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·Fachbeitrag ·Kommunikation mit Gerichten und Kollegen

Fit für den elektronischen Rechtsverkehr: Vorteile für Ihre Kanzlei

von Ilona Cosack, ABC AnwaltsBeratung Cosack, Mainz

| Der elektronische Rechtsverkehr bietet Ihrer Kanzlei nicht nur erhebliche Zeit- und Kostenvorteile, sondern auch die Möglichkeit, sich vom Wettbewerb abzusetzen: Erleichtern Sie Ihren Mandanten die Kommunikation und punkten Sie mit einem elektronischen Aktenzugang. Schon bald muss in Deutschland jedem Anwalt das besondere elektronische Anwaltspostfach bereitstehen. Nutzen Sie die gewonnene Zeit bis zum verschobenen Starttermin, um sich und Ihre Kanzlei optimal vorzubereiten. Die Autorin erläutert, wie Sie Ihre Kanzlei rechtzeitig auf die Erfordernisse der „Kanzlei 4.0“ umstellen, um Haftungsrisiken zu verhindern. |

I. Überblick

Ein Cartoon zierte das Deckblatt der juris-Monatszeitung „jM“, Beilage zum Anwaltsblatt, im November 2014: Der Anwalt möchte im Termin einen Eilantrag zur Beschleunigung des Verfahrens einreichen. Die Richterin blickt von ihrem Laptop auf und sagt: „Reichen Sie die Akte bitte auf elektronischem Wege ein“. Zukunftsmusik?

 

1. Teilnahme am elektronischen Rechtsverkehr wird Pflicht

Mitnichten. Auch die Justiz ist auf dem Weg zur digitalen Akte, wenngleich die einzelnen Bundesländer unterschiedliche Zeitpunkte für das Erreichen des Ziels definiert haben. Nachdem das bisherige elektronische Gerichts- und Verwaltungspostfach (EGVP) von Anwaltskanzleien auf freiwilliger Basis genutzt werden konnte, wird ab 1.1.18 die Einrichtung des besonderen elektronischen Anwaltspostfachs (beA) für alle zugelassenen Rechtsanwälte zur Pflicht. Damit ist die elektronische Kommunikation von Anwalt zu Anwalt bundesweit, zu den Bundesgerichten und zu den Zivil-, Finanz-, Verwaltungs-, Sozial- und Arbeitsgerichten in Sachsen, Berlin, Hessen und Brandenburg möglich. In einigen anderen Bundesländern gibt es ausgewählte Pilotgerichte, mit denen auf elektronischem Weg kommuniziert werden kann.

 

Das Gesetz zur Förderung des elektronischen Rechtsverkehrs mit den Gerichten (ERV-FördG) ist am 16.10.13 verkündet worden (BGBl I 13, 3786). Es verfolgt das Ziel, das Potenzial des elektronischen Rechtsverkehrs (ERV) auf prozessualem Gebiet zu nutzen, die Zugangshürden für die elektronische Kommunikation mit der Justiz zu senken und das Nutzervertrauen im Umgang mit dem neuen Kommunikationsweg zu stärken. Durch eine Neuregelung in der ZPO (§ 130a) und in den anderen Verfahrensordnungen werden die elektronischen Zugangswege für die Anwaltschaft zur Justiz erweitert.

 

MERKE | Von der elektronischen Einreichung ausgenommen sind lediglich die Verfassungs- und die Strafgerichtsbarkeit. In der Strafgerichtsbarkeit ist die Einführung bis zum Jahr 2026 vorgesehen.

 

Das Gesetz verpflichtet die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) gemäß § 31a BRAO, für jeden Rechtsanwalt ein beA einzurichten, über das zukünftig die elektronische Kommunikation von Anwälten abgewickelt wird. Für alle Rechtsanwälte, die nach § 31 BRAO im Rechtsanwaltsverzeichnis der BRAK (www.rechtsanwaltsregister.org/) eingetragen sind, und das sind alle zugelassenen Anwälte, gilt ab nun der neue § 31a BRAO:

 

  • § 31a BRAO: Besonderes elektronisches Anwaltspostfach
  • 1) Die Bundesrechtsanwaltskammer richtet für jedes im Gesamtverzeichnis eingetragene Mitglied einer Rechtsanwaltskammer ein besonderes elektronisches Anwaltspostfach ein.

 

  • 2) ...
  •  
  • 3) Die Bundesrechtsanwaltskammer hat sicherzustellen, dass der Zugang zu dem besonderen elektronischen Anwaltspostfach nur durch ein sicheres Verfahren mit zwei voneinander unabhängigen Sicherungsmitteln möglich ist. Sie kann unterschiedlich ausgestaltete Zugangsberechtigungen für Kammermitglieder und andere Personen vorsehen. Das besondere elektronische Anwaltspostfach soll barrierefrei ausgestaltet sein.

 

  • 4) Sobald die Mitgliedschaft in einer Rechtsanwaltskammer aus anderen Gründen als dem Wechsel der Rechtsanwaltskammer erlischt, hebt die Bundesrechtsanwaltskammer die Zugangsberechtigung zu dem besonderen elektronischen Anwaltspostfach auf. Sie löscht dieses, sobald es nicht mehr benötigt wird.
 

Für Notare gilt das besondere elektronische Notarpostfach (beN), das von der Bundesnotarkammer eingerichtet wird. Da die Notare bereits seit 2007 verpflichtet wurden, Dokumente zum Handels-, Genossenschafts- und Partnerschaftsregister elektronisch einzureichen, ändert sich dort nur der Übertragungsweg.

 

Nutzen Gerichte bereits das EGVP, wird dieses durch das beA ersetzt. Somit werden z. B. Mahnsachen und andere Dokumente wirksam im beA zugestellt. Hier können Sie prüfen, welche Gerichte am ERV teilnehmen: iww.de/sl605. Bis zum 1.1.18 kann das EGVP noch genutzt werden. Rechtsanwälte können bis zum Start des beA weiterhin auf das EGVP zugreifen.

 

2. Computer und Internetzugang genügen

Für die Nutzung des beA ist keine Anwaltssoftware notwendig. Der Zugang wird verschlüsselt über das Internet erfolgen. Die Anwaltssoftwarehersteller werden für ihre Anwender eine Schnittstelle zum beA programmieren, sodass die Versendung von Dokumenten aus der jeweiligen Software heraus erfolgen kann. Ob im Zuge einer Neuorganisation der Anwaltskanzlei die Anschaffung einer Anwaltssoftware geplant werden soll, muss jede Kanzlei für sich entscheiden. Vor- und Nachteile sind abzuwägen. Mit einem sogenannten Pflichtenheft, das die Anforderungen der Kanzlei erfasst, können die einzelnen Programme miteinander verglichen werden.

