logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

01.09.2006 | Selbstzahlerleistungen

IGeL: Diagnostik und Therapie für Schnarcher

von Dr. med. Bernhard Kleinken, PVS Consult, Köln

Übermäßiges Schnarchen erzeugt Lärmpegel vergleichbar einer Hauptverkehrsstraße. Kein Wunder, dass es so manche Nachtruhe vergällt – vor allem die der „Bettgenossen“. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, wird in vielen Fällen der Hausarzt angesprochen.  

Abgrenzung: Schlafapnoe oder nur „einfaches“ Schnarchen?

Starkes Schnarchen ist meist mit kurzen Aussetzern der Atmung verbunden. Die Betroffenen – „aufgeklärt“ durch Berichte in der Laienpresse – vermuten deshalb oft eine Schlafapnoe. Aber nur etwa drei bis fünf Prozent der Schnarcher leiden wirklich an einer Schlafapnoe. 

Schnarchen als IGeL

Der Regelfall des Schnarchens ohne Schlafapnoe gilt nicht als Krankheit. Wenn es bei übermäßigem Schnarchen keine eindeutigen klinischen Hinweise auf das Vorliegen einer Schlafapnoe gibt, können die Beratung und Vorab-Abklärung dazu und eine eventuelle Therapie als IGeL angeboten werden. 

 

Inhalt der Beratung

Die Beratung umfasst eine eingehende Anamnese (auch die Frage nach Alkohol oder Medikamenten), eine Untersuchung, eine Beratung zum richtigen und gesundem Schlafen und die Erörterung der Auswirkungen des Schnarchens.  

 

Wenn der Verdacht auf eine Schlafapnoe vorliegt, kann dieser mit ambulant anzuwendenden Geräten, die verschieden umfangreich ausgestattet sind, aber Sensoren für den Atemluftstrom und einen Recorder gemeinsam haben, abgeklärt werden. Nach Auswertung der Daten erfolgt eine eingehende Beratung. Die Abklärung des Krankheitsverdachts mit solchen „Screening-Geräten“ ist in der Regel GKV-Leistung. 

Differenziertes Angebot als Stufenkonzept

Entscheidend beim IGeL-Angebot ist, dem Patienten einerseits zu verdeutlichen, dass Beratungen und Behandlungen von Schnarchern keine GKV-Leistung sind. Andererseits muss ihm die Sicherheit gegeben werden, dass dann, wenn sich ein Krankheitsverdacht ergibt, umgehend die weitere Diagnostik und Behandlung zu Lasten der GKV erfolgen wird. Tritt im Verlauf der Beratung und Abklärung der konkrete Verdacht auf Schlafapnoephasen auf, wird die Behandlung des Schnarchen als IGeL beendet und es werden zu Lasten der GKV andere Erkrankungen ausgeschlossen.  

 

Gegebenenfalls wird der Patient dann an spezialisierte Fachärzte (zum Beispiel Pneumologen) und eventuell an ein Schlaflabor überwiesen. Im Angebot und im IGeL-Behandlungsvertrag sollte deshalb deutlich erkennbar sein, dass es sich um ein Stufenkonzept handelt, bei dem zunächst die Behandlung als IGeL erfolgt und später – sollte sich das Vorliegen einer Krankheit herausstelllen – als GKV-Leistung. 

Die Therapieoptionen

Im Regelfall des nicht krankhaften Schnarchens können dem Patienten verschiedene Therapien angeboten werden. Auch dieses sind IGeL. Das Spektrum der Therapien reicht von Veränderungen des Schlafverhaltens über „Anti-Schnarch-Sprays“, „Anti-Schnarch-Kissen“ und Nasenstreifen bis hin zur Uvulo-Palato-Pharyngoplastik.  

 

Es versteht sich, dass der Hausarzt darüber gut informiert sein muss. Gegebenenfalls ist die Zusammenarbeit mit einem HNO-Arzt und/oder Pneumologen zu empfehlen. 

Die Abrechnung

Im Rahmen des hausärztlichen IGeL-Angebotes können zum Beispiel die folgenden Leistungen zum Ansatz kommen: 

 

Ausgewählte Abrechnungsmöglichkeiten des Schnarchens als IGeL

GOÄ-Nr. 

Leistung 

1,0fach 

Schwellenwert 

Eingangsberatung bei übermäßigem Schnarchen; Beratung im Verlauf der Schnarch-Therapie 

8,74 

20,11 

Untersuchung Mund- und Rachenraum 

4,66 

10,72 

838 analog 

oder 

617 analog 

Ambulante, apparative Schlafprofilanalyse 

32,06 

oder 

19,88 

81,11 

oder 

35,78 

34 analog 

Beratung und Erörterung bei übermäßigem Schnarchen 

17,49 

40,22 

Die Wahl des Analogabgriffs sollte sich nach den Gerätekosten und dem Aufwand der Datenauswertung richten. Gegebenenfalls erforderliches Verbrauchsmaterial (zum Beispiel Einmal-Flow-Brillen) kann gemäß § 10 GOÄ gesondert berechnet werden. 

 

Quelle: Ausgabe 09 / 2006 | Seite 10 | ID 84556