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·Fachbeitrag ·ABC der Abrechnung

„P“ - Polyneuropathie

von Dr. Dr. med. Peter Schlüter, Tiefenbach, www.vita-lco.de

| Über 50 Prozent der Diabetiker entwickeln innerhalb von zehn Jahren nach Erstmanifestation eine Polyneuropathie. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch den schleichenden Beginn, schreitet dann aber schnell voran. |

 

Der Fall

Ein 56-jähriger Patient, bei dem seit 14 Jahren ein Diabetes mellitus Typ 2 bekannt ist, stellt sich mit Schmerzen in beiden Füßen und deutlichen Kribbelparästhesien vor. Anamnestisch werden einschießende Schmerzen in den Füßen während der Nacht angegeben, ebenso wie zum Teil auch belastungsabhängige Schmerzen. Die körperliche Untersuchung zeigt einen deutlich übergewichtigen Patienten (189cm, 131 kg) mit medikamentös gut eingestelltem Diabetes mellitus (HbA1c: 6,1 Prozent, Nüchtern-BZ: 90 bis 110 mg Prozent, 1 Std. pp.: max. 190 mg Prozent). Der weitere körperliche Befund ist weitgehend unauffällig, bei der neurologischen Untersuchung zeigen sich deutliche Sensibilitätsstörungen, ein pathologisches Vibrationsempfinden und seitengleich abgeschwächte Muskeleigenreflexe. Das EKG ist bis auf einen Rechtsschenkelblock unauffällig. Die dopplersonografische Gefäßuntersuchung zum Ausschluss einer p-AVK ergibt normale Werte. Zur Klärung von möglichen Grund- oder Begleiterkrankungen wird noch eine Oberbauchsonografie und eine Blutentnahme zur Labordiagnostik durchgeführt. Zur Ergebnisbesprechung und zur Erörterung der Diagnose einer Polyneuropathie sowie zur Therapieeinleitung wird mit dem Patienten ein weiterer Termin vereinbart.

 

  • 1. Konsultation: Untersuchung/Beratung
EBM
GOÄ
Ziffern
Punkte
Euro
Legende
Ziffern
Punkte

03004

157

16,38

Versichertenpauschale / Beratung

1

80

03040

144

15,03

Vorhaltepauschale

-**

-

03060

22

2,30

NäPa-Zuschlag

-**

-

03220

130

13,57

Chronikerpauschale I

-**

-

-*

-

-

Körperliche Untersuchung

7

160

-*

-

-

Neurologische Untersuchung

800***

195

-*

-

-

EKG

651

253

33042

****

157

16,38

Oberbauchsonografie

410+

3x420

200+

3x80

33061

108

11,27

Dopplersonografie - Arterien

644

180

-*

-

-

Blutentnahme

250

40

 

* Diese Leistungen sind im EBM nicht gesondert berechnungsfähig. Als Bestandteil des Anhangs 1, gelten diese Leistungen mit der Versicherten-Pauschale als abgegolten.

** Hierfür gibt es in der GOÄ keine entsprechenden Gebühren. Ggf. sind die Einzelleistungen zu berechnen.

*** Da die neurologische Untersuchung nicht neben der Nr. 8 GOÄ berechnungsfähig ist, wird die organspezifische Untersuchung nach Nr. 7 GOÄ mit höherem Faktor berechnet.

****Hierfür ist eine KV-Genehmigung erforderlich.

 

Zweite Konsultation

In einer ausführlichen Erörterung wurde dem Patienten die Diagnose erklärt und ihm geraten, an der Diabetikerschulung teilzunehmen. Zusätzlich wurde eine Infusionstherapie mit alpha-Liponsäure und die Gabe neurotroper Vitamine eingeleitet.

 

  • 2. Konsultation: Befundbesprechung/Therapieeinleitung
EBM
GOÄ
Ziffern
Punkte
Euro
Legende

Ziffern

Punkte

03230x2

90x2

9,39 (x2)

Ausführliche Erörterung

34

300

03221

40

4,17

Chronikerpauschale II

-*

-

32025

-

1,60

Glukose

3514**

70

02100***

57

5,95

Infusion

272

180

 

* Hierfür gibt es in der GOÄ keine entsprechenden Gebühren. Ggf. sind die Einzelleistungen zu berechnen.

** Praxislabor. Aus Laborgemeinschaft: Nr. 3560 GOÄ.

*** Im hausärztlichen Versorgungsbereich mit der Versichertenpauschale abgegolten und nicht gesondert berechnungsfähig.

 

MERKE | Für die Chronikerpauschalen des EBM gibt es in der GOÄ zwar keine direkt vergleichbare Gebühr. Dennoch lässt sich der Leistungsinhalt in die GOÄ „übersetzen“. Die Gebühr der GOÄ, die der Chronikerpauschale nahe kommt, ist der Betreuungskomplex nach Nr. 15 GOÄ („Einleitung und Koordination flankierender therapeutischer und sozialer Maßnahmen während der kontinuierlichen ambulanten Betreuung eines chronisch Kranken“). Da diese Gebühr der GOÄ etwas anders aufgebaut ist und definierte Leistungsinhalte verlangt, sollten sich aus der Dokumentation die erbrachten Leistungsinhalte zu den therapeutischen und sozialen Maßnahmen erkennen lassen.

