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·Fachbeitrag ·Planungsleistungen

In zehn Schritten zum Erfolg: So kann Ihr Büro BIM einführen

von Dipl.-Ing. Ulf-Günter Krause, IT Experte für die planenden Berufe, Kiel

| Deutschland ist noch kein BIM-Land. Es wird aber eines werden. Die Entwicklung ist unaufhaltbar. Die Bauindustrie ist auch schon auf den BIM-Zug aufgesprungen. Architekten und Ingenieure sollten nachziehen, um nicht irgendwann auf dem Abstellgleis zu landen. Erfahren Sie, wie Sie BIM in zehn Schritten in Ihrem Büro einführen. |

1. Treffen Sie eine Entscheidung

Menschen mögen keine Veränderungen. Menschen möchten lieber, dass alles so bleibt wie es ist. BIM wird die Zusammenarbeit der Menschen in der Bauindustrie nachhaltig verändern. Jeder, egal ob Unternehmer oder Angestellter, muss sich irgendwann zu dem Thema eine eigene Meinung bilden und eine Entscheidung treffen. Weil BIM vieles in der Zusammenarbeit verändert, muss auch jeder davon überzeugt sein oder überzeugt werden. Wer nicht wirklich von BIM überzeugt ist, der sollte nicht mit der Einführung von BIM beginnen.

 

Halbherzigkeit können Sie sich als Unternehmer nicht leisten. Mit der Aussage „Wir können es ja einmal ein wenig probieren“ geben Sie den Skeptikern in Ihrem Büro Raum, kleine Rückschläge oder Misserfolge sofort zu nutzen, um gegen die Einführung von BIM Stimmung zu machen. Zeigen Sie von Anfang an, dass Sie von BIM überzeugt sind. Treffen Sie keine einsame Entscheidung, sondern nehmen Sie von Anfang an Ihre Mitarbeiter mit ins Boot. Es reicht nicht, dass nur wenige in Ihrem Büro überzeugt sind. BIM ist Teamwork. Es reicht auch nicht, dass Sie selbst davon überzeugt sind, dass alle ein Team sind. Sind wirkliche alle ein Team? Stellen Sie sich selbst die Frage und beantworten Sie die Frage sich selbst gegenüber ehrlich. Sind Sie sich nicht wirklich sicher, suchen Sie sich einen externen Sparringspartner und sprechen Sie offen mit ihm über die Lage. Ihr Ziel ist es, dass die Einführung von BIM beim ersten Versuch gelingt und nicht erst beim zweiten Versuch.

 

PRAXISHINWEIS | BIM zu machen, nur, weil andere es wollen, dass Sie es tun, ist keine Grundlage für eine Entscheidung, sondern nur ein Einstieg, um darüber nachzudenken. Mit BIM zu beginnen, weil Sie sich anderen gegenüber einem Wettbewerbsvorteil versprechen, ist zwar eine interessante Zielsetzung, aber zu kurz gedacht. Wenn nach zwei bis drei Jahren alle BIM machen, ist der Vorteil dahin. Dann müssen Sie sich eine neue Zielsetzung zum Thema BIM einfallen lassen und das wird schwer werden. Sie sind zu sehr auf Ihren Vorteil fixiert und das hat mit dem Kulturwandel nichts zu tun. Außerdem ist die Einführung von BIM nur der erste Schritt. Sie werden es im Laufe der Einführung merken, dass es sinnvoll ist, BIM in Ihrem Unternehmen immer weiter zu perfektionieren.

 

2. Formulieren Sie Ihre Ziele

Sie haben die Entscheidung getroffen, BIM einzuführen. Die Entscheidung ist Ihnen nicht leicht gefallen, aber die meisten in Ihrem Unternehmen konnten Sie mitnehmen. Ohne Skeptiker geht es nicht. In der Entscheidungsphase hat es mit Sicherheit auch Fragen nach Warum, Wieso oder Wozu gegeben. Sie haben über mögliche Ziele und Szenarien gesprochen. Nun ist die Zeit, konkrete Ziele zu formulieren und Zeiträume festzulegen.

