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§ 20 EStG - Strategien für Privatanleger

Nachfolgende Jahresendmaßnahmen sind im Rahmen der Abgeltungsteuer ratsam und noch vor Silvester umzusetzen: 

 

  • Bei einem 2011 nicht ausgeschöpften Freistellungsauftrag können zusätzliche Kapitaleinnahmen durch den Verkauf von Anleihen vor dem Jahresende über Stückzinsen, der Kündigung von Festgeld und Laufzeitkonten oder der Realisierung von Kursgewinnen steuerfrei fließen. Sofern hingegen bei einer anderen Bank bereits Abgeltungsteuer anfällt, sollte eine Neuverteilung des Freistellungsbetrags rechtzeitig erfolgen, bevor die ersten Kapitalerträge 2012 fließen. Bei einer Heirat in 2011 kann rückwirkend für das gesamte Jahr noch ein gemeinsamer Freistellungsauftrag erteilt werden. Das führt zur Steuererstattung, wenn ein Gatte über dem Betrag von 801 EUR liegt, der andere hingegen nicht. Verluste verrechnen Kreditinstitute zwischen Eheleuten nur, wenn ein gemeinsamer Auftrag vorliegt. Dieser sollte generell erteilt werden. Geänderte und neu eingereichte Freistellungsaufträge müssen die Steuer-Identifikationsnummer enthalten, um gültig zu sein.

 

  • Damit nicht verrechnete negative Kapitaleinnahmen im Wege der Veranlagung positive Erträge von anderen Banken ausgleichen können, müssen die beiden Verlustverrechnungstöpfe spätestens bis zum 15.12.2011 abgerufen werden. Nur dann beginnt das Kreditinstitut 2012 wieder bei Null. Der fristgebundene Antrag kann getrennt für den allgemeinen Verlusttopf und den Verlusttopf für Aktien gestellt werden. Abgerufene Verluste können anschließend nicht zurück auf die Bank übertragen werden. Insoweit sollte dies genau überlegt werden. Zu viel abgerufene Beträge werden ansonsten beim FA konserviert, während bei den Kreditinstituten ab 2012 sofort Abgeltungsteuer auf positive Erträge anfällt.

 

  • Bei einem individuellen Steuerprogressionssatz unter 25 % ist der Antrag auf Günstigerprüfung ratsam. Dazu muss das zu versteuernde Einkommen inklusive der Kapitaleinkünfte bei Ledigen unter 15.800 EUR liegen. Der Antrag ist einheitlich für alle Kapitalerträge des Jahres zu stellen, inklusive der Einnahmen des Ehepartners. Der Antrag lohnt auch bei Rentnern, um den ansonsten unwirksamen Altersentlastungsbetrag von den Kapitaleinnahmen abziehen oder die Ermäßigung für mit Erbschaftsteuer belastete Einnahmen nutzen zu können.

 

  • Verluste nach § 20 EStG dürfen nicht mit anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden. Unterliegen sie aber der tariflichen Einkommensteuer, fallen sie nicht unter das Verlustausgleichsverbot. Hierfür kann durch den Lohnsteuerermäßigungsantrag nach R 39a.2 LStR ein Freibetrag in den elektronischen Lohnsteuerdaten eingetragen werden. Alternativ kann bei den Einkommensteuer-Vorauszahlungen berücksichtigt werden, dass der Anleger mit seiner Progression unter dem Abgeltungssatz von 25 % liegt und 2012 die Günstiger-Prüfung nutzen wird.

 

  • Ist die Abgeltungsteuer nach Verlustverrechnung und Anwendung des Freistellungsauftrags geringer als die anrechenbare ausländische Quellensteuer, wird der Anrechnungsüberhang von der Bank nicht aufs Folgejahr übertragen. Damit die Quellensteuer nicht verloren geht, sollte sie im Rahmen der Veranlagung mit positiven Einnahmen bei anderen Instituten verrechnet werden. Gelingt das nicht, sollte vor dem Jahresende für entsprechend hohe Einnahmen gesorgt werden. Banken weisen den Quellensteuer-Übergang in der Steuerbescheinigung gesondert aus.

 

  • Steuererstattungszinsen sind zwar nach der aktuellen BFH-Rechtsprechung nicht mehr steuerbar. Sie gehören aufgrund der Gesetzesänderung jedoch weiterhin auf die Anlage KAP. Der Anschließende Bescheid ist dann wegen anhängiger Revisionen über einen ruhenden Einspruch offenzuhalten.

 

  • Im Rahmen der EU-Zinsrichtlinie liegt der Quellensteuersatz in Ländern ohne Kontrollmitteilungen seit dem 1.7.2011 bei 35 %. Die Erstattung erfolgt über die Veranlagung, die Einnahmen über Auslandskonten sind ohnehin zwingend anzugeben. Der dortigen Bank sollte die Erlaubnis zur Versendung von Kontrollmitteilungen ohne Steuerabzug erteilt werden. Das verbessert über höhere Nettoerträge den Zinseszinseffekt.

 

  • Nicht der Abgeltungsteuer unterlegene Zinsen aus Privatdarlehen und auf Erstattungen vom FA sowie Erträge über ausländische Banken sind zwingend in der Erklärung anzugeben. Das gilt auch für thesaurierte Erträge über Investmentfonds; selbst bei Verwaltung über ein Inlandsdepot. Die Banken behalten generell keine Kapitalertragsteuer ein.

 

  • Zur Nacherfassung von Kirchensteuer, der Berechnung der zumutbaren Eigenbelastung und den Einkünften volljähriger Kinder sowie Unterhaltsempfängern müssen abgeltend besteuerte Einnahmen angegeben werden. Zum Spendenabzug kann dies freiwillig erfolgen, um das Volumen zu erhöhen.