 

Dabei werden die einzelnen Programmbereiche mit Prioritätsstufen versehen, z. B. Musskriterium (was muss die Software in jedem Fall können), Sollkriterium (was sollte die Software können), Kannkriterium („nice to have“ aber nicht zwingend erforderlich). So ist z. B. nicht jede Anwaltssoftware für bilanzierende Kanzleien geeignet. Nur manche Anbieter verfügen über ein Notariatsmodul, andere haben Schwerpunkte in einzelnen Rechtsgebieten. Mit Presseerklärung vom 13.9.16 informierte die BRAK, dass das beA technisch fertiggestellt ist. Allerdings verhinderten einstweilige Anordnungen des Anwaltsgerichtshofs Berlin, dass die BRAK zum Starttermin 29.9.16 das beA freischaltet. Der BRAK wurde untersagt, die Postfächer für die Antragsteller ohne deren ausdrückliche Zustimmung zum Empfang freizuschalten. Aufgrund der Sicherheitsarchitektur ist eine Freischaltung einzelner Postfächer nicht möglich, sodass die Inbetriebnahme komplett unterbleiben musste. Die einstweiligen Anordnungen wurden aber am 25.11.16 aufgehoben, nachdem die am 28.9.16 in Kraft getretene Rechtsanwaltsverzeichnis- und postfachverordnung (RAVPV) klarstellt, dass die BRAK das beA für alle Anwälte empfangsbereit einzurichten hat. Eine Verpflichtung, Eingänge im beA zur Kenntnis zu nehmen, gilt ab 1.1.18.

 

3. Zeitschiene verdeutlicht den Ablauf des ERV

Die Zeitschiene zeigt: Der Zeitrahmen ist eng. Die dargestellte ursprüngliche Planung wird sich allerdings mit dem verschobenen Starttermin z. T. verzögern:

 

2014

  • Auftragserteilung an Atos
  • Feinabstimmung bis Ende 2014

2015

  • Testphase
  • Informationen an die Anwaltssoftwarehersteller zur Integration

2016

  • beA-Start zum 1.1.16 und 29.9.16 (verschoben)
  • tatsächlicher beA-Start am 28.11.16
  • Freiwillige Nutzung ab tatsächlichem beA-Start bis 31.12.17
  • Kommunikation mit teilnehmenden Gerichten, Anwälten und den RAK

2017

  • 1.1.17: Nutzungspflicht des Schutzschriftenregisters

2018

  • 1.1.18: Eröffnung des elektronischen Zugangs zu allen deutschen Gerichten, Verzögerung durch die Länder bis maximal zwei Jahre möglich

2020

  • Beginn der verpflichtenden Nutzung des ERV

2022

  • Späteste bundesweite Nutzungspflicht ab 2022, Länder können die Verpflichtung bis zum 1.1.2020 vorziehen

2026

  • Elektronische Strafakte obligatorisch
 

Bereits auf dem 22. EDV-Gerichtstag 2013 formulierte Rechtsanwalt Christoph Sandkühler, Geschäftsführer der Westfälischen Notarkammer und bei der BRAK zuständig für das beA, stichpunktartig: „(Die) BRAK baut ein Software-System und nicht nur einen elektronischen Briefkasten; diese Aufgabe ist komplex; diese Aufgabe ist eine Herausforderung; diese Aufgabe ist teuer; (die) BRAK und (die) Justiz sind zum Erfolg verdammt; die Geister, die wir riefen, werden wir nicht mehr los.“ Die Aussage zeigt, dass die Hürden hoch liegen und alle Beteiligten auch eine gehörige Portion Respekt vor dieser umfassenden, die Justiz revolutionierenden Aufgabe haben.

4. BRAK traf Vorbereitungen durch Befragungen

Um die Bedürfnisse der Anwaltschaft zu erfassen und diese bei der Entwicklung des neuen elektronischen Systems einzubeziehen, führte die BRAK zwischen November 2013 und Januar 2014 zwei große Online-Umfragen zur Einführung des ERV durch, an der insgesamt 7.236 Anwälte teilnahmen.

 

In der ersten Umfrage konnten die Anwälte Angaben zur Kommunikation während der täglichen Kanzleiarbeit machen. Das Ergebnis: Über 84 Millionen Schriftsätze werden jährlich in Deutschlands Anwaltskanzleien empfangen und versendet. 70 Prozent der befragten Kanzleien sind per ADSL mit dem Internet verbunden, 15 Prozent verwenden einen ISDN-Anschluss. Nur 2 Prozent verfügen über geschäftskundenoptimierte synchrone SDSL-Anschlüsse. Mit durchschnittlich 24,6 MBit/s wird allgemein eine gute Downloadgeschwindigkeit erreicht. Allerdings haben mehr als 42 Prozent der befragten Kanzleien bisher noch eine Uploadgeschwindigkeit von unter 1 MBit/s. Bei der zweiten Umfrage stand die technische Infrastruktur in den Kanzleien im Fokus. Von den 3.259 teilnehmenden Anwälten arbeitet rund die Hälfte in einer Einzelkanzlei. Im Durchschnitt gehören jedem Büro sieben Anwälte an. Das Verhältnis zwischen Rechtsanwälten und Mitarbeitern entspricht etwa 1 : 1,5. Über 90 Prozent der verwendeten Computer haben Windows als Betriebssystem, davon knapp 30 Prozent noch Windows XP, dessen Support im April 2014 eingestellt wurde. Apple und Linux-User sind mit ca. 8 bzw. 2 Prozent klar in der Minderheit. Thema der Umfrage war auch die elektronische Aktenführung. Wie alltäglich sind elektronische Akten in Deutschlands Kanzleien? Der überwiegende Teil der Befragten nutzt diese bereits vollständig oder wenigstens teilweise. 43 Prozent der Sozietäten haben bislang keine elektronischen Akten angelegt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die elektronische Bearbeitung mit Einführung des ERV weiter zunehmen wird.

 

MERKE | Die elektronische Aktenführung wird jedoch nicht Voraussetzung für die Teilnahme am ERV sein. Es ist geplant, die Benutzung des beA soweit wie möglich unabhängig von technischen Bedingungen zu gestalten - Computer und Internetanschluss werden genügen.

