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·Fachbeitrag ·Arbeitgeberleistungen

Erholungsbeihilfen statt Urlaubsgeld: Mitarbeiter sozialabgabenfrei unterstützen

| Nur knapp 20 Prozent aller Architektur- und Ingenieurbüros zahlen Mitarbeitern noch Urlaubsgeld, Tendenz fallend. Das hat die Umfrage von VBI und Unita aus dem Sommer 2012 ergeben. Wenn auch Sie sich diesen Fixkostenblock nicht (mehr) ans Bein binden, Arbeitnehmern aber trotzdem etwas gutes tun wollen, sind „Erholungsbeihilfen“ empfehlenswert. Diese Möglichkeit ist in der Praxis noch wenig bekannt, obwohl sich damit Steuern und Sozialabgaben sparen lassen. |

So werden Erholungsbeihilfen steuerlich behandellt

Erholungsbeihilfen sind prinzipiell steuerpflichtiger Arbeitslohn, nur in äußerst seltenen Ausnahmefällen (Bekämpfung einer Berufskrankheit) sind sie steuerfrei. Als Arbeitgeber haben Sie aber die Möglichkeit, die steuerpflichtigen Erholungsbeihilfen pauschal mit 25 Prozent zu versteuern (hinzu kommen Soli und die pauschale Kirchensteuer). Diese Pauschalversteuerung führt dazu, dass für geleistete Beihilfen keine Beiträge zur Sozialversicherung fällig werden (§ 42b Einkommensteuergesetz).

 

Voraussetzung für die Pauschalbesteuerung ist, dass Sie im Kalenderjahr maximal folgende Erholungsbeihilfen zahlen (Freigrenze):

 

Arbeitnehmer
Ehepartner
Kind

156 Euro

104 Euro

52 Euro

 

Freigrenze heißt: Übersteigen Ihre Leistungen diese Beträge, entfällt die Pauschalierung insgesamt. Arbeitnehmer kann auch derjenige sein, der geringfügig als Minijobber oder kurzfristig als Aushilfe bei Ihnen beschäftigt ist. Kinder sind diejenigen, die steuerlich als Kinder angesehen werden (§ 32 EStG). Das sind Kinder bis zum 18. Lebensjahr bzw. ab dem 18. Lebensjahr bis maximal zum 25. Lebensjahr in der Berufsausbildung.

Keine Erholungsbeihilfe ohne Erholungsmaßnahme

Erholungsbeihilfen müssen für die Erholung der Arbeitnehmer und Angehörigen bestimmt sein und entsprechend verwendet werden (R 40.2 Abs. 3 Lohnsteuer-Richtlinien). Über die Erholungsbeihilfen kann alles unterstützt werden, was der Erholung des Arbeitnehmers dient.

 

Hierunter fallen die üblichen Urlaubsreisen, aber auch Urlaub zuhause. Selbst Ausflüge erfüllen die Voraussetzung für die Pauschalierung. Demzufolge können Zuschüsse für Pauschalreisen, individuelle Reisen, Kosten für Ausflüge mit der Bahn, die Nutzung von Seilbahnen, Ausflugsschiffen, der Eintritt zu Touristeneinrichtungen, Eintritt in Freizeiteinrichtungen wie Spaßbäder, Freizeitparks und Ähnliches begünstigt sein.

 

Wichtig | Keine Erholungsbeihilfen sind tarifliche Urlaubsgelder sowie alle Zahlungen zur Abgeltung des Urlaubsanspruchs. Jede Form der Barlohnumwandlung (Gehaltsverzicht) ist als Erholungsbeihilfe ausgeschlossen.

Erholungsbeihilfe besser als freiwilliges Urlaubsgeld

Hat Ihr Mitarbeiter keinen arbeitsrechtlichen Anspruch auf Urlaubsgeld (durch Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung, Einzelarbeitsvertrag, betriebliche Übung) und wollen Sie ihm freiwillig etwas zukommen lassen, ist die Erholungsbeihilfe die bessere Alternative als ein freiwilliges Urlaubsgeld.

  • Beispiel

Arbeitgeber A überlegt, seinem Mitarbeiter M im November 2012 ein freiwilliges Urlaubsgeld von 364 Euro netto oder eine Erholungsbeihilfe von 364 Euro (M: 156 Euro, Ehefrau: 104 Euro, je Kind: 52 Euro) zu bezahlen. M verdient monatlich 3.000 Euro und ist Alleinverdiener (Steuerklasse III, zwei Kinder).

Bisher
Urlaubsgeld

Bruttolohn

3.000,00 Euro

3.632,52 Euro

./. Lohnsteuer

236,50 Euro

375,50 Euro

./. Solidaritätszuschlag

0,00 Euro

0,00 Euro

./. Sozialversicherung

614,25 Euro

743,77 Euro

Nettolohn

2.149,25 Euro

2.513,25 Euro

Arbeitgeberanteil SV (19,575 %)

587,25 Euro

711,07 Euro

+ Bruttolohn

3.000,00 Euro

3.632,52 Euro

Gesamtkosten Arbeitgeber

3.587,25 Euro

4.343,59 Euro

Das freiwillige Urlaubsgeld kostet den A 756,34 Euro (632,52 Euro mehr Bruttolohn + 123,82 Euro Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung). Billiger fährt er, wenn er M die Erholungsbeihilfe gewährt. Er muss 364 Euro für die Erholungsbeihilfe, 91 Euro pauschale Lohnsteuer (25 %) und 5,00 Euro Solidaritätszuschlag (5,5 %) aufbringen, also insgesamt 460 Euro. A spart sich so 296,34 Euro.

Auf Formalien achten

Wer Erholungsbeihilfen gewährt, sollte auch auf die Formalien achten. Konkret empfehlen wir Ihnen, die Rahmenbedingungen zu formulieren. Darin sollten Sie insbesondere deutlich machen, dass die Erholungsbeihilfen

  • zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt werden,
  • nur gewährt werden, wenn der Mitarbeiter die sachgerechte Verwendung nachweist, und
  • nicht gewährt werden, wenn der Arbeitnehmer in einem Jahr keinen Urlaub und keine anderweitige Erholung vorweisen kann.

 

weiterführender Hinweis

  • Eine Mustervereinbarung finden Sie auf wia.iww.de unter dem Reiter „Downloads“ in der Rubrik „Musterverträge“, Stichwort „Personal“
Quelle: Ausgabe 11 / 2012 | Seite 20 | ID 36304320