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Selbstzahlerleistungen

Laboruntersuchungen – IGeL mit geringem Aufwand

von Dr. med. Bernhard Kleinken, PVS- Servicestelle Köln

Nicht nur für den Einstieg, sondern generellsind bei der Erstellung eines IGeL- Angebotes Leistungen zu bevorzugen,die an vertragsärztliche Leistungen anschließen. Dieinhaltliche Nähe zu den GKV- Leistungen hat mehrere Vorteile:Solche IGeL- Leistungen können leicht in den Praxisablaufeingebunden werden, sie erfordern keine aufwendige Fortbildung und oftkeine oder nur geringe Investitionen. Sie passen sozusagen„automatisch“ zur Patienten- und Leistungsstruktur derPraxis. Zu solchen IGeL- Angeboten, die GKV- Leistungen besonders gutergänzen, gehören Laborleistungen.

Labor- IGeL- Leistungen werden inzwischen vonimmer mehr Hausärzten angeboten. Nach Aussagen vonLaborärzten haben sich die Anforderungen von IGeL- Leistungendurch Hausärzte im letzten Jahr verdoppelt. Allerdings ist damitdas Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft. VieleHausärzte stehen da noch am Anfang. Wir stellen Ihnen deshalb diewichtigsten zu beachtenden Punkte vor.

Welche Laboruntersuchungen können GKV- Leistungen ergänzen?

Ein Beispiel für ein „kleinesAngebot“ von Labor- IGeL ist die Ergänzung der GKV-Gesundheitsuntersuchung (Nr. 160 EBM) um kleines und großesBlutbild, Harnsäure, Kreatinin und GPT. Nach verbreiteterAuffassung ist diese Erweiterung der GKV- Gesundheitsuntersuchungfachlich geboten. Auch weitere Bausteine – zum Beispiel HDL-Cholesterin, LDL- Cholesterin, Triglyceride, Harnstoff, AP, Gamma- GT,GOT, Kalzium und Natrium – kommen in Frage. DieLaboruntersuchungen können selbstverständlich mitUntersuchungen wie Sonographie, Belastungs- EKG und Lungenfunktionergänzt werden (siehe auch „Abrechnung aktuell“ Nr.2/2001, S. 4 ff.).

Generell können vor allemPräventionsleistungen medizinisch sinnvoll durchLaboruntersuchungen ergänzt werden. Außer dem geradeangeführten Beispiel zur Gesundheitsuntersuchung zählen dazuzum Beispiel

  • die Ergänzung der Prostatakrebsvorsorge um die PSA- Bestimmung (bei nicht auffälligem Tastbefund),
  • immunologische Laborverfahren zur Untersuchung auf Blut im Stuhl,
  • Tumormarker (zum Beispiel NMP 22, AFP, CEA) oder
  • Helicobacter pylori- Antigen im Stuhl.

Daneben gibt es auf spezielle Risiken abgestellteProfile, zum Beispiel Arteriosklerose- Profile mit Lipoprotein a,Homocystein, CRP und Fibrinogen, Thrombose- Risiko- Profile mitHomocystein, AT III- Aktivität, Fibrinogen, Protein- C-Aktivität, APC- Resistenz und Protein- S- Aktivität.Ergänzt werden kann das Angebot noch um nicht oder nur bedingt mitVorsorge verknüpfte Untersuchungen wie zum Beispiel auf STD,umweltmedizinische Belastungen oder Antiaging- Parameter.Ausführliche Listen erhalten Sie bei Ihrem Labor.Selbstverständlich sollten Sie nur solche Leistungen anbieten, vonderen klinischer Wertigkeit Sie auch überzeugt sind.

Was darf als IGeL- Leistung abgerechnet werden?

Der Hausarzt darf in jedem Fall die Beratung zuLabor- IGeL- Leistungen abrechnen (je nach Umfang Nr. 1 oder Nr. 3GOÄ). Das gilt auch dann, wenn bei demselben Arzt- Patienten-Kontakt eine GKV- Beratung stattfindet.

