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·Fachbeitrag ·Individuelle Gesundheitsleistungen

Ernährungsberatung als IGeL abrechnen

von Dr. Dr. med. Peter Schlüter, Reilingen, www.vital-arzt-praxis.de

| Beratungen gehören zu den Grundaufgaben des Arztes und sind mit der Berechnung der Grundpauschale bzw. der Versichertenpauschale abgegolten. Die intensive, gezielte Ernährungsberatung im Zusammenhang mit Übergewicht und auch geplanter sportlicher Betätigung, gehört grundsätzlich nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und ist somit als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) anzubieten und in Rechnung zu stellen. |

IGeL als Kundenservice

Schon im März 1998 wurde von der KBV eine Liste sogenannter IGeL erstellt, die in erster Linie darauf abzielt, eine rechtliche Klarstellung in Bezug auf diejenigen ärztlichen Leistungen zu treffen, die nicht Gegenstand der GKV sind. IGeL sind und waren stets umstritten. Erst vor kurzem hat der „IGeL-Monitor" (www.igel-monitor.de) für Unruhe gesorgt. Am Ende muss und darf jeder Arzt selbst entscheiden, welche Leistungen er für welchen Patienten für sinnvoll erachtet.

 

Da diese Leistungen nicht zur vertragsärztlichen Versorgung gehören, sind sie dem Patienten als IGeL privat nach GOÄ in Rechnung zu stellen. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund interessant, dass sich der niedergelassene Arzt immer mehr als Unternehmer verstehen muss, der sich in einem betriebswirtschaftlich geführten Dienstleistungsbetrieb intensiv um seine Kunden kümmert. Insofern muss er zunehmend auch diejenigen Menschen berücksichtigen, die Leistungen seines „Unternehmens Arztpraxis" in Anspruch nehmen könnten, ohne jedoch schon oder überhaupt krank zu sein - lediglich als gesundheitsfördernde bzw. vorsorgende Maßnahme. In diesen Bereich gehört auch die gezielte Ernährungsberatung, die vom Patienten häufig nachgefragt wird.

Die Ernährungsberatung als Einzelberatung

Bei einer Ernährungsberatung sind alle Beratungsleistungen der GOÄ zu berücksichtigen. Für die Ernährungsberatung gibt es in der GOÄ keine eigene Leistungsposition, sodass hier eine Analogabrechnung nach § 6 GOÄ möglich ist. Eine entsprechende Analogleistung wäre die Nr. 33 GOÄ.

 

  • Nr. 33 GOÄ

„Strukturierte Schulung einer Einzelperson mit einer Mindestdauer von 20 Minuten (bei Diabetes, Gestationsdiabetes oder Zustand nach Pankreatektomie) - einschließlich Evaluation zur Qualitätssicherung unter diabetologischen Gesichtspunkten zum Erlernen und Umsetzen des Behandlungsmanagements, einschließlich der Auswertung eines standardisierten Fragebogens."

 

Die analoge Berechnung der Nr. 33 ist nach § 6 GOÄ korrekt durchzuführen, das heißt die analog benutzte GO-Nr. muss als solches auch gekennzeichnet werden. Dies geschieht dadurch, dass Sie dem Text der Leistungslegende den Hinweis: „analog berechnet“ oder „analog § 6 berechnet“ hinzufügen. Achten Sie darauf, dass in diesem Fall nicht die Abrechnung der GO-Nr. 33 mit vorgestellten „A“ (A 33) vorgenommen werden darf.

 

  • Beratungsleistungen im Rahmen der Ernährungsberatung*
GOÄ-
Faktor 1,0
Faktor 2,3
Faktor 3,5
Nr.
Euro
Euro
Euro

Beratung

1

4,66

10,72

16,32

Eingehende Beratung

3

8,74

20,11

30,60

Betreuung

15

17,49

40,22

61,20

Strukturierte Schulung, Ernährungsberatung, analog § 6 berechnet.

