm, Vorgaben, Normlogik, Skizzen, Referenzen, Bauherrenwünsche, technische Restriktionen.
Der Tisch ist das Bündel – die Zusammenführung des Heterogenen. Heute bauen wir denselben Tisch als semantische Arbeitsfläche. Die Dinge liegen nicht nur als Papier, PDF, Bild und Plan vor uns, sondern als geordnetes sprachliches Feld: Anforderungen, Ziele, No-Gos, Varianten, Entscheidungen.“
Praktisch heißt das: Der Entwurfsprozess wird zu einem Sprachprozess mit Qualitätskontrolle. KI kann schneller sortieren, strukturieren, formulieren, variieren – aber wir halten die Position, den Ton, die Kriterien und die Prüfung in der Hand. KI ist ein „Spieler“ mehr am Tisch. Daher ist es zentral, die fachlichen und menschlichen Kompetenzen von Mitarbeitenden zu stärken – und vor allem das kollaborative Arbeiten zu fördern. Kollaboration meint nämlich, alle Kompetenzen gezielt zum besten Ergebnis zusammenzuführen.
Weiterführende Hinweise
- Der Beitrag ist die Ergänzung zu „KI und Arbeitskultur – das Team machts: Wie ein TGA-Büro strategisch sein Berufsbild entwickelt“ in PBP 1/2026, Seite 19 → Abruf-Nr. 50652047.
- In der IWW-PlanerWerkstatt „Neues Arbeiten – agil.digital.gemeinsam“ lernen Sie in drei aufschluss- und impulsreichen Tagen moderne Arbeitsweisen und bewährte Tools (+KI) kennen, die sich zudem kongenial mit funktionierenden Instrumenten verbinden lassen. Martin Bachem wird am Abend des ersten Tages seine Arbeitsweise vorstellen und den Teilnehmern die Handhabung von Sprachmodellen in der Gestaltung zeigen. Das Gesamtprogramm finden Sie hier: https://www.agiles-planungsbuero.de/programm.