logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

Haftungsverteilung

Die Haftungsverteilung zwischen Unternehmer, Architekt und Fachplaner

von Rechtsanwalt Klaus Neuenfeld, Weimar

Bei Mängeln und Fehlverläufen am Baukommen meistens mehrere Verantwortliche in Betracht. Daher spielt dieHaftungsverteilung in der Praxis eine große Rolle. Die Frage, werin welchem Umfang haftet, stellt sich nicht nur im VerhältnisArchitekt zum ausführenden Unternehmen, sondern auch imVerhältnis Architekt und Fachplaner. Im folgenden Beitraginformieren wir Sie deshalb, wer wann haftet und wie im Haftungsfalldie quotale Aufteilung erfolgt.

Prinzip der Gesamtschuld

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) regelt dieFrage der Haftungsverteilung über das Prinzip der Gesamtschuld(§§ 421 und 426 BGB). Das heißt: Sind mehrereSchädiger vorhanden, hat der Geschädigte die freie Wahl. Derauf Zahlung in Anspruch genommene Gesamtschuldner kann sich wiederum imInnenverhältnis die gezahlte Summe ganz oder teilweisezurückholen – je nach dem Grad des beiderseitigenVerschuldens. Das Prinzip der Gesamtschuld gilt im Haftungsfeldzwischen Architekt und Unternehmer sowie zwischen Architekt undFachplaner.

Haftung zwischen Architekt und Bauunternehmer

Die Haftungsfrage im Verhältnis des Bauunternehmers zum Architekten stellt sich bei den folgenden beiden Fällen:

1. Ausführung nach fehlerhaften Plänen

Der Architekt begeht einen technischenPlanungsfehler. Der Unternehmer merkt nicht, dass der Plan falsch ist.Er rügt den Fehler nicht, obwohl er dazu nach § 4 Nummer 3VOB/B verpflichtet wäre.

Wichtig: Es muss sichum technische Planungsmängel handeln. Für die Missachtungbeispielsweise der Forderung des Bauherrn nach einer bestimmtenRaumgröße haftet der Unternehmer deshalb normalerweisenicht. In diesem Fall ist der Architekt allein verantwortlich. Geht manaber davon aus, dass der Unternehmer auf seinem speziellem Fachgebietmehr wissen muss als der Generalist Architekt, ist schwer vorstellbar,welche technischen Planungsmängel der Architekt begehen kann, diedem Unternehmer entgehen dürften.

Die Haftungsverteilung:Als Faustformel gilt, dass im Innenverhältnis jeder mit 50 Prozenthaftet. Allerdings können die Verschuldensanteile durchaus andersverteilt sein.

2. Ausführungsfehler und mangelhafte Objektüberwachung

Häufig besteht ein Haftungsfall auch darin,dass ein Ausführungsfehler des Bauunternehmers mit einerfehlerhaften Objektüberwachung des Architekten korrespondiert. Mitanderen Worten: Dem Architekten ist entgangen, dass der Unternehmerfalsch ausgeführt hat.

Die Haftungsverteilung:Hier ergibt sich die überraschende Konstellation, dass der inAnspruch genommene Architekt bzw. sein Versicherer vom schuldhafthandelnden Unternehmer im Innenverhältnis bis zu 100 Prozentzurückverlangen können. Das liegt an dem von derRechtsprechung festgelegten Grundsatz, dass letzten Endes derjenige denSchaden zu tragen hat, der den Fehler verursacht hat. Derjenige, dernur die Fehlerverursachung nicht festgestellt hatte, bleibt dagegenletztlich unbehelligt (Bundesgerichtshof, Urteil vom 22.3.1983, NJW1971, 752; OLG Düsseldorf, BauR 1984, 201).

Haftung zwischen Architekt und Fachingenieur

Wegen der zunehmenden Komplexität derBauvorhaben häufen sich auch die Fälle, in denen um dieMängelverantwortlichkeit zwischen Architekten und Fachingenieurengestritten wird. Das äußert sich in der Regel so, dass derArchitekt einen Fehler des Fachingenieurs übersieht, der aucheinem gestandenen Architekten hätte auffallen müssen.

Sieben Fallgruppen sind denkbar, in denen derArchitekt auf Arbeitsfeldern der Fachingenieure in die juristischeVerantwortlichkeit genommen werden könnte.

1. Architekt unterlässt Einschaltung des Fachingenieurs

Der Architekt schaltet keinen Ingenieur ein, weiler das Problem nicht erkennt, oder glaubt, es selbst lösen zukönnen. Typischer Fall in der Praxis: Dem Fachingenieur sind nurdie Planungsleistungen übertragen, nicht jedoch dieObjektüberwachung. Der Architekt erbringt diese Leistungenahnungslos. Die unschöne Konsequenz für den Architekten:Seine Haftung weitet sich aus. Zudem verliert er für dieseLeistungen den Versicherungsschutz, wenn er diese nicht eigens derVersicherung gemeldet hat.

