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·Fachbeitrag ·Kfz-Kaskoversicherung

Nicht immer Abschleppkosten bei Kaskoschäden

| Bei Kaskoschäden ist es nicht selbstverständlich, dass Abschleppkosten erstattet werden. Wenn das bei einem Kaskoschaden verunfallte Fahrzeug so sehr beschädigt ist, dass es auch für den VN erkennbar keinen Wert mehr hat, gehören die Abschleppkosten nicht zum versicherten Umfang. Das hat das OLG Karlsruhe entschieden. |

 

Beschädigung versus Totalschaden

Die maßgebliche Klausel im Urteilsfall lautete: „Bei Beschädigung des Fahrzeugs ersetzen wir die Kosten für das Abschleppen vom Schadensort bis zur nächstgelegenen für die Reparatur geeigneten Werkstatt.“ (OLG Karlsruhe 17.12.15, 12 U 101/15, Abruf-Nr. 146171).

 

„Beschädigung“ ist in der Kaskoversicherung das Gegenstück zum echten Totalschaden. Der beginnt, wenn die erforderlichen Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert (WBW) übersteigen. Also sagt die Klausel: Abschleppkosten bei Beschädigungen werden erstattet, bei Totalschäden nicht. Daran ändert die Pflicht des Halters nichts, das verunfallte Fahrzeug von der Unfallstelle zu entfernen. Denn die Kaskoversicherung deckt nur das vertraglich Vereinbarte ab. Das sind nicht zwingend alle finanziellen Nachteile.

 

Probleme auch bei Beschädigungsfällen

Aber auch wenn nur eine Beschädigung vorliegt, erstattet der Kaskoversicherer die Abschleppkosten ggf. nicht unbegrenzt. In den Musterbedingungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft lautet die maßgebliche Klausel:

 

  • A.2.5.2.2

Bei Beschädigung des Fahrzeugs ersetzen wir die Kosten für das Abschleppen vom Schadenort bis zur nächstgelegenen für die Reparatur geeigneten Werkstatt. Dabei darf einschließlich unserer Leistungen wegen der Beschädigung des Fahrzeugs nach A.2.5.2.1 die Obergrenze nach A.2.5.2.1.a oder A.2.5.2.1.b nicht überschritten werden.

 

Das bedeutet: Liegen die erforderlichen Reparaturkosten nur knapp unter dem WBW und führt das dazu, dass die Summe aus den Reparaturkosten und den Abschleppkosten den WBW sprengen würde, bildet der WBW die Obergrenze der Erstattungsleistung. Auf den restlichen Abschleppkosten bleibt der VN sitzen. Das gilt für den Fall der vollständigen und fachgerechten Reparatur.

 

Lässt der VN das Fahrzeug nicht, nicht vollständig oder nicht fachgerecht reparieren, ist die Obergrenze sogar der Wiederbeschaffungsaufwand (WBA), also die Differenz aus WBW und Restwert. Dann bleibt der VN bereits auf dem Teil der Abschleppkosten sitzen, der den WBA übersteigt.

Quelle: Ausgabe 03 / 2016 | Seite 46 | ID 43879937