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·Fachbeitrag ·Bauen im Bestand

Umbauzuschlag bei Technischer Ausrüstung: Objektivierungstabelle führt zur richtigen Höhe

| Die HOAI 2013 regelt den Umbauzuschlag für das Leistungsbild der Technischen Ausrüstung in unterschiedlichen Vorschriften, ohne jedoch konkret anwendungsbezogene Lösungen zur Vereinbarung der Höhe des Umbauzuschlags bereitzuhalten. Planer und Auftraggeber suchen deshalb nach Lösungen, wie man den für die betreffende Aufgabenstellung angemessenen Umbauzuschlag ermittelt. Die praktikabelste Lösung ist dabei eine Objektivierungstabelle. |

Sinn und Zweck einer Objektivierungstabelle

Dieses Honorarermittlungs-Schema ist als baufachlich ausgerichtete Handreichung aufgebaut. Es nimmt damit auch Bezug auf fachliche Anforderungen an die Planung und Bauüberwachung. Eine solche Ermittlung des Umbauzuschlags lässt sich sowohl baufachlich argumentieren als auch HOAI-technisch. In § 6 Abs. 2 HOAI 2103 steht nämlich, dass der Umbauzuschlag unter Berücksichtigung des Schwierigkeitsgrads der Leistungen zu vereinbaren ist. Und dem trägt die Objektivierungstabelle Rechnung.

 

Die baufachliche Bewertung anhand von sieben Kriterien

Für den Planbereich der Technischen Ausrüstung eignen sich folgende - einzelfallbezogen gegebenenfalls anzupassende - sieben Bewertungskriterien:

 

  • 1. Allgemeine Komplexität der Eingriffe in vorhandene Installationen und Anlagen
  • 2. Schwierigkeitsgrad bei Nutzungs- bzw. Funktionsänderungen der Anlagentechnik
  • 3. Konstruktive Eingriffe in vorhandene Installationen und Anlagen
  • 4. Terminliche Risikopotenziale
  • 5. Schnittstellenaufwand, provisorische Maßnahmen, Bauzwischenzustände
  • 6. Umbaubedingte Kostenrisikopotenziale
  • 7. Komplexität bei Richtlinien und Normen zwischen Alt und Neu (zum Beispiel bei der Modernisierung von Anlagen und Installationen)

 

Grundregeln für die Objektivierung

Bei der Objektivierung sind außerdem folgende Grundregeln zu beachten:

 

  • Die Regelung zur mitverarbeiteten Bausubstanz (mvB) ist unberührt vom Umbauzuschlag. Beide Regelungen stehen nebeneinander.
  • Der Umbauzuschlag ist kein Ersatz für Besondere Leistungen (wie zum Beispiel die komplette Bestandsaufnahme).
  • Die HOAI-Regelungen zum Umbauzuschlag sind nur sehr wenig konkret. So gibt es lediglich bei durchschnittlichen Schwierigkeitsgraden eine Obergrenze des Umbauzuschlags. Eine konkrete Untergrenze gibt es nur für den Fall, dass keine schriftliche Vereinbarung getroffen wurde.

Die Bewertung

Jedes Kriterium wird verhältnisgerecht mit eigenen Zuschlagsprozenten bewertet, die dem Schwierigkeitsgrad entsprechen. Die Zuschläge werden addiert und durch die Anzahl der Kriterien dividiert. Daraus ergibt sich der angemessene Umbauzuschlag für das Projekt. Die Bewertungsmatrix ist so aufgebaut, dass bei durchschnittlichem Schwierigkeitsgrad die Obergrenze von 50 Prozent berücksichtigt wird. Damit ist der Ermessensspielraum gemäß HOAI eingehalten.

 

Wichtig | Die Anwendung der nachstehend abgedruckten Objektivierungstabelle entspricht von der Vorgehensweise der Eingruppierung in die zutreffende Honorarzone, stellt also damit eine HOAI-konforme Vorgehensweise dar.

 

  • Baufachliche Empfehlung (Orientierungswerte) für Leistungsbild Technische Ausrüstung

Kriterien zur Einstufung

sehr gering

gering

durchschnittlich

überdurchschnittlich

hoch

sehr hoch

Honorarzone II

10-15 %

15-20 %

20-30 %

30-35 %

35-40 %

40-50 %

Honorarzone III

10-15 %

15-20 %

20-30 %

30-40 %

40-50 %

über 50 %

Bewertungshinweise: Bei den Kriterien sind lediglich die umbaubedingten Kriterien zu berücksichtigen. Kriterien, die auch bei Neubauten anfallen, bleiben unberücksichtigt.

1

2

3

4

5

6

7

Beispiel für Honorarzone II

  • 1. Allg. Komplexität der Eingriffe in vorh. Installationen u. Anlagen

25 %

  • 2. Schwierigkeitsgrad bei Nutzungsänderungen bzw. Funktionsänderungen

25 %

  • 3. Konstruktive Eingriffe in vorh. Installationen u. Anlagen

35 %

  • 4. Terminliche Risikopotentiale

25 %

  • 5. Schnittstellenaufwand, provisorische Maßnahmen, Bauzwischenzustände

35 %

  • 6. Umbaubedingte Kostenrisikopotentiale

40 %

  • 7. Komplexität bei Richtlinien und Normen (zwischen Alt und Neu)

35 %

Im obigen Fall ermittelt sich der Vorschlag für den Umbauzuschlag nach folgender Formel: 25 % + 25 % + 35 % + 25 % + 35 % + 40 % +35 % = 220 % : 7 = ca. 31,5 %

Ergebnis: Aus baufachlicher Sicht wäre im obigen Fall ein Umbauzuschlag von 31,5 Prozent anzusetzen

 

 

FAZIT | Die vorstehende Objektivierungstabelle ist insbesondere für Vertragsanbahnungen eine überzeugende Argumentationshilfe. Der Auftraggeber kann präzise nachvollziehen, wie sich der Umbauzuschlag berechnet, dass er gerecht ist und dass er dem Leistungsumfang des Planungsbüros entspricht.

Quelle: Ausgabe 03 / 2015 | Seite 7 | ID 43217002