logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

·Fachbeitrag ·Terminsvertretung

Terminsvertretung? Gern, aber bitte schriftlich genau fixiert!

von Rechtsanwaltsfachangestellter Christian Noe B.A., Leipzig

| Ein Anwalt fragt am Telefon, ob man ihn in einem Gerichtstermin vertreten könne. Die Kanzleiangestellte prüft den Kalender und stellt dann an einen ihrer Anwälte durch. Der erklärt sich mündlich auch einverstanden. Schriftlich festgehalten, zu welchen Bedingungen vertreten wird, wird aber nichts. Später das Problem: Die Vergütungsabrechnung soll an den Mandanten der Hauptbevollmächtigten geschickt werden. Der ist aber nicht zu ermitteln. Der Beitrag zeigt, wie Sie hier Streitigkeiten vermeiden. |

1. Erst Untervollmacht - dann Ohnmacht

Dieser Fall einer Leserin wirft ein Problem auf: Ist nichts dokumentiert bzw. nicht einmal eine Aktennotiz vorhanden, lässt sich kaum beweisen, was mit den Anwaltskollegen vereinbart wurde. Grundsätzlich erhält ein Anwalt, der die Vertretung in einem Termin übernimmt,

  • eine halbe Verfahrensgebühr (VV 3401 RVG) und
  • die anfallende Terminsgebühr in voller Höhe (VV 3402 RVG).

2. So geht nichts verloren

Bestätigen Sie die Terminsvertretung direkt nach dem Telefonat oder der schriftlichen Anfrage per E-Mail oder Telefax und fassen Sie knapp die zentralen Modalitäten zusammen. Dazu gehört:

 

  • dass der Termin wahrgenommen wird,
  • dass Sie die Handakte und die Vollmacht kurzfristig erhalten,
  • welche Vergütung gezahlt wird und
  • dass die gesamte Korrespondenz einschließlich Vergütungsabrechnung über die Hauptbevollmächtigten stattfindet.

 

Beachten Sie | Klären Sie ggf. auch vorab, ob es sich bei der Terminsvertretung um ein PKH-Mandat handelt und in welchem Umfang PKH bewilligt wurde. Denn dann können sich die Gebühren reduzieren und auch dies sollte vorher geklärt sein.

3. Keine direkte Korrespondenz

Keinesfalls sollte man sich darauf einlassen, mit dem Mandanten direkt zu korrespondieren. Dies schon allein deshalb, da das Untervollmachtsverhältnis mit dessen Anwälten besteht.

 

Auch wenn sich der Mandant bei Ihnen meldet, sollten alle Vereinbarungen etc. mit den Hauptbevollmächtigten abgestimmt werden.

4. Die Vollmacht nicht vergessen

Häufig verlassen sich Anwälte darauf, dass eine Vollmacht nicht nötig ist. Das ist fahrlässig und kann zu Schwierigkeiten bei Gericht führen. Auch wenn das Gericht bisher nie eine Vollmacht verlangte, wenn Anwälte in Vertretung erschienen, sollte eine entsprechende Untervollmacht obligatorisch in der Handakte stecken und jederzeit auf Anfrage vorgelegt werden können.

5. Bestätigung auf Knopfdruck

Es empfiehlt sich, die Bestätigung einer Untervollmacht schon als Mustertext vorbereitet zu haben. So kann nichts vergessen werden und Sie können ohne lange Zeitverzögerung die Vereinbarungen direkt bestätigen.

 

AK Anwalt und Kanzlei stellt Ihnen eine solche Bestätigung als Musterformulierung zur Verfügung.

 

Musterformulierung / Bestätigung Untervollmacht

Sehr geehrte/r Frau/Herr Kollege/Kollegin,

 

wie telefonisch soeben besprochen, sind wir bereit, für Sie in Untervollmacht den Termin am xx.xx.xx vor dem ...gericht wahrzunehmen. Wir haben weiter vereinbart, dass Sie uns kurzfristig die Handakte/Aktenauszüge und die Vollmachtsurkunde übersenden.

 

Wir sind mit einer Gebührenteilung bzw. mit einer Vergütung in Höhe von xxx EUR zzgl. MwSt. bzw. gemäß nachstehender Berechnung einer voraussichtlichen Vergütung (s. Anlage) einverstanden.

 

Die gesamte Korrespondenz einschließlich Vergütungsabrechnung mit dem Mandanten erfolgt über Ihre Kanzlei.

 

Bitte bestätigen Sie uns per E-Mail oder Telefax, dass Sie wie vorbezeichnet zusammengefasst einverstanden sind.

 

Mit freundlichen, kollegialen Grüßen

 

gez. RAin/RA

 

Weiterführende Hinweise

  • Betreiber eines Internetportals zur Suche nach Terminsvertretern darf Gebühr verlangen, OLG Karlsruhe AK 13, 5
  • Terminsvertretungen finden über XING, AK 14, 145
  • Kosten des Terminsvertreters: So werden sie im Kostenfestsetzungsverfahren glaubhaft gemacht, BGH RVGprof. 12, 39
Quelle: Ausgabe 12 / 2016 | Seite 208 | ID 44400489