 

Alle beteiligten Komponenten kommen auf den Prüfstand: Ihre Software, Ihre Hardware, Ihr Netzwerk, Ihre Kommunikation, Ihre Lieferanten, Ihre externen Partner, Ihre Nachunternehmer und - last but not least - Ihr Wissen. Vergessen Sie bei allen Überlegungen nicht Ihre Kunden! Auch an dieser Stelle sollten Sie nichts dem Zufall überlassen. Sie können die Dinge selbst in die Hand nehmen oder einen externen Berater oder Moderator auf Zeit hinzuziehen. Der Externe könnte dann auch die Einhaltung Ihrer Ziele überwachen und rechtzeitig gegensteuern. Die erste Einführung von BIM soll erfolgreich sein. Eine grundsätzliche zweite Einführung von BIM ist viel schwerer. Es ist ja kein wirklicher Neubeginn. Ihr Team muss wieder neu motiviert werden und Sie haben bereits Zeit und Geld investiert und Sie müssen wieder neu investieren.

 

PRAXISHINWEISE |

  • Nutzen Sie die Einführung von BIM ebenfalls dazu, Ihre eigene Projektorganisation zu ändern. BIM können Sie nicht wie ein konventionelles Bauprojekt organisieren und einführen.
  • Auf der Baustelle sind Balkendiagramme sinnvoll und übersichtlich, aber Ihr Projekt BIM-Einführung funktioniert am besten mit der Kanban Technik, zum Beispiel mit der Software Lean4Team.
  • In diesem Fall können Sie die Software gleich in zwei Projekten einsetzen: Für die Einführung von BIM und für Ihr erstes BIM-Projekt. Etwas „Agiler“ und „Leaner“ darf die Einführung schon verlaufen. Motivieren Sie Ihren BIM-Berater, dieses Medium einzusetzen.
  • Reduzieren Sie von Anfang an die zeit- und kostenintensiven Projektbesprechungen auf ein Minimum.
  • Beziehen Sie von Anfang an alle beteiligten Personen offensiv mit in das BIM-Einführungs-Projekt ein. Nehmen Sie es ernst mit Transparenz und Effizienz.
 

3. Schaffen Sie die Voraussetzungen

Sie haben Ihre Unternehmensziele mit oder ohne Hilfe formuliert. Nun müssen Sie die Voraussetzungen schaffen.

 

BIM nutzt als Basis ein dreidimensionales digitales Gebäude- oder Bauwerksmodell. Die nächsten Absätze sind jetzt von technischen Sachverhalten geprägt, von denen der ein oder andere von Ihnen schon oft auf BIM-Events gehört hat. Die Einführung von BIM hat mit digitalen und emotionalen Momenten zu tun. Nun wird es ein wenig technisch und digital.

 

Ist Ihre Software BIM-tauglich?

Fast jeder Planer nutzt mittlerweile eine CAD-Software. Überprüfen Sie deshalb, ob Sie mit Ihrer Software in der Lage sind, dreidimensionale Objekte zu erstellen. BIM setzt voraus, dass Sie diese Dateien im Planungsprozess im Team intensiv mit anderen Fachplanern austauschen. .

 

Unterschied zwischen Open-BIM und Closed-BIM kennen

Zwei Fälle werden unterschieden - Open-BIM und Closed-BIM. Nutzen Sie und Ihre Partner alle die Softwareprodukte des gleichen Herstellers, können Sie die Daten im Planungsprozess auf der Basis von Closed-BIM austauschen.

 

Nutzen Sie unterschiedliche CAD-Softwareprodukte, arbeiten Sie mit der Open-BIM Variante. Dann benötigen die beteiligten Softwareprodukte eine funktionstüchtige IFC-Schnittstelle. Die Wand des Architekten muss beim Tragwerkplaner und beim TA-Planer als Wand in der Bearbeitung erscheinen. Ist das nicht der Fall ist, sollten Sie sich externe Hilfe holen. Am besten fragen Sie jemanden, der allen Softwareherstellern gegenüber neutral ist.

 

Umgang mit Hindernissen

Zum BIM Kulturwandel gehört auch, dass nicht nach Schuldigen gesucht wird, sondern dass Hindernisse schnell und zügig durch das Team beseitigt werden. In der Praxis fällt es den unterschiedlichen CAD-Systemhäusern noch schwer, eine neutrale und offene Antwort zu geben. Die IFC-Schnittstelle ist genormt. Aber nicht jeder Softwarehersteller hält diese ISO-Norm so ein, wie der Anwender es erwartet. Kurzfristig mag Closed-BIM eine gute Lösung sein. Deutschland bzw. das BMVI setzt aber eindeutig auf Open-BIM.

