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01.04.2011 |Kalkulationshinweise

So kalkulieren Sie den Generalplanerzuschlag und zusätzliche Leistungen

Die Auskömmlichkeit eines Generalplanungsauftrags bzw. -vertrags steht und fällt mit dem Generalplanerzuschlag sowie der Honorierung ergänzender Leistungen, die zu den Leistungsbildern hinzutreten. Erfahren Sie nachfolgend, welche Honorarkomponenten bei der Generalplanung zu den Grundhonoraren hinzutreten und wie sie argumentativ durchgesetzt werden können. 

Die Ausgangslage

Nicht selten erwarten Auftraggeber, dass das Generalplanungshonorar im Ergebnis niedriger ist als die vergleichbaren Einzelhonorare bei getrennter Vergabe. Das trifft in der Praxis aber nicht zu. Durch die Leistungsbündelung wird das Honorar nicht geringer, sondern höher.  

 

Zusatzleistungen bei Generalplanungen

Bei Generalplanungsverträgen fallen typischerweise zwei Arten von zusätzlichen Aufwendungen an: 

 

1. Der Generalplaner übernimmt eine Anzahl zusätzlicher Leistungen, die der Auftraggeber übernehmen müsste (und würde), wenn die Leistungen getrennt vergeben würden (delegierbare Bauherrnleistungen).

 

2. Es fällt ein allgemeiner Generalplanerzuschlag an, der neben den - genannten - zusätzlichen Leistungen zu vereinbaren ist. Dieser Zuschlag setzt sich unter anderem zusammen aus Wagnis, Gewinn und der Übernahme der Auftraggeberfunktion.

Transparente Honorarkalkulation sichert Durchsetzbarkeit

Eine bessere Chance, dieses Honorar durchzusetzen, hat der Generalplaner, wenn die Honorarkalkulation für den Auftraggeber nachvollziehbar in die oben genannten Kategorien gegliedert ist. Folgende Kriterien sind dabei wichtig. 

 

Übernahme von Bauherrenleistungen

Versetzen Sie sich in die Situation des Auftraggebers. Überlegen Sie, was ihn dazu veranlasst, den Auftrag einem Generalplaner zu übertragen. Das sind in der Regel drei Dinge, die sich in der Honorarkalkulation als delegierbare Bauherrenleistungen niederschlagen: 

 

  • Auftraggeber wollen ihren Koordinationsaufwand während der Planung und Bauüberwachung dadurch mindern, dass sie dafür nur einen Ansprechpartner haben - den Generalplaner.

 

  • Sie wollen die Haftungsrisiken auf nur einen Planer bündeln.

 

  • Der Auftraggeber muss kein Schnittstellenmanagement betreiben - die Leistungsabgrenzung zwischen den Planungsbeteiligten besorgt der Generalplaner.

 

Generalplanerzuschlag als zweite Honorarkomponente

Der Generalplanerzuschlag unterscheidet sich von den zusätzlich anfallenden delegierbaren Auftraggeberleistungen dadurch, dass hier die mit der Generalplanung entstehenden Aufwendungen für Wagnis und Gewinn sowie der internen Auftraggeberfunktion gegenüber Subplanern gemeint sind. Der Generalplanerzuschlag kompensiert folglich die Aufwendungen, die bürointern zusätzlich anfallen. Folgende Beispiele können genannt werden: 

 

  • Liquiditätsrisiko (zum Beispiel „pay-when-paid-Klausel“)
  • Insolvenzrisiko von Subplanern
  • Honorarrisiken, die aus unterschiedlichen Vertragskonstellationen resultieren (zum Beispiel Haftpflichtversicherungen)
  • Übernahme des Haftungsrisikos für Subplanerleistungen
  • Bürointerner Wagnis- und Gewinnanteil
  • Überwachung Vertragserfüllung und Durchsetzung der Vertragsziele gegenüber Subplanern

Kalkulationshinweise für die Honorarkomponenten

Bei der Kalkulation von Generalplanungshonoraren empfehlen wir folgende Vorgehensweise: 

 

1. Leistungen gemäß Leistungsbilder und Besondere Leistungen

Ermitteln Sie zunächst die Honorare für die Leistungen gemäß den Leistungsbildern der HOAI und setzen Sie diese als eigene Honorarpositionen an. Die nächste Position stellen zu erbringende Leistungen dar, deren Honorar frei vereinbart ist.  

