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01.12.2007 | Fallbeispiel zum EBM 2008

Oberbauchschmerzen bei Gallensteinen: Diagnose, Therapie und Abrechnung

Etwa 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen in den westlichen Industrieländern leiden unter Gallensteinen (Cholelithiasis). Viele andere Gallenleiden entstehen aufgrund von Gallensteinen. Somit gehören Gallensteine zu den häufigsten und bedeutendsten Erkrankungen der Gallenblase und der Gallenwege. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu, Frauen erkranken wesentlich häufiger als Männer.  

Patiententypen und Symptome

Der für das Entstehen von Gallensteinen prädisponierte Patiententypus wird von den „5 F“ beschrieben: Am häufigsten betroffen sind  

 

  • Frauen („female“),
  • über 40 Jahre („forty“),
  • mit mehreren Kindern („fertile“),
  • Übergewicht („fat“) und
  • blondem bzw. hellem Haar („fair“).

 

In den meisten Fällen lösen Gallensteine zunächst keine Beschwerden aus. Zu diesen kommt es normalerweise erst, wenn ein Verschluss oder eine Entzündung der Gallenwege vorliegt. In ungefähr einem Drittel der Fälle kommt es zu Gallenkoliken. Es muss jedoch nicht immer eine Kolik sein, die auf ein Gallensteinleiden hinweist. Auch ein ständiger leichter Oberbauchdruck, ein leichtes Druck- oder Völlegefühl sowie zeitweise Übelkeit und vereinzelt auftretendes Erbrechen können Symptome für ein Gallensteinleiden sein.  

 

Die meisten Gallensteine (70 Prozent) sind Cholesterinsteine und Cholesterinmischsteine, nur 20 Prozent sind Pigmentsteine aus Bilirubin und Cholesterin. Die restlichen 10 Prozent sind kalkhaltige Steine, die meist durch entzündliche Prozesse entstehen. Nur die Kalksteine lassen sich auch im konventionellen Röntgenbild darstellen. 

 

ICD-10-GM*

Diagnose 

ICD-10 

Cholelithiasis 

K80.- 

Gallenblasenstein mit Cholezystitis 

K80.1 

Gallenblasenstein ohne Cholezystitis 

K80.2 

Gallenblasenstein mit Cholezystitis, ohne Obstruktion 

K80.4 

Sonstige Gallenblasensteine 

K80.8 

*Zur Abrechnung ist die Zusatzkennung mit A = Ausschluss, G = Gesichert, V = Verdacht, Z = Zustand nach ... zwingend. Lokalisationsangabe ist fakultativ: R = rechts, L = links, B = beidseits. 

Der Fall

Eine übergewichtige Patientin (174 cm, 98 kg), 56 Jahre alt, stellt sich in der Sprechstunde vor. Sie klagt über seit einigen Wochen bestehende Übelkeit, zeitweises Aufstoßen und vereinzelt auch Erbrechen, letzteres jedoch recht selten. Auffallend sei, dass das Erbrechen oft nach dem Genuss von Süßspeisen, aber auch nach fettem Essen, auftrat. Der Stuhlgang sei normal, Schmerzen direkt habe sie nicht.  

Diagnose, Therapie und Abrechnung

Bei der Untersuchung des Oberbauchs zeigen sich normale Darmgeräusche, die Bauchdecke ist weich, es bestehen keine tastbaren Resistenzen. Im epigastrischen Winkel findet sich ein leichter Druckschmerz. Der Leberunterrand ist derb und glatt tastbar. Zur Diagnosesicherung wird der Patientin Blut abgenommen und eine Sonographie durchgeführt. Die Patientin wird eine Stunde später wieder einbestellt, um das Ergebnis und das weitere Vorgehen zu besprechen. 

 

1. Konsultation

EBM 2008 

 

GOÄ 

Ziffern 

Punkte 

Legende 

Ziffern 

Punkte 

03111 

900 

Versichertenpauschale/Beratung 

80 

1) 

– 

Untersuchung Abdomen 

7! 

160 

33042 

445 

Sonographie Oberbauch 

410! + 

3 x 420! 

200 + 

3 x 80 

03235 2) 

20 

Qualifikation Psychosomatik 

– 

– 

!Die mit einem Ausrufezeichen gekennzeichneten Leistungen werden mit einem erhöhten Faktor abgerechnet. Begründung: „Schwierige Differentialdiagnose / schwierige Untersuchungsbedingungen / Zeitaufwand”. 
1)Die Untersuchung des Abdomen ist im EBM 2008 nicht gesondert berechnungsfähig. Als Bestandteil des Anhang 1 ist diese Leistung mit der Versichertenpauschale abgegolten. 
2)Da die Genehmigung für die psychosomatische Grundversorgung vorliegt, kann der Zuschlag für jeden kurativ-ambulanten Fall abgerechnet werden. 

 

Labordiagnostik

EBM 2008 

 

GOÄ 

Ziffern 

Punkte 

Legende 

Ziffern 

Punkte 

1) 

– 

Blutentnahme 

250 

40 

32001 2) 

40 

Wirtschaftlichkeitsbonus 

– 

– 

32042 

0,25 Euro 

BKS 

3501 

60 

32120 

0,50 Euro 

Kleines Blutbild + Thrombos 

3550 

60 

32056 

0,35 Euro 

Bilirubin, gesamt 

3581.H1 

40 

32071 

0,25 Euro 

y-GT 

3592.H1 

40 

1)Die Blutentnahme ist im EBM 2008 nicht gesondert berechnungsfähig. Als Bestandteil des Anhang 1 ist sie mit der Versichertenpauschale abgegolten. 
2)Die Laborgrundpauschale entfällt im neuen EBM 2008, lediglich der Wirtschaftlichkeitsbonus bleibt erhalten. Dieser wird von der KV zugesetzt! 