 

Wichtig | Mit der Zukunftsstudie „Anwalt 2030“ hat der DAV 2013 mögliche Wege skizziert, die auf die Anwaltschaft zukommen. Durch den technologischen Wandel schwindet die Exklusivität des Anwaltswissens. Internetplattformen bieten Rechtsberatung „für jedermann“ zum Pauschalpreis an. Die Technik ist so weit entwickelt, dass es keine technischen Hindernisse gibt. Nutzen Sie die Chancen und Möglichkeiten des technologischen Wandels. Warten Sie nicht bis 2030, um „Ihre Kanzlei 4.0“ auf dem Markt zu positionieren.

 

5. Trend in Europa: Lernen von Frankreich

Der ERV ist in Frankreich bereits viel weiter entwickelt als in Deutschland. Seit einigen Jahren ist dort die elektronische Gerichtsakte Standard.

 

2005

  • Vertrag Justizministerium - nationale Organisation der französischen Anwaltschaft CNB - Absichtserklärung
  • Dekret: elektronische Kommunikation mit Gerichten ab 2009

2007/2008

  • 9/2007: Umsetzung des Projekts - neuer Vertrag
  • 8/2008: Erster Verwaltungsakt, der die elektronische Kommunikation mit Gerichten ermöglicht

2009/2010

  • 4/2009: Verwaltungsakt - elektronische Kommunikation vor LG
  • 6/2010: Einbeziehung des Berufungsverfahrens
 

Dr. Jutta Laurich, Rechtsanwältin und Avocat à la Cour aus Bordeaux, berichtete beim EDV-Gerichtstag 2014: Durch die Einbeziehung des Berufungsverfahrens in die elektronische Kommunikation sanken die Berufungseinlegungen schlagartig. Grund war die Nichtnutzung der Technik durch die Anwälte.

II. Technische Voraussetzungen des beA bewusst niedrig

Das beA ist für die Anwaltschaft das „Tor zum elektronischen Rechtsverkehr“. Die technischen Voraussetzungen sind so einfach wie möglich: Computer mit Internetanschluss und ein aktueller Browser genügen. Ein bestimmtes Betriebssystem ist nicht erforderlich, das beA wird mit allen gängigen Betriebssystemen kompatibel sein, funktioniert jedoch nicht mehr mit Windows XP. Auf dem Rechner muss die aktuelle JAVA-Version installiert werden, da eine spezielle Client Security Software erforderlich ist, um beA zu starten.

 

1. Strafverfahren bleiben zunächst ausgenommen

Für das Strafverfahren wird wegen der dortigen Besonderheiten mit dem „Gesetz zur Einführung der elektronischen Akte in Strafsachen“ ein eigenständiger Weg beschritten. Durch die zahlreichen Akteneinsichtsrechte, teilweise auch für Dritte, ist noch nicht geklärt, welche Daten für eine Akteneinsicht zur Verfügung gestellt werden. Verdeutlicht hat dies Carsten Schürger, Justizministerium Nordrhein-Westfalen, bei seinem Vortrag „Die elektronische Akte - Was ist das?“ beim EDV-Gerichtstag 2014. Folgende Punkte seien maßgeblich:

 

  • „Was ist eine Akte“?
  • Es gibt keine Legaldefinition, obwohl die Prozessvorschriften eine Akte voraussetzen (Akteneinsicht, Aktenübersendung, Entscheidung nach Lage der Akten …). Die Akte ist eine Sammlung von Schriftstücken, die zu einer Angelegenheit gehören. Die Schriftstücke sind chronologisch nach dem Tag des Eingangs zu ordnen. Die „Angelegenheit“ wird durch das Verfahren im Rechtssinn bestimmt und mit dem Aktenzeichen identifiziert. Bestandteile der Akte sind nur Schriftstücke und keine Videos, Tonaufnahmen, Waffen oder Asservate. Metadaten (Adressen, Eingangs-, Schriftstückdaten) sind keine Bestandteil. Von der Akte zu unterscheiden ist nach §§ 483 bis 491 StPO der Umgang mit personenbezogenen Daten. Die sogenannten Dateiregelungen enthalten eigene Einsichts- und Löschvorschriften.

 

  • „Was ist eine E-Akte“?
  • Durch das am 1.8.13 in Kraft getretene Gesetz zur Förderung der elektronischen Verwaltung (E-Government-Gesetz, EGovG) soll die Abwicklung geschäftlicher Prozesse in der Verwaltung mittels Informations- und Kommunikationstechniken über elektronische Medien erleichtert werden:
  •  
    • § 6 EGovG - Elektronische Aktenführung

    Die Behörden des Bundes sollen ihre Akten elektronisch führen. Satz 1 gilt nicht für solche Behörden, bei denen das Führen elektronischer Akten bei langfristiger Betrachtung unwirtschaftlich ist. Wird eine Akte elektronisch geführt, ist durch geeignete technisch-organisatorische Maßnahmen nach dem Stand der Technik sicherzustellen, dass die Grundsätze ordnungsgemäßer Aktenführung eingehalten werden.

     
  • Die Grundsätze ordnungsgemäßer Aktenführung sind:
  •  
    • Gebot der Aktenmäßigkeit
    • Gebot der Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit
    • Gebot wahrheitsgetreuer Aktenführung
    • Sicherung von Authentizität und Integrität
    • Gebot, den Aktenbestand langfristig zu sichern.
    • Zudem ist die Verkehrsfähigkeit sicherzustellen, zudem dass die Inhalte in vertretbarer Zeit verfügbar sind und lesbar gemacht werden können.

 

Hier besteht noch erheblicher Klärungsbedarf, der bis 2026, wenn die elektronische Strafakte obligatorisch sein wird, aufzulösen ist.

 

2. ERV erleichtert anwaltlichen Arbeitsalltag

Das beA wird mit verschiedenen Zugangsberechtigungen ausgestattet werden, sodass die bisherige Arbeitsteilung in Kanzleien bestehen bleiben kann. Jeder Anwalt kann entscheiden, wer Zugriff auf sein beA hat. So kann z. B. eingerichtet werden, dass Rechtsanwaltsfachangestellte die Nachrichten aus dem Postfach abrufen, nicht aber versenden können. Bislang sind Kanzleipostfächer nur in der Diskussion, sodass zunächst jeder Anwalt - unabhängig von der Art der Berufsausübung - ein eigenes beA bekommt. Man kann durch die Rechtevergabe Mitarbeitern Zugang auf verschiedene Anwaltspostfächer gewähren, sodass die Postbearbeitung gebündelt werden kann. Zudem soll es ein „virtuelles Kanzleieingangspostfach“ geben.