2. Architekt beauftragt ungeeigneten Fachplaner

Der Architekt wählt einen Ingenieur aus,dessen generelle oder für den konkreten Sachverhalt gegebeneNichteignung ihm hätte bekannt sein müssen oder währendder Abwicklung des Bauvorhabens hätte bekannt werden können.

3. Architekt liefert Fachplaner unzureichende Pläne

Der Architekt liefert den Ingenieuren fürderen Fachplanung unzutreffende Planungsdaten. Diese fallen ihmspäter nicht mehr auf, als die Arbeitsergebnisse derFachingenieure an ihn zurückgelangen.

4. Architekt unterlässt Prüfung der Tatbestandsprämissen

Die fertig gestellten Fachpläne werden demArchitekt zugestellt. Dieser vergewissert sich nicht, ob bei ihrerErstellung von zutreffenden tatsächlichen Voraussetzungenausgegangen worden ist. Er verstößt somit gegen seinePflicht, die Tatbestandsprämissen zu überprüfen (nichtdas Planungsergebnis).

5. Fehlerhafte Übernahme der Fachplanungen

Der Architekt versäumt es, die Fachplanungenkorrekt in seine Ausführungspläne zu übernehmen, oder erordnet sogar Abweichungen an.

6. Diskrepanz zum Wissen des gestandenen Architekten

Dem Architekten fällt an den Fachplänennicht auf, was einem erfahrenem Architekten einfach auffallen muss; dasheißt, was er auf Grund allgemeiner Erfahrungen und Kenntnissehätte erkennen können.

Wichtig:Unmögliches wird vom Architekten nicht verlangt. Er ist nurgefordert, wenn der Ingenieur „handfeste Fehler“ begeht.Zur Haftung kommt es noch nicht, wenn nur ein „mitüberdurchschnittlichem Blick oder Fingerspitzengefühlfür das Praktisch-Technische begabter Architekt ... Bedenkenbekommen hätte“ (OLG Stuttgart, Urteil vom 11.6.1975, Az: 4U 3/75, BauR 1975, 431).

7. Mangelhafte Fachplaner-Koordination des Architekten

Der Architekt koordiniert und überwacht die Sonderfachleute auf der Baustelle nicht oder nicht umfassend genug.

Die Haftungsverteilung im Grundsatz

In den vorgestellten Fallgruppen ist esmöglich, dass der Architekt im Haftungsfall statt des Fachplanersgegenüber dem Auftraggeber haftet. Normalerweise lautet der„Obersatz“ aber folgendermaßen:

Ein Architekt muss grundsätzlich nicht dasWissen eines Fachingenieurs haben. Denn letzterer wurde ja geradedeswegen eingeschaltet, um das Generalwissen des Architekten imFachbereich zu ergänzen. Das hat das OLG Düsseldorfjüngst bestätigt und einen Architekten von der Haftungfür die fehlerhafte Ausführungsplanung des Tragwerkplanersfrei gesprochen (Urteil vom 23.2.2001, Az: 22 U 130/00; Abruf-Nr. 010780).

Nicht zuletzt die OLG-Entscheidung ist Belegdafür, dass die Leistungen der Architekten und Fachingenieure inder Praxis nach wie vor zu stark nebeneinander herlaufen. Ihredialektische gegenseitige Einbeziehung ist häufig nichtgewährleistet.

Es ist nicht zufällig, dass das Leistungsbilddes Architekten und des Haustechnikers jeweils aus neun gleichlautendenLeistungsphasen besteht, die natürlich zum Teil andere Inhaltehaben. Das Leistungsbild des Tragwerkplaners läuft bis zurLeistungsphase 6 parallel zum Leistungsbild des Architekten. Dieserfordert eine enge Verzahnung und mehr als die gelegentliche Zusendungvon Plänen oder die gemeinsame Beteiligung anBaustellengesprächen. Viele Architekten wissen zum Beispiel nicht,dass sowohl der Haustechniker als auch der Tragwerksplaner in denLeistungsphasen 2 und 3 Kostenermittlungsbeiträge zuKostenschätzung und Kostenberechnung des Architekten liefernmüssen. Sie verschenken daher eine Optimierungsmöglichkeitauf einem Feld, dem die Architektenschaft nicht selten recht hilflosgegenübersteht.

Die Haftungsaufteilung

Zur prozentualen Haftungsaufteilung zwischenArchitekt und Fachplaner sind keine einschlägigen Urteile aus derRechtsprechung bekannt. Angesichts der Dominanz des Fachingenieurs aufseinem Gebiet wird wohl im Falle der Inanspruchnahme eines Architektenim Innenverhältnis eine Regressnahme eher gegen 100 Prozentangenommen werden dürfen.

Quelle: Wirtschaftsdienst Ingenieure und Architekten - Ausgabe 08/2001, Seite 12

Quelle: Ausgabe 08 / 2001 | Seite 12 | ID 107870