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Fallbeispiel

Behandlung und Abrechnung einer Synkope bei einer 58- jährigen Patientin

Synkopen treten als Folge unterschiedlichsterkardio- oder neurogener Störungen auf und sind häufig dieUrsache einer plötzlich einsetzenden Bewusstlosigkeit.Ausführliche diagnostische und differentialdiagnostischeMaßnahmen sind wegen der zu treffenden therapeutischenKonsequenzen unbedingt erforderlich. Da Synkopen viele unterschiedlicheUrsachen haben können, sind diese mit zunehmendem Alter immerhäufiger zu beobachten.

Ursachen und Typen von Synkopen

Definiert ist die Synkope als einevorübergehende globale Minderdurchblutung, in deren Folge es zueinem Bewusstseinsverlust mit nachfolgendem Sturz kommt. Der Sturzwiederum ist die Folge des nachlassenden Muskeltonus derHaltemuskulatur. Kardiale Ursachen einer Synkope können zum eineneine verminderte Vorlast und zum anderen eine reduzierte Auswurfmengesein. Als neurologische Ursache kann eine autonome Dysfunktion, einakuter Hirndruck oder eine Hyperventilation zur Synkope führen.

Der Unterschied zwischen einer Synkope und einertransitorischen ischämischen Attacke liegt in dem Vorhandenseineindeutiger, wenn auch passagerer neurologischer Ausfälle. DieDiagnostik lässt sich aus den Umständen ableiten, wobeijedoch fast immer auf die Fremdanamnese zurückgegriffen werdenmuss. Eine Synkope direkt nach schnellem Aufstehen oder nach Einnahmebestimmter Medikamente lässt auf eine orthostatische Hypotonieschließen. Langes Stehen, akuter Schmerz oder bestimmte visuelleReize führen zu einer neuro- kardiogenen Synkope (vasovagaleSynkope). Eine rein kardiale Synkope ist nach körperlicherBelastung oder bei Herzrhythmusstörungen anzunehmen, wobei dieseSynkopen ohne Vorboten auftreten. Eine Hyperventilation führtüber die cerebrale Vasokonstriktion zur Synkope – was meistauch die Ursache bei Synkopen in

Konfliktsituationen der Fall ist. Liegen starkeKopfschmerzen oder Erbrechen vor, so kann erhöhter Hirndruck dieUrsache der Synkope sein.

Die entsprechenden ICD-10-Verschlüsselungen können Sie der folgenden Tabelle entnehmen.

Der Fall

Eine 56- jährige Patientin kollabiert imBüro. Für sie wird von Kollegen ein dringender Besuchwährend der laufenden Sprechstunde angefordert. Beim Eintreffenist die leicht übergewichtige Patientin (174 cm, 78 kg) wieder beiBewusstsein. Sie ist sehr blass, ihr Blutdruck beträgt 98/52mmHgbei einer Herzfrequenz von 114/min.

Diagnose

Bei der Anamnese gibt die Patientin an, ihr seiplötzlich nach dem Aufstehen vom Schreibtisch schwarz vor denAugen geworden; außerdem sei ihr ganz warm geworden und sie habeangefangen zu schwitzen. Danach wisse sie nicht mehr, was passiert sei.Ihre Kollegen berichteten, dass sie kurz bewusstlos gewesen ist undwährend dieser Bewusstlosigkeit ihre Arme und Beine gezuckt haben.Nach kurzer Zeit sei die Patientin wieder erwacht und auch rasch wiederorientiert gewesen.

Der Glukosewert liegt bei 106mg%. Befragt nacheventueller Medikamenteneinnahme gibt die Patientin an, außereinem Hormonpräparat würde sie nichts nehmen. NeurologischeErkrankungen, insbesondere Epilepsie, seien nicht bekannt.

Die grobe neurologische Untersuchung sowie diekörperliche Untersuchung ergeben keinen Hinweis auf eineorganische bzw. neurologische Grunderkrankung. Die Patientin wird indie Praxis gebracht; ein EKG wird geschrieben. Während desnachfolgenden Gesprächs berichtet sie über ihrefamiliäre wie auch berufliche Konfliktsituation, was auf einepsychogene Komponente ihrer Synkope in Kombination mit einerorthostatischen Hypotonie schließen lässt.

Therapie und Abrechnung

Nach Flüssigkeitszufuhr und entsprechenderHochlagerung der Beine normalisiert sich die Kreislaufsituationweitgehend. Die Patientin wird für den nächsten Tag zurLaboruntersuchung und Kontrolle einbestellt.

*)Die Wegepauschale nach EBM wird regional und nach Kassen unterschiedlich vergütet.

**)Die hier entsprechende Leistung nach Nr. 3GOÄ ist nicht neben der Leistung nach Nr. 1 und nicht nebenSonderleistungen berechnungsfähig.

*) Die hier entsprechende Leistung nach Nr. 1bzw. eventuell Nr. 3 GOÄ ist nicht neben Sonderleistungen bzw.neben Nr. 1 nur einmal berechnungsfähig, weshalb auf dieseLeistung verzichtet werden muss. Für die Beratung bzw. dastherapeutische Gespräch nach Nr. 804 EBM existieren keineAusschlüsse bezüglich Sonderleistungen, so dass dieseLeistung neben anderen Sonderleistungen auch mehrmalsberechnungsfähig ist.

Erst die eingehende Diagnostik führt zur Ursache der Synkope. Damit ergibt sich die entsprechende Therapie.

Der Patientin werden in einer weiterenErörterung die Untersuchungsergebnisse mitgeteilt. Diese warenalle im Normbereich, so dass sich die Verdachtsdiagnose Synkope aufGrund psychogener Ursache in Kombination mit einer orthostatischenHypotonie bestätigt. Die Notwendigkeit der Konfliktbearbeitungeinerseits und des konsequenten Kreislauftrainings andererseits wirdausführlich dargelegt.

*) Die Leistung nach Nr. 34 GOÄ ist nichtneben der Leistung nach Nr. 1 berechnungsfähig. Sie ist auchbegrenzt auf maximal zweimal in sechs Monaten. Gegebenenfalls –je nach Art der Konfliktberatung – kann Nr. 849 oder Nr. 804GOÄ zum Ansatz kommen.

Mit der Patientin werden weitere Terminevereinbart. Dabei wird die Konfliktsituation bearbeitet undentschärft. Diese Gesprächsleistungen sind nach der Nr. 11EBM bzw. Nr. 804 GOÄ berechnungsfähig. Gegebenenfalls kannanstelle der Nr. 804 GOÄ (psychiatrische Behandlung) die etwasbesser bewertete Nr. 849 GOÄ angesetzt werden, sofern dieBedingungen erfüllt sind (mindestens 20minütigeBehandlungsdauer und psychotherapeutische Behandlung).

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 05/2003, Seite 13

Quelle: Ausgabe 05 / 2003 | Seite 13 | ID 100172