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·Fachbeitrag ·Individuelle Gesundheitsleistungen

Eigenblutbehandlung als IGeL

von Dr. Dr. med. Peter Schlüter, Reilingen (www.vita-lco.de)

| Die Eigenbluttherapie gehört zu den sogenannten Reiztherapien im Rahmen alternativer Heilverfahren. Entweder wird Blut aus der Armvene entnommen und dem Körper unbehandelt oder behandelt wieder zurückgegeben oder ein kleiner Tropfen Kapillarblut wird aus der Fingerbeere entnommen und zur oralen Aufnahme nach homöopathischen Vorschriften aufbereitet. Beide Varianten geben dem Körper kleinste Reize. |

Der Fall aus der Praxis

Ein 29-jähriger Patient stellt sich wegen eines extrem starken Fließschnupfens mit dünnflüssigem, klarem Sekret, verbunden mit Juckreiz in der Nase und vor allem in den Augen vor. Die Anamnese ergibt, dass diese Reaktion seit etwa 6 - 7 Jahren von März bis etwa Ende Mai auftritt. Der Aufenthalt im Freien, vor allem im Garten und in der Natur würden die Beschwerden deutlich verstärken. Heute sei es zum ersten Mal zu einer kurzfristigen Atemnot in der Mittagspause nach einem Spaziergang am nahgelegenen Waldrand, gekommen. Haustiere (Tierhaarallergie) werden verneint, die Wohnung sei trocken (Schimmelpilzallergie), kein Teppichboden (Hausstaubmilben) vorhanden, es komme zu keiner Verschlechterung in der Nacht. Nahrungsmittel-Allergien seien nicht bekannt, Medikamente würden keine eingenommen.

 

  • Konsultation (1. Kontakt im Behandlungsfall)
EBM
Legende
GOÄ

Ziffern

Punkte

Euro

Ziffern

Punkte

03003

122

12,53

Versichertenpauschale/Beratung

1

80

03040

144

14,79

Vorhaltepauschale

-*

-

03230

90

9,24

Hausärztliches Gespräch

-***

-

-**

-

-

Körperliche Untersuchung (Hautorgan)

7

160

-**

-

-

EKG

651

253

03330

60

6,16

Lungenfunktion/Spirometrie

605

242

-**

-

-

Flussvolumenkurve

605a

140

-**

-

-

Blutentnahme

250

40

32042

-

0,25

BKS

3501

60

32122

-

1,10

Blutbild

3550

60

32103

-

0,60

IgA

3571

150

32104

-

0,60

IgM

3571

150

32105

-

0,60

IgG

3571

150

 

* Dafür gibt es keine entsprechende Gebühr in der GOÄ.

** Diese Leistungen sind im EBM nicht gesondert berechnungsfähig. Als Bestandteil des Anhangs 1 gelten diese Leistungen mit der Versichertenpauschale als abgegolten.

*** Die hier entsprechende GO-Nr. 3 ist nur als alleinige Leistung oder im Zusammenhang mit Untersuchungen nach den GO-Nrn. 5, 6, 7, 8, 800, 801 berechnungsfähig und entfällt.

 

Die körperliche Untersuchung zeigt einen leicht erniedrigten Blutdruck (RR 110/60 mmHg) mit erhöhter Herzfrequenz (88 bpm), hyperämisch angeschwollenen Nasenschleimhäuten, Rötung und starkes Ödem der Bindehaut. Stirn und Oberkiefer zeigen keinen Klopfschmerz, Gehörgänge und Trommelfelle sind frei, die Haut ist unauffällig, kein Ekzem der Ellen- und Kniebeugen, die Auskultation der Lunge zeigt ein scharfes Atemgeräusch mit einer diskreten Spastik. Die derzeitige Pollenflugsituation wird mit dem Patienten besprochen, ebenso wie die weiteren notwendigen Schritte: Lungenfunktion, EKG, sowie eine Blutentnahme zur Allergiediagnostik. Zur Soforttherapie werden ein Antiallergikum, Nasenspray sowie Augentropfen verordnet. Das Krankheitsbild der allergischen Rhinitis wird mit dem Patienten besprochen und ein Termin zur Besprechung der Untersuchungsergebnisse sowie zur Kontrolluntersuchung vereinbart.

Die Therapie

Zu den ebenso vielfältigen, wie in ihrer Wirksamkeit eingeschränkten Therapiemöglichkeiten gehört an erster Stelle die Allergenkarenz. Medikamentös steht der Einsatz verschiedener Antihistaminika und Antiallergika mit unterschiedlichem Wirkungsspektrum zur Verfügung. Sollte die Therapie mit Antihistaminika und eventuell auch lokalen Corticoiden unzureichend bleiben, besteht die Möglichkeit der Desensibilisierungsbehandlung. Im Rahmen der zweiten Konsultation wird dies mit dem Patienten erörtert. Es werden weiterhin die Untersuchungsergebnisse besprochen ebenso die Möglichkeiten der Therapie mittels Akupunktur bzw. Eigenblut als sogenannte IGeL, die von dem Patienten privat zu zahlen sind und nach GOÄ in Rechnung gestellt werden. Der Patient entschließt sich aktuell zur Eigenbluttherapie im Rahmen der IGeL. Dem Patient wird ein entsprechender Behandlungsvertrag zur Unterschrift vorgelegt und die erste Eigenbluttherapie durchgeführt.

 

  • Ergebnisbesprechung, Erörterung und Eigenbluttherapie
EBM
Legende
GOÄ

Ziffern

Punkte

Euro

Ziffern

Punkte

03230

90

9,24

ausführliches Gespräch

3

150

-*

-

-

Symptombezogene Untersuchung

5

80

-*

-

-

Eigenblutbehandlung

284

-**

 

* Als Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), die vom Patienten gewünscht sind und nicht zum Leistungskatalog der GKV gehören, sind diese nur nach GOÄ in Rechnung zu stellen. Im EBM gibt es für diese Leistung auch keine eigene Gebührenordnungsposition.

**Da die GO-Nr. 3 nur als alleinige Leistung oder im Zusammenhang mit den Untersuchungsleistungen zu berechnen ist, wird auf die Berechnung der Eigenbluttherapie verzichtet, da diese einen geringeren Betrag ergibt als die Kombination aus den GO-Nrn. 3 und 5.

 

Die Eigenbluttherapie nach Nr. 284 GOÄ beinhaltet die venöse Blutentnahme und die anschließende intramuskuläre Injektion. Eine Vermengung des Eigenblutes mit zusätzlichen Stoffen ist nach GOÄ nicht gesondert berechnungsfähig. Diese zusätzlichen Maßnahmen können über den Gebührenrahmen (Faktorerhöhung nach §5 GOÄ) geltend gemacht werden. Für die eingesetzten Medikamente (zum Beispiel Procain, Thymus etc.) sind nach § 10 GOÄ die Kosten ebenfalls in Rechnung zu stellen.

Quelle: Ausgabe 04 / 2015 | Seite 18 | ID 43072991