 

Hardware-, Netzwerk- und Kommunikationsumgebung prüfen

Prüfen Sie auch Ihre komplette Hardware-, Netzwerk- und Kommunikationsumgebung. Können Sie damit in einem Team mit internen und externen Mitarbeitern problemlos digitale Daten austauschen oder müssen Sie Änderungen oder Erweiterungen vornehmen? Klären Sie diese Punkte frühzeitig und nicht erst, wenn Sie Ihr erstes kleines konkretes Projekt umsetzen wollen.

 

Mitarbeiter müssen dreidimensionales CAD-Werkzeug beherrschen

Und zum Schluss kommt Ihr Wissen und das Wissen Ihrer Mitarbeiter auf den Prüfstand. Sie haben Ihre CAD-Software und die digitale Umgebung überprüft. Können Ihre Ingenieure, Konstrukteure und technischen Zeichner alle mit der Software dreidimensional konstruieren? Es reicht nicht, es einmal probiert zu haben. Alle im Team müssen ihr dreidimensionales CAD-Werkzeug perfekt beherrschen.

 

Jeder muss oder zumindest sollte in der Lage sein, aller dreidimensionalen Objekte nutzen zu können. Eine Wand ist eine Wand. Eine Stütze ist eine Stütze. Ein Lüftungskanal ist ein Lüftungskanal. Eine Stütze ist kein Geländer; und ein Dach ist keine Rampe für die Tiefgarage. Sobald Sie ja zu BIM gesagt haben und sobald Sie Ihre Software überprüft haben, sollten Sie umgehend CAD-Schulungen ansetzen, wenn das Wissen nicht oder nur ungenügend vorhanden ist.

4. Legen Sie die grundsätzlichen Rollen fest

Machen Sie sich Gedanken, wer in BIM-Projekten mistpielt und welche Rolle der Mitarbeiter inne hat. Definieren Sie die Aufgaben der internen und externen Mitarbeiter zu Beginn eines BIM-Projekts und stellen Sie so dar, dass sie für alle Beteiligten transparent sind.

 

Anforderungen an das BIM-Team

Für jedes Projekt benötigen Sie ein Team. Das ist noch nichts grundlegend Neues. Nur die Art und Weise, wie das Team in der gesamten Planungsphase zusammenarbeiten wird, ist grundsätzlich neu. Alle arbeiten gemeinsam an einem digitalen Gebäudemodell. Jeder, der im Team mitmacht, kann sofort sehen, wie weit die Planung des Gebäudes vorangeschritten ist und wann er mit seiner Aufgabe beginnen kann.

 

PRAXISHINWEIS | Die gesamte Korrespondenz und Kommunikation untereinander ist mit diesem digitalen Gebäudemodell eng verknüpft. Jeder übernimmt im Team eine Aufgabe. Die Summe der Aufgaben wird in der Rolle definiert, bevor mit dem Projekt begonnen wird. Der Tragwerksplaner und der Gebäudetechniker sind von Anfang an involviert und stoßen nicht erst dann hinzu, wenn der Architekt fertig ist.

 

Team muss auch knifflige Konstruktionssituationen lösen

Das Projekt soll erfolgreich umgesetzt werden. Das Team und das Zusammenspiel der einzelnen Team-Mitglieder machen den Erfolg aus. Selbstdarsteller oder Egomanen haben im Team keinen Platz. Das Team soll auch knifflige Konstruktionssituationen gemeinsam lösen und sich gegenseitig unterstützen.

 

PRAXISHINWEIS | Das Team ist nur so gut, wie der Schwächste im Team. Es liegt in der Natur der Sache, dass immer einer im Team der Schwächste ist. Auch Sie können es einmal selbst sein. Nur wenn jeder seiner Rolle gewachsen ist, kann das Team gewinnen. Ein Ellenbogen-Einsatz nicht untereinander im Team, sondern nach außen für das Team ist gefragt.

 

 

BIM-Team kann in jedem Büro anders aussehen

BIM wird die Berufsbilder verändern und neue generieren. In kleinen Büros kann es durchaus sein, dass eine Person mehrere Rollen übernimmt. In großen Büros werden neue Arbeitsplätze eingerichtet werden. Wichtig ist, dass Sie alle Rollen und deren Aufgaben kennen. BIM wird sich auch verändern und erweitern.

 

PRAXISHINWEIS | Die neuen Berufsbilder oder Rollen könnten BIM-Direktor, BIM-Manager, BIM-Information-Manager, BIM-Konstrukteur, BIM-Koordinator, BIM-Bibliothekar, BIM-Qualitätsmanager, BIM-Investor-Manager, BIM-Industrie-Manager, BIM-Bau-Manager, BIM-Kalkulator, BIM-Bauunterhaltung-Manager, BIM-Abriss-und Entsorgung-Manager, BIM-Produkt-Manager, BIM-Softwareentwickler, BIM-Trainer, BIM-Professor oder BIM-Dozent heißen.

