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·Fachbeitrag ·EBM 2015

Bewertungsausschuss beschließt Förderung von Praxisassistenten in Hausarztpraxen

| Ab 1. Januar 2015 erhalten Hausarztpraxen unter bestimmten Voraussetzungen eine finanzielle Förderung für die Tätigkeit von nicht-ärztlichen Praxisassistenten. Zusätzlich werden Hausbesuche von nicht-ärztlichen Praxisassistenten auch in nicht unterversorgten Regionen besonders vergütet. Darauf haben sich KBV und Krankenkassen im Bewertungsausschuss verständigt. Im Folgenden informieren wir über die wesentlichen Inhalte. |

Die neuen Leistungspositionen

Für die Tätigkeit von nichtärztlichen Praxisassistenten werden drei neue Abrechnungspositionen in den EBM aufgenommen, nämlich ein Zuschlag zur sogenannten „Vorhaltepauschale“ Nr. 03040 unter der neuen Nr. 03060 sowie zwei Abrechnungspositionen für Hausbesuche von nicht-ärztlichen Praxisassistenten unter den neuen Nrn. 03062 und 03063. Alle drei Abrechnungspositionen werden außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) mit dem Orientierungswert für 2015 von 10,2718 Cent vergütet:

 

  • Der Zuschlag nach Nr. 03060 ist bewertet mit 22 Punkten. Dies entspricht einem Betrag von ca. 2,26 Euro. Allerdings wird dieser Zuschlag nur bis zu einem Höchstwert von 12.851 Punkten je Quartal gezahlt. Die Details hierzu finden Sie auf Seite 9.

 

  • Die Nr. 03062 für die Durchführung von Hausbesuchen durch nicht-ärztlichen Praxisassistenten ist bewertet mit 166 Punkten bzw. 17,05 Euro.

 

  • Die Nr. 03063 für den Mitbesuch und den Besuch in Alten- bzw. Pflegeheimen durch nicht-ärztliche Praxisassistenten ist mit 122 Punkten bzw. 12,53 Euro bewertet.

 

Die Nrn. 03062 und 03063 ersetzen die bisher im Abschnitt 40 enthaltenen Kostenpauschalen für (Mit-)Besuche nicht-ärztlicher Praxisassistenten nach den Nr. 40870 und 40872. Diese Positionen konnten bisher nur in unterversorgten Regionen berechnet werden. Die Details zu diesen beiden neuen Hausbesuchs-Positionen finden Sie auf Seite 6.

Für welche Hausarztpraxen gilt die Förderung?

Die Abrechnung der neuen Gebührenordnungspositionen 03060, 03062 und 03063 setzt die Erteilung einer entsprechenden Abrechnungsgenehmigung durch die KV voraus. Drei Voraussetzungen müssen hierfür erfüllt sein:

 

  • Mindestzahl an Behandlungsfällen bzw. älteren Patienten in der Praxis.

 

  • Beschäftigung eines nicht-ärztlichen Praxisassistenten mit einer regelmäßigen Wochenarbeitszeit von mindestens 20 Stunden.
  • Besondere Zusatzqualifikation des nicht-ärztlichen Praxisassistenten bzw. Beginn der Fortbildung.

Die Mindestfallzahlen

Längst nicht alle Hausarztpraxen, die nicht-ärztliche Praxisassistenten beschäftigen, erhalten jedoch eine entsprechende Förderung. Vielmehr können die drei neuen Leistungspositionen nur von Hausarztpraxen berechnet werden, die eine bestimmte Mindestzahl an Behandlungsfällen abrechnen bzw. viele ältere Patienten betreuen. Im Einzelnen gelten folgende Voraussetzungen:

 

  • In den letzten vier Quartalen durchschnittlich mindestens 860 Behandlungsfälle je Hausarzt und Quartal (bei mehreren Hausärzten in der Praxis erhöht sich die Fallzahl je weiterem Hausarzt um 640)

oder 

  • in den letzten vier Quartalen durchschnittlich mindestens 160 Behandlungsfälle je Hausarzt und Quartal bei Patienten, die älter als 75 Jahre sind (bei mehreren Hausärzten in der Praxis erhöht sich die Fallzahl je weiterem Hausarzt um 120).