 

3. Kommunikationsweg ist sicher

Der Zugang darf nur „durch ein sichereres Verfahren mit zwei voneinander unabhängigen Sicherungsmitteln möglich“ sein, beA-Karte und PIN. In § 26 RAVPV wird festgelegt, dass „die Inhaber eines für sie erzeugten Zertifikats dieses keiner weiteren Person überlassen und die dem Zertifikat zugehörige Zertifikats-PIN geheim zu halten“ haben. Für Mitarbeiter gibt es Mitarbeiter-Chipkarten und Softwarezertifikate. Das beA und das dahinterliegende System werden so gestaltet sein, dass Nachrichten, die versendet werden, nachweisbar manipulationsfrei und geheim übermittelt werden. Auch die BRAK selbst wird technisch nicht in der Lage sein, die Nachrichten zu öffnen und zu lesen. Durch die ebenfalls vom Gesetz vorgegebene Anbindung an das tagesaktuelle bundeseinheitliche Rechtsanwaltsregister wird auch sichergestellt, dass die versandten Nachrichten tatsächlich nur von Rechtsanwälten stammen. Sobald die Anwaltzulassung erloschen ist, hebt die BRAK die Zugangsberechtigung zu dem beA auf und löscht dieses, sobald es nicht mehr benötigt wird (§ 31a Abs. 3 BRAO n.F.).

 

4. Elektronisches Empfangsbekenntnis

Der Zeitpunkt der Zustellung ist auch weiterhin vom Willen des Anwalts zur Kenntnisnahme abhängig. Das elektronische Empfangsbekenntnis erfolgt ab 1.1.18 in Form eines strukturierten Datensatzes (§ 174 Abs. 4 S. 3 bis 5 ZPO n.F.).

 

5. Änderungen, die bereits seit 2014 gelten

  • Seit 1.7.14 können über De-Mail elektronische Erklärungen beweissicher abgegeben werden. Bei einer vom Provider qualifiziert elektronisch signierten Absenderbestätigung ist die von dem De-Mail-System gewährleistete Authentizität und Integrität also ausreichend, um von einem Anschein für die Echtheit einer per De-Mail abgegebenen Erklärung auszugehen.

 

  • Die Zustellung von Urteilen und Beschlüssen ist nicht mehr in Ausfertigung, sondern nur noch in beglaubigter Abschrift vorgesehen. Die Ausfertigung wird künftig nur noch auf Antrag und ausschließlich in Papierform erteilt (§ 317 Abs. 2 S. 1 ZPO n.F.).

 

  • Urkunden dürfen von den Parteien nur noch in Abschrift (nicht mehr in Urschrift) bei Gericht eingereicht werden (§ 131 Abs. 1 ZPO n.F.).

 

  • Blinde oder sehbehinderte Personen können Schriftsätze und andere Dokumente in einer für sie wahrnehmbaren Form bei Gericht einreichen.

 

6. Wie ist bei Übermittlungs- oder Verarbeitungsproblemen zu verfahren?

Ist die Übermittlung eines elektronischen Dokuments aus technischen Gründen vorübergehend nicht möglich, bleibt gemäß § 130d S. 2 ZPO n.F. die Übermittlung nach den allgemeinen Vorschriften zulässig. § 130a Abs. 6 ZPO n.F. regelt für Verarbeitungsprobleme: Ist die Verarbeitung eines elektronischen Dokuments nicht möglich, wird der Absender darüber informiert. Das Dokument gilt zum Zeitpunkt der früheren Einreichung als eingegangen, wenn der Absender es unverzüglich in einer für das Gericht zur Bearbeitung geeigneten Form nachreicht und glaubhaft macht, dass es mit dem zuerst eingereichten Dokument inhaltlich übereinstimmt.


 

7. Übergangsphase bis 2018/2020

Bis 2018 wird der elektronische Zugang zu allen deutschen Gerichten eröffnet. Ab spätestens 2022 beginnt die verpflichtende Nutzung des ERV. Dieser und elektronische Akten sind zwei Seiten einer Medaille. Die Potenziale elektronischer Kommunikation sind nur mit einem durchgängigen Workflow zu erschließen, vom elektronischen Eingang über die elektronische Aktenbearbeitung bis zur elektronischen Zustellung gerichtlicher Entscheidungen. Solange der Flickenteppich der einzelnen Bundesländer besteht, müssen Sie eine erhöhte Sorgfaltspflicht beachten, um Fehler im Umgang mit dem ERV und den einzelnen Gerichten zu vermeiden.

 

8. Barrierefreiheit elektronischer Dokumente

Ab dem 1.1.18 sind nach § 191a Abs. 3 S. 1 GVG elektronische Dokumente der Gerichte für blinde und sehbehinderte Menschen barrierefrei zu gestalten.

 

9. Rechtssicheres ersetzendes Scannen ab 2018

Scanprodukte haben nicht den Beweiswert von Papierurkunden, sodass das ersetzende Scannen zu einem Beweisverlust führt. Da eine elektronische Archivierung erhebliche Vorteile gegenüber dem herkömmlichen Papierarchiv bietet, ist mit § 371b ZPO eine neue Beweisvorschrift geschaffen worden, die dem Scanprodukt einer öffentlichen Urkunde einen höheren Beweiswert verleiht, wenn das Scannen von einer Behörde oder einem Notar durchgeführt wird und die notwendigen Sicherheitsstandards eingehalten werden. Mit der Technischen Richtlinie TR-03138 „Ersetzendes Scannen (ResiScan)“ hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eine Basis für mehr Rechtssicherheit im Bereich des ersetzenden Scannens geschaffen. Die TR führt für das ersetzende Scannen die sicherheitsrelevanten technischen und organisatorischen Maßnahmen zusammen.

 

Hierbei wird unter dem „ersetzenden Scannen“ der Vorgang des elektronischen Erfassens von Papierdokumenten mit dem Ziel der elektronischen Weiterverarbeitung und Aufbewahrung des hierbei entstehenden elektronischen Abbilds (Scanprodukt) und der späteren Vernichtung des papiergebundenen Originals verstanden. Die Papierdokumente sind nach § 131 Abs. 1 ZPO nicht mehr bis zum Eintritt der Rechtskraft des Verfahrens, sondern nur noch sechs Monate nach Abschluss des Scanprozesses aufzubewahren.

