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·Fachbeitrag ·Der GOÄ-Spiegel

Abrechnungshinweise für alle Ärzte

von Dr. med. Bernhard Kleinken, Pulheim

| Im „GOÄ-Spiegel“ erhalten Sie GOÄ-Abrechnungstipps für Ihre Praxis. Die Themen resultieren aus Fragen der AAA-Leser oder aus GOÄ-Seminaren. |

Abrechnung bei Leichenschau

Die Abrechnung bei Leichenschau wird so häufig von Lesern nachgefragt, dass wir das Thema aufgreifen müssen. „Müssen“, weil wir leider nicht zufriedenstellend antworten können.

 

Bei der Fassung der GOÄ 1996 ist die ärztliche Leichenschau stiefmütterlich behandelt worden. So ist eine Besuchsgebühr nach Nr. 50 GOÄ nicht offensichtlich, da in der Leistung nach Nr. 50 GOÄ die Beratung und symptombezogene Untersuchung obligat inbegriffen sind - die beide naturgemäß gegenüber einem Verstorbenen nicht erbracht werden können. Gleiches trifft für die Beratungen und Untersuchungen nach den Nrn. 3 (die zudem noch in ihrer Anmerkung die Berechnung neben Nr. 100 und/oder Nr. 50 ausschließt) und 6 bis 8 GOÄ zu, sodass auch die Berechnung der Unzeitzuschläge zu diesen Leistungen (Zuschlag A ff.) bei der Leichenschau hinfällig ist. Mit der Nichtabrechenbarkeit der Nr. 50 GOÄ entfällt auch die Möglichkeit, anlässlich der Leichenschau die Unzeitzuschläge nach E ff. abzurechnen, die zudem noch nach der Überschrift zu Abschnitt B V nicht auf die Leichenschau abstellen.

 

Selbst der Beschluss des Deutschen Ärztetages 2010 in Dresden, die BÄK habe den Standpunkt zu vertreten, die Beratung Dritter im Zusammenhang mit der Durchführung der Leichenschau als Beratung im Sinne der GOÄ anzusehen, hilft nicht weiter, da dem die Rechtslage und bereits ergangene Urteile entgegenstehen.

 

Verständlich, dass angesichts der völlig unzureichenden Honorierung der Leichenschau nach Auswegen gesucht wird. „Fragwürdige Abrechnungstipps helfen hier [aber] nicht weiter“ (Dr. Klakow-Franck, Bundesärztekammer, Deutsches Ärzteblatt vom 30.11.2001). Zudem können unzulässige Abrechnungen bei Leichenschau teuer werden (Verfahren vor Berufsgerichten oder ordentlichen Gerichten) - ganz abgesehen von der eventuellen Rufschädigung. Was also ist erlaubt?

 

Unzweifelhaft ist die Berechnung der Nr. 100 GOÄ zuzüglich Wegegeld (nach § 8 GOÄ) oder Reiseentschädigung (§ 9 GOÄ). Eine Analogabrechnung der Nr. 50 GOÄ oder der Unzeitzuschläge ist nicht möglich. Analogabrechnung setzt eine Regelungslücke in der GOÄ voraus, die hier nicht vorliegt. Zulässig nach der GOÄ ist lediglich der Ansatz eines höheren Faktors zur Nr. 100 GOÄ bei der Erbringung zur Unzeit. Dem steht auch nicht entgegen, wenn das höhere Wegegeld „bei Nacht“ berechnet wird, denn dies berücksichtigt nicht den Umstand bei der Leichenschau selber.

 

Völlig ausgeschlossen ist die Berechnung der Besuchsgebühr (Nr. 50 GOÄ) im Zusammenhang mit einer Leichenschau aber nicht. „Besuch“ setzt voraus, dass ein solcher und keine Leichenschau vom Patienten oder zum Beispiel einem Angehörigen (Beispiel: „Dem Opa geht es sehr schlecht!") angefordert wird. Wenn dann, weil der Patient sich als verstorben herausstellt, die Besuchsleistung nicht mehr erbracht werden kann, liegt dies nicht im Verschulden des Arztes und auch diese „versuchte Leistungserbringung“ ist berechenbar.

 

Ausstellen des Totenscheins

Für die Ausstellung eines Totenscheines ist die Nr. 80 GOÄ (Gutachten) nicht zusätzlich berechenbar, da sie mit der Nr. 100 GOÄ bereits abgegolten ist. Eine gegebenenfalls notwendige Befragung von Angehörigen (Fremdanamnese) für die Todesfeststellung ist mit der Nr. 100 GOÄ ebenfalls abgegolten. Nr. 4 GOÄ kann dafür nicht zusätzlich berechnet werden. Eine Analogabrechnung für eine Angehörigenunterweisung scheidet auch aus, da keine Regelungslücke vorliegt. Berechenbar wäre hier allenfalls eine Beratungsleistung, dann aber eigenständig gegenüber dem Angehörigen.

 

Fazit: Finger weg von Analogabrechnungen!

Die Ausführungen lassen leider nur ein Fazit zu: Wir müssen leider davon abraten, Abrechnungsvorschlägen, die nicht von den GOÄ-Bestimmungen gedeckt sind, zu folgen. Also zum Beispiel Analogabrechnungen oder sachlich zwar nachvollziehbare, von der GOÄ aber nicht gedeckte Abrechnungen der Nr. 50 GOÄ unter Abzug von Nr. 1 und Nr. 5 GOÄ durchzuführen.

 

Auch, dass die Berechnung der Nr. 50 GOÄ oder von Unzeitzuschlägen anlässlich der Ausstellung eines Totenscheins meist nicht moniert wird (die Rechnung erhält der Bestatter und wird in dessen Gesamtrechnung weitergereicht und keine Versicherung prüft die Rechnung), steht der Tatsache falscher Abrechnung nicht entgegen. Im Übrigen waren es in einigen bekannten Fällen gerade Bestatter, die die Gerichtsverfahren anstießen.

Rektale Untersuchung

Die Hinweise des vorletzten GOÄ-Spiegels zu den Nummern 5, 6 und 7 GOÄ ließen fragen, ob wir eine Übersicht zur Berechenbarkeit der Nr. 11 GOÄ (rektale Untersuchung) neben den allgemeinen Untersuchungsleistungen geben könnten.

 

  • Neben Nr. 5 GOÄ (symptombezogene Untersuchung) ist Nr. 11 GOÄ berechenbar.

 

  • Neben den Nrn. 6 und 7 GOÄ (Organsysteme) ist Nr. 11 GOÄ berechenbar. Ausnahmen: Nr. 6 für die Untersuchung der Nieren und ableitenden Harnwege, Nr. 7 für die Untersuchung des weiblichen Genitaltraktes.

 

  • Neben Nr. 8 GOÄ (Ganzkörperstatus) ist Nr. 11 berechenbar. Der Ganzkörperstatus der Nr. 8 GOÄ umfasst nämlich nur die „Untersuchung der sichtbaren Schleimhäute“.
Quelle: Ausgabe 05 / 2012 | Seite 15 | ID 33372820