 

Die Laboruntersuchung ergibt eine beschleunigte BKS sowie eine leichte Leukozytose. In der Sonographie zeigen sich mehrere schattengebende Konkremente sowie eine verdickte Gallenblasenwand. 

 

2. Konsultation

EBM 2008 

 

GOÄ 

Ziffern 

Punkte 

Legende 

Ziffern 

Punkte 

1) 

– 

Erörterung / OP-Erörterung 

34 2) 

300 

1)Diese Erörterungen sind im EBM 2008 nicht gesondert berechnungsfähig. Als Bestandteil des Anhang 1 sind sie mit der Versichertenpauschale abgegolten. Das Gespräch ist aber unbedingt zu dokumentieren.  
2)Da am selben Tag die Beratung nach Nr. 1 berechnet wird, ist hier als Begründung die Uhrzeitangabe erforderlich. 

 

Das Ergebnis der Untersuchungen wird mit der Patientin erörtert. Auch werden die operativen Möglichkeiten ausführlich besprochen. Danach wird ein Termin für die stationäre Aufnahme in der Chirurgie vereinbart. 

 

Eine Woche später stellt sich die Patientin nach erfolgter endoskopischer Cholezystektomie wieder vor. Ein Verbandwechsel wird durchgeführt. Der für das Endoskop gelegte Zugang zeigt eine leichte Dehiszens und heilt sekundär ab.  

 

3. Konsultation

EBM 2008 

 

GOÄ 

Ziffern 

Punkte 

Legende 

Ziffern 

Punkte 

1) 

– 

Erörterung  

2) 

– 

1) 

– 

Untersuchung Abdomen 

7! 

160 

1) 

– 

Verband 

200 

45 

02310 

580 

Behandlung sekundär heilender Wunde 

2006 

63 

1) 

– 

Druckverband 

204 

95 

1) 

– 

Ernährungsplan 

76 

70 

!Die mit einem Ausrufezeichen gekennzeichneten Leistungen werden mit einem erhöhten Faktor abgerechnet.  
1)Diese Leistungen sind nach dem EBM 2008 nicht gesondert berechnungsfähig. Als Bestandteil des Anhang 1 sind diese Leistungen mit der Versichertenpauschale abgegolten. 
2)Die Beratung nach Nr. 1 darf im Behandlungsfall nur einmal neben Sonderleistungen der Abschnitte C bis O berechnet werden und entfällt. Dafür wird der Faktor für die Untersuchung nach Nr. 7 erhöht. 

 

Nach ausführlicher Beratung auch im Hinblick auf körperliche Aktivitäten und Ernährung wird der Patientin noch ein Ernährungsplan ausgehändigt. Für die Entfernung der Fäden wird ein erneuter Termin vereinbart. 

 

Zwölf Tage nach der Operation zeigen sich die Wunden reizlos – mit Ausnahme der sekundär heilenden kleinen Wunde. Letztere ist leicht gerötet und nässt noch etwas. Sie wird nochmals verbunden. Die Fäden (drei kleine Wunden) werden entfernt. 

 

4. Konsultation

EBM 2008 

 

GOÄ 

Ziffern 

Punkte 

Legende 

Ziffern 

Punkte 

1) 

– 

Erörterung  

3! 

150 

1) 

– 

Untersuchung Abdomen 

160 

1) 

– 

Verband 

2) 

– 

1) 

– 

Entfernung von Fäden  

2) 

– 

!Die mit einem Ausrufezeichen gekennzeichneten Leistungen werden mit einem erhöhten Faktor abgerechnet.  
1)Diese Leistungen sind nach dem EBM 2008 nicht gesondert berechnungsfähig. Als Bestandteil des Anhang 1 sind sie mit den Versichertenpauschalen abgegolten. 
2)Die Erörterung nach Nr. 3 GOÄ ist nur als alleinige Leistung oder im Zusammenhang mit Untersuchungsleistungen nach den Nrn. 5, 6, 7, 8, 800 und 801 berechnungsfähig. Aus diesem Grunde wird wegen der niedrigeren Bewertung auf die Berechnung des Verbandes (Nr. 200) und der Entfernung von Fäden (Nr. 2007) verzichtet. Auch wenn diese Leistungen nicht abgerechnet werden können, sind die anfallenden Kosten als Auslagen nach § 10 GOÄ in Rechnung zu stellen. 

 

Praxishinweis: Bei der 2. und der 4. Konsultation sind auf dem GKV-Behandlungsausweis keine Leistungen berechnungsfähig, da die erbrachten Leistungen mit der Versichertenpauschale bereits abgegolten sind. Es wird empfohlen, an derartigen Behandlungsterminen nur das „Datum“ über die Krankenversichertenkarte „abzurechnen“, damit der Arzt-Patienten-Kontakt dokumentiert ist. 

Fazit

Bereits anhand dieses Fallbeispiels, in dem erstmals die Abrechnungsregeln des neuen EBM 2008 angewendet werden, erkennen Sie, wie sehr durch die Versichertenpauschalen bei Hausärzten die Berechnung von Einzelleistungen zurückgedrängt wird. Nach einer Eingewöhnungsphase trägt dies sicherlich insgesamt zu einer Vereinfachung der Abrechnung bei. Inwieweit die erhöhten Anforderungen an die Dokumentation die Vereinfachung wieder aufheben, bleibt abzuwarten. 

 

 

Quelle: Ausgabe 12 / 2007 | Seite 17 | ID 116033