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Selbstzahlerleistungen

Früherkennung von Hirnleistungsschwächen: Mit dem IGEL länger geistig fit

von Dr. med. Bernhard Kleinken, PVS- Servicestelle, Köln

Mit der steigenden Lebenserwartung sind immer mehrMenschen von Demenzerkrankungen bedroht. Die Früherkennung vonHirnleistungsschwächen nimmt daher unter den IGEL- Leistungeneinen herausragenden Stellenwert ein.

Früherkennung bald Kassenleistung?

Selbst die Politik hat die Wichtigkeit einerFrüherkennung von Hirnleistungsschwächen erkannt. Auf derTagesordnung der 9. Sitzung des Bundestags- Ausschusses fürGesundheit und soziale Sicherung vom 19. Februar 2003 stand ein Antragmit dem Titel: „Für ein Gesamtkonzept zur Verbesserung derFrüherkennung und Behandlung von Demenz“. Noch aber ist einesolche gezielte Früherkennung keine GKV- Leistung. Wer alsHausarzt auf diesem Feld besondere Kompetenz und Fürsorge fürseine Patienten beweisen will, muss die entsprechenden Leistungendeshalb als IGEL- Leistungen anbieten.

Durchführung der Früherkennung

Zunächst muss das Interesse der Patienten andieser speziellen Früherkennung geweckt werden. Durch die zur Zeitverstärkte Berichterstattung in den Medien kommen manche Patientenschon von sich aus und fragen nach einem „Alzheimer- Test“.Weitere Patienten können durch direkte Ansprache oderÜbergabe von geeigneten Materialien interessiert werden.

Die eigentlichen ärztlichen Leistungen bildendann die spezielle Anamnese und Fragebogentests. Bei der Anamnese wirdbesonders auf Symptome wie Vergesslichkeit, Schlafstörungen sowieauf Änderungen von Stimmung und Verhalten in den sozialenUmgangsformen und die Fähigkeiten im Umgang mit Stress-Situationengeachtet. Auch hier bietet sich zur Erfassung vonFrühwarnsymptomen die Unterstützung durch Fragebögen an.Speziell zur Alzheimer-Erkrankung entwickelte die amerikanischeAlzheimer-Gesellschaft eine Checkliste mit charakteristischenWarnsymptomen. Diese und ein kurzer Test dazu, wie sichGedächtnisstörungen der Alzheimer-Erkrankung von„normalen Vergesslichkeiten“ unterscheiden, können Siezum Beispiel unter www.alois.de im Internet abrufen.

Mögliche Testmethoden und Bezugswege

Die zur Diagnostik einzusetzenden Fragebogentestssind unter anderem solche auf kognitive Defizite wie der Mini- Mental-Status, der Uhrentest (neudeutsch „Clock Drawing Test“– CDT) und der Test zur Früherkennung von Demenzen mitDepressionsabgrenzung (TFDD). Diese Tests können auch in derHausarztpraxis schnell durchgeführt und an die Helferin delegiertwerden. Dabei kann die Helferin die Tests auch auswerten – dieInterpretation der Ergebnisse ist aber dem Arzt vorbehalten. Literaturund Muster dieser Tests erhalten Sie im Internet zum Beispiel unterwww.hogrefe.de (Literatur) bzw. www.testzentrale.de (Kurzbeschreibungender verschiedenen Tests). Unter www.schwabe.de kommt man im Zugangfür Fachkreise zum „Service“, dort zu „Diagnose-und Therapiehilfen“, wo man Tests teils kostenlos, teilsgünstig anfordern kann. Um dorthin zu gelangen, muss allerdingsein Passwort eingegeben werden (was aber unkompliziert bestellt werdenkann); alternativ reicht es auch aus, das doccheck- Passwort einzugeben.

