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·Fachbeitrag ·Therapieangebot

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Betriebswirtschaftliche und rechtliche Aspekte

von Rechtsanwalt Manfred Weigt, Bochum

| Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) erfreut sich aufseiten der Arbeitgeber wachsender Beliebtheit (siehe PP 05/2016, Seite 16). Immer mehr Unternehmer investieren in die Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter, u. a. auch deswegen, weil die damit verbundenen Leistungen nach § 3 Nr. 34 Einkommensteuergesetz (EStG) steuerfrei sind. Wie Sie als Inhaber einer Physiotherapiepraxis BGM-Leistungen erfolgreich und betriebswirtschaftlich sinnvoll anbieten und was Sie bei der Vertragsgestaltung beachten sollten, fasst PP für Sie zusammen. |

Ermittlung des Angebotsstundensatzes

Wer als Praxisinhaber BGM anbieten will, wird sich zunächst fragen, welchen Stundensatz er für die Leistung verlangen kann (siehe PP 04/2016, Seite 4 und PP 05/2016, Seite 14). Für BGM gibt es - anders als bei anderen Leistungen in der Physiotherapie - keine vorgeschriebenen Preise oder Sätze, an die es sich zu halten gilt.

 

Bevor Sie BGM profitabel anbieten können, müssen Sie zunächst alle entstandenen bzw. mit dem BGM im Zusammenhang stehende Kosten ermitteln. Nur so können Sie sich ein klares Bild machen, wann der sogenannte „Break-even“ erreicht ist, d. h. wie lange es dauert, um die gemachten Aufwendungen wieder einzuspielen (siehe PP 06/2016, Seite 9). Ermitteln Sie zunächst alle Kosten für Weiterbildungen, die im Zusammenhang mit der angebotenen Leistung stehen. Hier kommen schnell 5.000 bis 10.000 Euro zusammen, z. B. durch

 

  • Kosten für Kurse bzw. Lehrgänge,
  • Reise- bzw. Übernachtungskosten im Zusammenhang mit dem Lehrgang,
  • Materialkosten für den Lehrgang (Stifte, Papier, Bücher etc. …),
  • Ausfallkosten in der Praxis, wenn z. B. ein Mitarbeiter für die Zeit einer Weiterbildung freigestellt wird.

 

Teilen Sie anschließend die Kosten durch den veranschlagten Stundensatz. So ermitteln Sie den Zeitpunkt, wann die Kosten wieder eingespielt sind.

 

  • Beispiel: Weiterbildungskosten und Stundensatz

Ihre Weiterbildungskosten betragen 5.000 Euro und Ihr Stundensatz, den Sie weiterberechnen können, liegt bei 120 Euro. Der Zeitpunkt, wann Sie die Kosten, wieder eingespielt haben, liegt also bei 5.000/120 = 41,7. Sie haben Ihre Kosten also erst nach der 42. Stunde der Leistungserbringung wieder eingespielt. Wenn Ihnen noch Materialkosten entstehen bzw. Sie einen Mitarbeiter für die betreffende Fortbildung freistellen müssen, benötigen Sie entweder mehr Stunden der Leistungserbringung oder aber einen höheren Stundensatz.

 

Umsatzsteuer

Nach § 4 Nr. 14 Umsatzsteuergesetz (UStG) sind Heilbehandlungen von der Umsatzsteuer befreit. Da im Rahmen des BGM erbrachte Leistungen aber eben gerade keine Heilbehandlung sind, fällt für diese Leistungen Umsatzsteuer an. Lesen Sie dazu auch die PP-Sonderausgabe „Umsatzsteuer in der Therapiepraxis“ unter pp.iww.de > Downloads > Sonderdrucke.

 

MERKE | Das BGM ist für Sie dann steuerfrei, wenn die gesamten steuerpflichtigen Einnahmen, die Sie als Unternehmer haben 17.500 EUR im Jahr nicht übersteigen (Kleinunternehmerregelung nach § 19 Abs. 1 UStG).

 

Da die Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen ist, sollten Sie zur Sicherheit mit dem Bruttobetrag kalkulieren. Für den Unternehmer, in dessen Auftrag Sie BGM-Leistungen erbringen, ist das normalerweise kein Problem. Die Umsatzsteuer wird als durchlaufender Posten behandelt, und wenn der Unternehmer dann die Leistung für seine Mitarbeiter bezahlt, ist für ihn die Umsatzsteuer nicht erheblich und fällt daher auch nicht ins Gewicht.

Vorsteuer

Für Kosten, die direkt mit der Erbringung von BGM-Leistungen verbunden sind, können Sie die in den Kosten enthaltenen Vorsteuerbeträge (i. d. R. 19  Prozent) vom Finanzamt zurückfordern. Auch deshalb ist die Dokumentation der mit dem BGM verbundenen Kosten so wichtig.