33

17,49

40,22

61,20

Eingehende Erörterung

34

17,49

40,22

61,20

Behandlungsplan / Unterlagen**

78

10,49

24,13

36,72

* Beachten Sie bitte, dass in der Tabelle die Ausschlussbestimmungen nicht berücksichtigt sind. **analog §6

 

Die Nr. 34 GOÄ ist nur bedingt zu verwenden, da der Leistungsinhalt das Vorliegen einer - zumindest nachhaltig - lebensverändernden Erkrankung verlangt. Diese Forderung (lebensverändernde Erkrankung) ist im Zusammenhang mit der Fehl-Ernährung bzw. der Ernährungsberatung nicht immer erfüllt. Ähnliches gilt für die Nr. 15 GOÄ. Darin ist die kontinuierliche Betreuung eines chronisch Kranken gefordert. Als Zusatzleistungen sind zu jeder Ernährungsberatung noch die Kontrolluntersuchung (Nr. 5 GOÄ) und die Erstellung von Ernährungsplänen bzw. die Aushändigung der Beratungsunterlagen nach Nr. 78 GOÄ analog zu berechnen.

Die Ernährungsberatung als Gruppenberatung

Die Gruppenberatung ist im Prinzip nach Nr. 20 GOÄ - je Teilnehmer - zu berechnen. Dazu kommt im Rahmen jeder Gruppenstunde die symptombezogene Untersuchung (Nr. 5 GOÄ), die Bestimmung des Körperfettanteils (Nr. 650 GOÄ analog) und das Aushändigen der Seminarunterlagen mit Ernährungsplänen (Nr. 78 GOÄ analog).

Selbstzahler-Leistungen nicht ohne Vertrag!

Vergessen Sie nicht, dass laut § 18 des Bundesmantelvertrags wie auch des Ersatzkassenvertrags, Versicherte in Form einer Vereinbarung darüber aufgeklärt werden müssen, dass die gewünschte Leistung keine Kassenleistung darstellt und dass er somit für diese erbrachte Leistung eine private Liquidation akzeptiert. Für Leistungen die nicht Bestandteil der vertragsärztlichen Versorgung sind kann nur dann ein Honorar verlangt werden, wenn vorher in einer schriftlichen Vereinbarung der Versicherte auch über die Höhe der Kosten aufmerksam gemacht wurde.

 

  • Mustervereinbarung

Vereinbarung über privatärztliche Behandlung

Therapieplan für: ...

Diagnose: ...

Therapie: Ernährungsberatung / Anleitung zum Lauftraining.

Die Behandlung erfolgt auf meinen ausdrücklichen Wunsch und auf meine Kosten.

Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass diese Behandlung keine Kassenleistung ist und die Kosten daher nicht von meiner Krankenkasse getragen werden. Die Leistungen werden mir nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) in Rechnung gestellt und sind von mir direkt zu begleichen.

Die Gesamtkosten betragen ... Euro.

Datum Unterschrift / Patient

Ernährungsberatung als mehrteiliges Seminar

Sie können die Ernährungsberatung auch in Form eines Seminars anbieten. Sie übernehmen dann die Position eines freien Seminaranbieters und können die Leistungen frei berechnen (unabhängig von der GOÄ). Beachten Sie jedoch, dass die Erlöse aus dieser Tätigkeit steuerlich anders zu buchen sind und dafür gegebenenfalls auch eine eigene Geschäftseinheit organisiert werden muss. Letzteres ist vor allem dann zwingend erforderlich, wenn zur Ernährungsberatung auch noch der Verkauf von Nahrungsergänzungsprodukten durchgeführt wird.

 

  • Vorträge

Dauer: 1 Stunde

Teilnehmer: 15

Kosten: 8 Euro / Teilnehmer = 120 Euro

Fünf Vorträge im Jahr = 600 Euro

  • Seminare

Aus den Vorträgen und eigener Werbung ergeben sich drei Gesundheitsseminare

Teilnehmer: 15

Kosten: 128 Euro / Teilnehmer = 1.920 Euro pro Seminar

= 5.760 Euro für drei Seminare

  • Beratungen

Aus den Vorträgen ergeben sich zehn Beratungen (à sechs Termine) im Jahr (Symptombezogene Untersuchung, Ernährungsplan, Ernährungsberatung) = insgesamt 60 Termine.

Erlös pro Termin = 49,49 Euro.

Bei 60 Terminen = 2.969,40 Euro

Quelle: Ausgabe 08 / 2012 | Seite 9 | ID 34504520