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·Fachbeitrag ·Gemeinsamer Bundesausschuss

Mittel zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit künftig verordnungsfähig

| Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in seiner Sitzung vom 20. Februar 2014 beschlossen, dass Arzneimittel zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit künftig unter bestimmten Voraussetzungen für einen begrenzten Zeitraum zulasten der GKV verordnungsfähig sind. Der Beschluss muss noch dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zur Prüfung vorgelegt werden. Er wird - vorbehaltlich der Nichtbeanstandung durch das BMG - am Tag nach seiner Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft treten. |

Hintergrund

In der Anlage III der Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL) sind Verordnungseinschränkungen und -ausschlüsse von Arzneimitteln geregelt. Unter der Nummer 2 sind hier die Alkoholentwöhnungsmittel aufgeführt. Diese sind bislang nur „zur Unterstützung der Aufrechterhaltung der Abstinenz bei alkoholkranken Patienten im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzeptes mit begleitenden psychosozialen und soziotherapeutischen Maßnahmen“ zulasten der GKV verordnungsfähig.

 

Am 25. Februar 2013 wurde mit Selincro® (Wirkstoff: Nalmefen) jedoch ein Arzneimittel zugelassen, dessen Anwendungsgebiet auf die Reduktion des Alkoholkonsums bei erwachsenen Patienten mit Alkoholabhängigkeit ausgerichtet ist.

 

Im Rahmen der Prüfung, ob dieses Arzneimittel der frühen Nutzenbewertung nach § 35a SGB V unterliegt, kam der G-BA zu folgendem Ergebnis: Da Selincro® nicht unter die oben genannte Ausnahmeregelung der Nummer 2 in Anlage III der AM-RL fällt, ist es nicht zulasten der GKV verordnungsfähig und damit auch nicht erstattungsfähig. Deshalb ist es auch derzeit nicht vom Geltungsbereich der frühen Nutzenbewertung erfasst.

 

Der Stellenwert des Therapieansatzes der Alkoholreduktion in der Behandlung der Alkoholabhängigkeit war im Mai 2013 auch Gegenstand einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung (Drucksache 17/13641, 24.5.2013). Der G-BA hat u.a. dies zum Anlass genommen, zu überprüfen, ob sich der Stand der medizinischen Erkenntnisse zur Therapie der Alkoholabhängigkeit dergestalt geändert hat, dass eine Anpassung in Nummer 2 der Anlage III der AM-RL erforderlich wird.

Neue Regelung

Im Ergebnis dieser Überprüfung beschloss der G-BA, in Nummer 2 der Anlage III die Überschrift von „Alkoholentwöhnungsmittel“ in „Mittel zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit“ zu ändern und wie folgt zu ergänzen:

 

  • Nummer 2 der Anlage III AM-RL

2. Mittel zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit,

 

a) […]

 

b) ausgenommen zur Unterstützung der Reduktion des Alkoholkonsums bei alkoholkranken Patienten, die auf eine Abstinenztherapie hingeführt werden, für die aber entsprechende Therapiemöglichkeiten nicht zeitnah zur Verfügung stehen. Die Verordnung kann bis zu drei Monate erfolgen; in begründeten Ausnahmefällen kann die Verordnung um längstens drei weitere Monate verlängert werden. Die Einleitung darf nur durch in der Therapie der Alkoholabhängigkeit erfahrene Ärztinnen und Ärzte erfolgen.

 

Der G-BA weist sowohl in den tragenden Gründen zu diesem Beschluss als auch in einer Pressemitteilung darauf hin, dass die völlige Abstinenz das übergeordnete Ziel der Behandlung der Alkoholabhängigkeit bleibt.

 

Es kann allerdings auch Fälle geben, die auf eine Abstinenztherapie hingeführt werden, für die aber entsprechende Therapiemöglichkeiten nicht ausreichend oder nicht zeitnah zur Verfügung stehen und in denen übergangsweise die Reduktion des Alkoholkonsums in Betracht kommen kann. Für diese Fälle ist die oben genannte Ergänzung in der Nummer 2 der Anlage III gedacht.

 

MERKE | Das Arzneimittel Selincro® ist derzeit noch nicht in Deutschland im Markt. Es ist aber davon auszugehen, dass der Markteintritt in Kürze erfolgen wird. Als neues und mit Inkrafttreten des Beschlusses auch zulasten der GKV in den genannten Fällen erstattungsfähiges Arzneimittel wird es der frühen Nutzenbewertung unterliegen.

 

Weiterführender Hinweis

  • Der Beschluss und die tragenden Gründe hierzu können Sie auf der Website des G-BA (www.g-ba.de) im Informationsarchiv unter Richtlinien > Arzneimittel-Richtlinie > Beschlüsse abrufen.
Quelle: Ausgabe 03 / 2014 | Seite 20 | ID 42545513