 

5. Suchen Sie sich ein passendes Projekt

Sie haben sich Gedanken über die Rollen und deren Aufgaben gemacht. Nun benötigen Sie ein passendes Projekt, um Ihr erstes BIM-Projekt erfolgreich zu beginnen.

 

Auftraggeber über BIM informieren

Denken Sie nicht nur an das Projekt und an das Team, sondern auch daran, dass Sie Ihren Auftraggeber mit ins Team holen und informieren, wie Sie das Projekt umsetzen wollen. Nicht nur Sie, sondern alle an den Prozessen beteiligten Personen und Unternehmen sind vom Kulturwandel betroffen.

 

Erst wird fertiggeplant, dann gebaut

Eine der wichtigsten Änderungen im Ablauf ist, dass die Planung eines Gebäudes oder Bauwerks erst komplett vollendet wird, bevor die Arbeiten auf der Baustelle beginnen. Je größer ein Projekt wird, desto schwieriger ist es, allen Beteiligten dieses klarzumachen und diese Regel auch wirklich einzuhalten. Planungsfehler sollen vermieden werden und Nachträge zu Aufträgen auf ein Minimum beschränkt werden. Im Idealfall werden sich alle Beteiligten in der Bauphase nur noch mit Ausführungsmängeln auseinandersetzen. Der Auftraggeber spielt in der digitalen Kette auch eine Rolle. Er muss seine Wünsche in Form von Baubeschreibungen und Raumbüchern schon sehr konkret formulieren. Ständige Änderungen und Erweiterungen verlängern die Planungsphase. Alle Mitglieder des Teams müssen die Änderungen wieder in das digitale Modell einarbeiten.

6. Stellen Sie ein Team zusammen

Sie haben ein passendes Projekt gefunden und Ihren Auftraggeber mit ins Boot geholt. Jetzt wird es Zeit, ein Team zusammenzustellen. Ihr Planungsteam besteht mindestens aus einem Architekten, einem Tragwerksplaner und einem TA-Planer.

 

Rollen der Teammitglieder definieren

Sie besprechen mit Ihrem Team, welche Rollen und Aufgaben jeder übernehmen soll und wie lange jeder für seine Aufgaben benötigen wird. Bei einem kleinen Projekt und einem kleinen Team werden Sie relativ schnell einen Planungszeitraum ermitteln können und feststellen, ob sich dies mit den Wünschen des Auftraggebers deckt. Spannend zu diesem Zeitpunkt ist die Frage, ob Kreativität planbar ist.

 

BIM-Abwicklungsplan aufstellen

Sie halten die Rollen und die Aufgaben schriftlich fest. Diese Informationen sind ein Teil des BIM-Abwicklungsplans.

 

Einen Bauzeitplan gibt es immer. Haben Sie auch schon einmal darüber nachgedacht, einen Planungszeitplan aufzustellen? Solch ein Zeitplan unterstützt Sie dabei, wenn Sie das Projekt nach dem Abschluss Revue passieren lassen. Sie und Ihr Team wollen sich beim nächsten Projekt verbessern.

 

7. Bereiten Sie ein Projekt vor

Sie haben ein Team zusammengestellt. Bisher sind Sie es gewohnt, dass die Fachplaner nach und nach in die Planung mit einsteigen. Das geschieht jetzt auch, nur sie sind besser vorinformiert.

 

Beschaffung der dreidimensionalen Objekte

Der Architekt stellt jetzt gemeinsam mit dem Bauherrn ein möglichst lückenloses Raumbuch und eine Baubeschreibung zusammen. Diese Informationen sind ein Teil der AIA Auftraggeber-Informations-Anforderungen. Auf der Basis kann er jetzt einen ersten Entwurf machen. Aber hat er auch alle notwendigen Dinge beisammen?

 

Für seinen dreidimensionalen Entwurf benötigt der Architekt eine Vielzahl von dreidimensionalen Objekten. Wenn Sie schon mehrere Projekte umgesetzt haben, verfügen Sie über eine große Bibliothek. Aber bei Ihrem ersten Projekt müssen Sie sich alle notwendigen dreidimensionalen Objekte beschaffen. Die Suche kann sich unter Umständen als schwierig und langwierig erweisen. Die Produkthersteller erkennen zwar nach und nach, dass sie ihre Produkte auch in dreidimensionaler digitaler Form für die Planung bereitstellen müssen; aber es dauert, bis es auch alle umgesetzt haben.

