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·Fachbeitrag ·Der GOÄ-Spiegel

Abrechnungshinweise für alle Ärzte

von Dr. med. Bernhard Kleinken, Pulheim

| Im GOÄ-Spiegel greifen wir Fragestellungen aus GOÄ-Seminaren und Leserzuschriften auf. |

Proktoskopie (Nr. 705) neben Rektoskopie (Nr. 690) bzw. Hämorrhoidensklerosierung (Nr. 764)?

Gegenseitige Abrechnungsausschlüsse zu den Nrn. 690, 705 und 764 enthält die GOÄ nicht. Um entscheiden zu können, was hier nebeneinander berechenbar ist, muss das Zielleistungsprinzip nach § 4 Abs. 2a GOÄ beachtet werden. Danach sind Bestandteile oder „besondere Ausführungen“ (Modifikationen) einer anderen (berechneten) Leistung nicht eigenständig abrechenbar. Entscheidend ist in erster Linie, was in den jeweiligen Leistungslegenden angeführt ist.

 

Nrn. 705 und 690 nebeneinander

In den Nrn. 705 und 690 (ggf. einschließlich Probeexzision) sind eindeutig verschiedene Leistungen angeführt. Auch enthält die Nr. 690 keinen Einschluss der Nr. 705 („[ggf.] einschließlich Proktoskopie“) wie zum Beispiel in der Nr. 689 („Sigmoidoskopie ... einschl. Rektoskopie“). Proktoskopie und Rektoskopie sind folglich auch in einer Sitzung durchgeführt nebeneinander berechenbar.

 

Die GOÄ schreibt auch keine bestimmte Methodik für die beiden Untersuchungen vor. Ob beide Leistungen mit verschiedenen Instrumenten oder mit einem „Kombi-Instrument“ (Prokto-Rektoskop oder Rektoskop mit Proktoskopie-Kopfteil) durchgeführt werden, ist für die Berechenbarkeit der beiden Ziffern ebenfalls unerheblich. Eventuelle Erleichterungen in der Leistungserbringung zu berücksichtigen, ist in der GOÄ Sache des Steigerungsfaktors (§ 5), nicht eine Frage der Selbständigkeit der Leistungen (§ 4 Abs. 2a).

 

Nrn. 705 und 764 nebeneinander

In Nr. 764 GOÄ (Hämorrhoidensklerosierung, 190 Punkte) ist im Gegensatz zu Nr. 766 GOÄ (Ligaturbehandlung, einschließlich Proktoskopie, 225 Punkte) keine Proktoskopie eingeschlossen. Die ähnlichen Bewertungen der Nrn. 764 und 766 GOÄ könnten zu dem Schluss verleiten, auch neben der Nr. 764 sei eine Proktoskopie nicht eigenständig berechenbar. Aber auch hier gilt wieder das „Zielleistungsprinzip“.

 

Neben Nr. 764 GOÄ ist eine Proktoskopie (Nr. 705) dann berechenbar, wenn nicht nur eine „Einstellung“ der Hämorrhoidalknoten für die Verödung erfolgte (das wäre dann ein Bestandteil der Nr. 764), sondern eine eigenständige, diagnostische Proktoskopie erfolgte. Wiederum spielt keine Rolle, ob die Leistungen in einer Sitzung („nebeneinander“) erbracht wurden oder zu getrennten Terminen.

 

PRAXISHINWEIS | Die diagnostische Proktoskopie (der „Rundumblick“) sollte stets auch als solche dokumentiert sein. Man kann auch bereits vorbeugend in der Rechnung die Proktoskopie ausdrücklich als „diagnostische Proktoskopie“ bezeichnen.

 

Angaben zu Nr. 15 GOÄ in der Rechnung

Die Postbeamtenkrankenkasse (PBeaKK) lehnte bei einem unserer Leser die Erstattung der Nr. 15 GOÄ ab, weil aus der Rechnung keine „sozialen Maßnahmen“ erkennbar seien. Dieses Verhalten der PBeaKK ist „ein Schuss ins Blaue“, mit dem die Kasse Patienten und Arzt verunsichern will.

 

Zum Anführen erfolgter sozialer Maßnahmen in der Rechnung besteht keinerlei Verpflichtung! Selbstverständlich ist lediglich, dass auch soziale Maßnahmen (nicht nur therapeutische) koordiniert wurden, entsprechend dokumentiert sind und dass in der Rechnung die Voraussetzung der Nr. 15 („eines chronisch Kranken“) durch entsprechende Diagnoseangaben erkennbar erfüllt sein sollte.

Auch OP-Aufklärungen sind steigerungsfähig

Ein Leser fragte, ob OP-Aufklärungsgespräche steigerungsfähig seien. Schließlich seien diese doch zwingend notwendig.

