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29.11.2010 | Probleme der neuen Honorarbemessungsgrundlage

Die Kostenberechnung nach § 3 HOAI: So vermeiden Sie Honorardefizite

In der Vergangenheit haben offene oder ungeklärte Inhalte bei der Kostenberechnung allenfalls einen Honoraranteil bis zur Leistungsphase 4 beeinflusst. In der Neuen HOAI ist das anders. Jetzt bleiben Kostenbestandteile, die nicht in der Kostenberechnung (sondern erst später) berücksichtigt werden, beim Honorar für alle Leistungsphasen unberücksichtigt. Kann man dem gegensteuern? Die Antwort lautet „Ja, wenn Sie die richtigen Maßnahmen ergreifen, um frühzeitig Kosten- und Honorarsicherheit zu erreichen“.  

Die Ausgangslage

Es gibt viele Gründe, dass und warum zum Zeitpunkt der Kostenberechnung noch nicht alle kostenrelevanten Abstimmungsergebnisse vorliegen. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass der Auftraggeber  

  • die weiteren an der Planung Beteiligten nicht rechtzeitig beauftragt hatte,
  • zunächst auf Leistungen verzichtet hatte, deren Beauftragung sich aber später als notwendig erweist (zum Beispiel Bestandsaufnahme beim Bauen im Bestand).

 

Die Folge ist, dass die Kostenberechnung noch nicht alle für eine vollständige Entwurfsplanung relevanten Angaben enthält. Da sich die anrechenbaren Kosten aber nach der Kostenberechnung richten, sind sie für das Honorar verloren, und zwar für alle Leistungsphasen.  

 

Wichtig: Etwas anderes gilt nur, wenn Kosten, die nach der Kostenberechnung anfallen, auf Änderungen der Entwurfsplanung zurückzuführen sind. Dann besteht über § 7 Absatz 5 HOAI Anspruch auf Honorierung dieser Leistungen. Nachfolgend wird aber nur auf Fälle eingegangen, die nicht auf Änderungen der Entwurfsplanung zurückzuführen sind (zum Beispiel höhere Kosten aufgrund geänderter Materialfestlegungen).  

So erreichen Sie Kosten- und Honorarsicherheit

Um diese Honorar-Unsicherheiten zu umschiffen, ist es geboten, die Kostenberechnung erst dann aufzustellen, wenn alle dafür notwendigen Planungsfestlegungen und Kenntnisse (insbesondere die rechtzeitige Beauftragung der weiteren Beteiligten) in die endgültige Kostenberechnung einfließen können.  

 

Mit anderen Worten: Vermeiden Sie möglichst, eine Kostenberechnung zu erstellen, bevor alle erforderlichen Vereinbarungen zu  

  • Funktionen, Standards, Gestaltung,
  • Technischen Anforderungen und Technischen Ausrüstungen,
  • Nachhaltigkeitsprinzipien getroffen sind und
  • die Planungsbeiträge der weiteren Beteiligten zur Integration vorliegen (zum Beispiel Baugrundgutachten oder Bestandsuntersuchungen).

 

Wann sollte die Kostenberechnung erstellt werden?

Um ein Mindestmaß an Planungsinformationen und damit Honorarsicherheit zu erreichen, muss geprüft werden, in welchem Stadium der Planung noch mit einer Kostenschätzung agiert werden sollte.  

 

Praxishinweis

Liegen noch nicht alle erforderlichen Planungsinformationen vor, können Sie sich mit der Erstellung einer „vorläufigen Kostenberechnung“ behelfen.  

 

Mit der „vorläufigen Kostenberechnung“ wäre noch keine verbindliche Festlegung zur Kostenberechnung und zu den anrechenbaren Kosten getroffen. Es wäre möglich, im weiteren Prozess der Planungsvertiefung die Kostenberechnung endgültig zu erstellen; nämlich dann wenn alle für die Erstellung der Kostenberechnung notwendigen Planungsinformationen und Festlegungen verfügbar sind. Und diese Kostenberechnung wäre dann für das Honorar aller Leistungsphasen relevant.  

Beide Vertragspartner von diesem Vorgehen

Von diesem Vorgehen profitieren beide Vertragspartner. Denn es wird eine Kostenberechnung erzielt, die sich am letztgültigen Planungsstand der Entwurfsplanung orientiert. Die anrechenbaren Kosten sind vollständig und planungsaktuell. Drohende Honorarverluste werden damit vorsorglich vermieden. Vorsorglich deshalb, weil man sich als Planungsbüro damit den „Umweg“ über eine Honoraranpassung über die neuen Regelungen zu Änderungen der Planung für die Leistungsphasen 1 bis 4 spart.  

