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01.08.2006 | Fallbeispiel

Bursitis praepatellaris: Diagnose, Therapie und Abrechnung

Zu einer Bursitis praepatellaris kommt es häufig nach Belastungen des Kniegelenks in gebeugter Stellung, die mit einem hohen Anpressdruck der Patellarsehne einhergeht. Typische Auslöser einer Bursitis praepatellaris sind längere Arbeiten im Knien, zum Beispiel beim Fliesenlegen oder ähnliche Tätigkeiten. Relativ häufig tritt die Bursitis praepatellaris auch bei Sportlern auf, insbesondere bei Volleyballspielern.  

 

Vielfach ist die plötzlich aufgetretene massive Schwellung des Schleimbeutels nahezu schmerzfrei und nur mechanisch störend. Die akut entzündete Bursa zeigt neben der typischen Schwellung auch eine gerötete und überwärmte Haut. In vielen Fällen wird dies von Patienten als so akut empfunden, dass sie auch notfallmäßig die Sprechstunden aufsuchen.  

 

ICD-10-GM*

Diagnose 

ICD-10 

Bursitis 

M71.99 

Bursitis acuta 

M71.99 

Bursitis olecrani 

M70.2 

Bursitis am Knie 

M70.5 

Bursitis infrapatellaris 

M70.5 

Bursitis praepatellaris 

M70.4 

*Zur Abrechnung ist die Zusatzkennung mit A = Ausschluss, G = Gesichert, V = Verdacht, Z = Zustand nach... zwingend vorgeschrieben. Lokalisationsangabe ist fakultativ: R = rechts, L = links, B = beidseits. 

Der Fall

Ein normgewichtiger, 47-jähriger Patient kommt am Montag Abend um 20.30 Uhr notfallmäßig in die Praxis. Er gibt an, morgens beim Aufstehen eine Spannung im rechten Knie verspürt zu haben. Das Knie sei geschwollen und gerötet. Schmerzen habe er nur bei Beugung, ansonsten nur ein leichtes Spannungsgefühl. Gelenkerkrankungen, rheumatische Erkrankungen oder eine Hyperurikämie sind bei dem Patienten nicht bekannt. Der Patient vermutet, dass seine Beschwerden damit zu tun haben könnten, dass der in der vergangenen Woche das Badezimmer neu gefliest hat. Dabei kniete er häufig, was eine ungewohnte Belastung für die Kniegelenke darstellte.  

Diagnose, Therapie und Abrechnung

Die Untersuchung ergibt einen normalen Status des Bewegungsapparates. Über dem rechten Knie zeigt sich eine knapp tennisballgroße Schwellung, prallelastisch, nicht druckdolent. Die Haut ist leicht gerötet und erwärmt.  

 

Das Krankheitsbild der Bursitis und die Therapie (Punktion, Schonung, nichtsteroidales Antirheumatikum [NSAR]) werden dem Patienten ausführlich erklärt. Nach der lokalen Anästhesie wird der Schleimbeutel punktiert. Circa 15 ml eines gelblichen, klaren Punktats werden entnommen und anschließend wird eine Kortikoid-Kristallsuspension mit Lokalanästhetikum installiert. Nach Anlegen eines Druckverbandes wird dem Patienten empfohlen, sein Knie zu schonen. Außerdem wird ihm ein NSAR mitgegeben und für den Dienstagvormittag ein Termin zum Verbandwechsel und zur Blutentnahme vereinbart.  

 

1. Konsultation

EBM 

Legende 

GOÄ 

Ziffern 

Punkte 

 

Ziffern 

Punkte 

03111 

145 

Ordinationskomplex 

(1) 

(80) 

–* 

– 

Untersuchung Bewegungsapparat 

160 

01100 

500 

Unvorhergesehene Inanspruchnahme 

B** 

180 

03120 

150 

Beratung, Abklärung 

–*** 

– 

–* 

– 

Kleine Lokalanästhesie 

490 

61 

02340 

125 

Punktion eines Schleimbeutels 

303 

80 

–* 

– 

Verband 

–**** 

– 

–* 

– 

Druckverband 

204 

95 

( ) In Klammer gesetzte Leistungen fallen nach später abgerechneten Leistungen aufgrund von Ausschlussregelungen weg. 
* Diese Leistungen sind nach EBM nicht gesondert berechnungsfähig, sondern gelten mit dem Ordinationskomplex als abgegolten. 
** Die Zuschläge in der GOÄ für Inanspruchnahmen zu besonderen Zeiten sind nur mit dem einfachen Faktor berechnungsfähig. 
*** Die hier entsprechende Nr. 3 GOÄ ist nicht neben Sonderleistungen und nicht neben der Beratung nach Nr. 1 berechnungsfähig und entfällt. 
**** In den Allgemeinen Bestimmungen zu C I GOÄ ist eindeutig festgelegt, dass ein Wundverband zur Abdeckung einer Punktionsstelle nach einer Punktion nicht berechnungsfähig ist, da dieser Bestandteil der Punktion ist und somit die Nr. 200 nicht berechnet werden kann. Ist aufgrund erheblicher Nachblutungen aus der Punktionsstelle oder zur Vermeidung eines erneuten Bursaergusses jedoch ein Druckverband notwendig, so ist dieser neben der Punktionsleistung nach Nr. 204 GOÄ berechnungsfähig. 