 

PRAXISHINWEIS | Wollen Sie Projekte auf Basis der BIM-Prozesse umsetzen, müssen Sie auch an diese kleinen Details denken. Informieren Sie auch alle anderen Team-Mitglieder, dass diese für ihr Fachgebiet ebenfalls die dreidimensionalen Objekte benötigen.

 

Der berühmt-berüchtigte Detaillierungsgrad

Bei BIM wird immer wieder über den Detaillierungsgrad gesprochen. Wenn Sie ein Türobjekt aus einer Softwarebibliothek einsetzen, hat diese Tür eventuell einen anderen Detaillierungsgrad als die Tür eines Türenherstellers. Je höher der Detaillierungsgrad ist, desto größer wird die Datenmenge.

 

PRAXISHINWEIS | Sprechen Sie mit den Team-Mitgliedern über den Detaillierungsgrad. Wird am Ende der Planung das digitale Gebäudemodell an den Bauunternehmer oder GU übergeben, muss jedes Bauteil eindeutig beschrieben sein und in allen zweidimensionalen Baustellenplänen eindeutig sein. Als Architekt müssen Sie irgendwann den simplen Tür-Platzhalter gegen die gewollte spezielle Herstellertür austauschen. Der Bauunternehmer bestellt sonst eine beliebige Tür anstelle der vom Bauherren und Ihnen gewünschten und vereinbarten Tür.

 

Der BIM-Bibliothekar

Wenn Sie ein kleines Büro haben, wird einer Ihrer Mitarbeiter die Aufgabe eines BIM-Bibliothekars übernehmen. In großen Büros kann dies ein eigenständiger Arbeitsplatz werden. In Ihren ersten Projekten können Sie auch auf die Standardbibliotheken der Softwarehersteller zurückgreifen. Die detaillierte optische Darstellung ist dann aber meist nicht stimmig und könnte zu Irritationen führen. Sie müssen dann dafür sorgen, dass die Objekte eine eindeutige Bezeichnung und Artikelnummer bekommen. Auf Dauer gesehen ist es nicht zielführend!

 

Jedes reale Gebäude wird später auf einem realen Grundstück stehen. Für jedes Ihrer digitalen Projekte benötigen Sie ebenfalls einen digitalen Ort, zu dem alle am Projekt beteiligten Personen einen Zugriff haben. Es gibt hierfür die unterschiedlichsten Strategien, Vorgehensweisen und Anbieter. An dieser Stelle sollten Sie sich vorher auf alle Fälle eine externe Unterstützung holen.

8. Setzen Sie das Projekt um

Alle Vorbereitungen sind getroffen. Die digitalen Kommunikationswege sind geprüft. Ihr BIM-Koordinator wartet auf die ersten dreidimensionalen digitalen Projektdaten, um diese auf Kollisionen und Ungereimtheiten zu prüfen.

 

Fehler entdecken und korrigieren

Auch wenn Menschen digital und dreidimensional zusammenarbeiten, können sie Fehler machen. Ohne BIM stellen Sie diese aber erst auf der Baustelle fest. Mit BIM können Sie diese Planungsfehler viel früher feststellen und beseitigen. Ob und wann Sie in einem Projekt einen dedizierten BIM-Koordinator oder BIM-Information-Manager benötigen, kann keiner pauschal beantworten. Nur eins ist klar: Die digitalen Daten müssen in der Planungsphase überwacht und kontrolliert werden.

 

Die Datenübergabe an den Bauunternehmer oder GU

Gehen wir einmal davon aus, dass Ihr Team das erste Projekt umgesetzt hat. Dann übergeben Sie das komplette digitale Paket an den Bauunternehmer. Oft ist dies heute ein GU. Alle Informationen sind direkt mit den digitalen Objekten verknüpft. Der GU übernimmt diese Daten, verarbeitet sie in seinen Programmen weiter und erstellt das Gebäude oder Bauwerk.

 

Nun kommt der vorerst letzte Schritt in der digitalen Kette. Der Bauherr wird das Gebäude nicht selbst betreiben, sondern hat dafür einen Betreiber ausgesucht. Der Bauunternehmer hat nicht nur das Gebäude erstellt, sondern auch alle dabei entstandenen Informationen den digitalen Objekten hinzugefügt. So kann jetzt eine lückenlose und aktuelle digitale Dokumentation an den Betreiber übergeben werden.