 

Darüber hinaus steht eine einvernehmliche Basis für gegebenenfalls notwendige Honorarvereinbarungen bei Planungsänderungen (§ 3 Absatz 2 bzw. § 7 Absatz 5 HOAI) zur Verfügung und die Honorarermittlung bei späteren Änderungen wird spürbar vereinfacht.  

Grundlagen von Kostenberechnungen nach DIN 276

Um im Falle eines Falles leichter erläutern zu können, warum die Kostenberechnung erst nach der Erarbeitung der fachtechnischen Voraussetzungen endgültig fertiggestellt werden kann, haben wir nachstehend die Anforderungen und Grundlagen einer Kostenberechnung nach DIN 276/08 Teil 1 und DIN 276/09 Teil 4 dargestellt.  

 

Je eine DIN für Hochbau und Ingenieurbau

Die DIN 276/08 Teil 1 regelt die Kosten im Hochbau, die DIN 276/09  

Teil 4 die Kosten im Ingenieurbau. Teile 2 und 3 gibt es nicht. Der Begriff Ingenieurbau aus der DIN 276/09 Teil 4 umfasst die Ingenieurbauwerke und die Verkehrsanlagen.  

 

Inhalte der Kostenberechnung nach DIN

Nach der DIN sind in der Kostenberechnung für die genannten Planbereiche folgende Informationen enthalten:  

 

  • Planungsunterlagen, zum Beispiel durchgearbeitete Entwurfszeichnungen, gegebenenfalls auch Detailpläne mehrfach wiederkehrender Raumgruppen.

 

  • Berechnungen der Mengen von Bezugseinheiten der Kostengruppen.

 

  • Erläuterungen, zum Beispiel Beschreibung der Einzelheiten in der Systematik der Kostengliederung, die aus den Zeichnungen und Berechnungsunterlagen nicht ersichtlich sind, aber für die Berechnung und Beurteilung von Kosten von Bedeutung sind.

 

Wichtig: Liegen diese Grundlagen noch nicht vor, sollte die endgültige Kostenberechnung zurückgestellt werden, bis alle Grundlagen zur Verfügung stehen.  

Kostenberechnung darf terminlich verschoben werden

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es zulässig ist, dass ein Planungsbüro die Kostenberechnung terminlich verschieben darf, bis alle für den Entwurf notwendigen Unterlagen und Planungsangaben vorliegen.  

 

Keine Terminaussage in HOAI und DIN

Dazu kann festgestellt werden, dass es weder in der HOAI noch in der DIN 276 Teil 1 oder Teil 4 eine Regelung gibt, die sich mit den letztmöglichen Terminen der Erstellung der Kostenberechnung befasst. Im Gegenteil, es wird in der HOAI (§ 2 Nummer 14) und in der DIN 276 (Abschnitt 2.4.3) geregelt, dass die Kostenberechnung auf Basis der Entwurfsplanung, also am Ende der Entwurfsplanung zu erstellen ist. Dieser Zeitpunkt ist erst erreicht, wenn alle entwurfsrelevanten Angaben zur Integration zur Verfügung stehen.  

 

Darüber hinaus ist in Abschnitt 3.3.2 der DIN 276 geregelt, dass die Kostenermittlung vollständig sein muss. Diese Vorgabe lässt sich ebenfalls erst erfüllen, wenn alle - also auch die zu spät beauftragten besonderen - Leistungen mit ihren Ergebnissen einfließen können.  

 

Praxishinweis

Das Hinwarten mit der endgültigen Kostenberechnung ist also fachlich geboten. Unberührt davon sollte im Zuge der allgemeinen Beratungspflichten auf die rechtzeitige Beauftragung aller sonstigen Planungs- und Beratungsleistungen bereits in Leistungsphase 1
hingewirkt werden.  

 

Grafik verdeutlicht das Problem und die Lösung

Die nachfolgende Grafik zeigt eine typische Situation aus der Planungspraxis. Danach kann sich die Erstellung der endgültigen Kostenberechnung wegen verspäteter Bereitstellung notwendiger Besonderen Leistungen nach hinten verschieben. Bis dahin muss der Auftraggeber mit einer vorläufigen Kostenberechnung oder einer Kostenschätzung agieren. Dies entspricht seinem Mitwirkungshandeln.  

 

Erläuterung der Grafik

In der Grafik verzögert sich die (endgültige) Kostenberechnung, weil der Auftraggeber die Bestandsaufnahme zu spät (nämlich erst in der Lph 4) beauftragt. Zum eigentlichen Termin der Kostenberechnung (Ende Lph 3) stehen damit nicht alle kostenrelevanten Angaben zur Verfügung. Der Planer behilft sich mit einer vorläufigen Kostenberechnung. Für die verordnungsgerechte und DIN-konforme Erstellung der Kostenberechnung kommt dann ein entsprechend späterer Zeitpunkt in Frage.  

 

 

 

 

 

Quelle: Ausgabe 12 / 2010 | Seite 4 | ID 140345