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·Fachbeitrag ·Honorargestaltung

Planungsänderungen: Partnerschaftlich agieren und Honorar einfach nach Zeitaufwand abrechnen

| Ist es sinnvoll, Planungsänderungen (oder Korrekturen eines Vorplaners), im Zeithonorar zu erbringen oder lauern zu viele Fallstricke? Was muss beachtet werden, wenn ich Änderungsleistungen „einfach“ abrechnen will? PBP Planungsbüro professionell beantwortet diese Praxisfragen. |

Gängige Praxis: Planer rennen Änderungshonorar hinterher

Im Tagesgeschäft kommt es sehr oft vor, dass kurzfristig an verschiedenen Stellen, zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlichem Aufwand Planungen geändert werden sollen. Alles muss schnell gehen, am Ende rennt der Planer seinem Honorar oft hinterher.

 

Die Honorarermittlung bei Planungsänderungen nach den Regeln des § 10 HOAI ist umständlich und aufwendig. Das gilt vor allem, wenn viele kleine Änderungen schnell durchzuführen sind. Die häufigsten Streitpunkte sind dann die Ermittlung der anrechenbaren Kosten, der konkrete Änderungsumfang und die zu ändernden Teilleistungen.

 

Die HOAI verhindert mit den völlig veralteten und im Wirtschaftsleben unsinnigen Regelungen in

  • § 7 Abs. 1 („Das Honorar richtet sich nach der schriftlichen Vereinbarung, die die Vertragsparteien bei Auftragserteilung im Rahmen der durch diese Verordnung festgesetzten Mindest- und Höchstsätze treffen“) und
  • § 7 Abs. 5 („Sofern nicht bei Auftragserteilung etwas anderes schriftlich vereinbart worden ist, wird unwiderleglich vermutet, dass die jeweiligen Mindestsätze gemäß Absatz 1 vereinbart sind“),

dass die Vertragsparteien sich unkompliziert über die Vergütung im Zuge der Erarbeitung der Planungsänderung verständigen können.

So gehen Sie im Tagesgeschäft vor

PBP empfiehlt, für solche kleineren Änderungsleistungen ein Zeithonorar zu vereinbaren. Der BGH hat dies als HOAI-konform eingestuft (BGH, Urteil vom 17.4.2009, Az. VII ZR 164/07, Abruf-Nr. 091735).

 

Zeithonorar für jede Änderung rechtzeitig regeln

Die Sache hat nur einen Haken: Auch die Honorarvereinbarung für die Planungsänderung muss laut § 7 Abs. 5 HOAI immer schriftlich und bei Auftragserteilung (der entsprechenden Änderung) getroffen werden, wenn sie vom Mindestsatz abweicht. Das liegt daran, dass Zeithonorare für Änderungen (als wiederholte Grundleistungen) mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Mindestsatzabweichung einhergehen.

 

PRAXISHINWEIS | Wollen Sie ein Zeithonorar vereinbaren, müssen Sie klaren Kurs fahren und dem Bauherrn die Tragweite der Regelung in § 7 Abs. 5 HOAI vor Augen führen, also Überzeugungsarbeit leisten. Der Bauherr muss verstehen, dass die schriftliche Honorarvereinbarung bei jeder Planungsänderung zur Auftragserteilung auch ihm einen erheblichen Vorteil bringt. Beide Partner profitieren, denn beide gewinnen Honorarsicherheit.

 

Gleiche Augenhöhe bei Änderungsplanungen ist möglich

Dass eine Verständigung über das Änderungshonorar und den Zeitpunkt der Auftragserteilung für beide Vertragspartner wichtig ist, zeigt ein Beispiel.

  • Beispiel

Ihr Bauherr benötigt kurzfristig vier Planungsänderungen im Bereich der Eingangshalle eines Verwaltungsgebäudes. Mögliche Szenarien:

 

1. Sie einigen sich schriftlich auf ein Zeithonorar (zum Auftragszeitpunkt). Dann kann der Bauherr sich im Rahmen der Leistungs- und Honorarvereinbarung mit Ihnen darüber verständigen, in welchen konkreten Zeitfenstern Sie die Änderungsplanungen durchführen, damit Bauverzögerungen vermieden werden. Hier hat der Bauherr ein erhebliches Interesse an einer Verständigung, weil Verzögerungen in der Regel sein eigenes Geld kosten.

 

2. Die schriftliche Zeithonorarregelung bei Auftragserteilung kommt nicht zustande, weil der Bauherr ohne Not blockt. Dann muss er sich darauf einstellen, dass er Ihnen die Terminfrage der Planungsänderung nicht ohne Weiteres diktieren kann. Sie (sowie die Fachplaner und Berater) können nämlich nicht verpflichtet werden, jedes Wochenende Überstunden zu machen, nur damit der Bauherr alle Planungsänderungen ohne Bauverzögerungen entgegennehmen kann.

