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·Fachbeitrag ·Hausbesuche

Hausbesuche sind betriebswirtschaftlich nicht mehr durchführbar!

von Dr. Dr. med. Peter Schlüter, Reilingen, www.vita-lco.de 

| Hausbesuche gehören zu den wirtschaftlichsten Leistungen im Gesundheitswesen. Billiger ist eine medizinische Versorgung vor Ort für die Krankenkassen nicht mehr zu haben. Der Hausbesuch ist jedoch zu den Bedingungen des EBM, aus betriebswirtschaftlicher Sicht, von den Ärzten nicht mehr zu leisten. |

Hausbesuche sind seit Jahren ein Zuschussgeschäft

Hausbesuche gehören seit jeher zu den Aufgaben des Hausarztes und sie gehören zum hausärztlichen Selbstverständnis in unserem gewachsenen Gesundheitssystem. Zudem sind Hausbesuche für die Kostenträger die günstigste Form der medizinischen Versorgung der Versicherten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sind, eine Praxis aufzusuchen. Die Alternativen - und das zeigt sich beim Vergleich mit anderen europäischen und internationalen Gesundheitswesen - sind wesentlich kostenintensiver: Die Behandlung in Klinikambulanzen einschließlich der Transportkosten, Klinikaufenthalte und/oder die Verlegung in Alten- oder Pflegeheime. Ökonomisch und betriebswirtschaftlich gesehen sind Hausbesuche für den niedergelassenen Vertragsarzt schon seit Jahren ein Zuschussgeschäft. Die zunehmenden Kosten konnten bis vor einigen Jahren noch durch organisatorische Maßnahmen einigermaßen aufgefangen werden, doch auch dies hat jetzt seine Grenzen gefunden. Mit einer Zeithinterlegung (Plausibilitätszeit) von 20 Minuten sind nämlich alle organisatorischen Bemühungen, wenigstens den Zeitaufwand pro Hausbesuch zu reduzieren, deutlich limitiert.

 

212 Punkte für einen Hausbesuch, das bedeutet - bei einem Punktwert von rund 10,13 Cent - lächerliche 21,48 Euro. Zusätzlich gibt es noch eine zum Teil in den KVen unterschiedliche, aber insgesamt sehr niedrige Fahrtkostenerstattung (zum Beispiel 3,50 Euro in Baden-Württemberg). Bei allem Verständnis für Mischkalkulationen in der Gebührenordnung: Dieses Zusatzgeschäft kann sich kein Vertragsarzt mehr leisten. Bei solchem Entgelt fragt sich der Vertragsarzt, ob denn die EBM-Macher für diesen Preis auch im eigenen Pkw zu ihren Sitzungen fahren oder auch, ob diese noch nie einen Heizungsmonteur benötigt haben?! Dieser verlangt in einigen Gegenden alleine schon als Anfahrtpauschale einen Betrag zwischen 25 und 35 Euro.

 

Wirklich ausgenutzt muss sich der Hausarzt in seiner Eigenschaft als Garant für billigste Leistungen in einem versorgungsstarken Gesundheitssystem vorkommen, liest er den Zusatz in den Leistungslegenden zu den dringenden Besuchen nach den Nrn. 01411 und 01412. Dort heißt es: „Dringender Besuch wegen der Erkrankung, unverzüglich nach Bestellung ausgeführt.“ „Nach Bestellung“ bedeutet, dass diese Besuchsleistungen nur dann abgerechnet werden dürfen, wenn der dringende Besuch auch bestellt wurde. Was aber, wenn der Besuch aus medizinischen Gründen am Wochenende oder zur Nachtzeit notwendig und vorhersehbar, also abgesprochen war. Für all diese von den Hausärzten sichergestellten medizinischen Versorgungsleistungen (Tumorkranke, Infusionstherapie, Schmerztherapie, Palliativmedizin, Sterbebegleitung usw.) in der Nacht und am Wochenende sieht der EBM nur den einfachen Hausbesuch vor, ohne Zuschlagsmöglichkeiten. Die Unzeitziffern (Nrn. 01100 bis 01102) sind neben Hausbesuchen nicht berechnungsfähig, die Eilbesuche nach den Nrn. 01411 und 01412 müssen angefordert und dürfen somit nicht abgesprochen sein.

Hausbesuchstätigkeit auf den Prüfstand stellen

In Anbetracht solcher inflationärer Honorierung kann man nicht anders, als auch die Hausbesuchstätigkeit auf den Prüfstand zu stellen, optimal zu organisieren bzw. zu reduzieren. So lässt sich die Zahl der Hausbesuche in einer Hausarztpraxis regulieren, indem man alle Patienten betrachtet, die in den letzten Monaten mehr oder minder regelmäßig besucht wurden. Waren diese bisherigen Besuche wirklich notwendig? Oder wurden Sie eher gewohnheitsgemäß durchgeführt? Bei dieser Analyse fallen bestimmt einige Patienten auf, die Sie von Ihrer Hausbesuchsliste streichen können. Mit den verbliebenen wird ein regelmäßiger Besuchsrhythmus (14-tägig, 3- oder 4-wöchentlich) vereinbart. Bei dieser Vorgehensweise lassen sich die Besuche auch so zusammenfassen, dass Patienten einer bestimmten Wohngegend zusammen besucht werden, wodurch Sie Zeit und Kosten sparen. Wenn Sie auf diese Weise dann tatsächlich drei Patienten pro Stunde besuchen können, liegen Sie im Rahmen der Plausibilitätszeit und das Honorar sieht etwas besser aus!

 

  • Hausbesuche in EBM und GOÄ
EBM
Legende
GOÄ

GOP

Punkte

GOP

Punkte

01410

212

Besuch eines Kranken, wegen der Erkrankung ausgeführt

50

320

01411

469

Dringender Besuch wegen der Erkrankung, unverzüglich nach Bestellung ausgeführt

  • zwischen 19:00 und 22:00 Uhr,
  • an Samstagen, Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen, am 24.12. und 31.12. zwischen 07:00 und 19:00 Uhr und/oder
  • Besuch im organisierten Not(fall)dienst

50

E

F

G

H

K2

320

160

260

450

340

120

01412

626

Dringender Besuch wegen der Erkrankung, unverzüglich nach Bestellung ausgeführt

  • zwischen 22:00 und 07:00 Uhr,
  • an Samstagen, Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen, am 24.12. und 31.12. zwischen 19:00 und 07:00 Uhr,
  • bei Unterbrechen der Sprechstundentätigkeit mit Verlassen der Praxisräume

50

E

F

G

H

K2

320

160

260

460

340

120

01413

106

Besuch eines weiteren Kranken in derselben sozialen Gemeinschaft

51

250

01414

87

Visite auf der Belegstation

45

46

48

70

50

120

01415

546

Dringender Besuch eines Patienten in beschützenden Wohnheimen bzw. Einrichtungen bzw. Pflege- oder Altenheimen mit Pflegepersonal, wegen der Erkrankung, noch am Tag der Bestellung ausgeführt

50

E

320

160

Quelle: Ausgabe 02 / 2014 | Seite 13 | ID 42430545