 

Bei Hausärzten, die nicht in vollem Umfang vertragsärztlich tätig sind, wird die Fallzahl anteilig ermittelt. Daraus errechnen sich in Abhängigkeit von der Anzahl der Versorgungsaufträge (Zulassungen) in einer Hausarztpraxis folgende Mindest-Fallzahlen:

 

Versorgungsaufträge (Zulassungen)
Mindestzahl im Durchschnitt der letzten 4 Quartale

Behandlungsfälle

oder

Patienten über 75 Jahre

1,0

860

160

1,5

1.180

220

2,0

1.500

280

2,5

1.820

340

3,0

2.120

400

 

 

Die Fallzählung

Die Ermittlung der Zahl der Behandlungsfälle entspricht der Fallzählung für das Gesprächsbudget Nr. 03230: Lediglich Notfälle im organisierten Not(-fall)dienst, Überweisungsfälle zur Durchführung ausschließlich von Probenuntersuchungen oder zur Befundung von dokumentierten Untersuchungsergebnissen, Behandlungsfälle, in denen ausschließlich Kostenerstattungen des Kapitels 40 berechnet werden, sowie stationäre (belegärztliche) Behandlungsfälle zählen bei der Berechnung nicht mit.

 

Besonderheit Selektivverträge

Bei der Berechnung der Fallzahlen zählen die Behandlungsfälle aus Selektivverträgen gemäß § 73b SGB V (HzV-Verträge) und Verträgen zur knappschaftsärztlichen Versorgung mit. Diese Fälle sind künftig - insbesondere wegen der Anrechnung auf den Höchstwert der Nr. 03060 (siehe hierzu Seite 9) - der KV mit der Nr. 88194 zu melden.

Zusätzliche Voraussetzungen

Die Praxis muss mindestens einen nicht-ärztlichen Praxisassistenten mit einer Arbeitszeit von mindestens 20 Wochenstunden beschäftigen. Der nicht-ärztliche Praxisassistent muss zudem über eine besondere Zusatzqualifikation verfügen. Die Details sind in der Anlage 8 zum Bundesmantelvertrag (Delegationsvereinbarung) geregelt, die zum 1. Januar 2015 entsprechend geändert wurde. Entsprechende Fortbildungscurricula haben die Bundesärztekammer und der Deutsche Hausärzteverband entwickelt.

 

Die besondere Zusatzqualifikation muss jedoch nicht sofort nachgewiesen werden. Die Genehmigung zur Abrechnung dieser drei neuen Leistungspositionen kann nämlich auch dann erteilt werden, wenn mit der Fortbildung bereits begonnen wurde und zu erwarten ist, dass sie bis zum 30. Juni 2016 abgeschlossen wird. Die Details hierzu finden Sie auf Seite 10.

Förderung von Kinder- und Jugendärzten

Die jetzt beschlossene Förderung der Beschäftigung von qualifizierten nicht-ärztlichen Praxisassistenten betrifft lediglich Hausarztpraxen. Kinder- und Jugendärzte können diese Abrechnungspositionen nicht berechnen. Für die Kinder- und Jugendärzte haben sich KBV und Krankenkassen auf eine Zuschlagsposition für die weiterführende sozialpädiatrisch orientierte Versorgung verständig. Einzelheiten hierzu finden Sie auf Seite 12 dieser Ausgabe.

 

FAZIT | Mit dem aktuellen Beschluss setzen beide Seiten eine Vereinbarung im Rahmen der Honorarverhandlungen für 2015 um, die eine zusätzliche extrabudgetäre Zahlung der Krankenkassen in Höhe von jeweils 132 Mio. Euro für den hausärztlichen und den fachärztlichen Bereich vorsieht (lesen Sie dazu auch AAA 09/2014, Seite 3).

 

Die Verteilung der von den Krankenkassen extrabudgetär zu zahlenden 264 Mio. EURO zu gleichen Teilen auf Haus- und Fachärzte dürften insbesondere diejenigen Hausärzte als ungerecht empfinden, die wegen einer geringen Fallzahl die Voraussetzungen für die Abrechnung der Nr. 03060 nicht erfüllen. Während die meisten Fachärzte für Behandlungsfälle der Grundversorgung automatisch einen Zuschlag erhalten, gehen diese Hausarztpraxen, die - auch - eine hausärztliche Grundversorgung sicherstellen, leer aus. Aber auch fallzahlstarke Hauspraxen müssen zunächst in die Ausbildung ihre Mitarbeiter/innen investieren.

 

Weiterführende Hinweise

  • Honorarverhandlungen 2015 - überraschend schnelle Einigung: 800 Mio. Euro mehr Honorar (AAA 09/2014, Seite 3)
  • Beiträge zu den ab 1. Januar 2015 nicht mehr gültigen Nrn. 40870 bzw. 40872: Der neue Hausbesuch durch Mitarbeiter(innen): Top oder Flop? (AAA 04/2009, Seite 1), Aspekte der Helferinnenbesuche (AAA 07/2009, Seite 4).
  • Neues zur Delegation ärztlicher Leistungen - Delegationsmöglichkeiten und Abrechnung (AAA 06/2009, Seite 8)
Quelle: Ausgabe 12 / 2014 | Seite 3 | ID 43096394