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·Fachbeitrag ·Kasko

Die neuen Musterbedingungen für die Kasko-Kraftfahrtversicherung - ein Überblick

| Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft GDV hat die Musterbedingungen für die Kraftfahrtversicherung neu gestaltet. Diese stehen auf der Seite www.gdv.de als Download zur Verfügung. Erfahren Sie, was sich geändert hat und wann die neuen Bedingungen im Verhältnis Kunde - Kaskoversicherer gelten. |

 

Wichtig | Bei den neu gestalteten Bedingungen handelt es sich um ein Muster. Daran können sich die einzelnen Gesellschaften orientieren. Die meisten Gesellschaften werden das auch erfahrungsgemäß tun, aber nicht immer eins zu eins. Deshalb muss im Einzelfall stets geprüft werden, wie der jeweilige VR das Regelwerk umgesetzt hat.

In der Regel nur für Neuverträge relevant

Die neuen Versicherungsbedingungen gelten nicht automatisch. Sie müssen vereinbart werden. Neuverträge werden vielfach das neue Bedingungswerk zur Grundlage haben. Altverträge behalten die alten Bedingungen, solange sie der VR nicht einvernehmlich mit dem VN umstellt.

 

Beachten Sie | Für einen langen Zeitraum wird man stets prüfen müssen, welche Bedingungen relevant sind. Das Nebeneinander führt also zu gewissen Unsicherheiten.

Wichtige Änderungen

Es gibt Änderungen und Klarstellungen in den neuen Kaskobedingungen. Auch sind sie gänzlich neu durchnummeriert. Nachfolgend die wichtigsten:

 

Klarstellung zum Unfallschaden in Abgrenzung zum Betriebsschaden

Der Unfallbegriff ist nun in der Klausel A.2.2.2.2 definiert. In dieser Klausel ist er auch zum (nicht versicherten) Betriebsschaden abgegrenzt:

 

  • A.2.2.2.2

„Versichert sind Schäden am Fahrzeug durch Unfall. Ein Unfall ist ein unmittelbar von außen plötzlich mit mechanischer Gewalt auf das Fahrzeug einwirkendes Ereignis.

Keine Unfallschäden sind deshalb insbesondere:

  • Schäden am Fahrzeug, die ihre alleinige Ursache in einem Bremsvorgang haben, z.B. Schäden an der Bremsanlage oder an den Reifen.
  • Schäden am Fahrzeug, die ausschließlich aufgrund eines Betriebsvorgangs eintreten, z.B. durch falsches Bedienen, falsches Betanken oder verrutschende Ladung.
  • Schäden am Fahrzeug, die ihre alleinige Ursache in einer Materialermüdung, Überbeanspruchung oder Abnutzung haben.
  • Schäden zwischen ziehendem und gezogenem Fahrzeug oder Anhänger ohne Einwirkung von außen, z.B. Rangierschäden am Zugfahrzeug durch den Anhänger.
  • Verwindungsschäden.

 

Vorhersehbare Beschädigungen des Fahrzeugs, die üblicherweise im Rahmen der bestimmungsgemäßen Verwendung des Fahrzeugs entstehen, gelten nicht als Unfallschaden. Beispiel: Schäden an der Ladeoberfläche eines Lkw durch Beladen mit Kies.

 

Die vom BGH kürzlich entschiedene Frage, dass ein Anhänger auch als gezogenes Fahrzeug gilt (VK 15, 73), ist damit nun nur noch für Altverträge relevant. Denn jetzt ist neben dem gezogenen Fahrzeug der Anhänger in der Klausel ausdrücklich erwähnt. Das bringt nichts Neues, ist aber deutlicher.

 

Klarheit beim Verglasungsbegriff

Eine erfreuliche Klarstellung findet sich in der neuen Glasbruchklausel:

 

  • A.2.2.1.5

„Versichert sind Bruchschäden an der Verglasung des Fahrzeugs. Als Verglasung gelten Glas- und Kunststoffscheiben (z.B. Front-, Heck-, Dach-, Seiten- und Trennscheiben), Spiegelglas und Abdeckungen von Leuchten. Nicht zur Verglasung gehören Glas- und Kunststoffteile von Mess-, Assistenz-, Kamera- und Informationssystemen, Solarmodulen, Displays, Monitoren sowie Leuchtmittel. Nicht versichert sind Folgeschäden.“

 

Das Gute an dieser neuen Klausel ist: Der gelegentliche Streit um die Frage, ob der funktionale Glasbegriff gilt („Durchgucken“) oder der chemisch-physikalische, ist vom Tisch. Denn die Kunststoffscheiben sind ausdrücklich einbezogen. Abdeckungen von Leuchten sind auch unabhängig vom Material versichert. Klargestellt ist aber auch, dass die vielen kleinen Scheiben im Armaturenbereich und bei sonstigen Instrumenten nicht versichert sind.

 

Sachverständigenverfahren

Rund um das Sachverständigenverfahren ist lediglich eine Klarstellung erfolgt. Nun steht in der Klausel A.2.6 eindeutig, dass das Sachverständigenverfahren bei Meinungsverschiedenheiten über die Schadenhöhe durchgeführt werden muss. Sachlich war das schon immer so, doch die alte Formulierung galt als missverständlich.

 

Beachten Sie | Die weiteren Änderungen sind - soweit ersichtlich - nur redaktioneller Art in dem Sinne, dass manches klarer und verständlicher formuliert ist und die Klauseln besser nach Ihrem Sinn sortiert sind. Wir werden für Sie beobachten, ob der praktische Umgang mit den neuen Bedingungen zu neuen (Streit-)Themen führt.

Quelle: Ausgabe 06 / 2015 | Seite 105 | ID 43414152