 

  • Beispiel: Rückforderung von Vorsteuerbeträgen

Sie schaffen Übungsgeräte (Kegel, Bälle etc.) an, die ausschließlich für das BGM eingesetzt werden. Der Wert dieser Geräte beträgt 476 Euro (brutto). Die darin enthaltene Vorsteuer, die Sie vom Finanzamt zurückverlangen können, beträgt demnach 76 Euro: 476 Euro/1,19 = 400 Euro; 476 Euro - 400 Euro = 76 Euro.

 

Wichtig | Richten Sie Ihre Buchhaltung so ein, dass Erlöse und Kosten eindeutig erfasst werden können. Fordern Sie dann auch andere Vorsteuerbeträge zurück. Lassen Sie sich ggf. hierbei von Ihrem Steuerberater helfen.

BGM-Vertrag

Fehlende gesetzliche Vorgaben machen es unerlässlich, dass Sie einen entsprechenden Vertrag (BGM-Vertrag) mit dem Inhaber der Firma abschließen, in dem Sie die wesentlichen Inhalte zur Durchführung des BGM regeln. Einen Mustervertrag finden Sie online unter der Abruf-Nr. 44130900.

 

PRAXISHINWEIS | Fragen Sie bei ihrer Berufshaftpflichtversicherung nach, ob auch die Leistungen des BGM vom Versicherungsschutz umfasst sind. Stellen Sie sicher, dass Sie im Schadensfall ausreichend abgesichert sind.

 

 

Präambel

Beschreiben Sie hier, welche Leistungen Sie erbringen und welche Grundlagen die Kooperation und das BGM haben. Da es sich beim BGM um Leistungen des Arbeitgebers zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und der betrieblichen Gesundheitsförderung handelt, sollten Sie sicherstellen, dass Sie nur Mitarbeiter behandeln, die keiner Verordnung bedürfen. Mitarbeitern mit behandlungsbedürftigen Gesundheitsschädigungen sollten Sie aus Haftungsgesichtspunkten raten, einen Arzt aufzusuchen.

 

Leistungen der Praxis

Stellen Sie hier dar, wann das BGM stattfindet, wie lange die Leistungserbringung dauert und wie viele Teilnehmer vorgesehen sind.

 

Leistungen des Arbeitgebers

Hier sollten Sie regeln, in welchen Räumen das BGM konkret stattfindet und wer Trainingsgeräte und Hilfsmittel (z. B. Matten und Desinfektionsmittel) zur Verfügung stellt. Wenn der Arbeitgeber die konkrete Terminierung für die Mitarbeiter, übernimmt, ist auch dies festzuhalten. Weiterhin sollten Sie regeln, was geschieht, wenn ein Mitarbeiter die Termine nicht wahrnimmt.

 

Entgelt

Neben der Höhe Ihres Entgelts muss hier festgelegt sein, ob die von Ihnen erbrachte Leistung der Umsatzsteuer unterliegt oder nicht.

 

Dauer der Vereinbarung/Kündigung

Sie sollten in einer weiteren Regelung die Bedingungen aufnehmen, die für die Dauer und für die Kündigung des Vertrags gelten. Orientieren Sie sich hierbei an den Vorgaben des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB).

 

  • Kündigungsfristen bei Dienstverhältnissen (§ 621 BGB)

Bei einem Dienstverhältnis, das kein Arbeitsverhältnis im Sinne des § 622 ist, ist die Kündigung zulässig,

  • 1. wenn die Vergütung nach Tagen bemessen ist, an jedem Tag für den Ablauf des folgenden Tages;
  • 2. wenn die Vergütung nach Wochen bemessen ist, spätestens am ersten Werktag einer Woche für den Ablauf des folgenden Sonnabends;
  • 3. wenn die Vergütung nach Monaten bemessen ist, spätestens am 15. eines Monats für den Schluss des Kalendermonats;
  • 4. wenn die Vergütung nach Vierteljahren oder längeren Zeitabschnitten bemessen ist, unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Wochen für den Schluss eines Kalendervierteljahrs;
  • 5. wenn die Vergütung nicht nach Zeitabschnitten bemessen ist, jederzeit; bei einem die Erwerbstätigkeit des Verpflichteten vollständig oder hauptsächlich in Anspruch nehmenden Dienstverhältnis ist jedoch eine Kündigungsfrist von zwei Wochen einzuhalten.
 

Wichtig | Ein erfolgreiches Angebot von BGM erfordert neben betriebswirtschaftlichem Sachverstand auch ein erfolgreiches und überzeugendes Marketing. Zu diesem Thema bringt PP einen Folgebeitrag.

Quelle: Ausgabe 07 / 2016 | Seite 10 | ID 44112996