 

PRAXISHINWEISE |

  • Als Planer sind Sie in der Regel zwar vorleistungspflichtig. Das geht aber nicht so weit, dass Sie zum Befehlsempfänger mutieren. Auch das Anordnungsrecht, das gern in Planungsverträge hineingeschrieben wird, ändert nichts daran, dass bei Planungsänderungen die terminliche Angemessenheit zu respektieren ist, also ausreichend Zeit für die Planungsänderung disponiert werden muss. Hier besteht ein gegenseitiges Interesse, die Projektabwicklung einfacher zu gestalten. Der Bauherr kann aber seinen Beitrag zu einer zügigen Abwicklung leisten, indem er einer einfacheren Honorarberechnung zustimmt.
  • Planungsänderungen müssen in den betreffenden Lph geplant werden. Vermeiden Sie Ausführungsanweisungen vor Ort, mit denen Sie Ihre eigene (koordinierte) Planung über den Haufen werfen und auf eine ordnungsgemäße Planungsänderung verzichten.
 

 

Zeithonorare werden auch von Rechnungsprüfern anerkannt

Bedenkenträger gibt es überall. Öffentliche Bauherren fürchten nicht selten, dass Zeithonorare von den Rechnungsprüfungsämtern moniert werden. Die Erfahrung aus der Praxis lehrt aber, dass Ihre Auftraggeber diesen Prüfungen gelassen entgegensehen können. Meist hat sich herausgestellt, dass die Zeithonorare wirtschaftlich sind. Ist der Stundenansatz angemessen, gibt es faktisch keine Möglichkeit einzuschreiten.

 

Wichtig | Allerdings wird auch dort geprüft, ob die Vereinbarung (Zeithonorar oder Pauschale) schriftlich und bei Auftragserteilung zustande gekommen ist. Wenn diese Bedingung nicht erfüllt ist, ist mit Ärger zu rechnen.

 

Auftraggebern bei der Honorarplanung entgegenkommen

Viele Bauherren scheuen sich, Zeithonorare ins Blaue hinein zu vereinbaren. Sie haben Angst, dass der Stundenaufwand - und damit auch die Honorarsumme - unkalkulierbare Höhen annimmt. Dem können Sie entgegenwirken, indem Sie ermitteln, wie viele Stunden für die Planungsänderung voraussichtlich anfallen. Diese Stundenanzahl vereinbaren Sie als vorläufigen Aufwandsumfang.

 

Damit erhält Ihr Auftraggeber hinreichende Honorarsicherheit und eine Auftragssumme, die den geschätzten Aufwand widerspiegelt. Achten Sie aber darauf, dass vereinbart wird, dass diese Obergrenze jederzeit (z. B. durch Nachträge) erweitert werden kann, wenn dies fachlich notwendig ist. Letzteres müssen Sie dem Bauherrn so rechtzeitig mitteilen, dass er entsprechend disponieren - und die Änderung notfalls auch stoppen - kann. Damit wird die vertrauensvolle Zusammenarbeit sichergestellt.

 

Beratung und Hilfestellung für unentschlossene Bauherrn

Manchmal fehlt dem Bauherrn eine genaue Zielvorstellung zur gewünschten Änderung und er benötigt planerische Hilfe zur Entscheidung. In dem Fall können Sie ihm anbieten, eine neue Vorentwurfsplanung zu erstellen, die - anteilig - auf den konkreten räumlichen Änderungsumfang bezogen ist.

Auf Basis dieser Planung kann der Bauherr entscheiden, ob die Änderung umgesetzt werden soll oder es bei der bisherigen Planung bleibt. Diese Vorentwurfsplanung sollte auch mit den weiteren an der Planung Beteiligten koordiniert sein und neben Zeichnungen und der bauaufsichtlichen Vorabklärung mindestens eine Kostenschätzung enthalten. Die Honorarvereinbarung ist denkbar einfach, indem nur für den oben genannten Änderungsumfang die neu zu erstellenden Grundleistungen (z. B. Lph 2) vereinbart werden. Viele professionell aufgestellte Bauherrn gehen diesen Weg. Damit erhalten sie fundierte Änderungsvorschläge und ein Bauwerk, das im Zeitpunkt der Fertigstellung den endgültigen Vorstellungen des Bauherrn entspricht.

 

FAZIT | Beide Vertragspartner sollten bei Planungsänderungen tunlichst vermeiden, im Nebel zu stochern. Das heißt:

  • Es muss immer klargestellt werden, ob eine Planungsänderung vereinbart ist oder nicht.
  • Vermeiden Sie unklare Situationen, indem Sie auf Wunsch des Bauherrn tätig werden, ohne dass eine eindeutige Leistungsvereinbarung existiert.
  • Ist unklar, was der Bauherr konkret geändert haben will, muss er sich darüber zunächst im Klaren werden und mit Ihnen eine Leistungsvereinbarung treffen.
  • Diese Leistungsvereinbarung muss mindestens
    • den räumlichen Umfang der Änderung (z. B. farbige Markierung in den Plänen),
    • das konkrete Ziel der Änderung und
    • die notwendigen Arbeitsschritte enthalten.
 
Quelle: Ausgabe 03 / 2016 | Seite 3 | ID 43885995