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·Fachbeitrag ·Firmenwagen

Fahrtenbuchmethode und Umsatzsteuer

von StB Sonja Steben, Herberg, Dr. Schlüter & Partner GbR, Dortmund

| Bei privater Nutzung des Firmenwagens kann der geldwerte Vorteil für die Besteuerung pauschal mit der 1 Prozent-Regelung nachgewiesen werden (AK 14, 54 und AK 14, 72). Alternativ können Sie die Fahrtenbuchmethode wählen. Der Beitrag zeigt, wie Sie das Fahrtenbuch richtig führen und stellt Besonderheiten für die Umsatzsteuer dar. |

1. Richtiges Führen des Fahrtenbuchs

Die private Nutzung kann mit dem auf diese Fahrten entfallenen Teil der Gesamtkosten (einzeln und belegmäßig nachgewiesen) angesetzt werden. Das Verhältnis der Fahrten zueinander wird durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch mit folgenden Anforderungen dargelegt (BMF 18.11.09, IV C 6-S 2177/07/10004, BStBl. I 09, 1326, Rn. 24):

 

  • Führung in geschlossener Form mit vollständiger Erfassung aller Fahrten inklusive des an ihrem Ende erreichten Gesamt-Kilometer (km)-Stands. Elektronische Fahrtenbücher sind nur zulässig, wenn nachträgliche Veränderungen technisch ausgeschlossen sind oder dokumentiert werden.

 

  • Betriebliche Fahrten: Datum und km-Stand zu Beginn und Ende jeder Fahrt, Ziel, bei Umwegen die Route, Reisezweck und aufgesuchte Geschäftspartner. Nachträgliche Präzisierungen in gesonderten Aufstellungen sind schädlich. Ausnahme: Bei Anwälten als sogenannte Berufsgeheimnisträger reicht die Angabe „Mandantenbesuch“ aus, wenn Name und Adresse in einem getrennt geführten Verzeichnis festgehalten werden (OFD München 18.1.01, S 2145 - 20 St 41/42, Abruf-Nr. 010289).

 

  • Private Fahrten: Datum, km-Angabe; Fahrten Wohnung/Betrieb: Vermerk.

 

  • Gemischte Fahrten (dienstlich und privat veranlasst): km-Stand vor und nach der privaten Unterbrechung.

 

Aus Gesamtkosten und Gesamtfahrtleistung ist ein km-Satz zu ermitteln, der auf die privat gefahrenen Kilometer und den Arbeitsweg anzuwenden ist.

 

  • Beispiel 1

Die gesamten Fahrzeugkosten betragen 23.000 EUR. Laut Fahrtenbuch entfallen von der Gesamtfahrleistung in Höhe von 25.000 km auf betriebliche Fahrten 19.000 km und private Fahrten 6.000 km. Da sich Wohnung und Kanzlei in einem Gebäude befinden, entfallen Fahrten zum Betrieb. Der zu versteuernde Privatanteil beträgt (6.000 km / 25.000 km) x 100 = 24 Prozent x 23.000 EUR = 5.520 EUR.

 

Bei Nichtanerkennung des Fahrtenbuchs wird die 1 Prozent-Methode angewendet, wenn die betriebliche Nutzung mehr als 50 Prozent beträgt. Ist er geringer, kann eine Schätzung der privaten km erfolgen.

 

PRAXISHINWEIS | Der 1 Prozent-Regelung liegt eine Privatnutzung von 30 bis 35 Prozent zugrunde. Je niedriger der private Nutzungsanteil ist, desto vorteilhafter ist ein Fahrtenbuch - auch bei hohem Bruttolistenpreis. Im Zweifel sollte ein Fahrtenbuch geführt und am Jahresende die Methode festgelegt werden.

 

2. Berechnung der Umsatzsteuer

Bei einer mehr als zehnprozentigen unternehmerischen Nutzung kann der Pkw unabhängig von der ertragsteuerlichen Zuordnung voll, entsprechend der unternehmerischen Nutzung oder gar nicht dem Unternehmen zugeordnet werden (A 15.2c Abs. 2 UStAE). Wird er dem Unternehmen insgesamt zugeordnet, besteht grundsätzlich der volle Vorsteueranspruch aus der Anschaffung. Die private Verwendung unterliegt als unentgeltliche Wertabgabe (UWA) nach § 3 Abs. 9a UStG der Umsatzsteuer. Vorsteuern aus Leistungen im Zusammenhang mit dem Betrieb des Pkw sind dagegen nach den allgemeinen Grundsätzen stets abziehbar, soweit sie auf die unternehmerische Nutzung entfallen. Bei der Zuordnungsentscheidung sollte nicht vernachlässigt werden, dass auch ein späterer Verkauf oder die Entnahme von Unternehmensvermögen der Umsatzsteuer unterliegt. Die Bemessungsgrundlage (BMG) für die UWA ermittelt sich so (BMF 27.8.04, BStBl. I 04, 864):

 

  • 1. Fahrtenbuch: Die Umsatzsteuer entsteht auf die mit Vorsteuern belasteten Ausgaben für den Pkw, soweit sie anteilig auf die reinen Privatfahrten entfallen. Kosten ohne Vorsteuer, wie z.B. Kfz-Steuer, gehören nicht dazu.
  • 2. 1 Prozent-Regelung: Wird für Ertragsteuerzwecke nach der 1 Prozent-Methode pauschaliert, gilt dieser Wert aus Vereinfachungsgründen auch für die Umsatzsteuer. Für die nicht mit Vorsteuer belasteten Kosten wird ein pauschaler Abschlag von 20 Prozent vorgenommen.
  • 3. Schätzung: Wird kein Fahrtenbuch geführt und ist die 1 Prozent-Regelung nicht anwendbar, kann der private Nutzungsanteil anhand geeigneter Unterlagen geschätzt werden.

 

Wichtig | Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb sind stets unternehmerische Fahrten. Es besteht kein Korrekturbedarf.

 

  • Beispiel 2

In den Betriebsausgaben sind Kfz-Steuer und Versicherung von 600 EUR, Benzin und Reparaturkosten in Höhe von netto 7.000 EUR und eine Absetzung für Abnutzung von 5.000 EUR enthalten. Bei Anschaffung wurde die volle Vorsteuer gezogen. Der BLP beträgt 32.000 EUR. Laut Fahrtenbuch wird der Pkw zu 30 Prozent für reine Privatfahrten verwendet. Lösung: 1 Prozent-Regelung: (32.000 EUR x 1 Prozent x 12 Monate) - 20 Prozent = 3.072 EUR Bemessungsgrundlage => Umsatzsteuer (USt) 19 Prozent = 583,68 EUR; Fahrtenbuch: Kosten mit Vorsteuer 12.000 EUR x 30 Prozent = 3.600 EUR => USt 19 Prozent = 684 EUR.

 
Quelle: Ausgabe 05 / 2014 | Seite 89 | ID 42507427