 

Darüber hinaus sind aktuelle Gesetzesänderungen zu beachten, die Einfluss auf die private Geldanlage haben und möglicherweise Anpassungsbedarf nach sich ziehen: 

 

  • Letztmalig für 2010 bestand die Möglichkeit zum Sonderausgabenabzug für Kirchensteuer auf Kapitalerträge, die etwa über Auslandskonten nicht dem Steuerabzug unterlegen haben. Sie zählt ab 2011 erstmals nicht mehr zu den Sonderausgaben. Ein Abzug gelingt jedoch weiterhin, wenn die Kapitalerträge der tariflichen Einkommensteuer unterliegen.

 

  • Die Zeichnung, den Austritt und die Änderung der Beteiligungsquote bei geschlossenen Auslandsfonds müssen Anleger nicht mehr innerhalb eines Monats, sondern erst fünf Monate nach Ablauf des Jahres dem FA anzeigen. Für den Beitritt in 2011 bleibt also bis Ende Mai 2012 Zeit.

 

  • Sofern Anleger über eine strafbefreiende Selbstanzeige nachdenken, müssen sie die verschärften Anforderungen hinsichtlich der lückenlosen Offenlegung und die Wahrscheinlichkeit einer Entdeckung sowie den 5 %igen Zuschlag bei höheren Hinterziehungsbeträgen beachten.

 

  • Volks-, Raiffeisen- und Sparda- als Genossenschaftsbanken berücksichtigen bei ausbezahlten Gewinnausschüttungen ab 2012 auch die Freistellungsaufträge der Mitglieder. Damit fließen diese Dividenden in den Verrechnungstopf ein, den sie für andere Erträge führen.

 

  • Es bestehen EU-weit einheitliche Schutzstandards für Investmentfonds.

 

  • Investmentgesellschaften können jetzt grenzüberschreitend durch Über- und Unterfonds ein Vermögenspooling über in Deutschland zugelassene Master-Feeder-Fonds und Mikrofinanz-Fonds zur Finanzierung der Armen in Entwicklungsländern über Mini-Kredite auflegen. Diese neuen Fondsprodukte werden steuerlich wie herkömmliche Fonds eingestuft.

 

  • Die Kapitalertragsteuer auf Dividenden bei der Direktanlage und über Aktienfonds wird ab 2012 nicht mehr durch die ausschüttende Gesellschaft selbst, sondern von der Depotbank des Aktionärs einbehalten. Das hat insbesondere Auswirkungen bei Leerverkäufen und Tafelgeschäften. Hier behält die Bank Abgeltungsteuer ein, wenn sie bei Vorlage der Dividendenscheine Geld auszahlt oder gutschreiben soll.

 

  • Abgeltend besteuerte Kapitaleinkünfte sind ab 2012 für die Berechnung der zumutbaren Eigenbelastung zu berücksichtigen, Spenden sowie den Ausbildungsfreibetrag nicht mehr. Bei sehr hohen Kapitaleinnahmen kann es sich daher lohnen, außergewöhnliche Belastungen in das Folgejahr zu verschieben und Spenden vorzuziehen. Bei Unterhaltsaufwendungen gehören Kapitaleinnahmen ab 2012 zu den sonstigen Bezügen des Empfängers. Werden Kapitaleinnahmen über die Günstiger-Prüfung dem Einkommensteuertarif unterworfen, zählen sie für die Nebenrechnungen weiterhin, sowohl steuerlich als auch für Arbeitnehmer-Sparzulage, Wohnungsbauprämie und dem Kirchgeld.

 

  • Da Einkünfte und Bezüge volljähriger Kinder ab 2012 nicht mehr relevant sind, können Eltern öfters Steuervergünstigungen, Kinder-zulage auf den eigenen Riester-Sparvertrag und Kindergeld erhalten. Sollte 2011 die Einkommensgrenze von 8.004 EUR überschritten werden, sollten Kapitaleinnahmen und Kursgewinne gegebenenfalls in das Jahr 2012 verschoben werden.

 

  • Der vorgezogene Abschluss einer Kapitallebensversicherung noch in 2011 lohnt nicht nur, um die halbierte Besteuerung ab dem 60. Geburtstag nutzen zu können, wenn die Laufzeit mindestens zwölf Jahre betragen hat. Bei Vertragsabschluss ab 2012 sinkt der Garantiezins von derzeit 2,25 % auf 1,75 %. Der gibt an, welchen Satz das Versicherungsunternehmen auf den Sparanteil der eingezahlten Prämien für die gesamte Laufzeit unabhängig vom tatsächlichen Marktzinsniveau zumindest zusichert und gilt für die gesamte Vertragslaufzeit. Bei der Police aus 2011 kann der um 0,5 % höhere Zinseszinseffekt eine verbesserte Leistung bewirken - insbesondere bei langen Laufzeiten.

 

  • Für ab 2012 geleistete vermögenswirksame Leistungen für Bau, Erwerb, Ausbau oder Entschuldung eines Wohngebäudes entfällt die Arbeitnehmer-Sparzulage, wenn die Anlagemodelle nach einem vorgefertigten Konzept mindestens 15 Arbeitnehmer zum Miteigentum an einem Immobilienportfolio anwerben. Altverträge erhalten keinen Bestandsschutz.

 

  • Die Anlage SO müssen Anleger nur noch selten ausfüllen, etwa beim Verkauf von physischen Rohstoffen wie Goldmünzen, dem Zufluss des Erlöses bei außerbörslichen Wertpapiergeschäften aus 2009 oder eines geschlossenen Leasing-Fonds innerhalb der Spekulationsfrist.

 

Quelle: Ausgabe 12 / 2011 | Seite 807 | ID 150131