Ob die Blutabnahme auch dann (mit der Nr. 250GOÄ) berechenbar ist, wenn sie nicht eigens für die IGeL-Leistung erfolgte, sondern nur ein zusätzliches „IGeL-Röhrchen“ gefüllt wurde, ist umstritten. Einerseitsverlangt die Leistungslegende der Nr. 250 GOÄ sowie die AllgemeineBestimmung des Abschnitte C II keine gesonderte Punktion. Andererseitsheißt es in der Allgemeinen Bestimmung zum Laborabschnitt derGOÄ, dass Entnahmen aus liegender Kanüle nicht gesondertberechnungsfähig sind (dritter Satz der Bestimmung Nr. 4). UnsereAuffassung dazu ist, dass die Blutabnahme für die IGeL-Untersuchung parallel zu anderen Blutabnahmen wegen der erheblichenLeistungsüberschneidungen (nur ein Einstich und Entfernen derKanüle) nicht berechnet werden sollte.

Die Beratung zum Ergebnis ist wieder eine IGeL-Leistung. Wenn das Ergebnis allerdings pathologisch ist und eine zuLasten der GKV berechenbare Diagnostik oder Therapie erfordert, istdiese Beratung schon GKV- Leistung. Nicht zur GKV- Leistung zählendie Beratungen zu rein außerhalb der GKV stattfindendenLeistungen wie zum Beispiel Antiaging.

Laborleistungen dürfen Sie nur dann alseigene Leistungen berechnen, wenn Sie die Untersuchungen entwederselbst durchgeführt haben oder es sich um Leistungen desAbschnittes M II GOÄ (Basislabor) handelt. Speziallaborleistungen(M III und M IV der GOÄ), die ein auswärtiger Arzt(Laborarzt) durchgeführt hat, müssen auch von diesemberechnet werden.

Besonderheiten bei Abrechnung von Speziallaboruntersuchungen

Die sich aus der GOÄ ergebende Notwendigkeit,Patienten darüber aufzuklären, dass sie für dieSpeziallaborleistungen noch die Rechnung eines anderen Arztes erhalten,erschwert die Darstellung des Labor- IGeL- Angebotes als einheitlicheLeistung. Hinzu kommt, dass bei den oft geringen Rechnungsbeträgender Aufwand für die getrennte Rechnungserstellung und dasgetrennte Inkasso relativ hoch ist. Naheliegend wäre zum Beispiel,die Leistungen des Laborarztes in die eigene Rechnung zuübernehmen und das Honorar für die Speziallaborleistungen anden Laborarzt weiterzuleiten. Leider ist dies aber nach der GOÄnicht zulässig und wurde auch schon gerichtlich untersagt.

Einige Laborärzte und PrivatärztlicheVerrechnungsstellen haben dazu eine rechtlich sichere Lösung(Einbezug der IGeL- Leistungen in die Anforderungsbögen)entwickelt: Der Patient gibt sein Einverständnis, dass dieLeistungen beider Ärzte von derselben Inkassostelle abgerechnetwerden. Nach Geldeingang überweist die Abrechnungsstelle an beideÄrzte das Honorar exakt auf die jeweils erbrachten Leistungenbezogen.

Wo gibt es Service und Marketing- Unterstützung?

Wenn Sie Patienten von der Inanspruchnahme vonLabor- IGeL- Leistungen überzeugen wollen, müssen Sie auchetwas mehr Service bieten als gemeinhin im Rahmen von GKV- Leistungenüblich und möglich ist. In erster Linie gehört dazu,dass der Patient bei der Erläuterung der Ergebnisse auch einenAusdruck oder Kopie der Laborbefunde erhält. Zum Servicegehören auch Materialien, die den Patienten über die Labor-IGeL- Leistungen und Ihr spezielles Angebot informieren (zum BeispielInfo- Flyer und „Warte- zimmer- Fernsehen“).

Hierzu können Sie Service von Ihrem Laborarztoder Ihrer Verrechnungsstelle erwarten. Nähere Informationen dazukönnen Sie bei Großlabors (zum Beispiel unterwww.schottdorf.de, www.ladr.de, www.bioscientia.de, www.labor- www.synlab.de) und PrivatärztlichenVerrechnungsstellen (zum Beispiel unter www.pvs- bw.de) einholen.

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 12/2003, Seite 7

Quelle: Ausgabe 12 / 2003 | Seite 7 | ID 100230