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·Nachricht ·Bürosteuerung

Lehrgang „Agil + Lean im Planungsbüro 5.0“: 20 Kollegen sind jetzt „ScrumMaster Planung und Bau“

von Dipl.-Ing. Landschaftsarchitektur Christa Weiß, Ansbach

| Erstmals führte das IWW Institut den Lehrgang „Agil + Lean im Planungsbüro 5.0“ durch. 20 Führungskräfte aus Architektur-und Ingenieurbüros wollten sich an zwei Tagen mit neuen Instrumenten vertraut machen, um die eigenen Arbeitsprozesse agiler und schlanker zu gestalten. Damit dies gelingen konnte, hatte Trainer Edgar Haupt zusammen mit seinen Co-Moderatoren ein Programm zusammengestellt, das neben der reinen Wissensvermittlung vor allem aktives Mitwirken und Erleben in den Vordergrund stellte. Die Teilnehmer erwarben für sich den zertifizierten Nachweis „ScrumMaster Planung und Bau“. |

Werthaltiges Zertifikat „ScrumMaster Planung und Bau“

Das Zertifikat erhielten sie auf Basis ihrer Teilnahme und eines Tests am Ende des Lehrgangs. Mit dieser Qualifizierung erhöhen sich auch die Chancen der Planungsbüros bei der Auftragsakquise. Denn Bauherren schauen heute bei Vergaben vermehrt darauf, wie Bewerber arbeiten und ihre Prozesse organisieren. Neue Organisationsmodelle und (Projekt-)Managementmethoden unterstützen die Planer, die zunehmende Komplexität und Geschwindigkeit von Prozessen und Aufgaben zu bewältigen.

 

Starke Teams und eine stärkere Eigenverantwortung jedes Einzelnen sind Merkmale erfolgreichen „neuen“ Arbeitens. Den zugehörigen Mindset und die wichtigsten Methoden erwarben die Teilnehmer in der besonderen Workshop-Atmosphäre der Design Post in Köln-Deutz. In den historischen Hallen der ehemaligen Paketpost fand das Training inmitten eines Showrooms für Interior Design mit kulinarischem Input an der Espressobar statt.

Hochkarätiges Trainer-Team aus der Praxis

Scrum (als bekanntestes agiles Vorgehensmodell) kommt aus der IT, Lean aus der Automobilbranche. Beides kann gut im Baubereich implementiert werden. Es gibt inzwischen einiges an Best Practice dazu. Das machten die Vorträge zu den theoretischen Grundlagen, die Werkstattberichte und die Statements der Referenten deutlich.

 

Edgar Haupt hatte ein breit aufgestelltes Trainer-Team aus der Praxis mit ins Boot geholt: Dr. Hendrik Seibel (Seibel Architektur.Consult), Robert Schmorleitz (BMP Baumanagement), Anne-Kathrin Pöhls (ISB Rhein-Main) und Marten Ulpts (Ulpts Architekten). Hinzu kam der öffentliche Abendvortrag von Architekt Ivo Lenherr (fsp Architekten). Er erweiterte den Horizont mit Querverweisen zum Silicon Valley. Und er zeigte an eigenen Beispielen, wie sich Agilität im Architekturbüro im Alltag ausdrücken kann. Insgesamt geht es auch um eine stärker auf Kooperation ausgerichtete Arbeitskultur, die sich selbst in der Raumgestaltung der Büros zeigt. Reale und digitale Welten vereinen sich bei fsp zum Beispiel in den büroeigenen BIMLabs.

Kombination aus Agil und Lean bringt Erfolg

Im Training lernten die Teilnehmer die wichtigsten Instrumente von „Agil“ und „Lean“ sowie die grundsätzlichen Vor- und Nachteile von sequentieller und integraler Planung kennen. „Lean“ („schlank“) ist eine Prozessmethode, die hilft, Wiederkehrendes und Bekanntes optimal zu standardisieren. Effizienz und Effektivität zu steigern, ist hier das wichtigste Ziel. Dagegen sind „agilee“ („bewegliche“) Methoden und Tools darauf ausgerichtet, Neues und Unbekanntes flexibel zu meistern. Der Fokus liegt darauf, auf Veränderungen schnell und zugleich strukturiert und transparent zu reagieren. Beides in Kombination bringt Erfolg. Das bestätigte auch der Erfahrungsbericht „Unser Daily Ding“ als witzige bürointerne Abwandlung von „Daily Scrum“ des Architekten Marten Ulpts. Er bewältigt so zusammen mit seinem Team selbst schwierigste Projekte, bei denen andere schon aufgegeben haben.

Wissen erwerben durch Erleben

Wie das alles konkret gemacht werden kann, wurde im Lehrgang gezeigt und angewendet. Sowohl das analoge Vorgehen auf Papier mit farbigen Klebezetteln an der Flipchart als auch die Umsetzung mit modernsten Softwaretools. Mit Hilfe der Simulationen, zum Beispiel mittels eines fiktiven Projekts mit Lego-Steinen, wurde Wissen erlebbar. Es wurde klar, dass die Planung der Planung allein nicht reicht. Es bedarf zusätzlich eines Prozessmanagements, das auch komplexe Abhängigkeiten berücksichtigt.

 

Dabei stellt das erworbene Basis-Wissen der teilnehmenden Architekten und Ingenieure zu Scrum, Kanban, Lean-Prozessmanagement, Taktplanung nach Last Planner und mit BIM nur ein Rahmenwerk dar. Jedes Büro muss hier seinen ganz eigenen Weg gehen. Wichtig für den Erfolg ist im Wesentlichen die gelingende Steuerung der kooperativen Zusammenarbeit aller Projektpartner und Gewerke.

Konsequenz bei der Umsetzung

Um das weite Feld von Agil und Lean besser abstecken zu können, zog sich die weit verbreitete „Stacey-Matrix“ als roter Faden durch das Training. Sie gibt Orientierung für die Methodenauswahl, abhängig von den Anforderungen und Technologien, die beim jeweiligen Projekt vorliegen. Die Stacey-Matrix zeigt zum Beispiel auf, wann ein Vorgehen nach Scrum Sinn macht. Nämlich dann, wenn in komplexen Umgebungen klassische Herangehensweisen nicht greifen, weil sowohl bei den Anforderungen („Was“) als auch bei den Technologien („Wie“) Unbekanntes vorherrscht.

 

Nach Angaben von Edgar Haupt nutzen inzwischen viele Büros, die begonnen haben, agil und lean zu arbeiten, eine individuell handhabbare Kombination. Diese besteht aus dem „Last Planner System™“ mit Scrum und Kanban in Kombination mit Instrumenten des klassischen Prozessmanagements, dem sogenannten „hybriden“ Management. Die Dozenten betonten, dass Konsequenz in der Anwendung jeglicher Methode äußerst wichtig ist. Dann besteht auch die größte Chance, dass das eigentliche Ziel erreicht wird: Die Arbeit leicht und einfach zu schaffen und (wieder) mehr Raum für Kreativität beim Planen und Bauen zu haben.

 

Weiterführende Hinweise

  • Beitrag „Agil und Lean im Planungsbüro: Prozesse optimal managen und Teams erfolgreich führen“, PBP 9/2019, Seite 22 → Abruf-Nr. 46072851
Quelle: ID 46250803