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  • · Fachbeitrag · Vollstreckungspraxis

    Vollstreckungs-Tipp des Monats

    Viele Leser nutzen KI-Tools natürlich auch bei Recherchen zu Schuldnern. Unsere Leserin Sandra Mönke, Hamburg, konnte mit Hilfe von ChatGPT einen Erfolg verbuchen, denn die KI half ihr bei der Spurensuche, einen Verwendungszweck auf einem Kontoauszug zu „enttarnen“.

     

    Erst der Blitzer, dann der Gedankenblitz …

    Die Akte mit der Schuldnerin S. hatte unsere Leserin immer wieder in den Händen. Auf den erstrittenen Titel wurden Raten gezahlt, da es keine hohen Einkünfte oder Vermögen gab. Trotzdem versuchte unsere Leserin in Intervallen, an zusätzliche Informationen zu kommen, telefonierte hierzu auch mit S. – alles mit dem Ziel, eine schnellere Befriedigung für Gläubiger G. zu erreichen.

     

    Eines Tages brachte S. auf Anforderung durch unsere Leserin Nachweise u. a. zu Miete und Nebenkosten bei und legte auch paar Kontoauszüge vor. In den Umsätzen eines Buchungsbelegs entdeckte unsere Leserin die Abbuchung einer Stadtverwaltung über knapp 120 EUR. Als Verwendungszweck war eine aus zehn bis 12 Ziffern bestehende Nummer angegeben. Was hatte das zu bedeuten?

     

    Unsere Leserin fragte ChatGPT. Sie gab den Prompt „Was kann bei einer Stadtkasse unter diesem Verwendungszweck verbucht werden?“ ein und gab auch den Namen der Stadt und des Bundeslandes an. Das Ergebnis: Es handele sich vermutlich um ein Kassenzeichen, wie es bei Verwarnungen oder Bußgeldbescheiden üblich sei. Da häufig noch Gebühren und Auslagen dazu kommen, könne es ein ungerader Betrag wie hier sein. ChatGPT glich gleichzeitig auch die aktuelle Höhe von Buß- und Verwarnungsgeldern mit dem Betrag auf dem Kontoauszug ab und vermutete dann noch stärker einen Geschwindigkeitsverstoß, der dahinter stecken könnte.

     

    Unsere Leserin machte Nägel mit Köpfen: Sie konfrontierte S. mit der Abbuchung und fragte sie nach einem eigenen Fahrzeug oder ob sie mit einem unterwegs gewesen sei. Das brachte unerwartet eine Lawine ins Rollen: Überrumpelt gab S. an, dass sie geblitzt worden sei, wenige Wochen nachdem sie ein Fahrzeug erworben hatte, das sie für eine neue Teilzeitbeschäftigung brauchte.

     

    Eine simple Abbuchung hatte unsere Leserin zu einem verschwiegenen Nebenjob geführt. S. war das sichtlich unangenehm und sie trug die Forderung mit höheren Raten rasch ab.

     

    Oft sind es ungewöhnliche Vollstreckungsmethoden oder sogar Zufälle, die helfen, dem Schuldner auf die Schliche zu kommen und die Vollstreckung erfolgreich zu beenden. Diese Fälle sammeln wir und veröffentlichen sie an dieser Stelle im Leser-Erfahrungsaustausch.

     

    Schildern auch Sie uns Ihren „schönsten Fall“. Wird er veröffentlicht, erhalten Sie ein Einsenderhonorar von 100 EUR. Unsere Anschrift: IWW Institut für Wissen in der Wirtschaft GmbH, Redaktion „Vollstreckung effektiv“, Aspastr. 24, 59394 Nordkirchen, E-Mail: ve@iww.de

    Quelle: ID 50971113