 

Dr. Astrid Schumacher vom BSI verdeutlichte beim EDV-Gerichtstag 2014 die Rechtsfragen mit dieser Grafik:

 

Walther Bredl vom Bayerischen Staatsministerium der Justiz wies darauf hin, dass die elektronischen Akten an den Landesgrenzen nicht Halt machen. Bei der Umsetzung von § 298a ZPO aktuell und künftig bestehen Handlungsspielräume. Eine länderübergreifende Abstimmung des automatisierten Scanprozesses ist deshalb erforderlich.

 

10. Externe Scandienstleister: Verschwiegenheitserklärung notwendig

Seit 1.7.15 ist mit § 2 BORA die Einbindung externer Dienstleister (bsp. EDV, Scanservice, Telefonservice, Schreibservice) möglich, sofern eine schriftliche Verschwiegenheitserklärung vorliegt. Gleichzeitig sollte der Mandant die schriftliche Einwilligung für die Einbindung externer Servicekräfte erteilen.

III. Kanzleiorganisation für die Kanzlei 4.0

Um „fit für den ERV“ zu werden und die Vorteile für Ihre Kanzlei zu nutzen ist es sinnvoll, die Kanzlei ganzheitlich unter die Lupe zu nehmen. Wenngleich alle Kanzleien eine Grundorganisation aufweisen, sind die Anforderungen je nach Kanzleigröße, Rechtsgebieten und technischer Ausstattung unterschiedlich. Durch das beA gibt es keine Vorgaben, wie die Anwaltskanzlei künftige Abläufe gestalten muss. Das beA wird so konfiguriert sein, dass der gesicherte Zugang über den Internetbrowser des Computers ermöglicht wird. Im Folgenden finden Sie Anregungen zur Anpassung der Abläufe an die Bedürfnisse des ERV. Finden Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern die individuell passende Lösung für Ihre Kanzlei. Die Organisation ist als Teilbereich der Ablaufprozesse in der Anwaltskanzlei zu sehen. Der folgende Überblick dient dazu, auf die einzelnen Erfolgsbausteine zu schauen:

 

1. Berufsträger: Optimieren Sie selbstkritisch Ihren Büroalltag

Jeder Anwalt sollte seine Arbeitsweise auf den Prüfstand stellen. Wenn mehrere Anwälte in einer Kanzlei arbeiten, ist ein gemeinsamer Standard zu definieren, sodass mit einer einheitlichen Arbeitsweise der Grundstein für die Kanzlei 4.0 gelegt werden kann.

 

 

Zum Selbstmanagement des Anwalts gehören das Zeitmanagement, die Kommunikation, Aktenbearbeitung, Delegation, Fortbildung und Netzwerke.

 

 

a) Zeitmanagement

Im neuen Zeitmanagement wird die Strukturierung des Arbeitsalltags unter dem Gesichtspunkt der Prioritäten vorgenommen. Dazu gehört es, den Stress zu reduzieren: Eine Tagesplanung sowie die Wochenplanung verhindern, dass Fristen, wie vielfach praktiziert, auf den „letzten Drücker“ bearbeitet werden. Man stelle sich als worst-case-Szenario nur vor, dass der Internetzugang gestört ist, sodass eine elektronische Kommunikation scheitert.

 

Je nach Größe einer Kanzlei werden im Laufe eines Jahres Hunderte von Akten bearbeitet. Nicht jede Akte ist aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten lukrativ, vielfach wird ein Mandant umfassend betreut, was dazu führen kann, dass Kleinmandate mitbearbeitet werden, obwohl sie ein Zuschussgeschäft sind. Mit dem „Pareto-Prinzip“ können Sie Ihre Arbeitskraft auf die richtigen Mandanten konzentrieren. Das Prinzip besagt, dass Sie mit 20 Prozent Ihrer Mandanten 80 Prozent Ihres Umsatzes erzielen. Oder anders betrachtet: Mit 80 Prozent Ihrer Mandanten erwirtschaften Sie nur 20 Prozent Ihres Umsatzes.

 

 

Teilen Sie Ihre Mandanten in Gruppen (z. B. A, B, C) ein. Ermitteln Sie, welche Mandanten welcher Kategorie zuzuordnen sind. Das Mandanten-Ranking führt dazu, dass Sie Ihre VIP-Mandanten, mit denen Sie den meisten Umsatz erzielen, der A-Kategorie zuordnen. Die „Brot-und-Butter-Mandanten” gehören in Kategorie B. Trennen Sie die Spreu vom Weizen und vergeben Sie die Kategorie C an Mandanten, von denen Sie sich trennen oder künftig keine Mandate mehr annehmen möchten. Wenn Sie zu C-Mandanten „Nein” sagen und sich auf die A-Mandanten konzentrieren, haben Sie mehr Zeit für Ihre umsatzstärksten Kunden, was sich positiv auf den Gesamtumsatz auswirkt.

 

Bestimmen Sie Ihre Preispolitik und steuern Sie hiermit aktiv, wer der richtige Mandant für Ihre Kanzlei ist (Cosack, AK 13, 97; AK 14, 96 und 110 und 185).Neben den finanziellen Kriterien sind auch die sogenannten weiche Faktoren für die Mandatsbeziehung wichtig:

 

  • Multiplikator - Mandanten, die Sie weiterempfehlen
  • Zusammenarbeit h- Mandant kooperiert, hält Fristen ein
  • Angenehmer Umgang mit allen Mitarbeitern - Chemie stimmt
  • Zahlungsverhalten - Rechnungen werden pünktlich bezahlt

 

b) Kommunikationsregeln für Rechtsanwälte

Sie können nicht „nicht kommunizieren“, denn jedes Verhalten, gleichgültig ob verbal oder nonverbal, wirkt sich aus. Deshalb ist Kommunikation - mit Mandanten, Dritten und Mitarbeitern - ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg. Legen Sie verbindliche Kommunikationsregeln für Ihre Kanzlei fest. Dies beginnt extern mit Regeln zum Umgang mit Mandanten und Dritten. Definieren Sie einheitliche Standards für den persönlichen, telefonischen und schriftlichen Umgang, um Ihre Kanzlei nach außen als geschlossene Einheit zu präsentieren und den Wiedererkennungseffekt zu erhöhen.