 

Beim Anlegen von Wund- bzw. Kompressionsverbänden ist in der Abrechnung nach GOÄ die Erstattung von Auslagen nach § 10 GOÄ zu beachten. Danach gilt: Auch wenn eine Leistung aufgrund von Ausschlussregelungen nicht abgerechnet werden kann (im vorliegenden Beispiel der Verband nach Nr. 200 GOÄ), können dennoch die angefallenen Kosten (Auslagen) in Rechnung gestellt werden.  

 

Am nächsten Morgen wird eine symptombezogene Untersuchung, ein Verbandwechsel und eine Blutentnahme durchgeführt. Letztere dient der Bestimmung der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit, der Harnsäure, des kleinen Blutbildes und der Rheumafaktoren. 

 

2. Konsultation

EBM 

Legende 

GOÄ 

Ziffern 

Punkte 

 

Ziffern 

Punkte 

03115 

35 

Konsultationskomplex 

80 

03120 

150 

Beratung, Abklärung 

– 

– 

– 

– 

Symptombez. Untersuchung 

80 

– 

– 

Druckverband 

204 

95 

Die Nrn. 1 und 5 GOÄ sollten mit der Begründung „hoher Zeitaufwand“ mit einem erhöhten Faktor abgerechnet werden. Die komplizierten Ausschlussregelungen in der GOÄ erlauben nämlich die Berechnung der Leistungen nach Nr. 1 und/oder 5 GOÄ nur einmal im Behandlungsfall neben Sonderleistungen der Abschnitte C bis O GOÄ. Danach müsste bei der 2. Konsultation auf die Leistungen nach den Nrn. 1 und 5 verzichtet werden, da die Beratung nach Nr. 1 schon bei der ersten Konsultation abgerechnet wurde. Die Beratung nach Nr. 3 GOÄ schließt sich neben weiteren Leistungen aus und kann somit auch nicht abgerechnet werden. Als Konsequenz wäre die Beratung nach Nr. 1 in der ersten Konsultation zu streichen. Dadurch sind in der 2. Konsultation die Nrn. 1 und 5 berechnungsfähig. 

 

Labordiagnostik

EBM 

Legende 

GOÄ 

Ziffern 

Euro 

 

Ziffern 

Punkte 

–* 

– 

Blutentnahme 

250 

40 

32042 

0,25 

BKS 

3501 

60 

32120 

0,50 

Kleines Blutbild + Thrombos 

3550 

60 

32066 

0,25 

Kreatinin 

3585.H1 

40 

32064 

0,25 

Harnsäure 

3583.H1 

40 

32065 

0,25 

Harnstoff 

3584.H1 

40 

32128 

1,15 

C-reaktives Protein 

3524 

100 

32129 

0,80 

Rheumafaktor 

3526 

100 

32130 

1,15 

Antistreptolysin (ASL) 

3523 

100 

* Die Blutentnahme ist nach EBM nicht gesondert berechnungsfähig, sondern gilt mit dem Ordinationskomplex als abgegolten. 

 

Die Laboruntersuchung ergibt eine beschleunigte BKS sowie eine leichte Leukozytose. Harnsäure, Kreatinin und Rheumafaktoren sind im Normbereich.  

 

Zur Besprechung der Laborergebnisse und zur Befundkontrolle wird ein weiterer Termin vereinbart. 

 

3. Konsultation

EBM 

Legende 

GOÄ 

Ziffern 

Punkte 

 

Ziffern 

Punkte 

03115 

35 

Konsultationskomplex 

–* 

– 

03120 

150 

Beratung, Abklärung 

150 

– 

– 

Symptombezogene Untersuchung 

80 

* Die hier zu berechnende Nr. 1 GOÄ ist nicht neben der Nr. 3 GOÄ berechnungsfähig und entfällt. 

GOÄ und EBM: Unterschiede bei der Erörterungsleistung

Die Erörterungsleistung im EBM (Nr. 03120) ist nicht nur mehrfach im Behandlungsfall, sondern auch mehrfach an einem Tage berechnungsfähig – und zwar jeweils einmal „je vollendete 10 Minuten“. Somit kann die Nr. 03120 so häufig erbracht werden, wie es medizinisch notwendig ist.  

 

Die Berechnungshäufigkeit der entsprechenden GOÄ-Position Nr. 3 (eingehende Beratung) ist dagegen eingeschränkt und im Behandlungsfall nur mit Begründung mehrfach berechnungsfähig. Allerdings ist festzustellen, dass dieser Begründungszwang immer wieder eine Abrechnungsbremse darstellt.  

 

Praxistipp: Erstellen Sie sich eine eigene Liste gängiger Begründungen. So können Sie schnell und einfach in den Vorteil der mehrfach abzurechnenden Leistungsposition nach Nr. 3 GOÄ kommen.  

 

 

Quelle: Ausgabe 08 / 2006 | Seite 17 | ID 84529