 

„Zwingend notwendig“ oder nicht: Ebenso wie andere aus medizinischer Notwendigkeit erbrachte Leistungen, können OP-Aufklärungsgespräche - bei Vorliegen entsprechender Gründe - mit einem höheren Faktor berechnet werden. Steigerungsfaktor (§ 5 GOÄ) und medizinische Notwendigkeit (§ 1 Abs. 2 GOÄ) haben insofern für die Berechenbarkeit einer Leistung nichts miteinander zu tun.

Nr. 34 GOÄ im Zusammenhang mit Operationen

Wenn auf einer Arztrechnung Nr. 34 GOÄ und nachfolgend eine Operation berechnet werden, unterstellen manche Kostenträger, die Nr. 34 sei für die präoperative Aufklärung berechnet worden und verlangen die Umwandlung in Nr. 1 oder Nr. 3 GOÄ. Dies ist nur zum Teil zutreffend.

 

Nr. 34 GOÄ enthält die „Planung eines operativen Eingriffs und Abwägung seiner Konsequenzen und Risiken“ als fakultativen Bestandteil der Leistung („ggf. einschließlich“). Der in Nr. 34 zwingend verlangte Leistungsbestandteil ist die Erörterung der Auswirkungen einer Krankheit auf die Lebensgestaltung. Das heißt, die Erörterung der Krankheitsauswirkungen muss erbracht worden sein, um Nr. 34 GOÄ überhaupt berechnen zu dürfen, eine reine OP-Aufklärung reicht nicht aus.

 

Die verlangte Mindestzeit von 20 Minuten umfasst den gesamten Leistungsinhalt der Nr. 34, der fakultative Leistungsbestandteil fließt, wenn erbracht, mit ein. Wäre dem nicht so, stünde in der GOÄ „ggf. zusätzlich“ und nicht „ggf. einschließlich“. Aus Bewertungsrelationen (Differenz zwischen den Nrn. 34 und 3 GOÄ für eine reine OP-Aufklärung) ergibt sich, dass die Erörterung der Krankheitsauswirkungen mindestens die halbe Zeit umfasst haben muss.

 

PRAXISHINWEIS | Dass sich das Gespräch wesentlich auf die Erörterung der Krankheitsauswirkungen bezog, sollte dokumentiert sein. Zum Beispiel „ausführliche Besprechung der Krankheitsauswirkung auf die Berufsausübung“ sollte genügen.

 

Zuschläge A ff.: Berechenbarkeit ohne Ziffernansatz

Die Zuschläge A bis D („Unzeitzuschläge“) sind auch dann berechenbar, wenn die den Zuschlag auslösende Leistung zwar erbracht, aber nicht berechnet wurde. Typisch dafür ist die Nicht-Berechenbarkeit der Nrn. 1 und 5 GOÄ, weil sie im Behandlungsfall schon einmal neben Leistungen von Nr. 200 GOÄ an aufwärts berechnet wurden. Wird dann eine oder werden beide dieser Leistungen um 21 Uhr erbracht, kann Zuschlag B berechnet werden.

 

PRAXISHINWEIS | Damit der Zuschlag in der Rechnung nicht isoliert und hinter einer nicht zuschlagsberechtigten Ziffer steht, sollte man die erbrachte Leistung in der Rechnung anführen. Das kann man mit Anführung der Leistung mit Faktor 0 und Null Euro machen. Eleganter - wegen der Wirkung auf den Patienten - ist unseres Erachtens, die Leistung anzuführen mit einem Zusatz wie „die Leistung wurde erbracht, aber nicht berechnet“. Dahinter folgt dann der entsprechende Zuschlag. Mit dem Zuschlag K 1 (Kinder bis zum 4. Lebensjahr) geht das nicht. Denn der bezieht sich nicht auf „erbrachte“ Leistungen, sondern direkt auf die dort angeführten Ziffern.

 

MERKE | Wenn Notfälle geplant und regelmäßig, z. B. in der Mittagszeit einbestellt werden, bekommt das den Charakter einer „Notfallsprechstunde“ und kann Zuschlag A nicht berechnet werden.

Endowasher

Ist bei einer Endoskopie der Einsatz eines Endowashers notwendig, ist dies leider keine eigenständig berechenbare Leistung. Der Endowasher dient nur zur Durchführung der Endoskopie, was gemäß § 4 Abs. 2a GOÄ nur eine „besondere Ausführung“ der abzurechenden Endoskopie darstellt. Regelmäßig liegt bei Einsatz des Endowashers jedoch ein Grund für die Berechnung der Endoskopie mit höherem Steigerungsfaktor vor (z. B. eine starke Blutung).

 

Weiterführende Hinweise

Quelle: Ausgabe 03 / 2016 | Seite 7 | ID 43870551