 

Die interne Kanzleikommunikation wird häufig unterschätzt und dem Tagesgeschäft untergeordnet. Die Zufriedenheit von Mitarbeitern ist für Ihren Kanzleierfolg mitentscheidend. Nutzen Sie das beA sofort für die Kommunikation mit Kollegen. Berücksichtigen Sie diese Grundsätze:

 

Checkliste / Grundsätze der Kommunikation

  • 1. Wesentlich sein
  • 2. Aktive Gesprächssteuerung
  • 3. Zuständigkeit klären
  • 4. Partnernamen nennen
  • 5. Fragetechniken anwenden
  • 6. Konzentration auf den Partner
  • 7. Gut zuhören
  • 8. Wichtige Punkte wiederholen und bestätigen
  • 9. Bedanken und freundlich verabschieden
 

c) Aktenbearbeitung: Papier oder elektronisch?

Ob Sie Ihre Akten auf herkömmliche Art papiermäßig oder im Zuge der Umstellung auf den ERV elektronisch bearbeiten, bleibt Ihnen überlassen. Aus folgenden Gründen ist eine elektronische Aktenbearbeitung vorteilhaft:

 

aa) Zeitvorteil

Durch die elektronische Aktenbearbeitung können Sie Ihre Zeit effektiver nutzen. Arbeitsabläufe werden schlanker. Der elektronische Posteingang kann direkt weiterbearbeitet oder an den Mandanten weitergeleitet werden.

 

bb) Kostenvorteil

Durch die elektronische Aktenbearbeitung sparen Sie Kosten. Zu viel Arbeitszeit wird in Kanzleien mit dem Suchen nach Papierakten verbracht. Die teuerste Ressource ist das Personal. Wer Personalkosten reduzieren will, sollte seine Mitarbeiter für qualifizierte Arbeiten einsetzen.

 

cc) Mandantenvorteil

Für Mandanten ist der Einsatz von moderner Technik selbstverständlich. Erleichtern Sie Ihren Mandanten die Kommunikation und bieten Sie einen elektronischen Aktenzugang an. Dies geht bereits mit preiswertem Webspace bei herkömmlichen Providern, wenn die Datensicherheit gewährleistet wird. So können Ihre Mandanten rund um die Uhr auf ihre Akte zugreifen. Dieses Alleinstellungsmerkmal nutzen derzeit noch wenige Kanzleien.

 

d) Delegation: Strategische Abgabe von Aufgaben ist sinnvoll

In Wirtschaftskanzleien gehört Delegieren zum Alltag: In der Regel arbeiten mehrere Associates am Fall, oft auch im Team. Auch Einzelanwälte und die kleine und mittlere Kanzlei sollten die strategische Entscheidung treffen, ob eine Zusammenarbeit mit anderen sinnvoll ist.

 

Prüfen Sie bei jedem Vorgang, ob es (intern oder extern) jemanden gibt, der die Aufgabe

  • besser,
  • preiswerter oder
  • schneller

erledigen kann.

 

In der Regel verwenden Anwälte auf die weniger wichtigen C-Aufgaben 65 Prozent ihrer Zeit. Diese C-Aufgaben sind jedoch nur zu 15 Prozent werthaltig. Für die sehr wichtigen A-Aufgaben hingegen, die 65 Prozent des Werts ausmachen, werden nur 15 Prozent der Zeit verwendet. Entscheidend ist es, die wichtigen Aufgaben zu erledigen und sich von C-Aufgaben zu befreien.

 

 

Nutzen Sie das „Eisenhower-Prinzip“ und unterscheiden Sie Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit. Eine A-Aufgabe ist sofort und selbst von Ihnen zu erledigen (Beispiel: In einem neuen Mandat ist eine einstweilige Verfügung zu beantragen). Eine B-Aufgabe kann geplant und terminiert werden (Beispiel: Die Berufungsbegründung kann innerhalb der Berufungsbegründungsfrist erledigt werden). C-Aufgaben sind Aufgaben, die nach der oben abgebildeten Grafik 65 Prozent Ihrer Zeit beanspruchen, jedoch weniger wichtig sind. Reduzieren Sie diese Aufgaben und delegieren Sie so viel wie möglich davon an juristische Mitarbeiter, nicht juristische Mitarbeiter, Hilfskräfte oder auch externe Kooperationspartner oder Dienstleister. Z. B. könnte aus der A-Aufgabe „Einstweilige Verfügung beantragen“ für Sie eine C-Aufgabe werden, wenn Sie das neue Mandat an einen angestellten Anwalt delegieren können (sofern der Mandant kein VIP-(A)-Mandant ist). Genauso könnte im Idealfall mit der Berufungsbegründung verfahren werden.

 

Beachten Sie | Nicht zu vergessen ist die „Ablage P“, der Papierkorb, der in Anwaltskanzleien hoffentlich datenschutzkonform geleert wird. Alles, was keinen Wert für das kanzleiinterne Wissensmanagement hat, sollte dorthin entsorgt werden. Im Bedarfsfall lässt es sich aktualisiert neu beschaffen.

 

 

e) Fortbildung: Kombinieren Sie Online- und Präsenz-Seminare

Das juristische Fachwissen ist Ihr Werkzeug. Es zu pflegen und stets auf aktuellem Stand zu halten, ist eine Herausforderung. Planen Sie Zeit für Fortbildung ein und erstellen Sie für alle Anwälte und Mitarbeiter einen Jahresplan, der das Budget und die spezifischen Fortbildungen enthält.

 

Sind Online-Fortbildungen möglich und sinnvoll? Seminare vor Ort bieten die Möglichkeit, den persönlichen Austausch mit Kollegen zu pflegen und das eigene Netzwerk zu erweitern.

 

f) Austausch in beruflichen Netzwerken als fachliche Bereicherung

Der Austausch in fachlichen Netzwerken der eigenen Rechtsgebiete bereichert und hilft auch, bei Zweifelsfragen andere Meinungen einzuholen und durch andere Perspektiven neue Lösungen zu finden. Bieten Sie Ihren Mandanten ein umfassendes Angebot aus einer Hand und nutzen Sie dazu berufliche Netzwerke mit Kollegen und anderen Berufsgruppen, die Ihr Angebot ergänzen. Bauen Sie sich auch ein Netzwerk von Kollegen auf, an die Sie mit gutem Gewissen Mandate abgeben können, sei es bei Interessenkollisionen, sei es bei Mandaten, die nicht zur strategischen Ausrichtung der Kanzlei passen. So können Sie beruhigt „Nein.“ sagen und bieten trotzdem eine Lösung für diese potenziellen Mandanten. Das führt dazu, dass auch ohne Mandatsverhältnis Weiterempfehlungen generiert werden.