 

Therapieverlauf

Die Therapie der Polyneuropathie konzentriert sich bei bekannter Ätiologie auf die Ursachenbekämpfung, d. h. in diesem Falle auf eine konsequente Blutzuckereinstellung. Bei dem Patienten kam es unter der Therapie zu einer deutlichen Besserung der Symptomatik. Mit dem Patienten wurden regelmäßige Konsultationen zur Kontrolle vereinbart.

 

Eine optimale Stoffwechseleinstellung kann zwar die Nervenleitgeschwindigkeit verbessern, ändert jedoch nicht unbedingt etwas an der Symptomatik. In diesen Fällen ist dann eine symptomatische Therapie durchzuführen, um die Krankheitssymptome zu lindern. Zur Basistherapie der Polyneuropathie gehört in erster Linie die konsequente Behandlung der Grunderkrankung. Weiterhin sind das Meiden neurotoxischer Substanzen, der Einsatz von neurotropen Vitaminen (B6 und B12) und Folsäure, sowie symptomatische und physiotherapeutische Maßnahmen zu berücksichtigen. Der Einsatz von alpha-Liponsäure beeinflusst die neurologischen Defizite oft positiv. Gelegentlich spricht die diabetische Polyneuropathie auch auf Gabe von Carbamazepin oder Gabapentin an. Bei akut schmerzhafter Polyneuropathie ist der Einsatz von Analgetika (z. B. ASS oder Paracetamol) angezeigt.

 

PRAXISHINWEIS | Patienten mit einer Polyneuropathie sollten in ein umfassendes Therapiekonzept eingebunden werden, wozu in erster Linie die kontinuierliche Betreuung und konsequente Patientenführung gehört. Letzteres ist gerade bei jüngeren Betroffenen nicht immer einfach.

 

 

  • Tabelle Polyneuropathie
Diagnose
ICD-10-GM*
Leistung
EBM-Abrechnung
GOÄ-Abrechnung

GO-Nr.

Punkte

Euro

GO-Nr.

Punkte

Euro / 2,3-fach

Euro / 3,5-fach

Polyneuropathie, peripher

G62.9

 

Versichertenpauschale/

 

 

Beratung

03001

236

24,63

1

 

 

3

80

10,72

16,32

Polyneuropathie, arzneimittelinduziert

G62.0

03002

150

15,65

Polyneuropathie, bei Tumor

G62.1* C80.9+

03003

122

12,73

150

20,11

30,60

Polyneuropathie, bei Zoster

G63.-0*B02.2+

03004

157

16,38

Polyneuropathie, bei Diabetes mellitus Typ 1

G63.2* E10.40+

03005

210

21,92

Polyneuropathie, bei Diabetes mellitus Typ 2

G63.2*

E11.40+

Vorhaltepauschale

03040

144

15,03

-***

-

-

-

Polyneuropathie, durch Alkohol

G62.1

NäPA-Zuschlag

03060

22

2,30

-***

-

-

-

Polyneuropathie, durch Drogen

G62.0

Chronikerpauschale I

03220

130

13,57

-***

-

-

Polyneuropathie, hereditär

G60.9

Chronikerpauschale II

03221

40

4,17

-***

-

-

Symptome

zog. Untersuchung

-**

-

-

5

80

10,72

16,32

Organspezifische Untersuchung

-**

-

-

7

160

21,45

32,64

Ganzkörperstatus

-**

-

-

8

260

34,86

53,04

Neurologische Untersuchung

-**

-

-

800

195

26,14

39,78

Oberbauchsonografie

33042

157

16,38

410+

3x420

200+

3x80

26,81+

3x10,32

40,80+

3x16,32

Gefäßdoppler

-**

-

-

643

120

12,59

17,49

EKG

-**

-

-

651

253

26,54

36,87

Gespräch / Erörterung

03230

90

9,39

3

150

20,11

30,60

Eingehendes Gespräch (20min.)

03230x2

90x2

9,39x2

34

300

33,52

51,00

Blutentnahme

-**

-

-

250

40

4,20

5,83

Infusion

02100****

57

5,95

271

272

120

180

16,09

24,13

24,48

36,72

 

* Zusatzkennung: A = Ausschluss, G = Gesichert, V = Verdacht, Z = Zustand nach ...

** Diese Leistungen sind nach EBM nicht gesondert berechnungsfähig, sondern mit anderen Pauschalen abgegolten.

*** Hierfür gibt es keine entsprechende Leistung in der GOÄ.

**** Im hausärztlichen Versorgungsbereich mit der Versichertenpauschale abgegolten und nicht gesondert berechnungsfähig.

Quelle: Ausgabe 03 / 2016 | Seite 17 | ID 43877384