Abgrenzung IGEL und GKV- Leistung

Die Anamnese zur Früherkennung vonHirnleistungsstörungen (einschließlich der Fragebogentests)ist – solange keine konkreten Verdachtsmomente auf das Vorliegeneiner Krankheit vorliegen – eine IGEL-Leistung. Ergibt sich dabeikein auffälliger Be- fund, so sind keine weiteren Maßnahmenerforderlich. Zeigen sich aber konkrete Hinweise auf das Vorliegeneiner Erkrankung – gleich ob Alzheimer- Erkrankung,Hirnleistungsstörung anderer Ursache oder Depression –, sogehören die nachfolgenden Maßnahmen wie zum Beispiel weiterespezifischere Tests, Laboruntersuchungen, Computertomographie undAngehörigenberatung sowie eine nachfolgende Therapie zumLeistungsumfang der GKV.

So ist die Früherkennung als IGEL abzurechnen

Die Anamnese ist mit der Nr. 1 GOÄ oder Nr. 3GOÄ berechnungsfähig, die genannten Tests werden mit der Nr.857 in Ansatz gebracht. Da in der Leistungslegende zur Nr. 857 derGOÄ für die Berechnungshäufigkeit auf„insgesamt“ abgestellt und zudem der Plural„Testuntersuchungen“ genannt ist, kann diese Zifferfür eine Sitzung nur einmal berechnet werden, auch wenn mehrereTests zur Anwendung kommen. Gegebenenfalls können Sie denMultiplikator höher wählen (bis 2,5fach).

Tipp: Anstelle der Nr. 3 die Nrn. 1 und 857 berechnen

Die Berechnung der Anamnese mit der Nr. 3 setzteine mindestens zehnminütige Dauer voraus (was der Regelfall seindürfte). Allerdings ist die Nr. 3 nicht neben der Nr. 857berechnungsfähig. Günstiger ist also – auch bei einerlängeren Beratung – die Berechnung der Nrn. 1 und 857. WennSie die Nr. 1 mit 1,93fachem Faktor und die Nr. 857 mit 1,63fachemFaktor berechnen, kommen Sie auf den für ein IGEL- Angebotbesonders geeigneten glatten Betrag von 20 Euro. Falls Sie dieAnwendung mehrerer Testverfahren in einer Sitzung mit einemhöheren Multiplikator berücksichtigen wollen, würden Siebei Berechnung der Nr. 1 mit dem Faktor 2,3 und der Nr. 857 mit demFaktor 2,11 auf ein ebenso geeignetes Gesamthonorar von 24,99 Eurokommen.

Angebot eines „Erweiterten Checks“

Die hier vorgestellte IGEL- Leistung ist dieBasisleistung zur Früherkennung von Demenzen oder Depressionen.Sie können selbstverständlich auch einen individuellerweiterten Check anbieten, zum Beispiel mit gezielter Anamnese (Nr. 1GOÄ), körperlicher Untersuchung (Nr. 7 GOÄ) undneurologischer Basisdiagnostik (eigentlich Nr. 5 GOÄ, die aberneben Nr. 7 nicht berechenbar ist) sowie Testverfahren und einerdopplersonographischen Untersuchung der Hirngefäße. Letzteresollten analog nach Nr. 644 GOÄ berechnet werden (Nr. 645 GOÄwäre nur zutreffend, wenn auch die Periorbitalarterien untersuchtwerden). Die körperliche Untersuchung und die neurologischeBasisdiagnostik können eventuell im Rahmen von GKV- Untersuchungenerbracht werden.

In jedem Fall läge der Preis aber deutlichhöher als bei der oben beschriebenen Basisleistung. Mit demAngebot der Basisleistung lassen sich gewiss mehr Patienten erreichenals mit dem deutlich teureren erweiterten Check. Letztlich bleibt esdem Arzt überlassen, abzuwägen, welches Angebot fürseine Patienten das medizinisch sinnvollere ist.

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 03/2003, Seite 7

Quelle: Ausgabe 03 / 2003 | Seite 7 | ID 100144