 

PRAXISHINWEIS | Nutzen Sie private Netzwerke, um sich von Aufgaben zu trennen, die Ihnen schwerfallen oder lästig sind. So gewinnen Sie Zeit für sich selbst, Ihre Familie oder Hobbys, die Sie gerne ausüben.

 

 

2. Mitarbeiter: Motivation zahlt sich aus

Die meisten Anwaltskanzleien arbeiten mit Mitarbeitern zusammen (siehe auch Cosack, AK 13, 66). Je mehr Personen miteinander arbeiten, desto wichtiger ist es, einige Regeln einzuhalten.

 

Beachten Sie folgende Schritte:

 

  • Arbeitsabläufe festlegen und gemeinsam mit den Mitarbeitern eine kontinuierliche Verbesserung anstreben.

 

  • Lassen Sie jeden Mitarbeiter eine Stellenbeschreibung erarbeiten: Für welche Aufgaben ist er zuständig, und wer vertritt ihn im Verhinderungsfall? Klären Sie, welche Aufgaben der Mitarbeiter gerne und gut macht. Aufgaben, die ungern erledigt werden, sind typische Fehlerquellen. Prüfen Sie, ob eine Umverteilung der Aufgaben auf andere Mitarbeiter möglich ist.

 

  • Verantwortet der Mitarbeiter Bereiche, in denen sein Engagement belohnt werden kann? Wer beispielsweise von Mandanten positiv bewertet wird, weil sie sich gut betreut fühlen und Qualität und Service in der Kanzlei stimmen, könnte mit einem Bonussystem am Erfolg der Kanzlei beteiligt werden. Für alle Mitarbeiter gibt es Möglichkeiten, einen erfolgsorientierten Gehaltsbestandteil einzubauen.

 

  • „Wären Sie gerne Mandant in Ihrer Kanzlei“? Mit dieser Frage konfrontiert, offenbaren sich bei Mitarbeitergesprächen in Kanzleien Missstände, wenn Mitarbeiter diese Frage mit einem „Nein“ beantworten. Dann werden sich Mitarbeiter nicht aktiv für die Mandantengewinnung einbringen, da möglicherweise „ein schlechter Ruf der Kanzlei“ auf sie persönlich zurückfällt.

 

  • Fortbildung für Mitarbeiter (ggf. mit Belohnungssystem, wenn z. B. im Anschluss an eine Fortbildung der Aufenthalt in einem schönen Hotel verlängert wird; beachten Sie die steuerrechtlichen Bestimmungen).

 

  • Binden Sie Ihre Mitarbeiter bei der Sachbearbeitung und bei der Mandantenbetreuung ein. Stellen Sie dazu den Mitarbeiter, im Idealfall persönlich, beim Erstgespräch dem Mandanten vor. So hat der Mandant immer einen Ansprechpartner in Ihrer Kanzlei (vor Augen) und Sie werden entlastet.

 

  • Zur Personalführung gehören auch Jahreszielgespräche. Durch sie können Sie die Erwartungen an Ihre Mitarbeiter definieren und haben ein ideales Führungsinstrument, um gute Mitarbeiter an Ihre Kanzlei zu binden.

 

  • Geben Sie jungen Menschen eine Chance und bilden Sie aus. Viele Kanzleien scheuen die Mühen, die mit einer Ausbildung verbunden sind. Mit einem Mentor in der Kanzlei erleichtern Sie Auszubildenden den Einstieg und erhöhen die Chance auf eine erfolgreiche Ausbildung.

 

3. Mandanten: Auf die Gruppierung und Pflege kommt es an

„Wer am lautesten schreit, wird als Erster bedient.” Dieses Phänomen ist in allen Branchen bekannt. Mandanten, die lauthals Beachtung fordern, lenken die gesamte Aufmerksamkeit und Zeit auf sich, unabhängig davon, ob sie es „wert” sind. Gerade die Mandanten, die ihr Anliegen als sehr wichtig ansehen, sind objektiv betrachtet nicht immer die, denen die meiste Aufmerksamkeit gebührt. Im Gegensatz dazu werden Mandanten, die sich „still in die Reihe” stellen, häufig mit der Bearbeitung zurückgestellt, um die fordernden Mandanten zufrieden zu stellen und damit die ersehnte Ruhe zu erhalten. Mit dem „Pareto-Prinzip“ (siehe Seite 11) können Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die A-Mandanten legen. Trennen Sie sich konsequent von C-Mandanten.

 

Mandantenbindungsprogrammen kommt immer stärkere Bedeutung zu. Wie können Sie sich vom Wettbewerb abheben, wie die Erwartungshaltung von Mandanten übertreffen und sie jedes Mal begeistern? Erstellen Sie für Ihre A-Mandanten einen Aktivitätenplan, den Sie kontinuierlich umsetzen. Führen Sie mit ihnen regelmäßig Telefonate über rechtsgestaltende und vorbeugende Maßnahmen, die ihnen zeigen, dass sie Ihnen am Herzen liegen.

 

Bereiten Sie ausgehende Telefonate gut vor. Dabei hat es sich bewährt, einen Gesprächsleitfaden zu erstellen und diese Gespräche in Rollenspielen auch vorher zu üben. Planen Sie etwa fünf Minuten für das Telefonat ein. Es soll nicht in kostenlose Rechtsberatung ausarten, sondern dem Mandanten vermitteln, dass Sie an ihn gedacht haben und bei Bedarf auch im Rahmen eines Auftrags für ihn tätig werden können.

 

4. Kommunikation in der Kanzlei

Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg. Achten Sie bei der persönlichen Kommunikation mit den Mandanten darauf, dass diese Ihre Mitarbeiter akzeptieren, damit Sie delegieren können. Führen Sie ein Beschwerdemanagement ein. Freuen Sie sich über Beschwerden, denn sie zeigen Ihnen verbesserungsfähige Bereiche auf. Bei einem Mandanten, der sich beschwert, kann eine erfolgreich bearbeitete Beschwerde zu einer Festigung der Mandantenbindung führen. Bei einem unzufriedenen Mandanten, der sich nicht beschwert, sondern kommentarlos die Kanzlei wechselt, haben Sie keine zweite Chance. Bitten Sie Ihre bisherigen Mandanten um Weiterempfehlungen. Auch Dritte können für das Empfehlungsmarketing hilfreich sein.

