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Fiktive Quellensteuer - Anleihen mit Zuschuss vom Fiskus gehören nicht in jedes Anlegerdepot

Angesichts der mageren Zinssätze bei Anleihen mit guter Schuldner-bonität schauen sich immer mehr Anleger nach renditestarken Alternativen um. Als Geheimtipp für Sparer gelten schon seit Jahren Anleihen mit fiktivem Steuerabzug. Hier wird ein Pauchalbetrag von der eigenen Steuerschuld abgezogen, obwohl keine Quellensteuer anfällt. Zur Auswahl stehen Anleihen aus Ländern wie der Türkei, Uruguay, Portugal, Griechenland oder China. Eine Vielzahl der Bonds notieren in Euro und werden an deutschen Börsen gehandelt.  

 

Bei diesen Länderanleihen werden zwischen 10 und 20 v.H. der Zinsen als fiktive Quellensteuer mit der eigenen Steuerschuld verrechnet, obwohl die Steuer gar nicht anfällt, Anleger also auch nicht belastet werden. Das Finanzamt berücksichtigt somit einen Fiktivbetrag genauso wie den tatsächlich einbehaltenen Zinsabschlag. Doch fiktive Anleihen eignen sich nicht für alle Steuerzahler. Die Auslandszinsen müssen in Deutschland steuerlich voll erfasst werden. Daher lohnen solche Papiere für Anleger mit geringen Einkünften oder Zinseinnahmen unterhalb des Sparerfreibetrags meist nicht. Hier geht der fiktive Anrechnungsbetrag über § 34c Abs. 1 EStG ganz oder teilweise ins Leere. Auslandsanleihen mit fiktiver Steueranrechnung kommen daher eher für Gutverdiener und Anleger mit hohen Kapitalerträgen in Betracht. Hier wirkt sich der fiktive Betrag voll aus. Zudem sind noch drei Besonderheiten zu beachten: 

 

  • Die fiktive Anrechnung erfolgt nur bei Zahlung des jeweiligen Landes und somit nicht bei Stückzinsen. Ein Verkauf vor dem Ausschüttungstermin lässt daher den gesamten Steuervorteil hinfällig werden.

 

  • Die beim Kauf bezahlten Stückzinsen mindern zwar die Kapitaleinnahmen, nicht aber die Bemessungsgrundlage für den fiktiven Abzug.

 

  • Anders als bei der bezahlten Quellensteuer auf Auslandsdividenden ist kein Abzug nach § 34c Abs. 2 EStG möglich.

 

Mit dieser begrenzten Anrechnung musste sich jüngst das FG Hamburg (14.3.06, VI 373/03) beschäftigen. Hierbei ging es um die Frage, ob die fiktive Quellensteueranrechnung tatsächlich in vollem Umfang entfällt, wenn die entsprechenden Zinseinnahmen unter dem Sparerfreibetrag liegen. Dies bejahten die Richter, da durch die Anrechnung nur eine Doppelbesteuerung vermieden werden soll. Wenn die entsprechenden Kapitaleinnahmen aber nicht der heimischen Besteuerung unterliegen, muss auch keine Anrechnung erfolgen. Diese Regelung verstößt auch nicht gegen den Grundsatz der Kapitalverkehrsfreiheit, weil Kapitalertragsteuer und Zinsabschlag ohne steuerpflichtige Einkünfte zurückgezahlt werden. Die Anrechnung nach § 36 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 EStG stellt lediglich eine besondere Erhebungsform der Einkommensteuer dar, sodass vorab zuviel geleistete Zahlungen wieder erstattet werden. Die ausländische Quellensteuer betrifft aber nicht die deutsche Einkommensteuer.  

 

Ausgewählte Anleihen mit fiktiver Quellensteuer, die in Euro notieren und an deutschen Börsen gehandelt werden:  

Land 

Zins in v.H.  

ISIN 

Fälligkeit 

China 

3,750 

XS0178312913 

29.10.2008 

China 

4,250 

XS0203685788 

28.10.2014 

Griechenland 

3,500 

GR0114017420 

20.4.2009 

Jamaika 

11,000 

DE000A0DAKG8 

27.7.2012 

Jamaika 

10,500 

DE000A0ACPU0 

11.2.2009 

Jamaika 

10,500 

DE000A0DED93 

27.10.2014 

Philippinen 

9,125 

XS0163410961 

22.2.2010 

Portugal 

3,950 

PTOTECOE0011 

15.7.2009 

Portugal 

5,000 

PTOTEKOE0003 

15.6.2012 

Tunesien 

4,500 

XS0222293382 

22.6.2020 

Türkei 

4,750 

XS0223369322 

6.7.2012 

Türkei 

6,500 

DE000A0AU933 

10.2.2014 

Uruguay 

7,000 

XS0131127036 

28.6.2011 

Venezuela 

7,000 

XS0214851874 

16.03.2015 

 

 

Quelle: Ausgabe 09 / 2006 | Seite 655 | ID 113853