 

PRAXISHINWEIS | Auch wenn Ihr erstes Projekt keinen so großen Umfang hat, dokumentieren Sie mit allen Beteiligten die Entstehung des Gebäudes oder Bauwerks bis zu Ende und übergeben Sie Ihrem Auftraggeber diese digitale, aktuelle und lückenlose Dokumentation.

 

9. Revidieren Sie das Projekt

Sie haben Ihr erstes Projekt erfolgreich umgesetzt. Da alle offen und transparent zusammengearbeitet haben, weiß jeder, was gut und weniger gut gelaufen ist. Fassen Sie aber die Ergebnisse für Ihr Team auch für sich zusammen. Im Archiv Ihres Kanban Boards können Sie jede einzelne Aktivität noch einmal nachlesen und nachvollziehen. Sie und Ihre internen und externen Mitarbeiter haben viele Dinge in der Zusammenarbeit neu gemacht und vieles gelernt. Revidieren Sie zu diesem Zeitpunkt Ihr erstes Projekt.

 

Die richtigen Fragen stellen

Sind Sie in der Zeit geblieben? Haben Sie alle Vorbereitungen gut gemacht? Haben Sie etwas vergessen? Hat die digitale Kommunikation funktioniert? Haben Sie sogar Zeit eingespart, weil die sonst notwendigen Planungsbesprechungen mit Hilfe der Kanban-Technologie drastisch reduziert werden konnten? Wie hat das Team funktioniert? Sind alle mit dem Kulturwandel zurechtgekommen? Müssen Sie künftig spezielle BIM-Positionen mit neuen Mitarbeitern besetzen? Wie hat Ihr Auftraggeber den Kulturwandel aufgenommen? Muss er noch intensiver ins Team eingebaut werden?

 

PRAXISHINWEIS | Sie sehen: Es gibt genügend Dinge, über die man nach dem Projekt noch einmal sprechen sollte. Ihr erstes BIM-Projekt ist revidiert. Hatten Sie während der gesamten Phase einen externeren Berater dabei, geben Sie auch ihm die Gelegenheit, bei der Revision mit dabei zu sein. Schaden kann es nicht. In Ihrem ersten Projekt hat der externe Berater oder das unabhängige BIM Service Network die Funktion des BIM-Qualitätsmanagers übernommen.

 

10. Formulieren Sie neue Ziele

Das erste BIM-Projekt ist abgeschlossen und revidiert. Sie wissen jetzt, wie Sie ein Projekt mit Hilfe von BIM umsetzen können. Setzen sich jetzt schon neue Ziele, um BIM in Ihrem Büro systematsich weiterzuentwickeln. Stellen Sie alle Dinge auf den Prüfstand. Gehen Sie Punkt für Punkt regelmäßig von neuem durch. So erkennen und beseitigen Sie nach und nach die Schwachstellen. Sie und Ihr Team oder Ihre Teams verbessern sich so kontinuierlich. Das ist der wahre Wettbewerbsvorteil, den Sie erzielen können.

 

Wichtig | Ganz nebenbei betreiben Sie dabei auch BIM-Qualitätsmanagement. In großen Büros kann das ein BIM-Qualitätsmanager sein. In kleinen Büros kann die Rolle ein unabhängiger Dienstleister übernehmen.

 

FAZIT | BIM ist ein Kulturwandel in der Bauindustrie. Es geht nicht darum, in Projekten nach Schuldigen zu suchen und diese auf Schadenersatz zu verklagen, wenn Fehler gemacht wurden, sondern frühzeitig gemeinsam im Team Fehler zu erkennen und Fehler zu vermeiden. Nebenbei haben Sie und alle Beteiligten die Chance, sich gemeinsam weiterzuentwickeln und die Qualität Ihrer Arbeit kontinuierlich zu verbessern. Unterstützen Sie die Schwächeren im Team, freuen Sie sich gemeinsam mit allen, wenn Ihnen etwas Positives gelungen ist. Sie dürfen sich aber auch gern über Fehler ärgern. Teilen Sie diese negativen Momente auch mit Ihrem Team. Bauen Sie sich gegenseitig wieder auf. Wenn Sie mit BIM loslegen möchten, aber Hilfe beim Start benötigen, dann sprechen Sie mich gern an. Ich suche für Sie den passenden BIM-Berater. Als Alternative empfehle ich Ihnen ebenfalls das BIM Service Network.

 
Quelle: ID 44091000