 

PRAXISHINWEIS | Für die Kommunikation mit dem Mandanten ist das beA bisher nicht vorgesehen. Bieten Sie Ihren Mandanten entweder die Möglichkeit einer verschlüsselten Kommunikation oder eines separaten Mandantenbereichs, sodass der Mandant auf sicherem Weg mit Ihnen kommunizieren kann.

 

 

5. Sinnvolle Änderungen im Büroalltag

Ermitteln Sie den IST-Status in Ihrer Kanzlei, um sinnvolle und notwendige Veränderungen einzuleiten.

 

Hallo Vitali,funktioniert leider nur zu 50%.Ich habe eine Testübergabe vorgenommen, bevor ich den Prozess im Haus wieder freigebe.Dier die TestdatenID 43737419 ist das Dokument „ZZZ_Downloaddokument D“Es liegt im Kanal ZZZ-> Arbeitshilfen/ChecklistenDer Downloadtext ist in SiteFusion drin, wird aber auf der Website nicht ausgeliefert.

 

a) Kanzleiablauf: Dokumentieren Sie Einzelheiten

Erstellen Sie ein Organigramm, und legen Sie Zuständigkeiten und Vertretungsregeln fest. Auch kleine Kanzleien können davon profitieren, da im Notfall ein Vertreter schnell mit den Abläufen in der Kanzlei zurechtkommt. Binden Sie Ihre Mitarbeiter ein und nutzen Sie Bürobesprechungen, um Ideen der Mitarbeiter zur kontinuierlichen Verbesserung umzusetzen.

 

b) Qualitätsmanagement: Ziele setzen und Standards festlegen

Setzen Sie sich messbare und nachprüfbare Ziele. Es ist einfacher, Standards festzulegen, als das Rad ständig neu zu erfinden. In der Kanzlei gibt es viele wiederkehrende Abläufe, die nach „Schema X“ ablaufen. Mit Standards (z. B. in einem Kanzleihandbuch) vermeiden Sie Fehler und verringern Ihre Haftung.

 

 

c) Mandatsannahme: Stellen Sie Regeln auf

Legen Sie Standards für die Bearbeitung von Mandaten fest. Eine Regel könnte lauten: Neumandanten erhalten sofort nach der Besprechung eine E-Mail mit weiteren Hinweisen zum Ablauf des Mandats. Wichtige Kriterien aus Anwaltssicht finden Sie in AK 14, 96.

 

d) Akten: Soll parallel noch eine Papierakte geführt werden?

Definieren Sie, wie eine elektronische Akte angelegt und verwaltet wird. Soll parallel oder gekürzt noch eine Papierakte geführt werden? Im Idealfall lösen Sie sich spätestens ab jetzt bei allen neu angelegten Akten von der Papierakte. Achten Sie auf eine funktionierende Datensicherung (Cosack, AK 16, 63).

 

e) Fristen: Schriftstück gilt erst mit Kenntnisnahme als zugestellt

Die ursprüngliche Idee, bereits mit dem Eingang im beA den Empfang des Dokuments zu deklarieren, wurde nicht verwirklicht. Das Empfangsbekenntnis (EB) wird ab 1.1.18 elektronisch als Datensatz über das beA versandt.

 

 

f) Wiedervorlagen: Große Zeitersparnis durch elektronische Bearbeitung

Ein großes Einsparpotenzial bietet die elektronische Bearbeitung der Wiedervorlagen (WV). Verwenden Sie einheitliche und aussagekräftige Gründe, warum eine Akte an einem bestimmten Tag bearbeitet werden soll. „Sachstand“ ist unzureichend, da so ein erneutes Einlesen in die Akte erforderlich ist. Vermeiden Sie turnusgemäße WV (z. B. einmal im Monat), setzen Sie WV sachgerecht, sodass eine konkrete Bearbeitung am Tag der WV geschieht und Schiebeverfügungen vermieden werden. Im Idealfall bearbeiten Sie Ihre WV direkt am PC, sodass weder der Ausdruck einer WV-Liste noch die Vorlage einer Papierakte erfolgt. Prüfen Sie, welche WV delegiert werden können.

 

g) Posteingang: Eingangspost einheitlich einscannen und abspeichern

Der zusätzliche Arbeitsschritt „Einscannen“ ist für das Führen einer elektronischen Akte nötig. Stellen Sie Regeln auf: In welchem Dateiformat sollen Dokumente eingescannt werden? Weit verbreitet ist das Portable Document Format (PDF), seit 2005 auch als PDF/A für die Langzeitarchivierung (ISO 19005) und seit 2012 als PDF/UA für barrierefreie Anwendungen (ISO 14289). Ein Bild (z. B. TIFF, JPEG, BMP) verbraucht in der Regel mehr Speicherplatz. Jedes Dokument muss eindeutig bezeichnet werden, damit es schnell auffindbar ist und bei einer Dokumentenübersicht nicht geöffnet werden muss. Bewährt haben sich „Datum (JJMMTT), Rubrum, inhaltliche Kurzbezeichnung“.

 

h) Postbearbeitung: Zunächst klären, welche Bearbeitungsart die beste ist

Prüfen Sie bei der Postbearbeitung, ob Sie diese selbst übernehmen müssen, ob Sie delegieren können oder den Vorgang auf Termin legen. Jedes Dokument wird im Idealfall einmal angepackt und abgearbeitet.

 

i) Postausgang: Elektronischer Weg bietet Zeit- und Kostenvorteile

Nutzen Sie im Idealfall den elektronischen Weg. So sparen Sie Zeit, Kopier- und Portokosten. Darüber hinaus werden auf Dauer deutliche Einsparungen im Personalbereich zu spüren sein. Nutzen Sie Ihr qualifiziertes Personal für höherwertige Aufgaben und zur Mandantenbetreuung.

 

 

FAZIT | Nutzen Sie die Einführung des besonderen elektronischen Anwaltspostfachs, damit Ihre Kanzlei auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt. Das beA ist ein wichtiger Schritt in die neue Welt der Kanzlei 4.0.

 
Quelle: Sonderausgabe 02 / 2016 | Seite 1 | ID 44307306