 

2. Generalplanerspezifische zusätzliche Leistungen

Die generalplanerspezifischen Leistungen gliedern sich (wie erwähnt) in delegierbare Bauherrenleistungen und den Generalplanerzuschlag. 

 

  • Delegierbare Bauherrenleistungen: Vielfach werden diese Leistungen als Zeithonorar oder alternativ als Pauschale je Zeiteinheit (zum Beispiel Honorar/Monat) angeboten. Kalkulatorisch lassen sich die Honorare aus den beim Auftraggeber eingesparten Aufwendungen ableiten.

 

Wichtig: Das setzt jedoch eine hinreichend genaue Beschreibung der Leistung voraus. An dieser Stelle der Honorarkalkulation sollte geprüft werden, inwieweit Honorarvereinbarungen an einen vorgesehenen Zeitrahmen ausgerichtet werden. Denn für Generalplanungsleistungen können Terminverzögerungen ein besonderes Liquiditätsrisiko bedeuten. Sollte eine Zusatzhonorarvereinbarung für den Verzögerungsfall nicht durchsetzbar sein, sollte mindestens der Honoraranteil für die generalplanerspezifische delegierbare Bauherrenleistungen zeitbezogen vereinbart werden, damit mindestens an dieser Stelle (für die Auftraggeber leicht nachvollziehbar) ein Honorarausgleich erfolgt.

 

  • Allgemeiner Generalplanerzuschlag: Hier wäre ein Zuschlag als Prozentsatz vom Gesamthonorar angemessen.

 

Praxishinweis

Mit dieser Zweiteilung wird deutlich höhere Akzeptanz erzielt, weil der Anteil der delegierbaren Auftraggeberleistungen (Ziffer 3 der Grafik unten) gesondert vom allgemeinen Generalplanerzuschlag leichter nachvollzogen werden kann. Dieser Anteil erwirtschaftet sich sozusagen selbst, weil er vom Auftraggeber zum Generalplaner wandert. Der allgemeine Generalplanerzuschlag (Ziffer 4 der Grafik unten) wird auf seine ursprüngliche Form zurückgeführt, nicht künstlich aufgestockt und (anhand von GU-Zuschlägen, die oft über zehn Prozent der Auftragssumme liegen) leichter nachvollziehbar. 

Kalkulationsschema für das Generalplanungshonorar

Unter Berücksichtigung dieser Trennung ergibt sich folgendes Honorarkalkulationsprinzip für das Generalplanungshonorar. 

 

Generalplanungsleistungen: Kalkulationsprinzip

 

Leistungsvereinbarung 

Honorarvereinbarung 

 

 

 

1. 

Leistungen gemäß den verschiedenen Leistungsbildern 

Honorarvereinbarung je Leistungsbild 

2. 

Planungs- und Beratungsleistungen, für die das Honorar frei vereinbar ist 

Honorarvereinbarung je Leistungsbereich 

(zum Beispiel Besondere Leistungen) 

3. 

Generalplanerspezifische zusätzliche Leistungen 

Das Honorar für diese Leistungen (Ziffer 3.1 bis 3.2) entspricht in wesentlichen Teilen den auf Seiten des Auftraggebers eingesparten Aufwendungen, da es sich um die Übernahme von Bauherrnleistungen handelt. 

 

 

 

3.1 Übernahme delegierbarer Auftraggeberleistung (bei konventioneller Beauftragung dem Bauherrn obliegend) 

 

3.2 Koordination, Schnittstellenmanagement 

4. 

Generalplanerzuschlag als allgemeiner Zuschlag für Wagnis, Gewinn und interne Aufwendungen 

Honorarzuschlag als Prozent-Zuschlag auf die ansonsten vereinbarten Honorare 

 

Quelle: Ausgabe 04 / 2011 | Seite 9 | ID 143518