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Fallbeispiel

Therapie und Abrechnung der chronischen Obstipation

Die chronische Obstipation ist häufig Anlassfür ärztliche Beratungen. Ihre Prävalenz nimmt mit demAlter stark zu. Besonders weit verbreitet ist sie beipflegebedürftigen Patienten, sei es nun in der häuslichenPflege oder im Pflegeheim. Trotz der Häufigkeit ihres Aufkommenssind die Ursachen der Obstipation nur zum Teil bekannt. Die chronischeObstipation kann auch zu Komplikationen führen, wie zum BeispielStuhlimpaktion oder Pudendusschädigung mit Inkontinenz.

Typische Beschwerden beim Vorliegen einerObstipation sind Druckgefühl im Enddarm kombiniert mit einemBlockadegefühl am Darmausgang, Schmerzen im Rektum,Druckgefühl im Unterbauch sowie harter und seltener Stuhlgang (einbis zwei Entleerungen in der Woche). Außerdem haben Betroffenehäufig das Gefühl der unvollständigen Darmentleerung.Die Folge davon wiederum sind heftiges Pressen beim Stuhlgang undmanuelle Manöver zur Stuhlentleerung. Zur Diagnosestellung ist eserforderlich, dass die Patienten über mindestens zwei dergenannten Symptome in regelmäßigen Abständen innerhalbeines Jahres geklagt haben.

Ursachen für eine Obstipation

Die eigentlichen Ursachen der Obstipation sindweitgehend unbekannt, aber zumindest sind die – allerdings eherseltenen – organischen Ursachen wie verschiedene neurologischeErkrankungen (Parkinson etc.) beeinflussbar. Auch Ursachen wie zumBeispiel Hypothyreose oder Schwangerschaft sowie neuromuskuläreStörungen im Bereich des Beckenbodens kommen in Frage.Darüber hinaus kann die Obstipation durch bestimmteErnährungsformen (zum Beispiel Diäten) oder als Nebenwirkungverschiedener Medikamente verursacht werden.

Die funktionelle Obstipation stellt im Vergleichzur organischen die häufigere Variante dar – nicht zuletztbedingt durch die Tatsache, dass das Colon einerseits durch ein eigenesautonomes Nervensystem gesteuert wird, aber auch anderenvielfältigen Einflüssen unterliegt. Hierzu gehörenbeispielsweise die Zusammensetzung der Nahrung, psychische Faktoren,Hormone, Stress und andere neurogene Einflüsse.

Der Fall

Eine 62- jährige Patientin klagt überseit Jahren bestehenden klumpigen, harten Stuhl, häufigenStuhldrang und Verstopfung. Weiterhin gibt sie an, ständigUnterbauchschmerzen, Völlegefühl und Blähungen zu haben.

Therapie und Abrechnung

Nach der ausführlichen anamnestischenBefragung folgt die körperliche Untersuchung einschließlichanaler Inspektion und rektal- digitaler Untersuchung. Die Problematikder Diagnose „Chronische Obstipation“ wird mit derPatientin erörtert. Da das sonstige Krankheitsbild derlangjährigen Patienten bekannt ist und die Durchführung vonZusatzuntersuchungen wie Coloskopie, gynäkologische, neurologischeoder psychiatrische Konsiliaruntersuchungen der Abklärung bzw. demAusschluss der ohnehin sehr selten vorliegenden organischen Ursachenund weniger der Abklärung der Obstipation selbst dienen, wird aufdiese Zusatzuntersuchungen verzichtet.

*)Nach GOÄ ist die sonografischeUntersuchung eines Organs nach Nr. 410 abzurechnen. Für jedesweitere Organ (bis maximal drei) ist dann jeweils die Nr. 420berechnungsfähig. Zu beachten ist dabei, dass das jeweilsuntersuchte Organ angegeben werden muss. Als Organ zählt einZellverband, der eine Einheit mit bestimmten Funktionen darstellt.Somit ist eine einzelne Niere oder auch ein Eierstock jeweils als Organanzusehen.

**) Die der Erörterung nach Nr. 10 EBMentsprechende Leistungsziffer Nr. 3 GOÄ ist nicht neben derBeratung nach Nr. 1 GOÄ und auch nicht neben Sonderleistungenberechnungsfähig. Deshalb entfällt hier die Abrechnung.

Zusätzlich zur körperlichen Untersuchungwird eine Laboruntersuchung durchgeführt, um auf diesem Wege nacheiner Organbeteiligung zu suchen. Abschließend wird mit derPatientin ein Besprechungstermin vereinbart, um die Laborergebnisse zuerörtern und das weitere Vorgehen zu planen.

*) Die Nrn. 3730 bis 3733 werden nach der Höchstwertregel nur mit maximal 4,50 EUR vergütet.

Die Therapie der Obstipation stützt sichletztendlich auf Allgemeinmaßnahmen, geistige undkörperliche Aktivierung sowie Ernährungsberatung bzw.Umstellung. Vor allem bei älteren Menschen ist auf eineausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Letztendlich sinnvollist die Gabe von Laxanzien. An Letzterem wird man wohl kaum vorbeikommen, wobei auch darauf hingewiesen werden muss, dass dieseregelmäßig eingenommen werden müssen. Auch wennUntersuchungen mittlerweile gezeigt haben, dass ein Mangel anBallaststoffen in der Regel nicht die Ursache einer chronischenObstipation ist, ist ein Behandlungsversuch mit einer vermehrtenBallaststoffzufuhr durchaus sinnvoll.

*) Die Beratung nach Nr. 1 GOÄ ist imBehandlungsfall nur einmal neben Sonderleistungen berechnungsfähigund entfällt deshalb hier; auch wäre sie neben Nr. 3 GOÄnicht berechnungsfähig.

Liegen Entleerungsstörungen des Enddarms vor,so ist die Gabe von entsprechenden Suppositorien (zum BeispielGlycerin, Bisacodyl) zu erwägen. Eine solche Verordnungmüsste allerdings auf Privatrezept erfolgen. Die Therapie derObstipation macht eine ständige Beratung bzw. Führung derBetroffenen notwendig, was sich auch in der regelmäßigenAbrechnung der Beratungs- bzw. Erörterungsziffern widerspiegelnsollte.


Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 03/2003, Seite 14

Quelle: Ausgabe 03 / 2003 | Seite 14 | ID 100150